VEIT CLUB INTERNATIONAL: Ein Hauch von Heimat

Hitzige Temperaturen machten sich dieses Wochenende nicht nur auf den Straßen von Graz breit: Mit feurigen Klängen, neu geschriebenen Songs und mehrsprachigen Evergreens zündete die Band „Veit Club“ im Schauspielhaus (Haus Zwei) etliche Sprengsätze simultan und zeigte, wo ihr Talent beheimatet ist.

Anlässlich ihrer neuen CD, die in den letzten Monaten entstanden ist, hat am vergangenen Samstag „Veit Club“ zum Album Release geladen. Hinter dem Projekt steckt nicht nur Sängerin Silvana Veit, die man bereits aus zahlreichen Schauspielhaus Produktionen (Geidorf’s Eleven; Der Revisor; ect.) kennt und keine Unbekannte mehr ist. Unterstützt wird sie durch ihre international besetzte Gruppe (Mazedonien, Italien, Spanien, Österreich und Peru) bestehend aus Anna Dobelhofer (Piano), Manuel Schuster (E Gitarre), Ivan Trenev (Akkordeon), Llorenç Rosal Seijas (Cello) und Luis Oliveira (Percussion). Gefunden haben sie sich allesamt per Zufall –  beim Musik machen in den Lokalen der Stadt.

VEIT CLUB

Wie man das Publikum für sich einnimmt, weiß diese Truppe ganz genau. (c) VEIT CLUB

 

Der Stil geht in die Jazz, Latin und Balkan Richtung und zeichnet sich durch eine ungezwungene Schönheit im Klang aus, die sich vom ersten bis zum letzten Song durchzieht. Gesungen wird mehrsprachig – mit Texten in deren Einfachheit dennoch ein tieferer Sinn verborgen liegt. Über das Leben, die bunte Vielfalt, Herzensmenschen, das Kommen und Gehen und trotzdem überall ein bisschen angekommen und zu Hause zu sein.

Heimat ist Freundschaft. Heimat ist laut. Heimat ist sprachlos, schlaflos, verliebt. (Heimat ist)

Egal ob hin und her schunkelnd oder nur mit dem Fuß wippend – sich still zu halten, fällt bei „Veit Club“ schwer. Mit einer ausgelassenen Leichtigkeit, die mitreißend ist sowie ordentlich Schärfe und Witz feiert die Band samt Publikum das Leben und bringt ganz nebenbei den Raum auf allen Ebenen zum Knistern. Ein gelungener Abend, um weitere Konzerte wird gebeten!

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Wortgefechte am Grazer Schlossberg

Furchtlos den Degen schwingend und mit tiefsinniger Sprachakrobatik in petto, erntet „Cyrano de Bergerac“ unter der Regie von Markus Bothe Standing Ovations auf der Kasemattenbühne. 

Am Schlachtfeld ist Cyrano (Andri Schenardi) regelmäßig der Held der Stunde und auch verbal ist er stets treffsicher. Nur seine lange Nase raubt dem sonst so selbstbewussten Soldaten jeden Mut und hindert ihn daran, der schönen Cousine Roxane (Henriette Blumenau) die großen Gefühle zu gestehen. Doch der Geliebten wird ohnehin von anderen Männern der Hof gemacht – vor allem der einfältige Christian von Neuvillette (Benedikt Greiner), ebenfalls Soldat, möchte sein Glück versuchen.

Wird man durch einen Kuss zum Diebe?

Für denn Fall, dass ihm die Worte fehlen – er ist eher die stille Schönheit – leiht ihm der bereits resignierende Cyrano als Ghostwriter seine poetische Stimme. Wider jeglicher Erwartungen schenkt Roxane den liebestollen Zeilen ihr Herz und heiratet Christian, der bis auf sein Aussehen nicht viel für die Verbindung getan hat. Graf von Guiche (Pascal Goffin), der Dritte im Bunde und der Kommandeur der Truppe, ist ebenfalls der jungen Frau verfallen und schickt den frisch verheirateten Christian sowie Cyrano an die Front, denn der Krieg klopft nicht nur in den Belangen der Liebe an die Tür…

 

Für die letzte Inszenierung der Spielzeit 16.17 des Grazer Schauspielhauses wurde über Wochen ordentlich die Werbetrommel gerührt. Mit hohen Erwartungen darf man also auf den Grazer Hausberg wandern (oder gratis mit der Schlossbergbahn fahren), um der namhaften Geschichte aus der Feder von Edmond Rostand zu frönen. Tragik trifft auf Romantik, ohne dabei in kitschige Platitüde zu verfallen. Daneben kommt der Humor nicht zu kurz und vorrangig an den richtigen Stellen zum Einsatz. Zum Einsatz kommt auch physisch so einiges. Mit Kampfchoreografien von Renata Jocic beweisen sich die Querulanten im Auftrag der Liebe und lassen mehr als einmal den Atem stocken, wenn der Degen um die erhitzten Gemüter pfeift. Aber auch die Open Air Bühne offenbart sich als Blickfang: Wie selbstverständlich wird der Raum sowie das Publikum durch einen Steg geteilt. Auf diesem wird gelaufen, gekämpft, gesprochen und vor allem aus Leibeskräften geliebt. Immer mit der Frage im Hinterkopf, wie weit Gefühle reichen, ob die bedingungslose Selbstaufgabe tatsächlich gegen Oberflächlichkeiten verliert und die wahre Liebe aus reiner Uneigennützigkeit verzichtet.

Mit vollem Körpereinsatz fegen die Darstellenden in alle Richtungen, rütteln an ihren eigenen Grenzen und preschen euphorisch darüber hinaus. Ob ,,Cyrano de Bergerac“ das Stück des Jahres ist sei dahingestellt, dass damit aber die perfekten Voraussetzungen für eine packende Sommernacht geliefert werden, steht außer Frage – der lang anhaltende Applaus des Publikums meldet sich freiwillig, um als Zeuge zu dienen.

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Next Liberty: Blick auf die neue Spielzeit

„Die Fantasie irrt sich nie“, steht in Leuchtbuchstaben über den Pforten des „Next Liberty – Kinder und Jugendtheater“ geschrieben. Mit diesen vielversprechenden Worten im Rücken, darf die kommende Spielzeit samt Programm ab sofort unter die Lupe genommen werden.

Das druckfrische Spielzeitbuch 2017/18 liegt auf und läutet das kommende  Theaterjahr ein: Unter dem Motto „HINBLICK – BLICK HIN“! wird es auch in Zukunft wieder wertvolle Theatermomente für alle Altersklassen geben. Nicht wegzuschauen und das Hinterfragen diverser gesellschaftlicher Aspekte soll laut Intendant Michael Schilhan nicht zu kurz kommen:

Hinblicken erfordert, einen Fokus zu setzen, sich auf ein Detail zu konzentrieren, etwas Besonderes mitzubedenken, innezuhalten, wertzuschätzen – und das in einer Zeit, in der permanent viele Bilder und Eindrücke auf uns einwirken, uns einnehmen, ablenken und sofern wir es zulassen – oft zu vorschnellen Urteilen verführen.

Der Startschuss der neuen Saison fällt am 23. September mit der Premiere von „König Artus“. Unter der Regie von Georg Schütky, der in der vergangenen Spielzeit ,,Krieg. Stell dir vor, er wäre hier“ inszenierte, wird dem sagenumwobenen Stoff neues Leben eingehaucht. Es folgt ein Ausflug in die Märchenwelt – auf „Gestiefelter Kater“ und „WOLF oder Rotkäppchens Entscheidung aus dem Bauch heraus“, dürfen sich Freunde der Grimm’schen Geschichten bereits jetzt schon freuen.

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Aus der Schmiede von Künstlerin Evelyn Loschy (c) Lupi Spuma

 

Auch ein Blick auf die Produktion ,,Die tollkühnen Abenteuer des Baron Münchhausen“ lohnt sich. In Zusammenarbeit mit Kinderbuchautor Heinz Janisch wird die Inszenierung – wie in der letzten Spielzeit „Patricks Trick“ – von GebärdensprachendolmetscherInnen übersetzt werden, um somit Barrieren abzubauen. Mauern einreißen soll auch Friedrich Torbergs ,,Schüler Gerber“. Der Klassiker der österreichischen Literatur greift das Thema rund um das Scheitern im Bildungssystem auf und wird in Felix Mitterers Bühnenfassung aufgeführt.

Um „tanzende Buchstaben“ wird es im Kinderstück „Ginpuin. Auf der Suche nach dem großen Glück“ gehen. Der kleine „warz schweiße“ Pinguin mit Sprachfehler möchte das Herz der kleinen und großen Besucher erwärmen. Recht hitzig geht es unterdessen in „Die Tanten“ zu. Mit jeder Menge Pointen im Gepäck soll die Komödie über innerfamiliäre Konflikte von Roel Adams dafür sorgen, dass kein Auge trocken bleibt. Man darf gespannt sein!

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Mehr Informationen gibt es hier: http://www.nextliberty.com/