Retterin in schwarzem Satin

Die Oper Graz zeigt von November 2014 bis März 2015 Franz Lehàrs Die lustige Witwe, eine Operette in drei Akten, Libretto von Victor Léon und Leo Stein.

Die Handlung spielt in Frankreich um 1900. Die Botschaft von Paris steht kurz vor dem Bankrott. Hanna Glawari kommt dem Botschafter als Erste in den Sinn. Ihr Mann ist erst vor Kurzem verstorben und hat ihr ein beträchtliches Vermögen hinterlassen, das die Situation retten könnte. Also soll Graf Danilo die junge und vor allem sehr begehrte Witwe für sich gewinnen. Sie treffen sich zufällig auf einem Ball und verlieben sich ineinander. Da Danilo aber nicht will, dass Hanna glaubt, er möge sie nur wegen ihres Reichtums heiraten, verschweigt er ihr seine Liebe. Nach einigen Missverständnissen und erst als Hanna vorgibt, ihr Geld zu verlieren, falls sie noch einmal heiraten sollte, können die beiden zueinander finden.


(c) Oper Graz, Ivan Oreščanin (Graf Danilo Danilowitsch), Christiane Bösiger (Hanna Glawari)

(c) Oper Graz, Ivan Oreščanin (Graf Danilo Danilowitsch), Christiane Bösiger (Hanna Glawari)


Ein Höhepunkt der Inszenierung ist das Volksfest. Es wird ein mit Geschirr und Lebensmitteln behangener Baum auf die Bühne gerollt. Durch seine verschiedenfarbigen Blüten und die dazu passende Beleuchtung sorgt er für eine phänomenale Stimmung. Auch die um ihn tanzenden Darsteller sind in farbenfrohe volkstümliche Kostüme gekleidet. Es wird ein zusätzliches E-Piano, Schlagzeug und eine Bassgeige zur Unterstützung des Gesangs vor dem Orchester platziert.

Trotz der langen Spielzeit kommt keine Langeweile auf. Das Publikum wird zum Mittanzen und -singen animiert. Mitklatschen bei den Gesangseinlagen ist garantiert.

Die beiden HauptdarstellerInnen sind der in Belgrad geborene Bariton Ivan Oreščanin, der den Grafen Danilo Danilowitsch mimt, und Christiane Boesinger, wie auch Margareta Klobučar, die sich die Rolle der Hanna Glawari teilen.

Das Bühnenbild wirkt durch die eingebauten sich drehenden Elemente und die rahmenden Lichtbalken, die rote Ornamente oder Schriftzeichen anzeigen, sehr dynamisch.

Das Orchester unter der Leitung von Marius Burkart ist in das Bühnenbild integriert und sorgt für eine stimmungsvolle Untermalung im hinteren Teil der Bühne. Besonders durch die ausgeprägte Klangvielfalt überzeugend, bildet es die ideale Begleitung für die Aufführung.

Die atmosphärische Vorstellung besticht vor allem durch ihren Kontrast zwischen Schwarz und verschiedenen Farbwechseln, was sich besonders in den Kostümen und Lichteffekten zeigt.

Dem Publikum wird ein schillernder Abend, getaucht in dekadente Farbenpracht, geboten. Die Aufführung dauert fast drei Stunden, nichts desto trotz ist dieser Theaterbesuch ein dennoch kurzweiliges und empfehlenswertes Vergnügen.

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„Interview mit einer Barbie-Puppe“,

denkt sich Pierre, als er sich auf den Weg zu Katja macht. Die Schauspielerin entspricht so überhaupt nicht seinen Vorstellungen einer ebenbürtigen Gesprächspartnerin. Der Journalist beschäftigt sich beruflich nämlich ausschließlich mit politischen Themen. Katja jedoch belehrt ihn eines Besseren und entlockt ihm sogar seine abgrundtiefsten Geheimnisse. Seine Tochter stirbt, als er gerade einen beruflichen Aufenthalt in Afghanistan verbringt. Die alkoholisierte Ehefrau verursacht währenddessen einen Autounfall, bei dem das Kind ums Leben kommt. Als er wieder zu Hause angekommen ist, trifft er seine Frau an der Flasche hängend in der gemeinsamen Küche. In einer Affekthandlung fährt er mit ihr zu einem Teich und versenkt das Auto darin. Seine Frau ertrinkt, er kommt ungeschoren davon. Nach dieser Beichte, weiß er noch nicht, dass Katjas Geheimnis an einer Krebserkrankung zu leiden, nur erlogen ist. Betroffen diese Lüge bereits seinem Kollegen in der Redaktion mitgeteilt zu haben endet die Vorstellung. Das dumme Blondchen ist anscheinend doch nicht das, was man sich von einer Darstellerin flacher Filme erwartet.

Die Protagonisten Philine Bührer, als Katja, und Florian Köhler, Pierre, liefern sich schlagfertige Dialoge auf der Ebene 3. Wenn der eine denkt, die Oberhand zu gewinnen, kontert der andere blitzschnell. Der abgebrühte Polit-Journalist geht als Überlegener ins Rennen, gleichzeitig merkt er nicht, dass das Filmsternchen ihn bereits hinters Licht geführt hat.


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(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz


Vergleiche zwischen Katjas operiertem Busen und Silikonvalley bringen den nötigen Witz ins Spiel. Bei den Diskussionen über die vorurteilsbehaftete Welt der Filmindustrie ist von Schönheitsoperationen, Drogen und vermeintlichen Liebschaften die Rede. Auch die Medienkritik an den Journalismus und die damit verbundene Klatschpresse spielt eine Rolle.

Die Bühne dient als Ort des Streitgesprächs, der immer wieder neu konstruiert wird. Durch die Lichteffekte werden Situationen der Klarheit und des Verhörs erzeugt. An die ständig positionswechselnden Wände werden Szenen aus Katjas Videotagebuch projiziert. Irgendwann kann zwischen Imagination und Realität nicht mehr unterschieden werden, weder von den Zuschauern noch von den Figuren im Stück.


(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz


Als klischeehaft können die Kostüme bezeichnet werden. Katja im pinken Glitzeroutfit, während Pierre im Anzug auftritt.

Nach dem gleichnamigen Filmdrama Interview – nächtliche Geständnisse des Regisseurs Theo van Gogh inszenierte Kathrin Rosenberg diese Vorführung für das Schauspielhaus Graz.

Man geht betroffen, aber vollauf zufrieden aus der Vorstellung hinaus, die neunzig Minuten kurzweilig verbracht zu haben.

Link zur Seite des Schauspielhauses Graz

Rinderseuche im Zeichen der Liebe

Benjamin Lee Baumgartner reist nach London und verliebt sich in die Verkäuferin einer Fastfoodkette. Beim Versuch diese anzusprechen bestellt er sich – obwohl Vegetarier – einen Burger und erkrankt prompt an BSE. Derselbe fliegt nach Peking und fängt sich den Vogelgrippeerreger ein. Beide Male hat er ein kurzes Techtelmechtel, wobei aus einem sogar ein Kind hervorgeht. Nicht zu vergessen ist die brave Gattin, die zu Hause auf ihn wartet. Es handelt sich hierbei aber nicht um einen von Fernweh geplagten Ehebrecher, sondern um die verzweifelten Versuche, endlich seinen Vater – der ein Indianer sein soll – kennenzulernen. Im Laufe der Geschichte stellt sich aber heraus, dass seine Hippie-Mutter Benjamin mit einem französischen Straßenmusiker gezeugt hat und dieser eigentlich den Namen Lee Ben in der Taufurkunde stehen hat.

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(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Zusätzlich taucht immer wieder ein auktorialer Erzähler auf, der Benjamin in deren gemeinsamer Studienzeit kennengelernt haben soll. Dieser ist Autor und begleitet die Vorstellung als Ich-Erzähler.

Die Darsteller Jan Gerrit Brüggemann und Marc Fischer tauschen immer wieder die Rollen, wodurch die Szenenwechsel klarer strukturiert werden. Interessant ist das Gespräch mit der Mutter, in dem diese nur die Lippen bewegt und Evi Kehrstephan ihr die dialektal gefärbte Stimme leiht. Seyneb Saleh spielt gleichzeitig die Burgerverkäuferin, als auch deren Tochter, die sie bei ihrem Abenteuer mit Benjamin Lee gezeugt hat. Die Rolle seiner Ehefrau – auch „Die Baum“ genannt – wird von Steffi Krautz übernommen, wobei diese auch Benjamins Mutter darstellt.

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(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

 

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(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Das interaktive Bühnenbild besticht vor allem durch Bilder und Videos, die auf Netze projiziert werden. Je nach Szene helfen diese dem Zuschauer die Handlung besser nachzuvollziehen, wie etwa bei den immer wieder vorkommenden Zeitsprüngen. Auch Schriftliches erfährt eine bildliche Darstellung; als Beispiel wäre hier die Szene zu nennen, in der die Gattin die Aufzeichnungen über die gemeinsam verlebte Liebesnacht mit der Burgerverkäuferin findet, wobei auch eine Rückblende in die Vergangenheit stattfindet. Ansonsten werden Requisiten eher spärlich eingesetzt – nur ab und zu finden zwei Sessel ihren Platz auf der Bühne -, mehr ist neben den Foto- und Videoprojektionen aber auch nicht nötig.

Die Inszenierung der Romanvorlage Verteidigung der Missionarsstellung von Wolf Haas war an diesem Tag ausverkauft und verhalf den Zusehern zu einem spannenden und heiteren Abend, der absolut empfehlenswert ist.