Kein Kind von Traurigkeit

Der Wiener Schauspieler Heinz Marecek gastierte mit seinem Programm „Das ist ein Theater!“ im Grazer Schauspielhaus. Das Publikum durfte eine Runde im Souffleurkasten hocken, um so einen humoristischen Blick auf die Welt hinter dem Vorhang zu erhaschen. 

Bekannt durch zahlreiche Engagements an österreichischen Theaterhäusern sowie durch Rollen in Kult-Serien wie Lindenstraße oder SOKO Kitzbühel, machte sich Heinz Marecek  breitenwirksam einen Namen. Der 71 jährige darf auf ein bewegtes Leben im Scheinwerferlicht zurückblicken, doch auch abseits der Bretter, die die Welt bedeuten, weiß er einiges zu erzählen. Viele Geschichten – großes Potenzial – Zeit Bilanz zu ziehen.

Mittels Anekdoten über Weggefährten, würdige Kollegen und solche, die es gerne wären, räumt er mit der romantischen Sicht auf das Theater auf. Lässig und im personalisierten Regiesessel sitzend, zuckert er Anekdote um Anekdote über die Köpf der Zuseher. Angefangen bei Friedrich Torberg (Der Schüler Gerber) bis hin zu Gustav Knuth. Sir Peter Alexander Baron von Ustinov, der nachts vom Geräusch seiner Bronchien wach wurde und irrtümlich für Einbrecher hielt, bekommt gleichfalls sein Fett weg, wie Kritiker Hans Weigelt. Von Käthe Dorsch für seine spitze Zunge geohrfeigt, wird die Story aus einer anderen Perspektive aufgerollt. Sie alle und viele mehr dürfen herhalten, wenn Marecek aus dem Nähkästchen plaudert und als wandelndes Geschichtsbuch das Publikum unterhält.

Im Leben eines jeden Mannes kommt einmal die Stunde der Wahrheit. Und dann heißt’s lügen, lügen, lügen. (Reinhold Häussermann/Schauspieler)

So erzählt er also über die einen, die Don Quijote-artig mit dem Text kämpfen, und über die anderen, denn die haben ihn gar nie gelernt. Doch auch sich selbst nimmt Marecek aufs Korn und erzählt, wie er seinen Eltern schonend beibringen wollte, dass er Schauspieler werden möchte. Geschockt von deren Reaktion (sie waren von der Idee sehr angetan), mussten sie ihn erst dazu überreden, sich am Max-Reinhardt-Seminar zu bewerben. Geklappt hat es trotzdem!

Lange Zeit hat Heinz Marecek Geschichten erlebt und Geschichten gespielt – heute darf er sie erzählen. Egal ob er pikante Details über die Wiener Szene verrät oder den Irrtum bereinigt, Schauspieler würden nur für den Applaus leben. Zuviel Tiefe sollte man sich allerdings nicht erwarten, was nicht heißen soll, dass es für einen heiteren Abend nicht reichen würde. Denn: Selbstsicher sitzt Heinz Marecek im Sattel, lässt eine Pointe die Nächste jagen und das Publikum zumindest erahnen, wie es wirklich ist, das Licht der Bühne zu erblicken.

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