Tierische Weihnachten

Bild: Martin Niederbrunner (Ox), Helmut Pucher (Esel) © Lupi Spuma

Die festliche Adventszeit wird im Next Liberty in Graz mit dem Stück „Ox & Esel“ unter der Regie von Natascha Grasser eingeleitet. Das einzigartige Krippenspiel von Norbert Ebel feiert heuer 20-jähriges Jubiläum und gehört zu einer der meistgespielten Weihnachtsstücke, das heuer auch in Graz die Adventszeit versüßt. Zuschauer dürfen Mäuschen in einer hölzernen Scheune unter dem Sternenhimmel von Bethlehem spielen, in der das vermeintliche Jesuskind zwei Stalltieren überlassen wird.

In einer fortschrittlich ausgestatteten Scheune (von Markus Boxler) findet der Ochse (gespielt von Martin Niederbrunner) ein Neugeborenes in seinem Abendmahl. Zu Beginn zeigt das dominante Vieh eine große Abneigung gegenüber dem Kleinem und möchte es loswerden. Sein Mitbewohner, der schusselige Esel (gespielt von Helmut Pucher), bringt es jedoch einfach nicht über das Herz, das Neugeborene vor die Tür zu setzten, denn dort würde es sicherlich im Schnee erfieren. Eine Unruhe bricht in der Stallung aus und es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen den zwei grundverschiedenen Tieren, die manchmal doch sehr harsch miteinander reden. Das Rindvieh, das immer mit dem Kopf durch die Wand will, versucht sich gegen den tollpatschig herzlichen Esel durchzusetzen. Das Tun der Tiere wird stets begleitet von hervorragender Live-Musik des Hirten (der Musiker Conrado Molina), die durch einfallsreiche Techniken beeindruckt.

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Bild: Conrado Molina (Hirte) © Lupi Spuma

Die Beziehung zwischen den zwei Vierbeinern zeichnet sich durch ihre Verschiedenheiten aus und im Laufe des Stückes lernen sie Wesentliches voneinander. Der zunächst leichtgläubige Esel wird vom skeptischen Ochsen zum Hinterfragen von Aussagen gebracht und das kaltherzige Rindvieh entdeckt durch das Maultier seine weiche Seite.

Eine Diskussion zwischen dem männlichen Duo, wer von ihnen nun die Mutterrolle übernimmt, spielt gezielt auf allseits bekannte Stereotypen an. Der starke, männliche Ochse fühlt sich der Vaterrolle zugehörig, jedoch ist der gefühlvolle Esel nicht mit der Rollenverteilung zufrieden und gewinnt durch seine Schläue einen Rollentausch. Schlussendlich wird ihnen jedoch klar, dass es keine Elternrollen gibt, die durch Geschlecht oder bestimmte Eigenschaften getrennt werden. Beide Teile entscheiden sich, ihre Stärken zu vereinen, denn es soll um das Wohl des Kindes gehen und das ist das Einzige, das zählt.

Ein unterhaltsames Stück, das weihnachtliche Stimmung noch bis zum 20. Dezember 2018 in Graz verbreitet.

Tickets unter: NextLiberty.com

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Liebestango oder Fechtduell

Bild: Marc Lamberty (Fred Graham/Petruchio), Katja Berg (Lilli Vanessi/Katharina), Ensemble © Werner Kmetitsch

 

Das Musical „Kiss Me, Kate“ bringt den Broadway nach Graz und verzaubert die BesucherInnen mit Witz, Charme und beeindruckender Performance auf allen Ebenen.

Das im Jahr 1948 in New York uraufgeführte und wohl bekannteste Musical von Cole Porter präsentiert sich in der Grazer Oper als Inszenierung von Lee Blakeley, die bereits im Jahr 2016 am Pariser Theatre du Chatelet große Erfolge verzeichnete.

„Kiss me, Kate“ beeindruckt das Publikum mit einem atemberaubenden und detailreichen Bühnenbild (von Charles Edwards), das eine Bühne auf die Bühne stellt.  Das Musical erzählt, was hinter den Kulissen des amerikanischen Ford-Theaters vorgeht:

Der Regisseur Fred Graham (gespielt von Marc Lamberty) inszeniert Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ und besetzt die Rolle der Kate mit seiner Ex-Frau Lilli (gespielt von Katja Berg). Dies hat jedoch Auswirkungen auf das Stück! Die fast fließenden Übergänge zwischen Schauspiel und Schauspiel im Schauspiel lassen die Welten verschmelzen und nicht nur die ZuschauerInnen sondern auch die SchauspielerInnen verlieren den Überblick über Bühne und Behind-the-Scenes. Die Probleme des ehemaligen Schauspielerehepaars finden so den Weg auf die Bühne und ein Geschlechterkampf beginnt, in dem der Liebestango zum Fechtduell wird. Am Ende hat der Macho Perruchio anscheinend Kate gezähmt, jedoch bleibt offen, ob Lilli zu Fred zurückkehrt.

Die hervorragend gewählten Kostüme (von Brigitte Reiffenstuel) versprühen amerikanischen 50er-Jahre-Flair und harmonieren exzellent mit Musik und Bühnenbild. Besonders die aufwändigen Tanzszenen verbreiten Staunen im Saal und Hattie (Andrea Huber) heizt den Saal so richtig auf, damit es „too damn hot“ wird.

Die Songs waren nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich ein wahrer Genuss und das ein oder andere Lied bleibt sicherlich dem Publikum als Ohrwurm auch nach der Show erhalten.