Die Faszination um John Dowland

Wer schafft es den Originalklangverfechter Lorenz Duftschmid und die Liedexperimentatorin Agnes Palmisano zusammen zu bringen? John Dowland und die Styriarte!

(c) Nikola Milatovic

Wie gerne erklimmt man an einem frischen Sommerabend in Erwartung schöner Musik den Grazer Schlossberg. Und auch den Musizierenden scheint es, obwohl bereits das dritte Konzert am selben Abend, noch große Freude zu bereiten. Agnes Palmisano verströmte im kessen roten Ledermantel schon mit ihrer angenehmen Sprechstimme eine trauliche Stimmung. Das musikalische Programm drehte sich ganz um den Meister der Renaissance, als dessen große Bewunderin sich auch Palmisano bekundete. Seine ihre Lieblingslieder verleibte sich die österreichische Sängerin mit ihrem Wiener Charme ein. Dabei wird aus „Can She Excuse“ „Es tuat ma lad“, das berühmte „Come Again“ singt sie erst etwas gewöhnungsbedürftig im Original und schmettert es dann in ihrer authentischen Interpretation als „Kumm zu mia!“. Den instrumentalen Teppich legten ihr dabei einerseits das Agnes Palmisano Quartett wie auch das Armonico Tributo Consort. Letzteres untersteht der Leitung von Lorenz Duftschmid, der sein Oktett an der Diskantgambe durch die melancholischen Weiten Dowlands führte. Durch geschickte Verstärkung erfüllte der Gambenklang die Kasematten mit wohliger Wärme. Einzig das geschickte Lautenspiel von David Bergmüller wollte sich auch dem scharf gespitzten Ohr nicht immer erschließen, trotzdem gestalteten sich auch die rein instrumentalen Beiträge zu einem harmonischen Anteil des Abends.

(c) Nikola Milatovic

So divers die beiden Zugänge zu Dowland klingen mögen, hielt es die Musiker doch nicht davon ab, auch Kombinationen ihrer beiden Stile zu präsentieren. „What if I Never Speed“ aus dem „Third Book of Songs” wurde dabei zu einem faszinierenden Hybriden mit fließenden Übergängen vom Original zum Wiener Arrangement. Der reine Saitenklang ging dabei über in die stimmige Mischung aus Schrammelharmonika, Kontragitarre und E-Geige. Während Andreas Teufel und Daniel Fuchsberger an ersteren beiden an den Arrangements mitwirkten und als tiefenentspannte Groover auftraten, nutzte Aliosha Biz an der Geige auch so manchen Augenblicken um, wie man auf Wienerisch vermutlich sagen würde, „richtig å zan fetzen“. Anges Palmisano fügte sich in dieses diverse Konsortium mit weiblichem Charme und taktvoller Zurückhaltung. Herrlich ehrlich konnte man sie etwa in den Abgründen von „Im Finstan möchte‘ i sein“ erleben, verführerisch und kess in „Schatzerl, kumm!“ (Come Away, Come Sweet Love). Und so mancher kluge Satz dieser Ausnahmesängerin soll auch dem Leser nicht vorenthalten werden, und wie das Konzert auch dieses Résumée beschließen.

„Lassts eich nua ned owezaahn,
das hod no nie zu was gfiad!
De Wöd wiad si schon weidadraahn,
und im Heazzn klingt a Liad.“

Weitere Informationen zum Konzert und zur Styriarte unter:
https://styriarte.com/events/in-finstan-moecht-i-sein/?realm=styriarte&sti=71943

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