BRAHMS UND SCHUBERT

Im Grazer Stefaniensaal bot der Musikverein Graz am 29. März ein kammermusikalisches Programm mit großem Namen: Midori. Die japanische Stargeigerin spielte gemeinsam mit dem Philharmonischen Sextett Wien Brahms‘ zweites Streichsextett in G-Dur sowie Schuberts ungleich populäreres Streichquintett.

Das Streichsextett in der ersten Hälfte wurde souverän geboten. Es war kein musikalisches Vordrängen der bekannten Violinistin spürbar. Alle sechs Musikerinnen und Musiker waren gleichwertig. Lediglich eine Stelle blieb unschön in Erinnerung: als einer der beiden Cellisten den Übergang der Durchführung zur Reprise etwas zu grob nahm. Doch weitestgehend war, was das Sextett bot, in Dynamik und Phrasierung überzeugend und begeisterte das Grazer Publikum.

MIDORI

MIDORI – (c) Timothy Greenfield-Sanders

Nach der Pause spielte man Schuberts Streichquintett: ein Spätwerk, das Schubert bloß wenige Monate vor seinem Tod komponierte. Vor allem der langsame zweite Satz des Quintetts erlangte Bekanntheit. Während seiner berühmten pizzicato-Begleitung in den Außenteilen konnte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Nach dem flotten Rondo, das in seiner Kompositionsstruktur etwas unorigineller ausfällt als die restlichen drei Sätze, kam es zu tobendem Applaus. Das Publikum zeigte sich von den Musikerinnen und Musikern begeistert. Man hofft auf ein baldiges Wiedersehen!

Für Musikinteressierte sei auf die kommende Saison 2017/18 des Grazer Musikvereins hingewiesen, die kürzlich veröffentlicht worden ist: http://www.musikverein-graz.at/konzerte/

 

 

3. Liederabend (Musikverein Graz)

Ein Liederabend mit Weltstar Piotr Beczala und Helmut Deutsch am Flügel ging am Samstagabend im Grazer Musikverein mit standing ovations zu Ende. Eine Rezension zum Konzert.

Piotr

Piotr Beczala (credits go to Johannes Ifkovits)

In der Kleinen Zeitung schrieb Beate Frake in ihrer Rezension zum dritten Liederabend des Musikvereins Graz: „Klang Beczalas prächtiger Tenor in ‚Dichterliebe‘ anfangs noch etwas gepresst – eine kleine Indisposition mochte auch der Grund für kaum merkbare Anspannung des Sängers sein -, erschien der Zyklus doch durchgeformt, präzise artikuliert und mit steigender Dramatik.“ Damit hat Frake das Wesentliche zur Sprache gebracht, denn „gepresst“ klang Beczalas sonst so große Tenorstimme in der ersten Hälfte des Liederabends tatsächlich. Doch gab es dafür einen Grund: So gab Beczala im Anschluss an das Konzert bekannt, er hätte unter dem Einfluss von Antibiotika gesungen. Wie Frake allerdings auch schreibt, hat Beczala sich gesteigert: Sowohl innerhalb des Zyklus als auch innerhalb des Konzerts im Allgemeinen. Die zweite Konzerthälfte mit polnischen, tschechischen und russischen Liedern von Mieczyslaw Karlowicz, Antonín Dvorák und Sergej Rachmaninov bestritt der gebürtige Pole Beczala mit mehr Schwung und Überzeugungskraft als noch in der „Dichterliebe“ der ersten Hälfte. Aber auch im Schumann’schen Zyklus gab es Höhepunkte: Vor allem die zarten leisen Lieder wie das berühmte Eröffnungslied „Im wunderschönen Mai“ oder „Hör‘ ich das Liedchen klingen“ brachte Beczala mit großem Einfühlungsvermögen hervor. In „Ich grolle nicht“ hingegen gelang Beczala alles, nur kein Grollen. Auch Helmut Deutsch wirkte gerade bei diesem Lied in der Begleitung sehr fade. Jedoch nicht immer war sein Spiel uninspiriert. In Lied Nr. 13 „Ich hab‘ im Traum geweinet“ entschied er sich dazu, Beczala die erste Strophe unbegleitet vortragen zu lassen. Der Effekt gab ihm für diese doch sehr eigenwillige Abweichung von der Partitur recht!

Alles in allem hat der Abend große Unterhaltung geboten. Man darf hoffen, dass Beczala uns auch künftig in Graz beehren wird!

An dieser Stelle sei außerdem auf die heute präsentierte Saison 2017/18 des Grazer Musikvereins verwiesen. Wieder finden sich spannende Liederabende im Programm, u.a. mit Simon Keenlyside oder René Pape: http://www.musikverein-graz.at/konzerte/

Roméo et Juliette

Es ist kurios, dass gerade zwei der berühmtesten Bühnenwerke der Weltliteratur von den großen Opernkomponisten nahezu gänzlich unbeachtet geblieben sind. Der Franzose Charles Gounod hat sich beider angenommen. Während Goethes Faust sowohl von Liszt als auch Wagner in sinfonischen Arbeiten aufgegriffen worden ist, hat sich als Oper von Weltrang lediglich jene Bearbeitung von Gounod auf den Spielplänen internationaler Opernhäuser gehalten. Ähnlich verhält es sich mit Shakespeares Romeo und Julia: Weltberühmt gilt Prokofjews Ballett, doch als Oper kennt man heute fast nur noch jene von Charles Gounod.

Diese wurde nun in einer schlichten, klassischen Inszenierung in der Oper Graz zur Aufführung gebracht. Klassisch bedeutet: Keine Sonnenbrillen oder Jogginghosen wie im modernen Regietheater unangenehmer Weise viel zu häufig eingesetzt. Stattdessen eine Szenerie, die zwar weit weg ist von der italienischen Renaissance, aber durch eine kunstvolle Transponierung ins anbrechende zwanzigste Jahrhundert auf jene Ernsthaftigkeit Wert legt, die in zahlreichen Oper-Graz-Inszenierungen leider oft vermisst wird.

romeo-et-juliette

(c) Oper Graz

Die musikalische Darbietung muss als solide gewertet werden. So sehr die Mitwirkenden und vor allem das Titelpaar darum berühmt sind, technische Qualität zu bieten, geht eine wesentliche Komponente des Werkes verloren: Die Leidenschaft. Der Funke einer unbedingten Liebe geht auf das Publikum nicht über. Vermutlich ist die Szenerie dafür dann doch zu steril und fade. Auch das – mit Verlaub – nicht ganz klischeebefreite Kerzenmeer kommt gegen die phlegmatische Natur des Abends nicht an.

Für Unentschlossene, sei der weltberühmte Walzer Je veux vivre empfohlen. Hier in der Interpretation der wahrscheinlich größten deutschen Sopranistin der Gegenwart:

Sämtliche Termine sind abrufbar unter:

http://www.oper-graz.com/production-details/romeo-et-juliette