Der Nussknacker

Das „Austrian Youth Ballet“ gastierte im Next Liberty mit einem der beliebtesten Ballette – dem Nussknacker. In einer ausverkauften Vorstellung wurden die kleinen Gäste durch entzückende Kostüme und wunderbare Tänze verzaubert.

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Der Vorhang bleibt lang verschlossen – Spannung wird mit Musik aufgebaut. Mit dem Aufzug des Vorhangs eröffnet sich ein buntes, lebensfrohes Spektakel. In wundervollen Kleidern und funkelndem Schmuck wird eine Atmosphäre geschaffen, die sehr an diverse Disney-Filme erinnert. Besonders die Augen der kleinen Zuseherinnen beginnen zu leuchten. Das Ballett „Der Nussknacker“ gewährt dem Publikum Eintritt in die Traumwelt Claras, welche einen Nussknacker zu Weihnachten geschenkt bekommt. Dieser wird in ihren Träumen zum Leben erweckt. Tapfer kämpft er mit einer Armee kleiner, tanzender Soldaten gegen den Mäusekönig an. Dieser hat bezaubernde, springende Mäuse auf seiner Seite. Nach dem Sieg verwandelt sich der Nussknacker im Land der Zuckerfee, wo kleine Tänzer in zuckersüßen Kostümen herumtänzeln, in einen wahren Märchenprinz. Nach verschiedenen Tänzen kommt es schließlich zum Finale. Besonders hervorzuheben sind hier der arabische Tanz sowie das Duett, bei denen die Professionalität und das Talent der jungen Tänzer unter Beweis gestellt werden.

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(c) Roland Renner

Das Publikum war von der Leidenschaft, mit der das Ballettstück aufgeführt wurde, hörbar begeistert. Den langen Applaus der gefüllten Reihen haben sich alle Mitwirkenden der Vorstellung hart erarbeitet und wohlverdient. So viele Ballett-Tänzer verschiedener Altersklassen zusammen den Nussknacker aufführen zu lassen und zu koordinieren, erfordert mit Sicherheit viel Geschick, Talent und Geduld. Diese Eigenschaften muss Ekaterina Christou-Lewin, die Leiterin der Tanzschule, wohl besitzen, um die Choreographie zusammenzustellen. Unterstützt wurde das „Austrian Youth Ballet“ von Eleven der „Fachschule für Ballett und Tanz“ und von Gasttänzern.

 „Der Nussknacker“ ist auch für Leute, die nicht allzu große Fans von Ballett sind, durchaus einen Besuch wert. In Graz ist das Ballettstück in dieser Form in diesem Jahr leider nicht mehr zu sehen. Doch ist die Aufführung – oder eine ähnliche – nächstes Jahr erneut im Programm, sollte man nicht zu lange zögern, um Karten zu kaufen, bevor es keine mehr gibt.

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Der Traum vom neuen Menschen

In „Kinder der Sonne“, das zurzeit in Haus 2 des Grazer Schauspielhauses zu sehen ist, wird das Drama des russischen Autors Maxim Gorki bearbeitet. Studierende der Kunstuniversität Graz verwandeln sich in einen pastellfarbenen Haufen aus exzentrischen Figuren und beweisen ihr Potential als Schauspieler.

 

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(c ) Lupi Spuma

Der Regisseur und Autor Pedro Martins Beja entlehnt Teile der Handlung und die Figuren aus dem Drama Maxim Gorkis, in dem der russische Choleraaufstand von 1892 thematisiert wird. Beja versetzt das Drama in eine Zukunft, in der Chaos und Unruhe vorherrschen.

Im Zentrum steht Pawel, ein junger Wissenschaftler, der von der Vision vom „neuen“ Menschen regelrecht aufgefressen wird. Seine Zeit opfert er vollkommen für sein Projekt auf: das Schaffen eines roboterähnlichen Wesens, das als Mensch programmiert werden soll. Kein Wunder, dass sich seine Frau Jelena benachteiligt fühlt. Diese verkriecht sich in ihre eigene kleine Welt, in ihr märchenhaftes Gewächshaus. Dass sich die Welt nicht drinnen, sondern draußen abspielt, weiß zumindest Melanija, die sich unsterblich in Pawel verliebt hat und diesem als Mäzenin dient. Am liebsten würde sie ihm jederzeit zur Seite stehen. Als Hausfrau, Dienerin, Sklavin. Was macht es schon, Sklavin zu sein, wenn man dafür gleichzeitig Königin sein kann? Von dieser Einstellung hält ihr Bruder Boris, ein Tierarzt, gar nichts. Dieser zieht lieber mit einem Maß an Zynismus über Pawel und alle Menschen her. Lisa, die Schwester Pawels, wird völlig von ihren Gedanken eingenommen und kritisiert die Menschen im Allgemeinen. Im Zentrum ihrer Kritik steht jedoch Jegor. Dieser ist eine aggressive und gewalttätige Figur, der im Inneren eigentlich nur geliebt werden möchte.

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(c) Lupi Spuma

Die sehr verwirrende Figurenkonstellation fügt sich im Laufe des Stücks wie ein Mosaik zusammen. Mit der Zeit wird erkenntlich, wer in welchem familiären Verhältnis zu wem steht; wer wen liebt und wer wen nicht. Romantiker kommen in der Aufführung nicht auf ihre Kosten. Pawel liebt Jelena. Jelena ihn nicht. Melanija liebt Pawel. Pawel sie nicht. Boris liebt Lisa. Lisa möchte sich von ihm nicht lieben lassen. Zu der ohnehin schon komplizierten sozialen Situation kommt dann noch eine prekäre naturgegebene Situation hinzu. Alles endet im Chaos.

Die speziellen Frisuren und hellen Kostüme schaffen kunstvolle Figuren auf der Bühne. Das Bühnenbild ist trotz minimalistischer Grundlage eindrucksvoll. Gut gewählte Showeffekte bieten den Augen ein kleines Spektakel. Das Stück führt in ein philosophisches Gedankenwirrwarr, in dem über den Wert des Menschen und der Möglichkeit eines künstlichen, perfekten Menschen diskutiert wird. Ist der Mensch eine Bestie? Ist der Mensch gut? Sollte er durch einen neunen Menschen ersetzt werden? Aber was ist dann mit den alten Menschen? Die sehr emotional aufgeladenen Themen werden weniger von den Figuren miteinander besprochen – vielmehr schreien sie aneinander vorbei.

 „Kinder der Sonne“ lädt dazu ein, sich der Diskussion über die Existenz des Menschen hinzugeben. Die Aufführung kann noch bis Ende Jänner im Schauspielhaus besucht werden.

 

Eine Reise ohne Reisepass

Ein Theaterstück, das in einem Umschlag umhüllt um die Welt reist, ist im Schauspielhaus Graz angekommen. Die Schauspieler, die sich an die Aufführung des Stückes heranwagen, stellen sich einer Aufgabe, die ein großes Improvisationsvermögen abverlangt. Vera Bommer geleitete das Stück von Haus Eins in Haus Drei und begeisterte das Publikum.

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(c) Lupi Spuma

„Wir haben uns nicht gesehen, aber irgendwie sind wir uns doch begegnet.“ Der iranische Autor Nassim Soleimanpour begegnet derzeit Menschen aus verschiedenen Ländern – irgendwie zumindest. Denn nicht er reist um die halbe Welt, sondern das aus seiner Feder stammende Stück „Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“. Dadurch hat er einen Weg gefunden, zu reisen, auch wenn ihm selbst dies aufgrund eines nicht vorhandenen Reisepasses verwehrt bleibt. Durch das Stück trägt er seine Gedanken über Staatsgrenzen hinweg und spricht unterschiedliche Menschen direkt an. Vorgetragen wird das Stück jeweils von einem Schauspieler, der das Stück selbst bis zum Zeitpunkt der Aufführung nicht kennt.

Den Mut, sich dieser Aufgabe zu stellen, hat in Haus Drei im Grazer Schauspielhaus als Erste Vera Bommer gefasst. Nachdem das Stück bereits in Haus Eins das Publikum begeisterte, finden nun weitere Vorstellungen in Haus Drei statt – jeweils mit anderen Schauspielern natürlich. Sichtlich nervös öffnet Bommer den roten Umschlag, in dem sich der Text des Theaterstücks befindet. Mit Humor und Charme beweist sie ihr Talent zu improvisieren. Dabei verbirgt das Stück ein paar Aufgaben – wie etwa das Nachahmen von Krähengekrächze oder Straußenbewegungen, die sie mit Bravour meistert. Dabei bekommt sie Unterstützung aus den Publikumsreihen. Publikumsgäste werden zu roten Kaninchen, weißen Kaninchen und Bären.

Soleimanpour zeigt mit seinem Stück, wie sehr die Vergangenheit die Zukunft formt und die Zukunft eigentlich die Vergangenheit ist. Die Aufführung regt zu einem Überdenken von Vorurteilen an. Wie werden Stereotypen und Vorurteile gebildet? Wie existieren diese und schaffen es, über Generationen bestehen zu bleiben? Wie sehr wird das Handeln der Menschen durch diese beeinflusst?

Das Stück, das mit einfachen Mitteln aufgeführt wird, ist alles andere als einfach. Es ist vielmehr ein tiefgründiges soziales Experiment, mit dem sich der iranische Autor ein Sprachrohr geschaffen hat, das hoffentlich noch in viele weitere Länder getragen wird. Mit Vera Bommer bekam das Stück eine würdige Premiere. Weitere Aufführungen finden im Haus Drei am 14.11. mit Sarah Sophia Meyer und am 25.11. mit Benedikt Greiner statt.