It’s Ragtime!

Eine Koproduktion des Staatstheaters Braunschweig und Kassel bringt das Musical „Ragtime“ an die Oper Graz. Die Premiere – zugleich österreichische Erstaufführung – unter der Leitung von Philipp Kochheim war ein fulminanter Auftakt.

Die Geschichte des Musicals „Ragtime“ ist so bewegend wie gefinkelt: Beleuchtet wird das Schicksal einiger Protagonisten, die aus unterschiedlichen sozialen Gruppen (Upper-Class, Afro-Amerikaner und osteuropäische Einwanderer) stammen und auf eigene Weise den „American Dream“ verfolgen – sei es als Streben nach einer harmonischen Familienidylle, nach gesellschaftlicher Akzeptanz oder nach Reichtum und Wohlstand. Zusätzlich werden einige historische Persönlichkeiten der damaligen Zeit (etwa Henry Ford oder J. P. Morgan) gekonnt in die Geschichte eingebunden.

Ragtime 1Ragtime (c) Werner Kmetitsch

Das Musical geht auf den von E. L. Doctorow im Jahre 1975 geschriebenen (und später zu einem oscarnominierten Spielfilm adaptierten) gleichnamigen Roman zurück, der ganz brilliant die sozialen bzw politischen Um- und Missstände im Amerika des frühen 20. Jahrhunderts thematisiert (gutbürgerlicher Wohlstand vs starke Immigration, zunehmender Rassismus und Radikalisierung). Diese „zerissene“ Gesellschaft spiegelt sich im Titel „Ragtime“ selbst wieder. Der Ursprung dieses Begriffs liegt in der Bezeichnung „ragged time“ („zerissene Zeit“), was wiederum auf das typische Charakteristikum dieses Musikstils – die Synkope – verweist. Leider ist von diesem und auch jenen anderen mitreißenden Rythmen, die gerade für die musikalische Epoche der frühen 1900er Jahre kennzeichnend sind, im Musicalstück überraschend wenig zu hören. So bleibt „Ragtime“ in musikalischer Hinsicht überwiegend dem herkömmlichen Musicalgenre treu.

Dennoch erweisen sich die Lieder als stimmige Melodien, die von beschwingten Tanzeinlagen, einem dynamischen Bühnenbild und großen Emotionen ummantelt werden. Von den beiden Stimmgewalten Dionne Wudu (Sarah) und Monika Staszak (Mutter) über Randy Diamond (in seiner ungeheim berührenden Interpretation des Tateh) bis hin zum äußerst charismatischen Alvin Le-Bass (als Coalhouse) und den zahlreichen hervorrangenden Nebenrollen konnte das brilliante Ensemble durchgehend überzeugen. Ein großes Lob geht auch an die detailtreuen und zeitgemäßen Kostüme.

Ragtime 2Ragtime (c) Werner Kmetitsch

„Ragtime“ wird trotz seiner großen Erfolge generell eher selten gespielt – eigentlich schade, denn es ist nicht nur ein inhaltlich und inszenatorisch gelungenes Meisterstück, sondern es zeigt gerade starke Parallelen zu den Umständen und Geschehnissen unserer Zeit. Ein Musicalabend, der gleichermaßen für Unterhaltung sorgt und zum Nachdenken anregt.

Nähere Informationen zum Stück und zu den nächsten Vorstellungen hier.

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