Akrobatischer Weihnachtszauber

Weihnachtszeit ist Zirkuszeit: Ab 21. Dezember erwartet das Cirque Noel-Publikum wieder ein buntes Programm.

„Der zeitgenössische Zirkus hat uns infiziert“, heißt es von Seiten der Veranstalter des Cirque Noel. Darum bringt man auch heuer wieder Artisten aus aller Welt nach Graz. Von 21. Dezember bis 5. Jänner wird Graz zur Hauptstadt der Akrobatik und Clownerie.

Der Tourismusverband Graz ist sich sicher, dass auch das diesjährige Programm perfekte Unterhaltung für Zirkusbegeisterte aller Altersklassen bieten wird: „Eine Karte für Cirque Noel gehört unter jeden Weihnachtsbaum.“

Ob als Weihnachtsgeschenk oder einfach als Belohnung für sich selbst, drei verschiedene Shows stehen zur Verfügung. Als große Produktion bringen die durch La Strada in Graz bekannten „7 Fingers“ ihr neues Programm „Passangers“ in die Grazer Stadthalle. Damit wurde in diesem Jahr ein neuer Spielort gewählt. Trotz der Größe der Stadthalle, versprechen die Veranstalter, eine gute „kleine“ Version des Veranstaltungsortes für rund 1500 ZuseherInnen. Das Bühnenerlebnis soll damit intim und greifbar bleiben. „Passangers“ erzählt die Geschichte von fremden Reisenden, die in einem Abteil aufeinander treffen mit Tanz, Theater und einer ordentlichen Portion Akrobatik.

Akrobatik verspricht auch die „Compagnia Baccalà“ aus der Schweiz. Mit ihrem Programm „Pss Pss“ nähern sie sich dem Genre Stummfilm an. Das Duo spielt mit vielen Elementen der Clownerie und ganz ohne Worte. Damit kommt keine unbekannte Show in das Orpheum Graz. Die Inszenierung konnte bereits den Cirque du Soleil-Preis gewinnen und sich international über unzählige ZuseherInnen freuen.

Im neuen Jahr findet sich dann eine weitere Produktion im Orpheum ein. Der „Circus Younak“ aus der Slowakei, liefert nicht nur die erste Inszenierung des zeitgenössischen Zirkus aus seinem Heimatland, sondern verspricht auch eine Verknüpfung aus Theater, Akrobatik und Volkskunst. Ein zentrales Element der Show soll die Live-Musik eines traditionell osteuropäischen Orchesters sein.

Mit diesen drei Inszenierungen folgt Cirque Noel auch dieses Jahr dem Motto: „Das lebendige soll im Zirkus sein.“ Karten für alle Shows sind bereits erhältlich.

Alle Infos: HIER

Mit Lichtgeschwindigkeit in einen neuen Kosmos

Gefühlvoll erzählt das Theater Feuerblau die Geschichte einer jungen Astrophysikerin, die sich gegen Vorurteile durchsetzen und zwischen Familie und Karriere entscheiden muss.

„Wollt ihr euch wirklich von einem Mädchen in Mathematik schlagen lassen?“ Lehrerkommentare wie diese führen dazu, dass das naturwissenschaftlich begabte Mädchen schon in der Schule mit Mobbing konfrontiert wird. Immer wieder kommt ihr das Frau-sein im Laufe ihres Lebens in die Quere. Meist wird sie nicht ernstgenommen und irgendwann steht die Entscheidung an: Willst du Karierre machen ODER Mutter sein?

Mit „Nach den Sternen greifen“ beweisst das Team vom Theater Feuerblau erneut, dass es nicht nur Stücke für Kinder, sondern auch gehaltvolle Abende für Erwachsene liefern kann. Katharina Wind, Monika Zöhrer und Klaus Seewald inszenieren die Geschichte der aufstrebenden Astrophysikerin nicht nur harmonisch und mitreissend, sondern bringen diese als Darsteller auch mit viel Gefühl auf die Bühne. Bestechend ist dabei vor allem das Zusammenwirken aus Spiel, Video-, Licht-, und Tontechnick. Mit zarten Bewegungen zeichnet die junge Frau ihre Formeln scheinbar auf die Leinwand, die wie durch Zauberhand dort erscheinen. Während dem Mädchen in der Schule Beschimpfungen wie „Streberin“ und „Angeberin“ hinterhergerufen werden, sorgen Blitzlichter und drückendes Stimmengewirr für eine niederschmetternde Stimmung.

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(c) Clemens Nestroy

Wird sonst oft von Frauen gefordert, perfekten Barbies zu gleichen, sind es hier die Männer die als gestriegelte Ken-Pupppen im Stück auftauchen. Kein Mann ist als Darsteller auf der Bühne präsent: Die männlichen Parts werden live mit Puppen gefilmt und eingespielt. Nur wenn sich die Protagonistin den männlichen Wünschen und Bedürfnissen zu sehr unterordnet, wird sie zu Barbie – ist die junge Frau ganz sie selbst, wird sie in ihrer jungen und älteren Version von beiden Darstellerinnen zugleich verkörpert. Durch die stimmige Darbietung zeigt sich dem Publikum ein facettenreicher Mensch zu dem man leicht und gerne Sympathie aufbaut.

„Nach den Sternen greifen“ setzt sich mit den Hürden auseinander, die junge Frauen auf ihrem Karriereweg zu bewältigen haben. Die Inszenierung widmet sich diesen Themen intensiv und kritisch ohne dabei plakativ sein zu müssen und Klischees zu wiederholen. Ein Abend voller Sinnfragen, die jeden ansprechen und berühren.

Nach den Sternen greifen. Noch bis 27.10. im Kristalwerk Graz. Alle Infos: HIER

„Genie – Regime – Misogyn“

Mit ihrer Inszenierung von „Die Physiker“ im Grazer Schauspielhaus beweist Claudia Bossard erneut ihr großes Talent.

Mordalarm in der Psychiatrie! Eine Schwester nach der anderen wird von ihrem Patienten umgebracht. Diese Patienten halten sich allesamt für große Physiker (alle in herrlich schrecklichen bunten Jogginganzügen) und natürlich haben sie alle Geheimnisse, die es zu verstecken gilt.

Kaum einem Theaterbesucher ist der Plot von „Die Physiker“ unbekannt, ist es doch eines der beliebtesten Stücke von DeutschlehrerInnen, um ihre SchülerInnen an das Genre Theater heranzuführen. Perfekt verkörpern die DarstellerInnen ihre Rollen und sorgen für einen großartig amüsanten Abend im Schauspielhaus. Hervorzuheben gilt es hier vor allem Andri Schenardi (Mathilde von Zahnd) und Tamara Semzov (Einstein), die einem das Gefühl vermitteln, sie wären für ihre Rollen geboren.

Auch wenn Bühnenbild und Kostüm (Frank Holldack und Elisabeth Weiß) im ersten Moment mit steril weiß-türkisen Krankenhauswänden auf eine klassische Inszenierung tippen lassen, so wird hier die völlig neue Schwerpunktsetzung sehr schnell deutlich. Das ursprüngliche Thema von Dürrenmatts Stück, nämlich die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft, bildet hier nur den inhaltlichen Rahmen für den Abend. Claudia Bossard, die schon letzte Spielzeit mit Erinnya bewiesen hat, dass ihre Inszenierungen auf große Bühnen gehören, fokussiert sich in dieser Inszenierung ganz auf Geschlechterrollen. Nicht die Frage nach der Weltformel steht im Mittelpunkt, sondern die Darstellung von Frauenfiguren in großen Werken wie jenem von Dürrenmatt. Um die stereotypischen Zuschreibungen sichtbar zu machen, werden hier die Rollen einfach getauscht: Frauenfiguren sind mit Männern besetzt und Männerfiguren mit Schauspielerinnen. Dennoch behalten die Rollen ihre angestammten Namen und verhalten sich so, wie es der Figur ursprünglich zugeschrieben wird. Durch das Ausspielen der weiblichen Stereotype durch männliche Schauspieler, wird die Lächerlichkeit der dem Geschlecht zugeteilten Persönlichkeitsmerkmale hervorgehoben und sorgt für viele Lacher, ohne dabei kritische Reflexion zu vermissen. Die völlig neue Schwerpunktsetzung lässt die ZuseherInnen nicht nur in Dürrenmatts durchaus wichtige Fragestellungen eintauchen, sondern beleuchtet auch den Autor selbst kritisch.

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(c) Johanna Lamprecht

Die Stärke des Stücks liegt zusätzlich in dem perfekten Zusammenspiel zwischen, Regie, Bühnenbild, Schauspiel und Musik. So sorgen auch Einsteins Rollschuhfahrten zu David Bowies „Heroes“ für große Unterhaltung.
Im Laufe des Stücks wird das prächtige Bühnenbild mehr und mehr zerpflückt und fällt somit zusammen, wie das Kartenhaus an Täuschungen, dass sich die drei Physiker mühevoll aufgebaut haben. Einzig einzelne Kampfszenen wirken ein wenig übertrieben und hätte das Stück nicht gebraucht, um die Spannung im Publikum aufrecht zu erhalten.

Große Empfehlung für einen lustigen, perfekt umgesetzten Abend, der kritisch auf berühmte Werke der Literatur blickt, ohne diesen ihre Wichtigkeit abzusprechen. Viel Applaus.

Termine und Infos: HIER