Eindringliches Liedgut fein vermittelt

Das 8. Kammerkonzert der Grazer Oper bot rare Kostproben aus dem Liedschaffen von Wolf, Mendelssohn Bartholdy und Gottfried von Einem.

Markus Butter (c) Oper Graz

Ein Abend mit zwei vielseitigen Sängern wie Markus Butter und Mirella Hagen und einem bescheiden leidenschaftlichen Pianisten wie Robin Engelen ist ein Glücksfall. Dass dann noch die letzten Strahlen der Abendsonne das Spiegelfoyer beleuchteten, in der sich eine kleine aber sehr aufmerksame Gruppe an Zuhörern am Montag Abend eingefunden hatte, gab der Atmosphäre noch den letzten Schliff. Die drei Musiker schafften es die drei unterschiedlichen Stile von Wolf, Mendelssohn Bartholdy und Gottfried von Einem zu einem Konzert zu konzipieren, das sowohl eindringlich, unterhaltsam als auch wohltuend auf das Gemüt wirkte. Mit Auszügen aus dem Spanischen Liederbuch von Hugo Wolf wechselten sich Sopran und Bariton stets ab und beleuchteten dadurch die verschiedenen Schattierungen von Wolfs Tonsprache aus zwei stimmlichen Perspektiven. Mirella Hagens Sopran ist wunderbar rein und leicht und konnte von ihr selbst an den höchsten Stellen zart geführt werden. Schon in ihrem ersten Lied „In dem Schatten meiner Locken“ kitzelte ihre Stimme neckisch die Ohren des Publikums. Die Botschaft des Stücks „Alle gingen, Herz, zur Ruh“ wusste sie so eindringlich wie lieblich zu vermitteln, dass der Wunsch aufkam, seinem Liebsten über die Wange zu streichen. Auch Markus Butter wusste seine Stimme klug in den Liedern Wolfs einzusetzen. Seine sonst füllig männliche Stimme nahm in „Auf dem grünen Balkone“ eine junge Färbung an, die den verliebten Jüngling der Geschichte perfekt verkörperte.

Robin Engelen (c) Oper Graz

Im zweiten Teil wurden Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy direkt dem Zyklus „Prinzessin Traurigkeit oder Ein Känguruh im Schnee“ von Gottfried von Einem gegenüber gestellt. Hinter dem absurden Titel versteckt sich eine trockene aber äußerst unterhaltsam dargebotene Liebesgeschichte einer Parfumverkäuferin und eines Philosophen nach Texten von von Einems Ehefrau Lotte. Verschiedenste banale Floskeln, etwa „Liebst du mich? -Wie die Gans den Gänserich!“, mischen sich hier mit alltäglichen aber bitter ernsten Problemen eines Paares. Die Vertonung setzt unerwartet Akzente in die Geschichte, die man weniger verstehen als naiv mitfühlen kann. Das Werk von 1992 hinterfragt nicht nur die klassischen Geschlechterrollen, sondern thematisiert auch die plötzliche Scheidung und die folgende Einsamkeit, in die sich beide darstellenden Sänger mit Heftigkeit hineinsteigerten. Engelen gab sich wie gewohnt behände und es ist eine Freude, ihn beim Mitleben der Musik zu beobachten. Eingeflochten in von Einems Liebesdrama aren Duette Mendelssohn Bartholdys aus dem op. 63. Auch hier bildeten die Musiker mit ihren Akzente, dem Fluss und der Abgestimmtheit ein überzeugendes Dreigestirn. Dem schönen Kitsch des simplen „Volkslieds“ kann man sich da schlicht nicht verwehren.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
https://www.oper-graz.com/production-details/spanisches-liederbuch

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