Über unmögliche Kommunikation und toxische Gespräche

Das Performance-Kollektiv „Das Planetenparty Prinzip“ entlarvt in „Klugscheißer“ eine von Besserwisserei geprägte Gesprächskultur und das Scheitern menschlicher Kommunikation, paradoxerweise eingebettet in einen gemütlichen Rahmen, der genau dazu einlädt.

Medias in res: In der Grazer Pizzeria contra punto wird heiter getratscht, bis das Publikum verstummt und alleinig Alexandra Schmidts Anekdote über einen Rülps-Unfall in der Schule im Raum stehen bleibt. Alle Aufmerksamkeit ist nun auf den zentralen Tisch gerichtet, an dem die vier jungen SchauspielerInnen (neben Schmidt Leonie Bramberger, Moritz Ostanek und David Valentek) mit allerlei alkoholischen Getränken und Cola zusammensitzen.

Wieso aber einen Abend damit verbringen, vier jungen Leuten beim Tratschen über peinliche Jugenderlebnisse, Sandstände und Café Latte zuzuhören? Wäre die Zeit nicht bei einem Treffen mit den eigenen FreundInnen besser investiert? Was in den ersten Minuten als hohles Gespräch anmutet, zeigt bald, dass es weit mehr ist: Eine punktgenaue Performance über das Scheitern von Kommunikation nämlich; über Manipulation und tiefgehende Konflikte, die kreativ herausgearbeitet und von den DarstellerInnen sauber umgesetzt wurde.

Vom Hundertsten ins Tausendste

Wo kann man billiger einkaufen, bei Spar oder Billa? Wer hat die besseren veganen Produkte? Was hat es überhaupt mit dem veganen Essen auf sich? Von Fragen wie diesen bahnt sich der Weg zu jenen des gesunden Menschenverstandes, zur Tradition, zur Intimrasur und zu Germany’s Next Topmodel. Anstatt vernünftig zu diskutieren, wird schnell klar, dass jede/r der Vier auf einer konträren Meinung beharrt. Da werden von allen Seiten Studien zitiert, Fakten auf den Tisch geknallt – nicht umsonst trägt das Stück den Namen „Klugscheißer“.

 „So eine Sendung wie Germany’s Next Topmodel kann ich mir total reflektiert anschauen!“ (Alexandra Schmidt)

Und über Umwege geht es weiter zur amerikanischen Politik:

„Den Trump hätt ich am liebsten schon fünf Mal umgedreht.“ (Leonie Bramberger)

Sobald es jemandem zu viel wird, haut er oder sie einfach kurz ab – entweder nach draußen um eine zu rauchen, oder in die Toilette, denn dort wartet Alexander Benke als Oberkellner verkleidet. Wie er die DarstellerInnen mit Teddybär-Umarmungen oder Kondomen versorgt, wird per Video übertragen.

Mit einem pointierten wie auch komischen Schluss entlassen sie das Publikum in einen (hoffentlich) gesprächigen Abend. Die Performance des Planetenparty Prinzips und Regisseurin Victoria Fux ist es definitiv wert, eine Stunde aufs Tratschen zu verzichten und den Worten der jungen SchaupielerInnen zu lauschen.

Weitere Infos und Termine unter: http://planetenparty.at/produktionen/klugscheisser/

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