Bernarda Albas Haus


Ferico Garcia Lorca ist hierzulande wenig bekannt, zählt in der spanischen Literatur jedoch zu den herausragenden Dramatikern der Moderne. Eines seiner bekanntesten Stücke ist das nur zwei Monate vor Lorcas Ermordung im Zuge des Spanischen Bürgerkriegs fertiggestellte Schauspiel Bernarda Albas Haus aus dem Jahr 1936.

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(c) Lupi Spuma

Das handlungsarme, dialogstarke Stück lässt sich knapp nacherzählen: Bernarda Albas zweiter Ehemann ist gestorben, was nach alter spanischer Tradition Bernarda und ihre fünf Töchter zu acht Jahren Trauer (ohne jedweden Kontakt zur Außenwelt) verpflichtet. Von diesen fünf Töchtern stehen besonders zwei im Mittelpunkt: Angustias und Adela. Beide verlieben sich in ein und denselben Mann: Pepe el Romano. Obwohl dieser sich zur jüngeren Adela hingezogen fühlt, geht er aus materiellen Gründen die Verlobung mit der älteren Angustias ein, die aus einer früheren Ehe von Bernarda stammt und von ihrem verstorbenen Vater ein Vermögen geerbt hat.

Natürlich entgehen Bernarda die Eifersüchteleien unter ihren Töchtern nicht: Ihr ist der junge Mann ein Dorn im Auge und sie versucht, die Ordnung in ihrem Haus wiederherzustellen: durch einen Warnschuss auf Pepe. Doch der laute Knall suggeriert der nach wie vor verliebten Adela, ihre Mutter hätte Pepe erschossen – und erhängt sich.

Lorcas Stück, eine scharfe Anklage gegen überkommene Konventionen, die Frauen einem rigorosen Wertesystem unterordnen, wird derzeit am Schauspielhaus Graz aufgeführt. Julia Gräfner führt dabei souverän als Haushälterin La Poncia durch den Theaterabend, den sie auch beginnt. In der Titelrolle ist Christiane Roßbach zu erleben, deren versteinerte Mimik die Kühle der Atmosphäre überzeugend zum Ausdruck bringt. Generell korrespondiert das schwarze Bühnenbild mit dem düsteren Seelenleben der handelnden Figuren. In brutaler Direktheit wird dem Publikum die Tragik dieser Frauentragödie (in der keine Männer auftauchen) vor Augen geführt, am erschreckendsten in dem schockierend realistischen Schlussbild: der erhängten Adela, verkörpert von Maximiliane Haß.

Da es nur noch eine Vorstellung zu Bernarda Albas Haus am Schauspielhaus Graz gibt, möchte ich den Besuch dieser letzten Vorstellung am 5. April ausdrücklich empfehlen. Vor allem die Kürze der Inszenierung (70-80 Minuten) verspricht einen dichten und sehr intensiven Theaterabend. Informationen zum Stück sind unter folgendem Link zu finden: https://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/bernarda-albas-haus/

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Le nozze di Figaro

Le nozze di Figaro von Mozart ist die erste der in Zusammenarbeit mit Lorenzo da Ponte entstandenen Opern des sogenannten Da-Ponte-Zyklus. Es folgten Don Giovanni und Cosi fan tutte. Wenngleich die späteren Da-Ponte-Opern sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen, verhält sich die Sache mit dem Figaro doch noch einmal ganz anders, denn diese Oper gilt als die Mozart-Oper schlechthin, die selbst von jenen geliebt wird, die mit Oper ansonsten nicht so viel am Hut haben. Ein nahezu ausverkauftes Opernhaus am vergangenen Mittwoch (obwohl die Premiere bereits vier Monate zurückliegt) gibt dieser Einschätzung recht.

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Tetiana Miyus (Susanna) & Peter Keller (Figaro) – (c) Werner Kmetitsch

Der Figaro an der Grazer Oper überzeugt durch ein gesanglich starkes Ensemble und durch eine schwunghafte Orchesterführung des venezianischen Dirigenten Marco Comin. Auch die Inszenierung von Maximilian von Mayenburg überzeugt in weiten Teilen: Die drehbare Schlosskulisse bietet sowohl auf visueller wie auf intellektueller Ebene reizvolle Eindrücke. Kettensägen oder Klogeräusche (die als Humorbeilagen der an Humor ohnehin nicht armen Figaro-Oper angelegt waren) haben leider aber die ansonsten sehr kohärente Regie gestört.

Alles in allem jedoch bietet Figaros Hochzeit an der Grazer Oper spannende Höhepunkte, die noch einmal (und zwar zum letzten Mal) am 18. März erlebt werden können.

https://www.oper-graz.com/production-details/le-nozze-di-figarodie-hochzeit-des-figaro

Eugen Onegin (Oper Graz)

Eugen Onegin ist nicht nur die berühmteste Oper von Tschaikowski, sondern zugleich die berühmteste russische Oper überhaupt. Das liegt vor allem daran, dass sie anders als etwa die Opern Rimski-Korsakow nicht als „ur-russisch“ gelten kann, sondern Tschaikowski wie in seinen Sinfonien, wie in seinen Klavierkonzerten durchaus westliche Einflüsse miteinfließen hat lassen. Die Oper erfreut sich bis heute nicht zuletzt deshalb so großer Beliebtheit, weil sie eine Abfolge weltberühmter Ensembles und Arien ist. Vor allem der Chor spielt in Tschaikowskis Oper, die – wenngleich in gekürzter Fassung – dem gleichnamigen Versroman und zugleich russischen Nationalepos Alexander Puschkins folgt eine tragende Rolle.

In Graz wird die Oper nun aufgeführt und zwar in einer kühlen Inszenierung, die kaum Requisiten zu bieten hat. Was auf den ersten Blick den Anschein einer Sparmaßnahme erweckt, erweist sich im Lauf der folgenden knapp drei Stunden als ein hoch psychologisches Kammerspiel, das den im Russland des frühen 19. Jahrhunderts verankerten Stoff auf eine allgemeine Ebene transponieren möchte, in dem weniger Ort und Zeit, sondern vielmehr Gedanken und Gefühle der Figuren im Vordergrund stehen. Denn was an Tschaikowskis Onegin-Vertonung bis heute fasziniert, ist wie sehr seine Musik dem Publikum Tatjanas Gefühlswelt offenbar. Jede auch noch so kleine Regung in Tatjana wird dem Publikum offengelegt. Es verwundert daher auch nicht, dass Tschaikowski anders als Puschkin Tatjana und weniger Onegin (für den Tschaikowski wenig Sympathien übrighatte) in den Mittelpunkt der Handlung stellt und von jenen Stellen aus Puschkins Versroman, die Tatjana betreffen, kaum welche gestrichen hat, während die Charakterisierung Onegins in der Oper aufgrund gnadenloser Kürzungen deutlich flacher ausfällt.

 

 

Eugen Onegin

Eugen Onegin – (c) Werner Kmetitsch

Psychologisch ist die Inszenierung an der Grazer Oper deshalb, weil das minimalistische Bühnenbild der niederländischen Regisseurin Metske Mijnssens Bühnenbild genauso wie die Musik aus dem Orchestergraben mit dem korrespondiert, was in den Figuren vorgeht. Etwa wird ein weißes Tischtuch (eines der wenigen Requisiten der Oper) im Lauf der Oper immer wieder ausgespannt oder zusammengeknäult, je nach Gefühlslage der Figuren. Oder wenn beispielsweise Onegin und Lenski sich in der Duellszene gegenüberstehen, geht ein tiefer Graben durch die Bühne, die den Bruch der einstigen Freundschaft verdeutlicht. Dass Lenski sich anders als in der Vorlage von Puschkin und auch Tschaikowski selbst richet anstatt im Duell mit Eugen Onegin zu fallen, ist ein Eingriff seitens der Regie, die im Rahmen der Inszenierung Sinn ergibt, den ein oder anderen Zuseher aber genauso irritiert haben dürfte wie der Umstand, dass Onegin und Tatjana im letzten Bild der Oper nach einer gemeinsam verbrachten Nacht umschlungen im Bett aufwachen. Auch hier gilt: Der Eingriff der Regie tut keinen Widerspruch auf, notwendig ist er aber letztendlich nicht.

Gesangstechnisch überzeugt vor allem Pavel Petrov, der den Lenski gab und in seiner großen Abschiedsarie im 2. Akt sein ganzes Können unter Beweis stellt. Positiv hervorzuheben ist vor allem seine warme Klangfarbe und seine exakte Artikulation zu der ihm seine weißrussische Herkunft hilfreich war. Andere Sängerinnen und Sänger taten sich mit der russischen Sprache deutlich schwerer, trafen auch hier und da nicht die Töne. Das Schlussduett zwischen Eugen Onegin und Tatjana harmonierte miteinander nur wenig. Dennoch war der Applaus in der Oper Graz tobend, vor allem auch wegen des exzellent geführten Orchesters unter dem Dirigt von Oksana Lyniv. Am Ende der Vorstellung dürfte jeder im Saal einen wunderbaren Opernnachmittag verbracht haben.

Weitere Vorstellungen von Eugen Onegin finden sich unter: https://www.oper-graz.com/production-details/eugen-onegin