„Strauß’sches“ Potpourri

Styriarte-Soap: In der Helmut List Halle wurde tief in das musikalische Repertoire von Johann Strauß Sohn geblickt und Schauspielerin Ursula Strauss durfte als „Lästige Witwe“ Adele das Briefgeheimnis brechen, um das Leben des Wiener Walzerkönigs aus einer sehr persönlichen Perspektive zu beleuchten.

Johann Strauß Junior oder von vielen liebevoll „Schani“ genannt, prägte die Musikwelt weit über die Grenzen hinaus. Selbst in den Augen Richard Wagners konnte es sich nur um den „musikalischsten Schädel der Gegenwart“ handeln. Für die Styriarte 2017 unter dem Motto „Tanz des Lebens“ Grund genug, den Komponisten und seine Werke auf den Spielplan zu setzen.

Unter der Leitung von Rudolf Leopold wurde ein „strauß’sches“ Potpourri zusammengestellt, das sich sehen lassen konnte.  In medias res ging es mit Bruder Josef, der auch ein wenig Platz beanspruchen durfte. Gespielt wurde zum einen die leidenschaftliche Polka „Frauenherz“ und zum anderen der hitzige Walzer „Dynamiden“, mit dem die Musiker dem mittleren Spross des Strauß-Clans alle Ehre machten. Ähnlich hitzig ging es folglich mit dem Kopf des Abends, Johann Strauß, weiter: „Éljen a Magyar“ und der von Anton Weber bearbeitete „Schatzwalzer“ aus „Der Zigeunerbaron“ überzeugten ähnlich wie der Rest der Auswahl an Stücken, die mit Alban Bergs Version des Walzers „Wein, Weib und Gesang“ ein gebührendes Ende fanden.

Ursula Strauss

(c) Werner Kmetitsch

 

Besonderer Blickfang war jedoch Schauspielerin Ursula Strauss, die zum Text griff und im Wechseltakt Anekdoten ins Freie entließ. Als Adele, dritte und letzte Ehefrau von Strauß, gewährte sie intime Einblicke in ihr Frauenherz, das stets treu an Johanns Seite schlug. „In wilder Ehe mit einer Jüdin“, sprach die Wiener Gesellschaft und verhandelte die Beziehung des Paares in aller Öffentlichkeit. Da sie ihr Glück nicht von der neidischen Welt abhängig machen wollte, agierte Adele stets selbstbewusst als Managerin an der Seite ihres Mannes. Da sie auch bei der Verwaltung seines Nachlasses nichts dem Zufall überließ, brachte ihr das den Namen „Die lästige Witwe“ ein.

Ein gelungener Abend!

Beitragsfoto (c) Werner Kmetitsch

Mehr Informationen über die kommenden SOAPS gibt es hier: http://styriarte.com/styriartesoaps/

VEIT CLUB INTERNATIONAL: Ein Hauch von Heimat

Hitzige Temperaturen machten sich dieses Wochenende nicht nur auf den Straßen von Graz breit: Mit feurigen Klängen, neu geschriebenen Songs und mehrsprachigen Evergreens zündete die Band „Veit Club“ im Schauspielhaus (Haus Zwei) etliche Sprengsätze simultan und zeigte, wo ihr Talent beheimatet ist.

Anlässlich ihrer neuen CD, die in den letzten Monaten entstanden ist, hat am vergangenen Samstag „Veit Club“ zum Album Release geladen. Hinter dem Projekt steckt nicht nur Sängerin Silvana Veit, die man bereits aus zahlreichen Schauspielhaus Produktionen (Geidorf’s Eleven; Der Revisor; ect.) kennt und keine Unbekannte mehr ist. Unterstützt wird sie durch ihre international besetzte Gruppe (Mazedonien, Italien, Spanien, Österreich und Peru) bestehend aus Anna Dobelhofer (Piano), Manuel Schuster (E Gitarre), Ivan Trenev (Akkordeon), Llorenç Rosal Seijas (Cello) und Luis Oliveira (Percussion). Gefunden haben sie sich allesamt per Zufall –  beim Musik machen in den Lokalen der Stadt.

VEIT CLUB

Wie man das Publikum für sich einnimmt, weiß diese Truppe ganz genau. (c) VEIT CLUB

 

Der Stil geht in die Jazz, Latin und Balkan Richtung und zeichnet sich durch eine ungezwungene Schönheit im Klang aus, die sich vom ersten bis zum letzten Song durchzieht. Gesungen wird mehrsprachig – mit Texten in deren Einfachheit dennoch ein tieferer Sinn verborgen liegt. Über das Leben, die bunte Vielfalt, Herzensmenschen, das Kommen und Gehen und trotzdem überall ein bisschen angekommen und zu Hause zu sein.

Heimat ist Freundschaft. Heimat ist laut. Heimat ist sprachlos, schlaflos, verliebt. (Heimat ist)

Egal ob hin und her schunkelnd oder nur mit dem Fuß wippend – sich still zu halten, fällt bei „Veit Club“ schwer. Mit einer ausgelassenen Leichtigkeit, die mitreißend ist sowie ordentlich Schärfe und Witz feiert die Band samt Publikum das Leben und bringt ganz nebenbei den Raum auf allen Ebenen zum Knistern. Ein gelungener Abend, um weitere Konzerte wird gebeten!

Mehr gibt es hier.

Wortgefechte am Grazer Schlossberg

Furchtlos den Degen schwingend und mit tiefsinniger Sprachakrobatik in petto, erntet „Cyrano de Bergerac“ unter der Regie von Markus Bothe Standing Ovations auf der Kasemattenbühne. 

Am Schlachtfeld ist Cyrano (Andri Schenardi) regelmäßig der Held der Stunde und auch verbal ist er stets treffsicher. Nur seine lange Nase raubt dem sonst so selbstbewussten Soldaten jeden Mut und hindert ihn daran, der schönen Cousine Roxane (Henriette Blumenau) die großen Gefühle zu gestehen. Doch der Geliebten wird ohnehin von anderen Männern der Hof gemacht – vor allem der einfältige Christian von Neuvillette (Benedikt Greiner), ebenfalls Soldat, möchte sein Glück versuchen.

Wird man durch einen Kuss zum Diebe?

Für denn Fall, dass ihm die Worte fehlen – er ist eher die stille Schönheit – leiht ihm der bereits resignierende Cyrano als Ghostwriter seine poetische Stimme. Wider jeglicher Erwartungen schenkt Roxane den liebestollen Zeilen ihr Herz und heiratet Christian, der bis auf sein Aussehen nicht viel für die Verbindung getan hat. Graf von Guiche (Pascal Goffin), der Dritte im Bunde und der Kommandeur der Truppe, ist ebenfalls der jungen Frau verfallen und schickt den frisch verheirateten Christian sowie Cyrano an die Front, denn der Krieg klopft nicht nur in den Belangen der Liebe an die Tür…

 

Für die letzte Inszenierung der Spielzeit 16.17 des Grazer Schauspielhauses wurde über Wochen ordentlich die Werbetrommel gerührt. Mit hohen Erwartungen darf man also auf den Grazer Hausberg wandern (oder gratis mit der Schlossbergbahn fahren), um der namhaften Geschichte aus der Feder von Edmond Rostand zu frönen. Tragik trifft auf Romantik, ohne dabei in kitschige Platitüde zu verfallen. Daneben kommt der Humor nicht zu kurz und vorrangig an den richtigen Stellen zum Einsatz. Zum Einsatz kommt auch physisch so einiges. Mit Kampfchoreografien von Renata Jocic beweisen sich die Querulanten im Auftrag der Liebe und lassen mehr als einmal den Atem stocken, wenn der Degen um die erhitzten Gemüter pfeift. Aber auch die Open Air Bühne offenbart sich als Blickfang: Wie selbstverständlich wird der Raum sowie das Publikum durch einen Steg geteilt. Auf diesem wird gelaufen, gekämpft, gesprochen und vor allem aus Leibeskräften geliebt. Immer mit der Frage im Hinterkopf, wie weit Gefühle reichen, ob die bedingungslose Selbstaufgabe tatsächlich gegen Oberflächlichkeiten verliert und die wahre Liebe aus reiner Uneigennützigkeit verzichtet.

Mit vollem Körpereinsatz fegen die Darstellenden in alle Richtungen, rütteln an ihren eigenen Grenzen und preschen euphorisch darüber hinaus. Ob ,,Cyrano de Bergerac“ das Stück des Jahres ist sei dahingestellt, dass damit aber die perfekten Voraussetzungen für eine packende Sommernacht geliefert werden, steht außer Frage – der lang anhaltende Applaus des Publikums meldet sich freiwillig, um als Zeuge zu dienen.

Mehr Informationen gibt es hier.