Die Geschichte der Manon Lescaut

Die Oper Graz zeigt gegenwärtig Manon von Jules Massenet – eine Opéra comique in fünf Akten und sechs Bildern mit einem Libretto von Henri Meilhac und Philippe Gille.

Es handelt sich um eine Literaturrezeption der Geschichte des Chevalier Des Grieux und der Manon Lescaut von Abbé Prevost. Das Buch löste in den 1930ern einen solchen Skandal aus, dass es sogar verboten wurde.

(c) WERNER KMETITSCH, David McShane (de Brétigny), Xiaoyi Xu (Rosette), Iulia Maria Dan (Manon), Ana Kovačević (Poussette), Anna Brull (Javotte)

(c) WERNER KMETITSCH

Manon soll wegen ihrem allzu ausschweifenden Lebensstil ins Kloster. Auf dem Weg dahin trifft sie auf den Theologiestudenten Chevalier des Grieux. Er verfällt sofort in tiefe Liebe zu der verführerischen und wunderschönen Frau. Gemeinsam fliehen sie nach Paris, um in wilder Zweisamkeit ihre Leidenschaft füreinander zu feiern. Doch ist die Schönheit auch bei anderen Männern beliebt, was zu Eifersucht und Streit bei dem jungen Paar führt. Es scheint, als würden beide wieder zueinander finden, doch es kommt zu einem tragischen Ende mit dem Zitat: „Dies war die Geschichte der Manon Lescaut“, der zu Tode sinkenden Hauptfigur.

Interessant ist die Umsetzung des literarischen Stoffes in eine moderne Version, die auf dem Schauplatz eines Flughafens spielt. Man wartet gemeinsam mit den DarstellerInnen auf die Ankunft der Passagiere, besucht mit ihnen den Duty Free Shop oder übernachtet auf dem harten Boden, da der Flug wieder einmal Verspätung hat. Und in diese verschiedenen Etappen einer angehenden Reise, ist die Geschichte rund um das Liebespaar Manon und Des Grieux eingebettet. Die Protagonisten tragen, nicht wie erwartet schwingende Kleider im Retrostil oder Anzug, sondern knappe Jeanshotpants und bunte Hemden. Im ersten Moment etwas befremdlich, machen genau diese Elemente die Adaption spannend und obwohl über drei Stunden dauernd sehr kurzweilig.

Symbolismus in Brügge

Die Oper Graz feierte am 18.01. die Premiere von Die Tote Stadt, einer Oper in drei Bildern, nach Georges Rodenbachs Roman Bruges-la-Morte, einem Libretto von Paul Schott und Musik von Erich Wolfgang Korngold.

(c) Werner Kmetitsch

(c) Werner Kmetitsch

Paul trauert um seine verstorbene Frau Marie. Sie erscheint ihm in einer Vision und verspricht, bald zu ihm zurückzukehren. Aber auch der Tänzerin Marietta ist Paul nicht abgeneigt, da sie Marie sehr ähnlich sieht. Nachdem sie sich in einer Theatergruppe wieder sehen, verlangt sie die alleinige Liebe von Paul. In einer Affekthandlung erwürgt er Marietta mit ihren eigenen Haaren. Am Ende ist aber alles nur ein Traum und Paul verlässt die Stadt Brügge für immer.

Das Adjektiv tot im Titel ist von ambiger Bedeutung. Einerseits kann von der sterbenden Stadt Brügge gesprochen werden, die einmal sehr belebt war, andererseits wird die unglückliche Liebe zwischen Marie und Paul thematisiert.

Die Oper ist eindeutig dem Symbolismus zuzuordnen. Kennzeichen dieser Stilrichtung ist, dass sie im Gegensatz zum Naturalismus durch idealistische Züge geprägt ist. In der Vorstellung zeigt er sich besonders durch die traumhaften und leichten Darstellungen, außerdem sind die Motive Tod und Religion eindeutig symbolischer Natur. Besonders der Gegensatz von Leben und Tod wird besonders betont, wie etwa durch ein Kind, das plötzlich auf der Bühne erscheint oder einem Sarg. Sogar ein Vampir taucht auf, um den Menschen ihr Blut zu rauben.

Auffallend sind die Kontraste, die durch die musikalische Untermalung und Lichteffekte entstehen. Es kommt zu einem Wechsel von schwerem Moll und leichter Dur, genauso wie sich das Licht zwischen einer strahlend weißen und sehr dunkeln Farbgebung bewegt. Auch die Harfenbegleitung fügt sich perfekt in die Inszenierung ein.

Erich Wolfang Korngold war ein Komponist aus Brünn und wurde durch die Oper Die tote Stadt berühmt. Er galt als Wunderkind und sah sich selbst als einen Vertreter der Moderne.

Durch den stark symbolischen Charakter ist der Handlung nicht immer leicht zu folgen, worüber man aber durch das beeindruckende Bühnenbild und die Inszenierung, die durch die starken Kontraste brilliert, hinwegsehen kann.

Einbildung oder Erinnerung?

Gegenwart der Erinnerung ist ein Festspiel von Gert Jonke und kann zurzeit im Schauspielhaus Graz besucht werden.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Johanna und Anton Diabelli laden zum Feiern in ihr Heim ein. Es soll ein Gartenfest werden, das exakt so nachgeahmt werden soll, wie es schon vor einem Jahr stattgefunden hat. Es wird alles organisiert, was man für ein solches Ereignis braucht. Die Gäste trinken, essen, beschäftigen sich mit Spielen und plaudern miteinander. Als Höhepunkt ist ein Klavierkonzert gedacht, das auch ein Beispiel dafür ist, dass die einzelnen Szenenteile oft absurd auf den Zuschauer wirken. Der Pianist braucht etwa unbedingt einen Gürtel, um auftreten zu können, und sein Klavier ist eigentlich ein xylophonartiges Schlagwerk. Verwirrung stiftet außerdem ein riesiges, eiförmiges Gebilde, das innerhalb kürzester Zeit immer größer und unförmiger wird. Danach diskutiert man um einen beleuchtenden Tisch sitzend und im Dunkeln, ob das Gartenfest vom letzten Jahr doch das Gestrige war. War also alles nur Illusion?

Die Kostüme sind so ausgewählt, dass sie zum Fest einer eher nobleren Gesellschaft passen: Die Männer sind in Anzüge gekleidet, während die Frauen durch farbige Cocktailkleider auffallen.

Das Stück besticht durch seine atmosphärischen Lichteffekte. Es beginnt damit, dass im vorderen Teil der Bühne gedämpftes Licht herrscht, während hinter einer torartigen Öffnung, die durch einen matten, durchscheinenden Vorhang verdeckt wird, die eigentliche Feier im Gange ist. Es kann von einem Schattenspiel durch Licht, das verschiedene sich abwechselnde Gelbtöne hat, gesprochen werden.

Auch die Musik erzeugt eine zu einem gehobenen Fest passende Stimmung. Es beweisen Lukas Hirzberger an der Trompete und Matthias Frank am Schlagwerk ihr Können.

Was die Bühne betrifft gibt es drei Komponenten: Ganz hinten befindet sich der schon erwähnte Raum hinter einem Vorhang, der ihn von der übrigen Bühne abgrenzt. Später wird das Spektakel in den Mittelteil der Bühne verlegt. Danach wird der vordere Teil nach oben gefahren. Es handelt sich hier um ein bewegliches Element, das je nachdem, ob es gebraucht wird oder nicht, einmal hinunter- und hochfährt.

Regie führt die aus Berlin stammende Christiane Pohle.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Inszenierung besonders durch ihre melodische Musik und die durchdachten Lichteffekte überzeugt, leider aber manchmal etwas langatmig ausfällt.