E lucevan le stelle für Puccinis Tosca

Annemarie Kremer (Floria Tosca), Migran Agadzhanian (Mario Cavaradossi) © Werner Kmetitsch

Giacomo Puccinis „Tosca“ wurde diese Saison in der Grazer Oper wieder aufgenommen und garantiert damit volle Säle. Das italienische Melodramma in drei Akten zeigt die leidenschaftliche Liebe zwischen einem Maler und einer Operndiva. Blutiger Herzschmerz garantiert.

Eine Kirche, die vor Gold nur so strotzt, wird zur neuen Leinwand des Malers Mario Cavaradossi (Migran Agadzhanian). Er zeichnet eine Schönheit, die er kürzlich  beobachtet hat und macht damit seine Geliebte, die Operndiva Floria Tosca (Annemarie Kremer), eifersüchtig. Leidenschaftlich singt das Paar auf der Bühne und verbreitet Gänsehaut. Dem geplanten Stelldichein steht jedoch etwas im Wege: Marios Freund, der politisch verdächtige Cesare Angelotti, ist dem römischen Polizeichef, Baron Scarpia, ins Visier geraten und sucht Unterschlupf. Der Maler hilft ihm und landet dadurch selbst in den Händen der Polizisten. In einem kleinen Verhörzimmer soll Tosca verraten, wo der Gesuchte ist, denn Mario schweigt. Der Maler wird hörbar gefoltert und Tosca bricht zusammen. Baron Scarpia (Jordan Shanahan) bietet einen unmoralischen Tauschhandel an: Ein Vergnügen mit Tosca und Mario ist frei. Die Diva scheint einzuwilligen, doch dann erblickt sie ihre Chance und ersticht den Polizisten eigenhändig. Mario wird dennoch hingerichtet und ihr einziger Ausweg ist ein Sprung von der Engelsburg zu sein.

Das Ende wurde von Regisseur Alexander Schulin etwas verwirrend  gestaltet und  der  erwartete Sprung Toscas bleibt aus. Eine eher unbefriedigende Projektion der fliegenden oder eher schwebenden Tosca ist das Einzige, das man bekommt. Das goldene Bühnenbild von Alfred Peter strahlt prächtig und auch das beklemmend kleine Verhörzimmer präsentiert Toscas Situation hervorragend. Unter der Leitung von Chefdirigentin Oksana Lyniv begleitet das Orchester den Gesang eindrucksvoll.

Ein Klassiker, den man gesehen haben muss. Noch zwei Mal im Juni in der Oper Graz.

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Erzählung aus dem Bauch heraus – WOLF

Es war einmal vor langer Zeit – im Herbst 2017 –  als „WOLF oder Rotkäppchens Entscheidung aus dem Bauch heraus“ Premiere im Next Liberty feierte. Und seitdem war sicher, dass es nicht nur bei einer Vorstellung bleibt, denn auch in dieser Saison erzählt Christoph Steiner das bekannte Märchen ganz oft im Next Liberty Wald!

Die Geschichte des Rotkäppchen ist jedem bekannt und man scheint zu wissen, was auf einen zukommt, doch der Schein trügt. Hier wird keine fade Gute-Nacht-Geschichte à la Grimm erzählt, sondern ein witziges Abenteuer, in dem man mitfiebert und in einem  gewissen Maße mitspielt.

Auf der Bühne steht ein Wald oder besser gesagt stehen mehrere kurze, kleine Baumstämme. Während das Publikum seine Plätze sucht, spielen die vier Musiker vergnügt. Doch da ist noch jemand, der etwas ganz verzweifelt sucht. Er sucht am Boden, sucht am  Balkon, zwischen  dem Publikum und auf der Bühne. Es ist der Erzähler (Christoph Steiner). Bevor der Grund seiner Verzweiflung genannt wird, beginnt er zu erzählen, wie alles begann: Vor langer, langer, langer  Zeit. 

Rotkäppchen, das zu Beginn – ach so bekannte – Sprüche von Müttern zitiert, wird zur Großmutter geschickt. Jedoch wird dies zum Balanceakt, denn der Wolf, dessen Figur herrlich gruselig dargestellt wird, schafft es, das Mädchen durch luftige, runde Blümchen vom Weg abzubringen. In der Zwischenzeit bekommt die (ziemlich fitte) Oma, die von Christoph Steiners Rückseite sehr gut gespielt wird, Besuch vom Wolf. Es ist ja nicht so, als hätte man das Kind nicht gewarnt. Eine schrille Krähe, die auch Fluglehrer ist, rät Rotkäppchen, nicht in den Wald zu gehen. Und ein Maulwurf, der verblüffende Ähnlichkeiten mit einem Knie hat, zeigt nicht nur seine Tanzkünste, sondern versucht das Rotkäppchen mittels Luftballontier zu warnen. Alles hilft nichts, denn nach einem Tango mit der haarigen Omi wird das Mädchen zum Nachtisch. Im Bauch des Vierbeiners finden sich alle wieder. Musiker, Erzähler, Rotkäppchen, Oma und das Publikum stecken alle fest! Doch dann gehen die Türen des Saals auf und alle stürmen hinaus ins Foyer – Freiheit!

Ein besonderes Stück, das nicht nur durch den Wortwitz und den vollen Körpereinsatz von Christoph Steiner unterhält, sondern auch durch die Interaktion mit dem Publikum Jung und Alt vollkommen begeistert.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen sie dieses Stück (bitte) noch lange, lange, lange Zeit!

Inzestuöses Dreiecksverhältnis – Die Enthauptung von Johannes dem Täufer

BILD: Marija-Katarina Jukić (Herodias) © Werner Kmetitsch

Ein Astronom stellt die Konstellation des Universums und damit auch die Macht dreier Figuren in Frage. Wohin ihn seine Kritik führt, ist bekannt: Sie kostet ihm seinen Kopf. Antonio Bononcini kreierte mit seinem Werk „Die Enthauptung von Johannes dem Täufer“ eine Sonderform des Oratoriums, bei dem eine biblische Geschichte in einem liturgischen Rahmen aufgeführt wird. Die Grazer Oper präsentiert diesen italienischen Oper-„Kurzgenuss“ in einer besonderen Umgebung!

Drei machtvolle Figuren stehen auf der Bühne, deren Konstellation von Johannes (hier ein Astronom – gespielt von Feride Buyukdenktas) in Frage gestellt wird. Wie stehen die Planeten zueinander? Herodias, hier Mutter Erde (Marija-Katarina Jukić) ist machtversessen und fühlt sich durch Johannes‘ Kritik bedroht. Durch ihre Marionette, ihre Tochter Salomé (Saba Hasanoğlu), will sie die Enthauptung des Astronoms erreichen. Sie schickt das Mädchen zu Herodes, dem Sonnenkönig und gleichzeitig Salomés Stiefvater, um die  Hinrichtung des Johannes zu erwünschen. Der König (gespielt von Wilfried Zelinka) ist sich seiner Macht nicht bewusst und ist ein Fähnchen im Wind. Er liebäugelt mit seiner Stieftochter und ist bereit, ihr ihren Wunsch zu  erfüllen, um ihr näher zu  kommen. Johannes wird von seinem Assistenten Angelo (Justina Vaitkute) mehrmals gewarnt, jedoch vergeblich und so naht das bittere Ende.

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Wilfried Zelinka (Herodes)
© Werner Kmetitsch

Die Grazer Oper verlegt ihre Bühne für dieses besondere Stück in die Unterkirche der Herz-Jesu-Kirche und bietet dem Publikum damit ein einzigartiges Opern-Erlebnis. Der längliche Raum des neugotischen Baus wird zur Bühne umfunktioniert, wenn die Kirchbänke in der Mitte die drei Poteste tragen. Diese drei Mini-Bühnen sind jeweils mit kabellosen Leuchtstoffröhren umzäunt, die in verschiedenen Farben erleuchten. Das Publikum versammelt sich rund um die Bühne.

Alles beginnt mit dem Einmarsch der musikalischen Unterstützung, die sich ebenfalls rund um die Bühne platziert. Der ersten Ton erklingt und hallt in den Steinmauern wider. Gesang und Musik (unter der musikalischen Leitung von Susanne Scholz) erklingen in diesem Gebäude sehr eindrucksvoll und verbreiten Gänsehaut. Ausgesprochen gut ist Wilfried Zelinka als Herodes, dessen tiefe Stimme im Gewölbe eindrucksvoll widerhallt und die Figur sehr gut darstellt. Nicht nur akustisch, sondern auch visuell beeindruckt das Stück, denn die Kostüme sind aufwendig, detailreich und filigran.  Unter dem vollen Körpereinsatz der Darsteller leidet zwar das ein oder andere Kostüm, jedoch ist es den Einsatz auf jeden Fall wert! Außergewöhnlich ist auch die Nähe zu den Künstlern, die nur wenige Meter vom Publikum entfernt agieren und es durch ihren Blickkontakt wahrlich mit in die Geschichte ziehen.

Eine wunderbare Inszenierung von Juana Ines Cano Restrepo, die auf jeden Fall sehenswert ist! Noch bis Ende Mai zu sehen. Tickets: hier.