Im Stil der Generation von Knautschland

„Gespräch mit Astronauten“ feierte am 12.10. im Schauspielhaus Graz Österreichpremiere und erntete verdient tosenden Applaus. Lebendig, ungemein komisch und manchmal bitterböse.

Der Countdown eines Spaceshuttelstarts wird heruntergezählt und geht in moderne Musik über, die Schauspieler erscheinen auf der Bühne und ziehen eintönige Overalls über ihre bunte Kleidung: Willkommen in Knautschland.

Die Frauen von Knautschland, welches verdächtige Parallelen zu unserer Kultur und Gesellschaft aufweist, haben es nicht leicht. Neben hochkarätigen Jobs, in denen es Karriere zu machen gilt, sollte man nebenbei noch viele Kinder gebären und erziehen, sowie den ganzen Haushalt schmeißen – denn Ehefrau und Ehemann sehen dann doch meist beide ein, dass das eher Frauensache ist. Die können das sowieso besser. Die Verpflichtungen und Leistungen der Frauen werden meist hintenangestellt, da der Mann dann doch die prestigeträchtigeren Erfolge feiern kann, wie beispielsweise eineinhalb Jahre im Weltraum zu verbringen.

Doch Hilfe für die Karriere-Mütter-Hausfrauen von Knautschland naht in Form von jungen Frauen (und manchmal auch Männern) die aus den östlichen Ländern Rostland und Ukulele hierher strömen, um noch etwas zu erleben bevor der Berufsalltag oder die Ausbildung beginnt. Als Au-pairs kommen sie zu den Familien und sollen die gestressten Frauen stützen. Die Vorstellungen der beiden Parteien gehen dabei so weit auseinander, dass es nach der Reihe Konflikte hagelt. Diese einzelnen Auseinandersetzungen werden in kurzen Episoden über den ganzen Theaterabend dargestellt. Das Publikum darf dabei in die verschiedensten Beziehungen zwischen Familien und Au-pairs eintauchen und immer wieder herzlich lachen. Ob sich nun eine Mutter mit den Liebesbeziehungen ihres Gasts nicht abfinden kann, denn sie ist „locker, aber so locker nun auch wieder nicht“, oder Olga aus Rostland es nicht schafft im Haus irgendetwas selbst zu putzen, da die ohnehin schon überarbeitete Gastmutter nichts aus der Hand geben kann, jede Szene beinhaltet ihre eigene Dynamik und Komik.

GESPRAECHE MIT ASTRONAUTEN Ensemble (c) Lupi Spuma_061

© Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

„Gespräch mit Astronauten“ von Felicia Zeller schafft es, die ernste Grundfrage des Stücks, nämlich jene nach der Überforderung der Frauen in unserer Gesellschaft, in den Hintergrund eines humorvollen Schauspiels zu stellen, ohne ihm dabei an Wertigkeit zu nehmen. Dass auch Männer in Frauenrollen hüpfen und Frauen in Männerrollen lässt die Geschlechtergrenzen verschwimmen. Kein einziges Mal schwingt das Stück mit der Moralkeule und schafft es trotzdem seine wichtigen Inhalte an das Publikum zu bringen.

Regisseurin Suna Gürler gelingt es zusammen mit den SchauspielerInnen der Kunstuniversität Graz die Bühne des Haus Zwei in ein buntes Durcheinander zu verwandeln, in dem man nie den Überblick verliert. Das Stück lebt von den jungen SchauspielerInnen, die  geschickt in die verschiedensten Rollen schlüpfen und die Geschichte ohne viel technischen Firlefanz auf der Bühne zu einem greifbaren Erlebnis  machen. Gespannt fragt man sich, wie der Aufenthalt für die  Au-pairs wohl enden wird und wie deren Leben wohl in 10 Jahren, abseits von all dem aussehen wird. Werden sie aus den Fehlern der Gastmütter lernen und sich ihren eigenen Weg durchs Leben suchen, oder verfallen sie doch nur in deren alte Muster? Die Antwort wird geliefert und nicht nur deswegen ist „Gespräch mit Astronauten“ unbedingt einen Besuch wert.

Termine und Infos zum Stück: https://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/gesprache-mit-astronauten

Übrigens: StudentInnen können im Schauspielhaus direkt vor den Vorführungen Restkarten um 5 € erwerben!

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