Lustwandeln in Stübing

Mit ihrem Programm „Sommernachtstraum“ lud die Styriarte in das österreichische Freilichtmuseum mit vielfältigen Stationen.

Citoller Tanzgeiger (c) Nikola Milatovic

Ein für heurige Verhältnisse doch recht lauer Sommerabend wurde den Besuchern des Freilichtkonzertes am vergangenen Wochenende beschert. In fünf sehr diversen Stationen wurde der Traum einer Sommernacht in verschiedenen Facetten besungen, bespielt und belesen. Fehlen durfte da natürlich nicht der berühmte Sommernachtstraum von William Shakespeare, der in der Übersetzung von Rainer Iwersen von Johannes Silberschneider in bunten Bildern geschildet wurde. Auf einem Heuschoberpodium umgeben von Wasser und Schilf, zum Quaken der Frösche und Zirpen der Grillen vollführte der steirische Schauspieler eine Vielzahl an erheiternden Stimmimitationen und plastischer Situationskomik.
Musikalisch lotete man so manche Extreme aus. Eröffnet wurde mit den launigen Citoller Tanzgeigern bestehend aus der Familie Härtel & Friends, die mit Streichern, Harmonika, Tuba und unverwechselbarem Gesang einen sehr schwungvollen und authentischen Startschuss gaben. Zu fein musizierten traditionellen Landlern gesellten sich originelle Volkslieder (urkomisch Vinzenz und Linde Härtel in „Gestern auf die Nåcht“) und selten zu hörende Jodler. Dieses Markenzeichen der Härtels demonstrierte im „‘n Våtan seina“ all ihre familiäre Eingespieltheit, in der einfach alles mitzuschwingen schien.
Von diesen Klängen der Vertrautheit ging es weiter zu den stark umnachteten Posaune-Spielen von Bertl Mütter. In einem aus fünf Akten der selbstverfassten Urkomposition konnte man so manch verqueres Auf und Ab, Zu und Hin an Nacht und Mond erahnen. Der hier vernommene Akt fand einen besinnlichen Schluss mit einer Improvisation über Schuberts meisterhaftes „Du bist die Ruh‘“. Ähnlich experimentell ging es weiter zum Heustadl des schönen Vierkanthofes und dem Studio Dan unter der Leitung von Raphael Meinhart. Das Quintett aus Percussion, Bläsern und Kontrabass gewann Karlheinz Stockhausens „Tierkreis“ mit zwölf Stücken zu den Tierkreiszeichen manch faszinierendes Strukturelement und klangliches Kuriosum ab. Beim Zuhören der hochkonzentrierten und fokussierten Musiker kam aber doch die Frage auf, wann Spielen aufhört und Musizieren beginnt.

Hirundo Maris (c) Nikola Milatovic

Den Abschluss bildete im Schatten des schönen Hanslerhofes das Ensemble Hirundo Maris. Arianna Savall und Petter Udland Johansen erweiterten ihr feinsinniges Duo dabei um die anmutige Figur des Michael Nagy. Der polnische Gitarrist brachte einen unglaublich warmen und subtil präsenten Klang sowie natürliche Eleganz in der Interpretation mit. Das Trio bezauberte mit zarten und innigen Traditionals aus Irland und Europas Norden. Ein Glanzstück war dabei „Lys Nat“ von Edvard Grieg, das die Stimmung einer Polarnacht in Klänge zu fassen sucht. Die unverwechselbar kernige wie leichte Stimme von Petter Johansen fügte sich zu einem zarten Schwader mit dem hellen Harfenspiel von Arianna Savall.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
https://styriarte.com/events/sommernachtstraum/?sti=71989

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