„Oh Parucken! Dir hab ich viel zu danken.“ – Der Talisman

Johann Nestroys Posse ist seit 1840 ein Garant für gute Unterhaltung, die aktuelle Inszenierung des Grazer Schauspielhauses hat jedoch sämtliche Erwartungen übertroffen!

Das rote Haar des Titus Feuerfuchs ist vielen ein Dorn im Auge und erschwert erheblich seine Arbeitssuche. Als er eines Tages jedoch einem sogenannten Marquis das Leben rettet, schenkt ihm dieser zum Dank eine schwarze Perücke. Der Karriere des sozial anpassungsfähigen Titus steht nun nichts mehr im Wege. Die Frauenwelt liegt dem wortgewandten, jungen Herrn mit dem schwarzgelockten Haar zu Füßen und er steigt innerhalb weniger Stunden vom Gärtner bis zum Sekretär einer adeligen Hausherrin auf. Eifersuchtsszenen führen schließlich zur Entlarvung seines Täuschungsversuchs.

Die Posse mit Gesang besteht aus drei Akten. Die Texte der Couplets stammen aus der Feder des Jungautoren Ferdinand Schmalz, der dieses Jahr auch mit dem Bachmannpreis ausgezeichnet wurde und sind dem Genre entsprechend provokant, politisch und greifen aktuelle Themen auf. So wird unter anderem Bezug auf Donald Trump, Lebensmittelintoleranzen, Bürgermeister Nagl und das Murkraftwerk genommen. Der Brückenschlag zur Türkisfärbung der ÖVP sorgte gerade bei diesem Stück für besondere Lacher.

Das Stück karikiert die Oberflächlichkeit, die sich durch sämtliche soziale Milieus zieht und hält der Gesellschaft den Spiegel vor.

Regie führte Dominique Schnizer und als Dramaturgin war Elisabeth Geyer tätig, die beide hervorragende Arbeit geleistet haben. Die Musik stammt von Bernhard Neumaier, der ein breites musikalisches Spektrum integrierte, das für Abwechslung sorgte. Erwähnenswert ist ebenso die Bühnengestaltung von Christin Treunert. Hervorzuheben ist hier besonders die aufwendige Gestaltung des Salons der Kammerfrau, der mit zahlreichen Jagdtrophäen geschmückt war und durch das Übermaß eine ironische Brechung evozierte.

Zu würdigen ist hier jedoch vor allem die schauspielerische Leistung des Ensembles. Die zwei rothaarigen Leidensgenossen Salome, gespielt von Sarah Sophia Meyer und Titus, dargestellt von Clemens Maria Riegler, fallen nicht nur durch ihren Facettenreichtum auf, sondern vermögen auch feine Untertöne zu transportieren. Grandios war die Darbietung von Susanne Konstanze Weber in ihrer Rolle als Flora Baumscheer, die vollends von Titus charmantem Auftritt ergriffen war. Nicht weniger amüsant war Evamaria Salcher als Kammerfrau Constantia, die ihre Eleganz ironisch auf die Spitze trieb und persiflierte. Für herzhaftes Lachen sorgten auch die Reaktionen von Christiane Roßbach als Frau von Cypressenburg auf Titus Schmeicheleien, sowie die komische Darbietung ihrer Tochter Emma, gespielt von Tamara Semzov, deren Mienenspiel einfach köstlich war. Amüsant waren auch Gang und Sprachduktus von Werner Steger, der den Gärtnergehilfen Putzerkern mimte. Franz Solar brillierte als überkandidelter Frisör Monsieur Marquis und changierte zwischen Französischem Akzent und Wiener Dialekt. Die Freude am Spiel war der Besetzung anzumerken und das Publikum dankte mit tosendem Applaus.

Ein großartiges gesellschaftskritisches Stück in einer lustvoll-leichten Inszenierung.

Fazit: Ein Theaterabend, den man nicht so schnell vergisst! Absolute Empfehlung!

Die nächsten Termine finden Sie hier: https://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/der-talisman

Trailer DER TALISMAN: https://youtu.be/eJBNk2ugrTA

©Beitragsbild: Lupi Spuma

 

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