„Ich bin Romy, nicht Sissi…“

Eine emotionale Berg- und Talfahrt geht ab sofort im Schauspielhaus (HAUS DREI) über die Bühne: Julia Gräfner bahnt sich in ihrer Soloperformance „Showgirls“ ihren Weg durch aufwühlende Biografien und das Leiden im Rampenlicht – Ein intensiver Abend.

Ein paar ruhige Minuten gibt es lediglich vor der Vorstellung: Aufgebahrt in einem Sarg liegt Akteurin Julia Gräfner rechts neben dem Eingang und gibt dem Publikum schon einen Vorgeschmack auf den Wahnsinn, der in den nächsten eineinhalb Stunden folgen wird. Startschuss für die pure Eskalation, denn abstruse Szenenbilder werden ab sofort aneinander gereiht. Gräfner als kleiner Skaterjunge mit Roller. Gräfner mit Glitzer speiender Kettensäge. Gräfner liebevoll tanzend mit einem toten Schwan. Zum Leben erwachte Bilder wahrhaftiger Showgirls werden dazwischen gestreut. Romy Schneider, Elizabeth Taylor, Bette Davis, Marylin Monroe. Sie alle müssen herhalten, wenn man dorthin geht, wo es weh tut.

Wo hören die Rollen der Spielmacherinnen auf, wo fängt der Mensch dahinter an und wo täuscht uns unser verklärter Blick? Was hat es mit der Kraft der Tränen auf sich und was bleibt, wenn man Bilder für die Ewigkeit mit dem Filetiermesser behandelt und neue Wesen kreiert? Diese Fragen nimmt sich die mit dem Nestroy Preis ausgezeichnete Julia Gräfner in ihrer Soloperformance an. Rückenwind erhält sie von Robert Lepenik, Kathrin Kristina Liess, Jennifer Weiss und allen voran Cora Frost, mit der Gräfner bereits das Stück „Ich würde alles für die Liebe tun. ich mach’s aber nicht“ erarbeitet hat.

Zugegeben, es ist nicht leicht zu ertragen, wenn Gräfner im Alleingang Stereotype verhandelt, verbal entgleist und die Bühne zerlegt. Gipfeln tut dies stellenweise in Unüberschaubarkeit und genau diese droht den Inhalt im Strudel der Übersteigerung zu verschlucken. Positioniert an der Schwelle zwischen Lärm um des Lärmes willen und dem tragischen Schmerz idealisierter Leitfiguren ist es jedoch allemal interessant Julia Gräfner zuzusehen, denn sie berührt, überzeugt und verstört zugleich. Auch wenn am Ende einige Fragen offen bleiben.

Mehr Informationen gibt es hier: http://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/showgirls

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