Improvisieren um Leben und Tod

Immer wieder ladet das Theater im Bahnhof freitagabends zu Jacob Banigans Improsolo Game of Death ein. Mit dabei hat der Kanadier ein Kartenspiel, ein Glöckchen, eine Eieruhr, einen Bassisten und jede Menge Humor.

Der Zuseherraum ist voll, wenn Jacob Banigan den Raum betritt, um das Publikum auf eine ihm noch unbekannte Reise mitzunehmen. Mit zwei kürzeren Aufwärmrunden startet das Programm. Geplant ist dabei nichts, es wird improvisiert – um Leben und Tod. Die Show, die in englischer Sprache stattfindet, unterscheidet sich durch eine Tatsache klar von anderen Improvisationen: Jacob Banigan steht alleine, ohne Schauspielkollegen auf der Bühne und spielt alle seine Charaktere selbst. Durch die Verwendung verschiedener Gestik, Mimik und Akzenten sind diese klar voneinander zu unterscheiden und es macht Riesenspaß dem Kanadier auf der Bühne zuzusehen.

Bei den ersten beiden Runden handelt es sich um kurze Improvisationen, die sich beide durch eine sprachliche Besonderheit auszeichnen: Im ersten Durchgang switcht  Banigan bei ertönen einer Glocke geschickt zwischen Englisch und spanischem Gebrabbel, ohne dabei den roten Faden der Geschichte zu verlieren, der zweite Durchgang wird in Reimform abgehalten. Teils skurrile Reime heben zusammen mit den schrägen Handlungsverläufen der Geschichten die Stimmung im Publikum merklich an. Dem Schauspieler wird immer wieder mit lauten Lachern, Zwischenapplaus und lustigen Zwischenbemerkungen gedankt.

Nachdem alle gut aufgewärmt sind kommt es zum eigentlichen Höhepunkt des Abends: Dem Game of Death. Und so funktioniert‘s: Jacob Banigan bereitet eine Improvisation von ca. 40 Minuten vor. Um Thema und Stimmung für diese festzulegen, dürfen Leute aus dem Publikum drei Wahrsagekarten ziehen. Diese werden gemeinsam interpretiert.  Außerdem wird zusammen mit den Zusehern der Ort des Geschehens festgelegt. Dazu kommen noch zwei Elemente, die dafür sorgen, dass Banigan selbst überrascht werden kann und eine neue Richtung in der Handlung einschlagen muss. Eine Person im Publikum erhält ein Glöckchen. Läutet die Person mit diesem wird eine weitere Karte aufgedeckt und muss ins Spiel mit einbezogen werden. Eine andere Person bekommt den „Eggtimer of Death“, die Eieruhr des Todes, dessen Zeit nach Belieben eingestellt werden darf. Ertönt die Eieruhr muss Banigan unmittelbar eine Person im Stück sterben lassen, egal wo sich die Handlung gerade befindet.

Heraus kommt dabei eine lustige Improvisation über Liebe, Mord und das Leben nach dem Tod. Jacob Banigan führt den Zuseher mit einer Menge Humor durch diese Geschichte. Geschickt wechselt er zwischen den verschiedenen Charakteren, ohne den Zuseher damit auch nur einmal zu verwirren. Außerdem reagiert er auch mit einer Portion Selbstironie, wenn er sich beispielsweise den Namen eines Protagonisten nicht merken konnte („My name is …. I don’t remember now either!“).

Das Publikum lässt sich in die Handlung sichtlich hineinziehen und es regnet tonnenweise Applaus, als der Abend schließlich sein Ende findet.

Mit Game of Death schafft Jacob Banigan einen mehr als unterhaltsamen Theaterabend, bei dem es ihm gelingt alleine eine spannende und überraschende spontane Geschichte auf die Bühne zu bringen und bei dem er im wahrsten Sinne um Leben und Tod seiner Protagonisten spielt.  Sehr sehenswert!

Der letzte Termin der aktuellen Spielzeit (23.6.) ist bereits ausverkauft.

Weitere Infos: http://www.theater-im-bahnhof.com/produktionen/produktion/details/83/e39c84ae5d.html

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