(C) Ian Whalen

Die Bildgewalt eines Balletts

Die neue Ballettdirektorin Beate Vollack zeigt mit den „Jahreszeiten“ ihre erste große Choreographie an der Grazer Oper. Im Museums-Setting zeichnet sie Szenen aus Haydns Oratorium als in sich abgeschlossene Bilder.

So viel Kostümwechsel ward nie. Wie die gerahmten Bilder, die als Bühnenbild die Wände des Museums zieren, inszeniert Vollack einzelne Momentaufnahmen und steckt ihr Ensemble dafür jedes Mal in eine neue, aufwändige Kostümierung. Die bunten Rokoko-Pärchen etwa eröffnen den Abend, an dem noch Schneeflocken, Wanderer, verführerische Blumen antanzen werden – und Schäfchen, immer wieder Schäfchen.

Mit dem Museums-Setting ist Jon Morrell (Bühne und Kostüme) ein Clou gelungen: Bevor nämlich der (absolut famose!) Chor einsetzt, schieben sich die Gemälde zur Seite und geben den Blick auf die schwarz gekleidete Mannschaft frei. Auch Robert Engelen und die Grazer Philharmoniker machen die „Jahreszeiten“ zu einem sinnlichen Schmaus: Sie verleihen Haydns Oratorium Kraft und Finesse – so sehr, dass die wunderbare Musik das Geschehen auf der Bühne manchmal zu übertönen droht. Gleiches gilt für die wunderbaren Solist*innen Mirella Hagen, Martin Fournier und Neven Crnić.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auf der Bühne deutet Vollack das Libretto oft wörtlich aus: Mimetische Bewegungen geben den Text von Gottfried van Swieten wieder – das verleiht dem Ganzen eine gehörige Portion Humor. Wenn vom „Fisch“ die Rede ist, so zappelt eine Tänzerin über die Bühne. Beinahe lächerlich ist es, wenn die partywütige Vernissage-Meute in knallbunten Outfits die Bühne stürmt und anprostet. Ein Highlight der Ironie ist sicher die Wein-Ekstase im Herbst: In antik anmutenden Togen torkelt das Ensemble durchs Museum, geleitet wird es von Enrique Sáez Martínez als leichtfüßiger und expressiver Baccus. „Es lebe der Wein!“

Vereinte Kräfte

Die stärksten Momente gelingen, wenn das Ensemble seine Kräfte vereint. Zieht das Sommergewitter auf, herrscht die perfekte Symbiose: Die Musik, die Badeanzüge im Mondrian-Stil mit durchsichtigen Regenjacken, die zeitgenössische und aufregende Choreographie mit schönen Linien – und allem voran die grandiose Gruppendynamik, die das Ensemble hier entfaltet. Das hat Sogwirkung!

Das Ende ist keines. Es ist ein Neuanfang. Die Ouvertüre erklingt ein zweites Mal, im Museum wird wieder alles auf Anfang geschoben, damit die neue Saison beginnen kann. Vollack und dem Ballett der Oper Graz ist ein eindrucksvoller Abend mit hoher technischer Qualität gelungen.

Weitere Infos und Tickets hier.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s