„HIOB“ im Schauspielhaus – Kommt die Botschaft an?

Es ist die Geschichte „eines einfachen Mannes“, die Joseph Roth im gleichnamigen Buch erzählt: „Hiob“ – Das ist Mendel Singer. Ein gläubiger Jude, der im Russland des 20. Jahrhunderts vor viele Prüfungen des Schicksal gestellt wird, und am Ende vor die Frage: Gibt es wirklich einen gütigen Gott? Der ungarische Regisseur András Dömötör wagt sich in dieser Spielzeit an eine Inszenierung des österreichischen Klassikers. 

18. November 2017, 19:30, Haus EINS: Ein Mann steht auf der Bühne. Er trägt einen überdimensional großen Pelzhut, der ihn beinahe grotesk wirken lässt. Eine Frauenstimme erzählt: Es handelt sich um Mendel Singer – Jude, Lehrer, treuer Ehemann, vierfacher Vater. Er ist ein einfacher Mann, vom Leben gezeichnet. Denn sein vierter Sohn, Menuchim, kommt nicht gesund auf die Welt, wie seine anderen Söhne Jonas und Schemarjah und seine Tochter Mirjam. Menuchim leidet an einer Entwicklungsstörung, wodurch es ihm versagt ist, normal zu gehen oder zu sprechen. Doch seine Mutter Deborah glaubt an seine Heilung, nachdem ihr ein Rabi die Genesung des Sohnes vorhersagt. „Der Schmerz wird ihn weise machen, die Häßlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark.“

Und so begleiten wir die Familie Singer auf ihrem Lebensweg, vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des zweiten Weltkriegs. Wir beobachten, wie die Kinder erwachsen werden und aus dem Haus ausziehen möchten. Der ältere Sohn Jonas lässt sich zum Militärdienst einberufen, der mittlere Sohn Schemarjah kann diesem entgehen, indem er nach Amerika auswandert. Der jüngste Menuchim ist jedoch immer noch nicht geheilt und kann nach Jahren als einziges, das Wort „Mama“ sagen. Als Mendel Singer sieht, dass seine Tochter Mirjam Spaß mit Kosaken hat, will er das unterbinden und entscheidet sich, mit seiner Familie seinem Sohn Schemarjah nachzureisen. Dieser ist mittlerweile in Amerika erfolgreich geworden und nennt sich nun Sam. Mendel, Deborah und Mirjam reisen ins ferne Land, Menuchim muss jedoch in Russland zurückbleiben.

An dieser Stelle der Geschichte gibt es einen Cut. Die Charaktere ändern sich, sowie die Erzählweise. Wurde in der ersten Hälfte der Inszenierung auf reduzierte Mittel gesetzt, wird jetzt mit Effekten und Green Screen gearbeitet. Das Bühnenbild am Anfang der Geschichte besteht nur aus einem gelben Zelt, gelben Stühlen und herunterhängenden Lichterketten. Alle Schauspieler tragen schwarz-weiß. Doch aus wenigen Requisiten wird viel gemacht. Die Stimmung kommt rüber. Man fühlt sich ins Russland des 20. Jahrhunderts und in die ärmlichen Verhältnisse der Judenfamilie hineinversetzt. Das erste Mal verändert sich die Stimmung, als die Hinterbliebenen eine Nachricht von Sam aus Amerika bekommen. So kommt auf einmal ein Astronaut vom Himmel. Dieser entpuppt sich als ein Amerikaner namens Mac, der durch die Absurdität der Szene und seiner Sprache für einige Publikumslacher sorgt.

Wiederholt wird dieser Effekt später, als ein Wolkenkratzer, durch sehr viel Nebel untermalt, von oben auf die Bühne gelassen wird. Dieser dient im Weiteren als Green-Screen, denn das Innere des Gebäudes wird auf einem Bildschirm übertragen und somit kann die bunte, bizarre Situation, die die Familie Singer in Amerika erlebt gut nachempfunden werden. Zudem sorgt die Szene nach der Pause erst einmal für eine Auflockerung des Stücks und man hofft, dass es so weitergeht. Doch die Dramatik der Geschichte holt das Publikum doch sehr schnell wieder ein und die Stimmung wird gedrückt. Die Schwäche der Inszenierung liegt eindeutig in der nächsten halben Stunde, die sich stark zieht und gefühlt um einiges hätte gekürzt werden können. Dieses Längen können auch durch das emotionale Ende des Dramas leider nicht wieder gut gemacht werden.

Alles in allem lässt sich über Hiob sagen, dass es eine solide Inszenierung ist, die sowohl mit lustigen als auch mit dramatischen Momenten, das Publikum hin und wieder einfangen kann. Was jedoch nicht geschafft wird, ist, die Aufmerksamkeit zu halten. Kurz gesagt: Der Funke springt nicht ganz über. Positiv hervorgehoben werden muss jedoch definitiv das Bühnenbild und auch die schauspielerische Leistung der Darsteller lässt nicht zu wünschen übrig. Interessant eingebaut wurde zudem die Erzählerin der Geschichte, die gleichzeitig Musik gemacht, gesungen und die kleinen Rollen des Stücks übernommen hat.

Anschauen sollte sich die Aufführung jeder, der sich für die Materie interessiert, da aktuelle Thematiken wie Immigration, aufgegriffen werden, aber auch ebenso kontroverse wie Religion. Mehr Informationen zur Produktion, sowie die Termine gibt es hier.

©Beitragsbild: Lupi Spuma

 

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Gelungener AufTakt zum InTakt

Inklusion – Das ist die Devise des Tanz-, Kultur- und Theaterfestivals InTakt, das 2017 bereits zum zweiten Mal stattfindet. Eine Woche lang steht die Kunst unter dem Stern der Toleranz und Akzeptanz. Am Donnerstag gelang den Tänzern der Ich bin O.K. Dance Company mit ihrer Performance Kein Stück Liebe im Schauspielhaus Graz eine mitreißende Eröffnungsshow. 

Das inklusive Festival will mit Vorurteilen aufräumen und allen Menschen die Chance geben, sich künstlerisch zu beweisen. Dabei ist es egal wo man her kommt, wie alt man ist oder ob eine physische und/oder intellektuelle Beeinträchtigung vorhanden ist. Jeder ist willkommen – dieses Motto spiegelt sich auch im Eröffnungsstück wider: Eine ergreifende Tanzshow erzählt eine Geschichte, die heutzutage jedem ein Begriff ist. Flüchtlinge überfluten das Land. Wohin mit ihnen? „Einfach wieder abschieben“ heißt es vielerseits. Aber ist das wirklich die Lösung?

Beinahe nur durch Tanz und anderen Bewegungen schafft es die Tanzgruppe, bestehend auf elf TänzerInnen mit und ohne Beeinträchtigung die immer noch aktuelle Situation kritisch zu beleuchten. Das Bühnenbild – nur bestehend aus Zeitungen am Boden und einer kleinen Erhöhung am rechten Bühnenrand – unterstreicht den breiten medialen Diskurs rund um diese Thematik. Dramatische Szenen und humorvolle Nummern geben sich die Hand und machen den Abend  zu einer unterhaltsamen Zeit, die jedoch auch zum Nachdenken anregen soll.

Während des gesamten Stücks sieht man, mit welcher Freude die TänzerInnen an die Sache herangehen und wie sehr alle hinter dem Projekt stehen. Dabei kann man mit einem Schmunzeln über die ein oder anderen koordinativen Schwierigkeiten hinwegsehen. Auch der gewählte Soundtrack passt genau zur Performance und lädt zum Mitfühlen und Mitschunkeln ein. Ein Wunsch, der dem Publikum beim fulminanten Finale auch noch erfüllt werden soll. Auf das Happy End folgt noch eine letzte Tanzeinlage bei dem nicht nur die Darsteller, sonder auch die Zuschauer ausgelassen auf der Bühne zu Stayin‘ Alive herumhüpfen dürfen.

Das InTakt-Festival geht noch bis zum 18. 11. und ist in einer Vielzahl der Grazer Spielstätten zu Gast – unter anderem im FRida und FreD oder im TaO! Weitere Informationen zum Programm gibt es hier.

„Es geht um alle da draußen“

Schauspielhaus Aktiv – Eine Initiative die Menschen ans Theater führen soll. Und zwar ohne Barrieren und Restriktionen. Im Schauspielhaus Graz soll jeder die Möglichkeit haben mitzumachen und seine eigenen persönlichen Theatererfahrungen zu sammeln.

Der „place to be“ in Graz: Das Schauspielhaus wird zu einem Begegnungsraum für unterschiedliche Menschen um unterschiedliche Seiten des Theaters zu entdecken. „Schauspiel Aktiv!“ wird erweitert: Das neue Projekt heißt „Schauspielhaus Aktiv!“ und die Grundsätze bestehen vor allem daraus, Teilhabe am Theater zu schaffen, unterschiedliche Menschen einzuladen und die behandelten Themen erlebbar zu machen. Das Leitzitat „Es geht um alle da draußen“ stammt aus den Federn des Autors Thomas Melle und dessen Stück „Bilder von uns“. Das Team besteht aus Viola Novak, Julia Gratzer, Timo Staaks, Nina Häusler (Kontaktdaten siehe unten) und den Theatercoaches Birgit Bischof-Gaig, Stefan Egger und Patrick Fleith.

Mitmachen: Darum soll es bei Schauspielhaus Aktiv! gehen. Dabei ist das Konzept aufgeteilt in Mitschreiben, Mitschauen, Mitspielen und Mitsprechen, Mitlernen. Ein Auszug des Programms wurde auf der Pressekonferenz am 31. 10. Im Schauspielhaus vorgestellt. Großer Andrang herrschte bereits beim Projekt Schauspielklub 14+ und 20+. Dabei wird die gesamte Spielzeit Theatertraining angeboten; außerdem werden 9 Aufführungen gemeinsam besucht. Das Ganze für 180€. Der Schauspielklub ist für die kommende Saison bereits ausgebucht, doch das Angebot ist vielfältig und auch kostenlose Projekte werden angeboten. Beim Gamelab sollen Systeme und Spielregeln selbst gebaut werden und bei der Theaterwerkstatt besteht die Möglichkeit eine Woche lang gemeinsam ein Stück zu erarbeiten.

Aber auch diejenigen, die Interesse an den Produktionen des Haus mitbringen kommen auf ihre Kosten. Beim Theatermittwoch und beim Schauklub gibt es im Anschluss an das Stück noch eine Diskussion, wobei der Schauklub mit einem Abo verbunden ist. Auch beim StudentInnenstammtisch, der in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat entstanden ist, wird dieses Konzept aufgegriffen, wobei hier begrenzte Karten um 5€ pro Person angeboten werden. Für junge Erwachsene, die schreibbegeistert sind oder es noch werden wollen, wird nach wie vor die Nachwuchskritik angeboten, wobei gemeinsam Produktionen besucht werden, über die eine Rezension geschrieben wird. Der letzte Punkt besteht aus dem Mitlernen: Es wird ein Schul-Abo geben, Workshops zu den Inszenierungen, Spielzeitworkshops und vieles mehr.

Die Initiative Schauspielhaus Aktiv! steht unter dem Stern der Barrierefreiheit und soll Verbindungen schaffen. In dem Zusammenhang wird es unter anderem zudem die Schauspielstadt geben, wobei eine Brücke zwischen Theater und der Stadt Graz gebaut werden soll. Das Sprechlabor richtet sich vor allem an Personen, die Probleme mit der deutschen Sprache haben und soll diesen dabei helfen, diese zu überwinden. Das komplette Programm kann man hier nachlesen und Kontaktinformationen gibt es hier.