Menschen mit Problemen und Popcorn und Bier!

Foto: Lupi Spuma

Die dreistündige Inszenierung von Franz-Xaver Mayer, “Menschen mit Problemen, Teile I bis III” im Haus zwei des Schauspielhauses, hält seinem Publikum einen Spiegel vor. Das textlastige Stück geht an die kontemporären Probleme unserer Welt mit Humor ran. Oft ist dieser auch sehr schwarz.

Eine weiße Bühne, eine liebenswerte junge Frau, zwei Männer und ein Eisbär. Der Anfang der Inszenierung beginnt mit einem langen Monolog, der an einen Poetry Slam erinnert. Anprangernd, politisch und irgendwie amüsant. Der Eisbär verprügelt zwischendurch die Männer im Hintergrund. Lara Sienczak eröffnet das Schauspiel, doch man hat keine Ahnung, was noch auf einen zukommen wird.

Drei Frauen und Freundinnen werden in drei verschiedenen Lebensphasen vorgestellt. Von Studentin bis alleinerziehender Mutter ist alles dabei. Nach dem Text von Sibylle Berg stehen neben Sienczak auch Ninja Reichert, Evamaria Salcher, Tamara Semzov, Pascal Goffin und Raphael Muff auf der Bühne. Die Entwicklung der drei Hauptfiguren greift in eine Zukunft vor, die an eine Black Mirror Folge erinnert. Futuristisch, abgestumpft und apokalyptisch. Die Damen wollen auf einen anderen Planeten flüchten, weil sie mit der Welt, in der sie sich befinden nicht zufrieden sind und der Meinung sind nichts daran ändern zu können. Und die Männer sind auch dabei.

Das Stück dauert drei Stunden und in der Pause werden die Zuschauer mit frischem Popcorn und Bier versorgt. Eine erfreuliche Erfrischung für die textlastige Produktion. Dieses Stück ist für jeden der jung, mittelalt und alt ist. Es bietet Einsicht in die heutigen Probleme der Frauenwelt, aber auch in die, der Menschen allgemein. Zum Glück, mit ein bisschen Witz dahinter.

Link zur Veranstaltung und Tickets:
https://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/menschen-mit-problemen-teile-i-bis-iii/




Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte…

(c) Lupi Spuma

Die One-Man-Show von Matthias Ohner sorgte am 16. April im Haus zwei des Schauspielhauses für viel Begeisterung beim Publikum. Unter der Regie von Ed. Hauswirth kletterte und kroch der Schauspieler insektenähnlich über die Bühne.

„Was ist mit mir geschehen?“
Die Produktion von Ed. Hauswirth ist simpel und sehr textnahe gehalten. Gregor (Matthias Ohner) ist Erzähler, Hauptfigur und Nebenfiguren in einem. Nur ein veralteter Kassettenrecorder und ein Overheadprojektor unterstützen ihn dabei, die Handlung zu vermitteln.

Die schwere Verwundung Gregors…
Voller Elan und Überzeugung steht Matthias Ohner vor seinem Publikum und nutzt Rasierschaum und Plastikfolie, um die Misere der Kakerlake zu veranschaulichen. Er springt und kraxelt auf der Bühne herum, die sehr minimalistisch aus einem Tisch und einem Stuhl besteht. Immer wieder werden kleinere Requisiten genutzt, die auf eine amüsante Art zum Stück beitragen.

Als sie bald den wahren Sachverhalt erkannte…

Trotz einiger Kürzungen des Originaltexts sind die wesentlichsten Elemente Kafkas Klassikers vorhanden. Ohner verfällt immer mehr in die Rolle des Insekts und auch der Tod Samsas endet in einer schabenhaften Pose.

Die Verwandlung…
ist eine gelungene Produktion, die für Kafka-Begeisterte auf jeden Fall sehenswert ist. Haus zwei ist wie immer klein, aber fein!

Link zur Veranstaltung / Schauspielhaus

R.I.P., Maria Stuart!

Foto: Lupi Spuma

Unter der Regie von Stephan Rottkamp fand, am 04. April im Haus eins des Schauspielhauses die letzte Inszenierung von Maria Stuart statt. Ein schlichtes, jedoch imposantes Bühnenbild untermalte den Abschluss dieser ästhetischen Produktion.

Zwei Königinnen, Rivalinnen, Schwestern.
Im Vordergrund dieses Stücks steht der Konflikt zwischen den Königinnen Maria Stuart (Henriette Blumenau) und Elisabeth (Sarah Sophia Meyer). Der Kontrast zwischen Gefangener und Regierender wird durch Kostüm (Heide Kastler) und die bewegliche Ebene der Bühne (Robert Schweer) hervorgehoben. Oben steht, in einer imposanten roten Robe, Elisabeth, die hin- und hergerissen ist. Bereits ihr erster Auftritt im Stück, als sie von der mobilen Bühne empor gehoben wird, beweist ihre Macht und ihre starke Persönlichkeit. Unten steht ihre verurteilte Schwester. Die Bühne wird der gefangen gehaltenen Königin, Maria Stuart, am Ende zum Verhängnis.

Die Bühne als Mordwaffe.
Der historische Hintergrund des Königinnendrama von Friedrich Schiller ist bekannt und wird sehr Text nahe vermittelt. Am Schluss verliert Maria Stuart ihren Kopf. Die sich bewegende Bühne, auf der Maria anfangs fröhlich herumtänzelt, entpuppt sich schlussendlich zu ihrer Todesstätte. Die Bühne fährt, einer Guillotine ähnlich, auf sie herab. Elisabeth hat entschieden. Dieses symbolische Ende ist vor allem imposant, da dies der letzte Termin der Vorstellung war.

Ein kranker Mörder.
Durchgeführt wird der Befehl der Elisabeth vom Graf von Leicester (Florian Köhler). Das Publikum wurde bereits am Anfang der Vorstellung vorgewarnt, dass der Schauspieler Krank war. Nur selten fiel sein Zustand auf und Leicester brachte sowohl seine Zuneigung, als auch seine Trauer um die Ermordete ausgezeichnet rüber. Nur selten vielen seine Hustenanfälle, hinter Bäumen, auf.

Ein glorreiches Ende.
Die letzte Vorstellung von Maria Stuart war eine gelungene. Am Ende gab es vom Grazer Publikum stehende Ovationen. Sowohl die Schauspieler*innen als auch das Produktionsteam, kann auf diese grandiose Inszenierung stolz sein.

Maria Stuart – Videobeitrag

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