Theater am Ortweinplatz: „Zementgarten“

Das Theater am Ortweinplatz (TaO) inszenierte diese Spielzeit ,,Zementgarten“ aus der Feder von Ian McEwan – ein Stück, welches aufgrund seines düsteren Charakters dem Autor den Spitznamen „Ian Macabre“ einbrachte…

Die Handlung ist simple, der Inhalt jedoch nicht leicht zu verkraften: Der Vater ist schon lange tot, von ihm geblieben ist nur das unvollendete Projekt den Garten mit Zement zu versiegeln. Die Mutter ist gerade gestorben. Die vier verbliebenen Kinder Julie, Sue, Jack und Tom haben nun Angst davor nach dem Tod beider Eltern getrennt zu werden, also beschließen sie den Tod der Mutter zu verheimlichen und betonieren die Leiche im Keller ein. Nun versuchen alle, auf ihre Art und Weise, mit dieser Situation umzugehen. Die Illusion einer intakten Familie soll aufrecht erhalten werden, welche es so jedoch nie gegeben hat.

Die Charaktere der vier Kinder unterscheiden sich durch ihre besonderen Persönlichkeiten. Eines hält die Kinder jedoch zusammen, das Band der Familie. Nicht zur Familie gehört der Freund von Julie – Derek. Er zeigt uns, dass eigentlich auch eine „normale“ Welt, außerhalb, existiert. Jedoch dominieren die Regeln und Vorstellungen der kleinen Welt im Haus der Geschwister, denn als Derek das inzestuöse Verhältnis der beiden Geschwister Julie und Jack aufzeigt, wird kein Skandal daraus gemacht, sondern das Verhalten als etwas ganz Normales aufgefasst.

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(c) Nestroy

Die Charaktere, gespielt von Valentin Marsoner, Sebastian Schmid, Anna Weber, Gabriel Zinganel, Erna Zuhric – sind fesselnd und lassen den Zuseher die Düsternis der Situation und die Hilflosigkeit der Jugendlichen authentisch spüren. Im Zentrum der Bühne steht ein Sofa, verkleidet mit Plastik, welches den Eindruck einer Baustelle vermittelt. Das Rascheln der Folie begleitet die Handlung, sowie eine Leinwand auf der Seite, welche die Geschehnisse und Vergangenes aus der Perspektive der Videoaufnahmen von Sue zeigt. Durch die Rückblicke und Erzählungen, welche in die Handlung einfließen, sind die Geschehnisse und Beziehungen zueinander klar. Nur der skandalöse Inzest bleibt etwas außen vor und wird nicht tiefer dargestellt, so bleibt die Frage offen ob es sich nun um puren Sex zwischen zwei Geschwistern handelt, oder um einen Art besondere Fürsorge, welche sich in körperliche Nähe äußert.

Gewiss ist aber: Wenn man als Zuschauer die kleine Welt verlässt und zurück in die Realität geht, bleibt das Gefühl des Staunens über die unglaublich gute Performance dieser jungen Darsteller noch lange hängen.

Mehr Informationen: http://www.tao-graz.at/webpages/57d6ba6a0414151ea0000120

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