Marek Janowski in Graz

Marek Janowski, der nicht zuletzt aufgrund seiner legendär gewordenen Ring-Aufnahme aus den 1980er-Jahren, zu einem der berühmtesten Wagner-Interpreten der letzten Jahrzehnte zählt, beehrt den Grazer Stefaniensaal. Auf dem Programm, das er mit den Grazer Philharmonikern darbieten wird, finden sich die zwei für ihn wichtigsten Komponisten Beethoven und Wagner.

Die erste Konzerthälfte umfasste zum einen die Ouvertüre zum Fliegenden Holländer bei der Janowski es gelang, die wesentlichen Motive aus Wagners früher Oper aus dessen noch ganz in der Tradition verwurzelten Potpourri-Ouvertüre eindrucksvoll herauszuschälen. Zum anderen bot man das Tristan-Vorspiel und den Liebestod, letzteren wohl bemerkt instrumental, so wie der kritische Wagner-Verehrer Thomas Mann es sich einst gewünscht hatte. Gerade durch das Aufeinanderfolgen von dem Vorspiel mit dem berüchtigten Tristan-Akkord, dessen Nicht-Auflösung die unerfüllte Sehnsucht zum Ausdruck bringt, und dem Liebestod, der schließlich das Versprechen, das das Vorspiel aufwarf, einlöst und die mysteriöse Spannung endlich auflöst, gestaltet sich die erste Konzherthälfte dieses Abends als ausgesprochen ausdrucksvoll.

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Marek Janowski, (c) Felix Broede

Die zweite Konzerthälfte nimmt an Gewicht nicht ab: Das Musikwerk, das sie ausfüllt, ist ausgerechnet Beethovens Eroica, dem Sacre du Printemps des 19. Jahrhunderts, jener Sinfonie, die mit der Sinfonietradition des 18. Jahrhunderts so radikal brechen sollte wie keine Sinfonie zuvor. Bereits der Kopfsatz, der in seinem klassischen Sonatenformschema neben dem Scherzo noch am ehesten den Konventionen Haydns und Mozarts entsprach, zeigt, dass man es mit einer Zäsur in der Musikgeschichte zu tun: Die Proportionen sind verschoben, die gewaltige Durchführung (die in der Wiener Klassik oftmals einen nur untergeordneten Rang einnahm) steht im Mittelpunkt, auch die Coda ist deutlich aufgewertet. Eins steht fest: Hier hat man es nicht mehr mit besinnlicher Unterhaltungsmusik aus dem 18. Jahrhundert, sondern mit einer sich dringlich mitteilungsbedürftigen Bekenntnismusik höchsten Ranges zu tun. Janowski gelingt das Dringlichkeitsbedürfnis des mittleren Beethovens dem Grazer Publikum eindrucksvoll zu vermitteln. Die Grazer Philharmoniker überzeugen dabei, lediglich im Mittelteil des berühmten langsamen Satzes, des Trauermarsches, geraten die Streicher kurz durcheinander.

Nach dem Variationensatz, der die Sinfonie beschließt, bricht tobender Applaus aus. Das Heldisch-Triumphale der Eroica, die ursprünglich Napoleon gewidmet werden sollte, hat überzeugt. Und wer sich noch überzeugen lassen möchte, hat morgen Gelegenheit dazu: http://www.musikverein-graz.at/konzert/9-orchesterkonzert-7/

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