(c) Nikola Milatovic

Ein Hypnotiseur auf der Orgel

Fotos: Nikola Milatovic
Der Amerikaner Cameron Carpenter ist der wohl berühmteste Organist der Welt. Mit der „Orgel seiner Träume“, der digitalen Touring Orgel, gastierte er für die styriarte in der Grazer Helmut-List-Halle. Im Gepäck: Eine monumentale Hommage an Johann Sebastian Bach.

„All you need is Bach” heißt Carpenters Programm, gleich wie sein jüngstes Album. Ein Titel der Wahrheit: Wenn man den Heimweg antritt, nachdem man die schwierigsten Präludien, Fugen und Triosonaten aus der Feder von Bach und noch dazu drei fetzige Zugaben gehört hat, dann besteht kein Zweifel: Alles, was Carpenter braucht und was man selbst in dem Moment braucht, ist: Bach.

 

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Aber von vorne: Carpenter macht Orgelmusik zum Event – und zwar im besten Sinne. Alleine seine „Touring Organ“, einzigartig auf dieser Welt, gebaut und entwickelt von ihm selbst und Marshall & Ogletree in Massachusetts, USA, ist ein Anblick: Lautsprecher, Trichter, blinkende Lichter an den riesigen Rechnern – ein Wunder des digitalen Instrumentenbaus. Mit seiner Traum-Orgel reist er um die ganze Erde.

„The purpose of an organ is not to have pipes. The purpose of an organ is to allow me to make you feel something”, sagt Carpenter in einem Interview

Dieser Welt die Orgelmusik wieder näher zu bringen, sie zu entstauben und aus dem sakralen Kontext zu befreien – das ist Carpenters Mission. Der Beginn ist fulminant und stürmisch: Mit dem Präludium und Fuge in D (BWV 532) gibt er den ersten Vorgeschmack auf das, was kommt. Die Füße und Finger tanzen über die Tasten, so schnell, dass sein Spiel einem Ganzkörperworkout gleicht und so wild, dass man sich die überforderten Ohren erstmal daran gewöhnen müssen. Spätestens mit dem nächsten Präludium und Fuge in a-Moll (BWV 543), etwas rhythmischer und beruhigter, hat er es dann geschafft: Eine hypnotische Kraft geht von Carpenter und seiner Orgel aus, in der man sich vollends verliert.

Magisch zart und feinfühlig, kräftig und voller Power – Carpenter kann alles. In der Gigue der von ihm arrangierten Französischen Suite Nr 5. (BWV 816) schüttelt man nur noch mit einem ungläubigen Lächeln auf den Lippen den Kopf: Dieser Mann muss wahnsinnig sein. Ein Erlebnis, das man nicht verpasst haben sollte.

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