Michael Köhlmeier in Graz

Zum 10-jährigen Bühnenjubiläum im Grazer Schauspielhaus gastierte Michael Köhlmeier, wie mittlerweile Tradition, am 26. Oktober auf der Hauptbühne des Grazer Schauspielhauses (in manchen Jahren war es auch der 25. oder 27. Oktober, doch die Orientierung am Nationalfeiertag hat sich gehalten).

Michael Köhlmeier ist vielen bekannt als Schriftsteller, doch auch seine in den 1990er-Jahren entstandenen Aufnahmen für den Radiosender Ö1, in denen Köhlmeier mit seiner sanft-anmutigen Stimme dem interessierten Publikum über griechische Mythologie erzählte, sind bis heute legendär. Mit gerade jenen Mythen erzählte Michael Köhlmeier – als Referenz auf seinen allerersten Auftritt im Grazer Schauspielhaus vor zehn Jahren – auch am vergangenen Freitag über griechische Mythen – von Europa und dem Stier über Daedalus und Ikarus bis hin zu der Odysee, der laut Köhlmeier „schönsten Liebesgeschichte der griechischen Mythologie“.

Michael Köhlmeier

Michael Köhlmeier – (c) Udo Leitner

An der rhetorischen Begabung von Michael Köhlmeier besteht kein Zweifel: Kaum jemand kann über zwei Stunden so spannend, so talentiert und vor allem so frei erzählen wie Michael Köhlmeier, der zudem mit einer ungemein weichen angenehmen Stimme gesegnet ist. Was Köhlmeier aber außerdem interessant macht, ist zum einen sein Humor und zum anderen seine Interpretationen von Mythen. Köhlmeier erzählt nicht nur, er deutet auch: So wird der Mythos um Ikarus und seinen Sohn, den immer höher hinaus wollenden und schließlich an der Sonne verbrennenden Daedalus zur Allegorie von der stürmischen Jugend und dem vorsichtigen, gemächlichen Alter. Gerade durch solche Deutungen wird Altbekanntes in den Erzählungen von Köhlmeier neu beleuchtet und es kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf.

Man darf sich also darüber freuen, dass Michael Köhlmeier uns auch in Zukunft hier in Graz beehren wird!

https://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/michael-kohlmeier-erzahlt-sagen-der-griechischen-mythologie/

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Daniil Trifonovs Graz-Debüt

Daniil Trifonov gastierte am vergangenen Freitag im Grazer Musikverein. Es war das Graz-Debüt des russischen Klavierstars.

Die Zeiten, in denen Musikwettbewerbe über die Karriere von Musikerinnen und Musikern bestimmt haben, ist zwar nicht endgültig vorbei, aber die Bedeutung, die man Wettbewerben in vergangenen Generationen zugesprochen hat, scheint heute angesichts der Pluralisierung der Musikbranche obsolet. Bei Daniil Trifonov sieht es anders aus. Den Startschuss seiner Karriere verdankt Trifonov den Preisauszeichnungen bei den prestigeträchtigsten Klavierwettbewerben der Welt: dem 3. Preis beim Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau (2010) und schließlich dem ersten Preis beim nicht weniger bedeutenden Moskauer Tschaikowski-Wettbewerb (2011). Dass es auch andere Pianisten gibt, die ähnliches erreicht haben, von denen man heute aber kaum noch hört, spricht allerdings dafür, dass Trifonov seine Karriere nicht ausschließlich seinen Preisauszeichnungen zu verdanken hat. Trifonov ist eine Ausnahmeerscheinung, die auch sogleich einflussreiche Befürworter gefunden hat. Martha Argerich meinte einmal, Trifonov hätte „alles und noch mehr“.

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Daniil Trifonov – (c) Dario Acosta, Deutsche Grammophon

In Graz stellte Trifonov diese Einschätzung fulminant unter Beweis: Während Trifonov in der ersten Konzerthälfte Beethovens Sturm-Klaviersonate (im übrigen ist diese nächsten Sonntag noch einmal im Musikverein zu erleben, wenn Daniel Barenboim ebenfalls sein Graz-Debüt geben wird) und Schumanns Bunte Blätter-Zyklus sowie zwei lose gebliebene Sätze der beiden Komponisten präsentierte, interpretierte Trifonov in der zweiten Konzerthälfte Prokofjews achte Klaviersonate. Bei aller technischen Brillanz mit der Trifonov Beethoven und Schumann spielte: Man muss ehrlicherweise vielleicht doch sagen, dass es auch einige andere Pianisten gibt, die diese technische Brillanz beherrschen. Doch während die Einzigartigkeit, die man Trifonov gerne anpreist, hier noch etwas gefehlt hat, schien bei Prokofjew plötzlich kein – polemisch ausgedrückt – austauschbares Talent mehr am Werk zu sein, sondern ein hoch-originelles, hoch-individuelles Tastengenie. Der tobende Applaus, der auf den besonders effektvollen Schluss der Sonate einsetzte, war daher absolut gerechtfertigt und wurde hoffentlich von Herrn Trifonov als Ermutigung aufgefasst, uns im Grazer Musikverein noch viele weitere Male zu beehren.

Der Seite der Veranstaltung ist unter folgendem Link abrufbar: http://www.musikverein-graz.at/konzert/1-solistenkonzert-4/

Marek Janowski in Graz

Marek Janowski, der nicht zuletzt aufgrund seiner legendär gewordenen Ring-Aufnahme aus den 1980er-Jahren, zu einem der berühmtesten Wagner-Interpreten der letzten Jahrzehnte zählt, beehrt den Grazer Stefaniensaal. Auf dem Programm, das er mit den Grazer Philharmonikern darbieten wird, finden sich die zwei für ihn wichtigsten Komponisten Beethoven und Wagner.

Die erste Konzerthälfte umfasste zum einen die Ouvertüre zum Fliegenden Holländer bei der Janowski es gelang, die wesentlichen Motive aus Wagners früher Oper aus dessen noch ganz in der Tradition verwurzelten Potpourri-Ouvertüre eindrucksvoll herauszuschälen. Zum anderen bot man das Tristan-Vorspiel und den Liebestod, letzteren wohl bemerkt instrumental, so wie der kritische Wagner-Verehrer Thomas Mann es sich einst gewünscht hatte. Gerade durch das Aufeinanderfolgen von dem Vorspiel mit dem berüchtigten Tristan-Akkord, dessen Nicht-Auflösung die unerfüllte Sehnsucht zum Ausdruck bringt, und dem Liebestod, der schließlich das Versprechen, das das Vorspiel aufwarf, einlöst und die mysteriöse Spannung endlich auflöst, gestaltet sich die erste Konzherthälfte dieses Abends als ausgesprochen ausdrucksvoll.

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Marek Janowski, (c) Felix Broede

Die zweite Konzerthälfte nimmt an Gewicht nicht ab: Das Musikwerk, das sie ausfüllt, ist ausgerechnet Beethovens Eroica, dem Sacre du Printemps des 19. Jahrhunderts, jener Sinfonie, die mit der Sinfonietradition des 18. Jahrhunderts so radikal brechen sollte wie keine Sinfonie zuvor. Bereits der Kopfsatz, der in seinem klassischen Sonatenformschema neben dem Scherzo noch am ehesten den Konventionen Haydns und Mozarts entsprach, zeigt, dass man es mit einer Zäsur in der Musikgeschichte zu tun: Die Proportionen sind verschoben, die gewaltige Durchführung (die in der Wiener Klassik oftmals einen nur untergeordneten Rang einnahm) steht im Mittelpunkt, auch die Coda ist deutlich aufgewertet. Eins steht fest: Hier hat man es nicht mehr mit besinnlicher Unterhaltungsmusik aus dem 18. Jahrhundert, sondern mit einer sich dringlich mitteilungsbedürftigen Bekenntnismusik höchsten Ranges zu tun. Janowski gelingt das Dringlichkeitsbedürfnis des mittleren Beethovens dem Grazer Publikum eindrucksvoll zu vermitteln. Die Grazer Philharmoniker überzeugen dabei, lediglich im Mittelteil des berühmten langsamen Satzes, des Trauermarsches, geraten die Streicher kurz durcheinander.

Nach dem Variationensatz, der die Sinfonie beschließt, bricht tobender Applaus aus. Das Heldisch-Triumphale der Eroica, die ursprünglich Napoleon gewidmet werden sollte, hat überzeugt. Und wer sich noch überzeugen lassen möchte, hat morgen Gelegenheit dazu: http://www.musikverein-graz.at/konzert/9-orchesterkonzert-7/