Hoch zu Ross – „La Margarita“

Eine barocke Pasticcio-Oper mit Pferdeballett bildete im harmonischen Freiluftambiente bei Schloss Schielleiten das Highlight der diesjährigen Styriarte.

Die Hesperiden (c) Werner Kemtitsch

Die Hesperiden (c) Werner Kemtitsch

 

Eigentlich ist es ja nur eine Generalprobe, bei der das teilweise weit angereiste Styriarte-Publikum als Zuschauer geduldet wird. Denn die eigentliche Hochzeit von Kaiser Leopold I. und seiner Margarita findet erst statt und das bereitet dem Oberhofmeister Wenzel Eusebius Lobkowics so manches Kopfzerbrechen. Dieser übernimmt, gemimt von Dramaturg und Regisseur Thomas Höft höchstpersönlich, die amüsante Leitung durch die nicht ganz unverzwickte Geschichte des Abends. Denn wenn zwei Liebesgeschichten, ein Raub und ein Zweikampf ineinandergreifen und dazu noch ein Musikerkonsorte und eine Pferdekompanie mit von der Partie sind, ist ein Vermittler zum Publikum doch sehr hilfreich.
Auf zwei Tribünen sind die Zuschauer platziert, zwischen Ihnen die „Bühne“ für die Pferde mit den ReiterInnen, stirnseitig finden sich die Musiker vor der Kulisse des Schlosses. Das Bild ist von floralen 2D-Mustern eingerahmt, der barocke Prunk wird durch die effektvollen und aufwendigen Kostüme von Bettina Dreissger vermittelt. Die Kopfbedeckungen reichen von goldenen Discokugeln über Löwenköpfe bis hin zu Irokesenschnitten, man kann sich an den zahlreichen Details in den Gewändern kaum satt sehen.

Leopold I, Margarita und Herkules (c) Werner Kemtitsch

Leopold I., Margarita und Herkules (c) Werner Kemtitsch

 

Auch die Musiker sind in das Konzept miteingebunden und werden als grüne Hüpfer getarnt. Der bunte Augenschmaus fügt sich in das Mischmasch-Konzept der Musik. In einem Pasticcio (zu deutsch „Pastete“) wurden Stücke verschiedenster Barockkomponisten gewählt, die die eigens konzipierte Geschichte zusammenleimen. Und wer könnte mit seiner Spielfreude und Neugier an gewagten Projekten besser zu dieser Veranstaltung passen als die Neue Hofkapelle Graz unter der Leitung von Michael Hell und Lucia Froihofer. Unterstützt durch das Trompeten Consort Innsbruck gestalten sie feierliche, einfach gestrickte Musik genauso wie improvisierte Intermezzi mit dem gewissen „Juchaza“, der zeitweise selbst laut die Nacht schallt.
In die Geschichte eingebautes Nachstimmen und eine geschickte Tontechnik sorgen dafür, dass auch im Freien der Klang nicht zu leiden hat. Die Verstärkung erlaubt es den Sängern ihr Volumen zu sparen, was nach vier Abenden im Freien den Stimmen mit Sicherheit zu Gute kam. Daniel Johannsen bleibt der Styriarte auch in diesem Jahr mit seinem Schmelz treu, Jochen Kupfer singt den König Hesperos mit brummendem Bass und steht im Kontrast zum Altus von Flavio Ferri-Benedetti (Herkules), der vor allem auf kultivierten Klang setzt. Als Personifikation der Musik und Titelgeberin Margarita konnte Julla von Landsberg gewonnen werden, die zwischen den barocken Koloraturen noch Platz für weiche Ruhepole findet.

Kulisse mit Schloss Schielleiten (c) Werner Kmetitsch

Kulisse mit Schloss Schielleiten (c) Werner Kmetitsch

 

Mit sechzehn Pferden aus der Spanischen Reitschule Ungarn Epona wurden fünf Rossballette in die Handlung integriert. Die Choreographie von Dorottya Borsó orientiert sich an historischen Vorlagen, ist aber gleichzeitig bemüht klassische Elemente der modernen Reitkunst miteinzubinden. Die verschiedenen Geschmäcker werden mit unterschiedlichen Figuren bedient. Persönlich gefällt es doch am meisten, wenn die Pferde scheinbar natürlich im Kreis reiten. Eine unglaubliche Ästhetik wohnt dieser Kombination inne, in der die Bewegungen der Reiter eins werden mit jenen der Tiere. Dem Zauber der Hesperiden konnte sich also nicht nur Herkules nicht verwehren.
Das Ziel des Großprojektes ist die „Vergegenwärtigung einer vergessenen Kunstform zwischen Fest, Oper und Reitkunst“, erklärt Festivalintendant Mathis Huber im Programmheft. Und dafür scheut die Styriarte auch keine Mühen! Mit unglaublichem logistischen Aufwand wird der Transport und die Unterhaltung der Gäste nicht nur während der Aufführung, sondern auch im Vor- und Nachhinein sichergestellt. Ob mit Wein am Weiher, 3-Gang-Menü, Musik in der Champagner Lounge oder einem Picknick im Schlosspark ist für jeden Geschmack etwas zu haben, sodass man sich gemütlich und genüsslich auf die großen „Hochzeitsfeierlichkeiten“ einstimmen kann. Die Herausforderungen einer Freiluftveranstaltung wurden nicht unterschätzt und so konnte das Spektakel trotz Regengüssen bei den Aufbauarbeiten, Windböen am Samstag und sicher so manchen anderen Unerwartungen für das Publikum ungestört über die Bühne gehen. Denn so groß der Aufwand, so groß ist die Belohnung! Ein Sonnenuntergang am Wasser, rauschende Blätter und Grillenzirpen, ein bunter Abendhimmel und eine klare Sternennacht als „special features“ machen den Abend zu etwas ganz Besonderem. Alt und Jung waren begeistert, so etwas erlebt man doch nicht alle Tage!

Weitere Informationen zu „La Margarita“ unter:
http://styriarte.com/events/la-margarita/?sti=28622

Das Programmheft findet man online unter:
https://issuu.com/styriarte/docs/la_margarita

Einen Einblick in die Probenarbeit gibt es unter:
https://vimeo.com/190214647

Thomas Höft erzählt und erklärt:
https://vimeo.com/192025223

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