GAGA-ismus meets Oststeiermark – die Rabtaldirndln und das Geschäft mit der Liebe

„Schön schiach“ lautet das Motto des Abends, das am Beginn des Stückes  im Schauspielhaus Graz präsentiert wird. Die vier Dirndl aus der Oststeiermark, Marianna, Renate, Sonja und Toni, die mit Hasenmasken und Schianzügen auf die Bühne kommen, haben einen alten Bauernhof geerbt. Jedoch fehlt ihnen dazu der passende Bauer. Denn was ist schon ein Bauernhof ohne Bauer?

Mit Hilfe des Casting-Formates „Dirndl sucht Bauer“ wird der Richtige gesucht und aus den zahlreichen Bewerbern, werden auch drei ausgewählt und auf den Hof eingeladen. Der tüchtige und in der Landwirtschaft schon erfahrene Simon, Hannes der sportliche Macho-Schönling und Robert der sensible und unerfahrene Lehrer mit dem ehrlichen Herzen, sind die Männer für die Dirndl. Die drei werden in zahlreichen Tests auf Herz und Nieren geprüft. Egal ob beim Bier öffnen, beim Traktorfahren, beim Mähen mit der Sense oder beim Hühner fangen. Streitigkeiten und Schwärmereien untereinander bringen die Frauen dazu die endgültige Entscheidung mittels „Fingerhakeln“ zu tätigen. Das Resultat ist eindeutig, Simon und Hannes scheiden aus und Robert ist der vermeintlich glückliche Gewinner.

Was nach einer heiteren und lustigen Geschichte klingt, stellt sich ziemlich schnell als ein Abend im Zeichen des Feminismus heraus. Die sozialisierte Gesellschaft erwartet nun einmal, dass eine Frau einen Mann hat und das zu einem Bauernhof auch ein Bauer gehört. Die Rabtaldirndl geben der Gesellschaft was sie verlangt. Frauen sind schwach und Männer immer stark, ist die weitverbreitete Volksmeinung und wird von den vier illustren Damen belächelt. Mit Tanzeinlagen und Musik von Lady Gaga und Andreas Gabalier im Hintergrund, einer Vorliebe zur Öko-Sexualität bei der große schmutzige Lacken und Regenwürmer einer wichtige Rolle spielen, oder aber auch einer Persiflage auf den Beruf und die Vorbildfunktion der IT-Girls Paris Hilton oder Kim Kardashian wird dargeboten. Untermalt von Videoclips und ständiger Interaktion mit dem Publikum heizen die vier Dirndl ein. Es zeigt sich deutlich, dass die Rabtaldirndl alles andere aber keine Dirndl sind und eine klare Botschaft haben. Vier starke Frauen die in ihrer Bühnenshow deutlich demonstrieren, dass sie keinen Mann brauchen, aber die Gesellschaft es leider verlangt. Die Hasenkostüme vom Anfang, die eine Metapher zu den sexualisierten „Schihaserl“ darstellen, werden dann zum Schluss hin auch gegen die gewohnten Dirndl getauscht.

Doch was wurde aus dem Bauern-Casting Gewinner Robert? Halbnackt und gefesselt wurde der unschuldige und naive junge Mann auf der Bühne dem Zuseher vorgeführt und von dem feministischen Kollektiv (wie sie sich selbst bezeichnen) als Symbol für die Unabhängigkeit der Frauen geopfert.

Ein Abend der in Erinnerung bleibt und vor Augen hält, dass sich die Rolle der Frau in den Köpfen der Gesellschaft und insbesondere in kleinen Dörfern in der Oststeiermark noch nicht verändert hat, sondern lediglich nur ihre Kleidung.

„Schön schiach“ nicht nur eine Geschichte über den Feminismus und das weitverbreitete Rollenbild in der Gesellschaft, sondern auch der Abend.

Foto (c) Christoph Hasenleithner

Weitere Vorstellungen gibt es am 11. Mai um 20:00 Uhr im Schauspielhaus Graz (HAUS ZWEI) Info: Hier klicken

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