Klassik, Gold und Glitzer

Im Rahmen der Golden Age Show lud styriarte sein Publikum ein, Barockmusik einmal anders zu erleben: mit Kostümen, Bodypainting und Poledance.

Schon die Ankündigung der Veranstaltung ließ erahnen, dass man am 6. Juli in der Helmut-List-Halle kein klassisches Barockkonzert zu sehen bekommen würde, denn Fetish Baroque hatten sich angekündigt und nahmen ihr Publikum mit in ein musikalisches Zeitalter, in dem die Blockflöte noch en vogue war und man das Cembalo noch zu würdigen wusste. All das sollte an diesem Abend aber kein reiner Hörgenuss bleiben, sondern auch optisch für Aufsehen sorgen.

Einer nach dem anderen betreten die sieben MusikerInnen die Bühne – und genießen sichtlich ihren Auftritt. Dem Publikum werden die großartigen goldenen Kostüme und güldenen Bodypaintings (Birgit Mörtl) präsentiert. In dieser Maskerade gibt das Ensemble geschickt ausgewählte Stücke von Bach, Pachelbel, Uccellini, aber vor allem Vivaldi und Händel zum Besten. Die träumerischen Melodien werden von den MusikerInnen unter der Leitung von Michael Hell (Cembalo und Blockflöte) mitreisend gespielt und lassen keinen Zweifel daran, dass man es hier mit einem top eingespielten Ensemble zu tun hat. Hell selbst ist neben seinem virtuosen Blockflötenspiel auch optisch mit Widderhörnern, Pelzhose und Hufen ein Highlight des Abends. Perfekt abgerundet wird die Darbietung durch die gesanglich starke Leistung von Gemma Bertagnolli die nicht nur mit Klängen aller möglichen Tonlagen überzeugt, sondern auch durch ihre Vielzahl an Kostümwechseln – von der Eiskönigin zur Heiligenfigur – für Staunen sorgt. Die zusätzlichen Flirtereien mit Michael Hell verleihen der Show Witz und Charme.

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(c) Andy Joe

Trotz der optisch oft aufwendigen Darbietung verliert die Musik während der Golden Age Show nie ihren zentralen Stellenwert. Viel mehr wird der Hörgenuss um ein visuelles Erlebnis erweitert. Einzig die beiden Tänzer wirken meist deplatziert und überflüssig. Hier kann nur die elegant sanfte Poledance-Performance zu Vivaldis Destin avaro aus La fida ninfa überzeugen.

Insgesamt bleibt die Golden Age Show ein sehr lohnendes Erlebnis, dass die Sinnlichkeit barocker Musikstücke nachdrücklich auf die Bühne bringt.

Zum styriate Programm geht’s hier!

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Im Stil der Generation von Knautschland

„Gespräch mit Astronauten“ feierte am 12.10. im Schauspielhaus Graz Österreichpremiere und erntete verdient tosenden Applaus. Lebendig, ungemein komisch und manchmal bitterböse.

Der Countdown eines Spaceshuttelstarts wird heruntergezählt und geht in moderne Musik über, die Schauspieler erscheinen auf der Bühne und ziehen eintönige Overalls über ihre bunte Kleidung: Willkommen in Knautschland.

Die Frauen von Knautschland, welches verdächtige Parallelen zu unserer Kultur und Gesellschaft aufweist, haben es nicht leicht. Neben hochkarätigen Jobs, in denen es Karriere zu machen gilt, sollte man nebenbei noch viele Kinder gebären und erziehen, sowie den ganzen Haushalt schmeißen – denn Ehefrau und Ehemann sehen dann doch meist beide ein, dass das eher Frauensache ist. Die können das sowieso besser. Die Verpflichtungen und Leistungen der Frauen werden meist hintenangestellt, da der Mann dann doch die prestigeträchtigeren Erfolge feiern kann, wie beispielsweise eineinhalb Jahre im Weltraum zu verbringen.

Doch Hilfe für die Karriere-Mütter-Hausfrauen von Knautschland naht in Form von jungen Frauen (und manchmal auch Männern) die aus den östlichen Ländern Rostland und Ukulele hierher strömen, um noch etwas zu erleben bevor der Berufsalltag oder die Ausbildung beginnt. Als Au-pairs kommen sie zu den Familien und sollen die gestressten Frauen stützen. Die Vorstellungen der beiden Parteien gehen dabei so weit auseinander, dass es nach der Reihe Konflikte hagelt. Diese einzelnen Auseinandersetzungen werden in kurzen Episoden über den ganzen Theaterabend dargestellt. Das Publikum darf dabei in die verschiedensten Beziehungen zwischen Familien und Au-pairs eintauchen und immer wieder herzlich lachen. Ob sich nun eine Mutter mit den Liebesbeziehungen ihres Gasts nicht abfinden kann, denn sie ist „locker, aber so locker nun auch wieder nicht“, oder Olga aus Rostland es nicht schafft im Haus irgendetwas selbst zu putzen, da die ohnehin schon überarbeitete Gastmutter nichts aus der Hand geben kann, jede Szene beinhaltet ihre eigene Dynamik und Komik.

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© Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

„Gespräch mit Astronauten“ von Felicia Zeller schafft es, die ernste Grundfrage des Stücks, nämlich jene nach der Überforderung der Frauen in unserer Gesellschaft, in den Hintergrund eines humorvollen Schauspiels zu stellen, ohne ihm dabei an Wertigkeit zu nehmen. Dass auch Männer in Frauenrollen hüpfen und Frauen in Männerrollen lässt die Geschlechtergrenzen verschwimmen. Kein einziges Mal schwingt das Stück mit der Moralkeule und schafft es trotzdem seine wichtigen Inhalte an das Publikum zu bringen.

Regisseurin Suna Gürler gelingt es zusammen mit den SchauspielerInnen der Kunstuniversität Graz die Bühne des Haus Zwei in ein buntes Durcheinander zu verwandeln, in dem man nie den Überblick verliert. Das Stück lebt von den jungen SchauspielerInnen, die  geschickt in die verschiedensten Rollen schlüpfen und die Geschichte ohne viel technischen Firlefanz auf der Bühne zu einem greifbaren Erlebnis  machen. Gespannt fragt man sich, wie der Aufenthalt für die  Au-pairs wohl enden wird und wie deren Leben wohl in 10 Jahren, abseits von all dem aussehen wird. Werden sie aus den Fehlern der Gastmütter lernen und sich ihren eigenen Weg durchs Leben suchen, oder verfallen sie doch nur in deren alte Muster? Die Antwort wird geliefert und nicht nur deswegen ist „Gespräch mit Astronauten“ unbedingt einen Besuch wert.

Termine und Infos zum Stück: https://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/gesprache-mit-astronauten

Übrigens: StudentInnen können im Schauspielhaus direkt vor den Vorführungen Restkarten um 5 € erwerben!

Nichts soll durch diese Mauern dringen

Im Schauspielhaus Graz hat man Anfang April noch ein letztes Mal die Möglichkeit, Federico Garcia Lorcas Stück  Bernarda Albas Haus auf der Bühne zu bewundern. Thomas Schulte- Michels Inszenierung lebt vor allem von der starken schauspielerischen Leistung des Ensembles.

Totenglocken läuten die Geschichte ein. Der Mann im Haus ist gestorben und lässt seine herrische Ehefrau Bernarda mit ihren fünf Töchtern zurück. Die Mutter ruft zu acht Jahren Trauer auf. Acht Jahre, in dem das Haus nicht verlassen werden soll. Auch sonst ist Bernarda bemüht, dass nichts aus den Mauern des Familiensitzes hinausdringt. Kein Geheimnis, kein Gerücht, schlichtweg nichts, über das die Leute reden könnten. Es gilt den Ruf der Familie zu wahren. Da Bernarda sehr viel auf den Familiennamen hält und gerne alles fest in der eigenen Hand hat, ist auch keine ihre Töchter verheiratet, obwohl diese alle schon lange das passende Alter für eine Hochzeit erreicht, oder sogar überschritten haben. Das scheint sich nun aber zu ändern, da Pepe el Romano auftaucht und nach einer wohlhabenden Frau für die Ehe sucht. Heiraten will er Angustias, die älteste Tochter, da diese im Besitz des Geldes ist. Jedoch liebt er Adela, die Jüngste. Diese Situation bringt Geheimnisse, Versteckspiele und vor allem viel Neid und Konflikt in das Haus der Frauen und die schützende Fassade beginnt zu bröckeln. „In jedem Zimmer dieses Hauses wartet ein Sturm“, bemerkt die langjährige Dienerin Bernardas richtig.

Bernarda Albas Haus ist ein Stück, das sich die Frage stellt, wie Frauen darauf reagieren, wenn das männliche Oberhaupt, das Unterdrückung bedeutete, verschwindet und zeigt damit auf, dass herrschende Strukturen, durch den Tod der Herrschenden nicht einfach verschwinden. Das Bild des Verstorbenen bleibt das ganze Stück über an die Rückwand der Bühne projiziert und vermittelt dadurch ein Gefühl des Beobachtetseins und der Omnipräsenz gesellschaftlicher Strukturen und Regeln. Zwar verlangt es Bernardas Töchtern nach Freiheit, Sexualität und Selbstbestimmung, jedoch sind sie nicht fähig die Fesseln der Frau aus ihrem Denken zu verbannen. Die Lösung um aus der Unterdrückung durch die Mutter zu fliehen, scheint für die jungen Frauen die Flucht in eine Ehe und damit in die nächste Abhängigkeit zu sein. Es handelt es sich bei Bernarda Albas Haus um eine Geschichte, die vielversprechend beginnt, jedoch inhaltlich leider zu wenig in die Tiefe geht und wenig Überraschungen oder Denkanstöße für die ZuseherInnen bereit hält.

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(c) Lupi Spuma

Was dem Stück selbst an Inhalt fehlt, wird am Schauspielhaus aber durch eine fabelhafte Inszenierung und großartige schauspielerische Leistungen wettgemacht. Die Stimmung auf der Bühne hat etwas schaurig Bedrohliches an sich. Alles ist in Schwarz gehalten – die Kleidung, die Möbel, die Wände – schier alles wird von der ausgerufenen Trauer erdrückt. Die finstere Atmosphäre wird noch unterstrichen, wenn eine der Türen zur Außenwelt geöffnet wird und helle Lichtkegel für kurze Zeit aufzeigen, was außerhalb des Hauses wohl auf die Frauen warten könnte, aber unerreichbar scheint. Die Hitze des Sommers, unter der die im Haus eingesperrten Frauen leiden, ist bis auf die hintersten Plätze des Zuseherraums spürbar. Spürbar sind auch die Qualen, die Adela durch ihr unglückliches Verliebtsein zu leiden scheint. Maximiliane Haß bringt das körperliche Unwohlsein des Liebeskummers so glaubwürdig auf die Bühne, dass es als ZuseherIn fast Schmerzen bereitet, ihr zuzusehen. Auch Christiane Roßbach brilliert als herrische Mutter Bernarda. Allein ihre Körperhaltung und ihr Gang wirken dermaßen einschüchternd, dass man die Unterwürfigkeit der Töchter schon nachvollziehen kann, bevor sie überhaupt zu sprechen beginnt. All diese unheilvollen Elemente der Inszenierung lassen die ZuseherInnen schon bald fürchten, dass dieses Stück wohl enden muss, wie es begonnen hat: mit Totenglocken.

Bernarda Albas Haus ist ein Stück, dem es leider etwas an inhaltlicher Tiefe mangelt, jedoch machen die stimmungsvolle Inszenierung und optimale Besetzung es dennoch zu einem empfehlenswerten Theaterabend im Grazer Schauspielhaus.

Am 5. April ist das Stück das letzte Mal zu sehen.

Alle Infos: https://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/bernarda-albas-haus/