Neuinszenierung von „Der Talisman“: Die Zeit ändert vieles – wenn sie will

Auf der Bühne am Schauspielhaus Graz wird derzeit ein klassisches Nestroy-Stück aufgeführt, das durch etliche Andeutungen aktueller Themen auch den heutigen Zeitgeist trifft.

„Der Talisman“ handelt von Titus Feuerfuchs (Clemens Maria Riegler), der aufgrund seiner roten Haare von der Gesellschaft ausgeschlossen wird. Sein Leben soll sich ausschlaggebend verändern, als er dem Friseur Monsieur Marquis begegnet. Dieser überreicht ihm als Talisman eine pechschwarze Perücke. Die herausragende Performanz des Friseurs, gespielt von Franz Solar, sorgt im Publikum für viele Lacher. Er begeistert durch seine amüsante Gestikulation und dem plötzlichen Wechsel vom französischen Akzent zum wienerischen Dialekt.

der talisman_friseur

©Lupi Spuma

Titus weist die rothaarige Außenseiterin Salmone (Sarah Sophia Meyer) ab, denn mit seinem neuen Talisman im Gepäck hat er Großes vor. Er ebnet sich mit seinem pechschwarzen Haar den Weg von der Gärtnerin Flora (Susanne Konstanze Weber) zur Kammerfrau Constancia (Evamaria Salcher) und kann schließlich sogar die Gnädige Frau des Schlosses (Christiane Roßbach) mit seinem Charme und seinem „schönem Haar“ um den Finger wickeln. Auf seinem irrwitzigen Pfad der Lüge droht seine Maskerade immer wieder aufzufliegen. Schlussendlich wird sein Geheimnis gelüftet und er wieder zum Außenseiter. Durch seinen Onkel soll Titus plötzlich zu einer Menge Geld kommen. Die Frauen, die ihn eben noch wegen seiner roten Haare abgewiesen haben, würden aufgrund des Erbes über seinen Makel hinwegsehen. Er entscheidet sich aber für Salmone, denn sie mochte von Anfang an schon sowohl ihn als auch sein rotes Haar.

der talisman_happy end

©Lupi Spuma

Die Neuinszenierung von „Der Talisman“ unter der Regie von Dominique Schnizer betont im Stück mehrmals den Leitsatz: die Zeit kann vieles verändern – wenn sie möchte. Manche Dinge verändern sich, während andere gleich bleiben. Dasselbe gilt für das Stück: altbekannt sind sowohl der Inhalt der Geschichte als auch Nestroys Wortwitze und Situationskomik. Doch auch frischer Wind wird in das Schauspiel gebracht: Durch scherzhaft-satirische Musikeinlagen, die aktuelle, politische Themen aufgreifen, wird die alte Thematik auf die moderne Zeit ausgelegt. Die Texte der Couplets wurden von Ferdinand Schmalz verfasst und von Bernhard Neumaier musikalisch in Szene gesetzt. Zur Erheiterung des Publikums wird im zweiten Teil der Vorführung die Melodie von „hot ‘n cold“ von der Popsängerin Katy Perry zum Besten gegeben. Die Couplets kritisieren sowohl die Gesellschaft und deren Vorurteile als auch gegenwärtige Politiker, wie Sebastian Kurz. Das Theaterstückt zeigt deutlich, dass die Vorurteile und Haarspalterei der Gesellschaft auch heute noch kein Ende gefunden haben, da der Talisman nach 177 Jahren seine Aktualität keineswegs verloren hat. Auch Sexismus ist ein großer Kritikpunkt der Inszenierung: Bereits zu Nestroys Zeiten hat Salmone davon gesungen, dass es Männer besser haben als Frauen. Wie die Zeit dies nicht verändert hat, wird in der Neuinszenierung mit einer Andeutung auf Trump gezeigt. Salmone singt: „Spielt er den Macker, wird er Präsident.“

der talisman_im schloss

©Lupi Spuma

Kulturbanausen, die bislang noch kein Stück von Nestroy, dem populärsten Vertreter des Alt- Wiener Volkstheaters, gesehen haben, sollte die letzten drei Termine im Juni von „der Talisman“ im Schauspielhaus auf keinen Fall verpassen!

Termine und Tickets sind unter folgendem Link zu finden: http://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/der-talisman#termine

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