One Man Show ohne Show

Foto: Lupi Spuma

Wilhelm Reichs Werk “Rede an den kleinen Mann” auf der Bühne im Haus Drei des Schauspielhaus Graz. Unter der Regie von Heinz Hartwig rechnet Gerhard Balluch ab.

Standing Ovations am Ende der Vorstellung am 19. November 2018. Gerhard Balluch, tritt als einziger Schauspieler vor das Publikum. Schnell wird klar, dass der leere Stuhl in der Mitte der Bühne den kleinen Mann repräsentiert, der angeklagt wird. Das Bühnenbild ist minimalistisch gehalten und der Fokus wird auf den großen Mann im Raum gelegt.
Seine Vorwürfe betreffen uns alle. In jedem von uns steckt ein kleiner Mann, voller Fehler und Schnitzer. Die Beschuldigungen scheinen nicht enden zu wollen, doch Balluch, ein großer Mann, bietet Verbesserungsvorschläge.
Die Rede an den kleinen Mann ist abwechslungsreich. Der große Mann schwankt zwischen Wut, Mitleid und Hoffnung und hat weder den kleinen Mann, noch die kleine Frau, die genauso mitschuldig an der gesellschaftlichen Situation ist, wie der kleine Mann, aufgegeben. Es besteht Luft nach oben und mit dieser Erkenntnis endet das Stück.
Gerhard Balluch spielt alleine und regt zum Nachdenken an. Eine einwandfreie Performance, die das überschaubare Publikum im Haus Drei überzeugt hat.

 

Link zum Youtube Channel vom Schauspielhaus Graz: https://www.youtube.com/user/SchauspielhausGraz

 

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Foto: Heldentheater

Die neueste und finale Produktion des T’eig Theaters feierte am 08. November im Albert Schweitzer Center ihre Premiere. Unter der Regie von Thomas Sobotka, der wieder einmal auch als Schauspieler mitwirkte, wurden ein Grande Finale und eine grandiose Modenschau mit dem Titel “Faust – und vorbei” geboten.

“Wenn die Regie nicht mehr weiter weiß, holt sie sich Musik und eine Nebelmaschine”, bereits nach der ersten Szene, dem Prolog im Himmel, war klar, dieser Abend dient zur Unterhaltung.
Was folgte war ein kontinuierliches Wechseln. Ob Figuren, Schauspieler, Kostüme, Situationen oder Szenen: Alles wurde durchgewechselt, nur Gott blieb stets in Gold an seinem Schlagzeug und begleitete den Abend mit seinen Rhythmen.
Immer wieder wechselte die Besetzung (Karin Gschiel, Mona Kospach, Christian Ruck, Thomas Sobotka und Christiana Nwosu) die Rollen und schlüpfte in kürzester Zeit in verschiedenste Charaktere und Kleider.
Die Handlung blieb sehr nahe am Originaltext Goethes, doch wurde zwischendurch, um das Publikum ein bisschen aufzulockern und die “Überforderung wegen Unterförderung” nicht Überhand nehmen zu lassen, aus dem Stück herausgetreten. Was dann folgte war eine Hommage an das T’eig Theater mit allen großartigen Produktionen und den dazugehörigen Kostümen und Bühnenbildern.
In diesen inhaltlichen Pausen wurde das Publikum in das Stück mit einbezogen und wurde des Öfteren über den käuflichen Charakter sämtlicher Gegenstände und Kleidungsstücke informiert. Da es sich um das letzte Stück des Theaters handelt, setzte das Ensemble alles daran, so viele Outfits wie möglich im Stück unterzubringen. Selbst die musikalische Untermalung von Christiana Nwosu wurde genutzt, um möglichst viele Kostümwechsel durchführen zu können.
Sogar das Publikum durfte ein Teil der Produktion werden, musste kurzfristig in der ersten Reihe eine Blutabnahme durchführen und auch auf Fragen der Zuseher wurde zwischenzeitlich von den Schauspielern kurz eingegangen.
Die leider letzte Produktion von den T’eigern hat es demnach ziemlich in sich und ist auf jeden Fall ein sehenswerter Abgang eines herausragenden Theaters.