Voodoo-Zauber über Graz

Am Abend des 9. Junis bespielte der Wiener Musiker Voodoo Jürgens im Zuge des 3. Drammatikerinnenfestivals das Grazer Schauspielhaus. Angekündigt war der Auftritt als Solo-Konzert, jedoch erwartete das Publikum eine kleine, aber feine Überraschung.

Das Konzert konnte durch und durch überzeugen, war musikalisch wie humoristisch ein österreichischer Gaumenschmaus. Voodoo Jürgens bewies erneut, wie gut seine mit Musik untermalten Geschichten auch live funktionieren. An diesem Abend konnte er auch zeigen, dass er ein für sich eher ungewöhnliches Ambiente vollkommen für sich gewinnen kann – und zwar mit lässiger Wiener-Strizzi-Manier par excellence.

Das Publikum kannte die Musik von Voodoo Jürgens bereits, immerhin tragen seine Lieder seit seinem 2016 veröffentlichten Debütalbum „Ansa Woar“ Kultstatus. Der Musiker tauchte mit kleiner Verspätung alleine vor heruntergelassenen rotem Vorhang auf, begrüßte das Publikum kurz und bündig und begann sogleich zu spielen. Mit schrullig-poetischen Liedern unterhaltet Voodoo das Publikum auch solo. Jedoch wirkt er ohne Band auf der großflächigen Bühne etwas zurückhaltend, schüchtern und unvorbereitet. Gehört das zur Show? Spätestens nachdem sich für die ZuschauerInnen vollkommen überraschend der rote Vorhang lüftet und sich dahinter eine voll motivierte „Ansa Panier“ befindet, war klar, dass die vorherige Zerstreutheit des Musikers nur gespielt war. Mit seiner Band fühlt sich der Liedermacher sichtlich wohler und gab seine Musik zum Besten. Es prasselten den restlichen Abend musikalische „Packl Hausdetschn“ auf das begeisterte Publikum ein. Gespielt wurden zumeist Lieder der ersten Platte, von der kein Hit ausgelassen wurde. „Gitti“, „Hansi Da Boxer“ und das bei Konzerten obligatorische „Heite Grob Ma Tote Aus“ heizten dem Schauspielhaus ordentlich ein. Erwähnenswert ist hier auch ein Cover von Ludwig Hirsch, welches der Musiker mit bescheidenen Worten ankündigte: „Vielleicht haut´s mich über den Text noch ein bissal drüber, wär auch bled.“ Nur einmal haspelte er über eine Textpassage, es sei ihm verziehen. Ein kleiner Einblick in sehnlich erwartete, neue Musik wurde ebenfalls gewährt und es lässt sich bereits eine Prognose aufstellen: gleichbleibend gut.

„Meine Damen, meine Herrn von Graz bis zum Praterstern…“

Voodoo Jürgens und die Ansa Panier wissen ganz genau ihre tiefgründigen, ein bisschen abgefuckten aber stets liebevollen Texte über Laster, Lüste und Leiden mit perfekt harmonierender Musik zu unterstreichen. David „Voodoo Jürgens“ Öllerer beweist allemal, wie poetisch der Altwienergrind dargestellt werden kann, was besonders in den Liedern „Drei Gschichtn ausn Café Fesch“ und „Tulln“ deutlich wird. Gesucht wird stets das Morbide im Normalen, gefunden wird das Ästhetische im „Schiachen“. Voodoo Jürgens´ Musik zieht alle Altersklassen in ihren Bann; seine Texte über Existenzverzweiflung und die mehr oder weniger leiwande Wiener Beislkultur bilden die ungeschminkte Realität ab. Nicht nur textlich und musikalisch, sondern auch visuell konnten Voodoo und seine Gruppe überzeugen. Die genau zur Musik und den erzählten Geschichten passende legere Kleidung, wie auch der Vokuhila von Voodoo Jürgens und die dazugehörige Tschick zieren ihn und die Ansa Panier und vervollständigen das authentische Gesamtbild der Band.

 

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