Das alte Märchen in neuem Kleid

Mit großartiger Ensembleleistung bringt das Schauspielhaus Graz „jedermann (stirbt)“ von Ferdinand Schmalz auf die Bühne des Haus Zwei.

Ja darf man denn das: Einen Bühnenklassiker wie „Jedermann“ einfach umschreiben? Ja, das darf man. Und wenn man Ferdinand Schmalz heißt, sollte man das auch. Mit Sprechchören, Glitzerkleidern, furchtbar engen Badehosen und einem Imbisswagen wird die Geschichte des Jedermann derzeit im Haus Zwei des Grazer Schauspielhauses neu erzählt. Ferdinand Schmalz Fassung des Stücks aktualisiert die ursprüngliche Erzählung der Geschichte und übt damit heftige, aber humorgespickte Kritik am Kapitalismus und der Dekadenz.

Zurückgezogen in seinem sicheren Garten feiert der Aktienhai Jedermann (Raphael Muff) mit seiner guten Gesellschaft eine große Party, um sich selbst hochleben zu lassen. Sicherheit geht vor, denn „wer Lustgarten sagt, muss auch Zaun sagen“.  Draußen vor dem Garten toben die Armut und das Leiden. Drinnen streckt der Tod seine kalte Hand nach dem Geschäftsmann aus.

Raphael Muff verkörpert Jedermann so, wie ihn sich Salzburg wünschen sollte: Die zunehmende Angst und Verzweiflung im Angesicht des Todes zeichnet sich in seiner Mimik und Gestik so perfekt ab, dass man mit dem skrupellosen Geschäftsmann fast noch Mitleid bekommt. Auch das übrige Ensemble überzeugt mit starker Leistung. Für besonders viele Lacher sorgt Nico Link, der sowohl als Vetter in enger Badehose, wie auch als Mutter im Dirndl und mit Flechtkranz ein herrliches Bild abgibt und keinen Zweifel an seiner schauspielerischen Wandelbarkeit lässt.

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(c) Lex Karelly

 

Videotechnik wird an diesem Abend nicht wahllos eingesetzt. Für gezielt herausgearbeitete Momente wird der bedrängte Jedermann in der Enge des Imbisswagens in Nahaufnahmen gefilmt, wodurch er in die Enge getrieben und verzweifelt wirkt.

„Das alte Märchen in neuer Fassung, das alte Märchen in neuem Kleid“ zu erzählen ist das Ziel des Abends. Das gelingt  Regisseur Daniel Foerster eindeutig, wenn auch die schmalzschen Wortspiele und -kreationen im Vergleich zu etwa „der thermale Widerstand“ und „schlammland gewalt“ leider etwas zu wenig dicht gesät ausfallen. Nichtsdestotrotz überzeugt die Sprachgewandtheit des Autors einmal mehr und macht es spannend und unterhaltsam Jedermann zu begleiten, bis es keinen Ausweg mehr gibt, „nirgends nicht“.

Mit „jedermann (stirbt)“ ist es Ferdinand Schmalz und dem Schauspielhaus Graz gelungen, einen Abend zu schaffen, der zwischen bitteren Lachern und Absurditäten, der Gier und Oberflächlichkeit der Menschheit einen Spiegel vorhält. Selten hat es so viel Spaß gemacht Jedermann beim Sterben zuzusehen.

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Akrobatischer Weihnachtszauber

Weihnachtszeit ist Zirkuszeit: Ab 21. Dezember erwartet das Cirque Noel-Publikum wieder ein buntes Programm.

„Der zeitgenössische Zirkus hat uns infiziert“, heißt es von Seiten der Veranstalter des Cirque Noel. Darum bringt man auch heuer wieder Artisten aus aller Welt nach Graz. Von 21. Dezember bis 5. Jänner wird Graz zur Hauptstadt der Akrobatik und Clownerie.

Der Tourismusverband Graz ist sich sicher, dass auch das diesjährige Programm perfekte Unterhaltung für Zirkusbegeisterte aller Altersklassen bieten wird: „Eine Karte für Cirque Noel gehört unter jeden Weihnachtsbaum.“

Ob als Weihnachtsgeschenk oder einfach als Belohnung für sich selbst, drei verschiedene Shows stehen zur Verfügung. Als große Produktion bringen die durch La Strada in Graz bekannten „7 Fingers“ ihr neues Programm „Passangers“ in die Grazer Stadthalle. Damit wurde in diesem Jahr ein neuer Spielort gewählt. Trotz der Größe der Stadthalle, versprechen die Veranstalter, eine gute „kleine“ Version des Veranstaltungsortes für rund 1500 ZuseherInnen. Das Bühnenerlebnis soll damit intim und greifbar bleiben. „Passangers“ erzählt die Geschichte von fremden Reisenden, die in einem Abteil aufeinander treffen mit Tanz, Theater und einer ordentlichen Portion Akrobatik.

Akrobatik verspricht auch die „Compagnia Baccalà“ aus der Schweiz. Mit ihrem Programm „Pss Pss“ nähern sie sich dem Genre Stummfilm an. Das Duo spielt mit vielen Elementen der Clownerie und ganz ohne Worte. Damit kommt keine unbekannte Show in das Orpheum Graz. Die Inszenierung konnte bereits den Cirque du Soleil-Preis gewinnen und sich international über unzählige ZuseherInnen freuen.

Im neuen Jahr findet sich dann eine weitere Produktion im Orpheum ein. Der „Circus Younak“ aus der Slowakei, liefert nicht nur die erste Inszenierung des zeitgenössischen Zirkus aus seinem Heimatland, sondern verspricht auch eine Verknüpfung aus Theater, Akrobatik und Volkskunst. Ein zentrales Element der Show soll die Live-Musik eines traditionell osteuropäischen Orchesters sein.

Mit diesen drei Inszenierungen folgt Cirque Noel auch dieses Jahr dem Motto: „Das lebendige soll im Zirkus sein.“ Karten für alle Shows sind bereits erhältlich.

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Mit Lichtgeschwindigkeit in einen neuen Kosmos

Gefühlvoll erzählt das Theater Feuerblau die Geschichte einer jungen Astrophysikerin, die sich gegen Vorurteile durchsetzen und zwischen Familie und Karriere entscheiden muss.

„Wollt ihr euch wirklich von einem Mädchen in Mathematik schlagen lassen?“ Lehrerkommentare wie diese führen dazu, dass das naturwissenschaftlich begabte Mädchen schon in der Schule mit Mobbing konfrontiert wird. Immer wieder kommt ihr das Frau-sein im Laufe ihres Lebens in die Quere. Meist wird sie nicht ernstgenommen und irgendwann steht die Entscheidung an: Willst du Karierre machen ODER Mutter sein?

Mit „Nach den Sternen greifen“ beweisst das Team vom Theater Feuerblau erneut, dass es nicht nur Stücke für Kinder, sondern auch gehaltvolle Abende für Erwachsene liefern kann. Katharina Wind, Monika Zöhrer und Klaus Seewald inszenieren die Geschichte der aufstrebenden Astrophysikerin nicht nur harmonisch und mitreissend, sondern bringen diese als Darsteller auch mit viel Gefühl auf die Bühne. Bestechend ist dabei vor allem das Zusammenwirken aus Spiel, Video-, Licht-, und Tontechnick. Mit zarten Bewegungen zeichnet die junge Frau ihre Formeln scheinbar auf die Leinwand, die wie durch Zauberhand dort erscheinen. Während dem Mädchen in der Schule Beschimpfungen wie „Streberin“ und „Angeberin“ hinterhergerufen werden, sorgen Blitzlichter und drückendes Stimmengewirr für eine niederschmetternde Stimmung.

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(c) Clemens Nestroy

Wird sonst oft von Frauen gefordert, perfekten Barbies zu gleichen, sind es hier die Männer die als gestriegelte Ken-Pupppen im Stück auftauchen. Kein Mann ist als Darsteller auf der Bühne präsent: Die männlichen Parts werden live mit Puppen gefilmt und eingespielt. Nur wenn sich die Protagonistin den männlichen Wünschen und Bedürfnissen zu sehr unterordnet, wird sie zu Barbie – ist die junge Frau ganz sie selbst, wird sie in ihrer jungen und älteren Version von beiden Darstellerinnen zugleich verkörpert. Durch die stimmige Darbietung zeigt sich dem Publikum ein facettenreicher Mensch zu dem man leicht und gerne Sympathie aufbaut.

„Nach den Sternen greifen“ setzt sich mit den Hürden auseinander, die junge Frauen auf ihrem Karriereweg zu bewältigen haben. Die Inszenierung widmet sich diesen Themen intensiv und kritisch ohne dabei plakativ sein zu müssen und Klischees zu wiederholen. Ein Abend voller Sinnfragen, die jeden ansprechen und berühren.

Nach den Sternen greifen. Noch bis 27.10. im Kristalwerk Graz. Alle Infos: HIER