Katharina Grosse – „Wer, ich? Wen, Du?“

Ein gewaltiges Schaumstoffmeer in den leuchtendsten und schimmernsten Farben kommt uns entgegen und reißt uns sofort mit der nächsten Welle mit.

Katharina Grosse wurde 1961 in Freiburg geboren, ist seit 2010 als Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf tätig und wurde 2014 mit dem Oskar-Schlemmer-Preis, Großer Staatspreis Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Bei der momentanen Ausstellung Wer, ich? Wen, Du? im Kunsthaus Graz begegnet man einem scheinbar zufällig im Raum hingelegten Schaumstofftuch. Es ist von gewaltiger Größe und füllt den gesamten Raum. Zudem ist es über und über mit den verschiedensten Farben besprüht, wobei die Farben auch in den Raum dringen, d.h., dass sie über das Tuch hinaus auf den Boden fließen. Kurz, die Farbe und der Gegenstand werden voneinander gelöst, bewegen sich scheinbar unabhängig voneinander im Raum und treffen ab und an aneinander.

(c) N. Lackner

(c) N. Lackner

Grosse verwendet Farben impulsiv; verteilt sie schießend, mithilfe einer Pistole, leidenschaftlich auf dem Objekt und im Raum. Die grellen Farben sollen an Plastik erinnern, wodurch ein Gegenwartsbezug hergestellt wird.

(c) N. Lackner

(c) N. Lackner

Kunst auf eine andere Art: intensiv, impulsiv und modern. Für Liebhaber der „schönen“ Malerei der Renaissance wohl eher nicht zu empfehlen, dafür für all jene, die die moderne Kunst zu schätzen wissen oder ihren Gedanken einfach freien Lauf lassen wollen, um darauf los zu interpretieren.
Das Ausstellungsobjekt zieht einen definitiv in seinen Bann; jedoch ist es schade, dass es anscheinend keine wirklichen Aussagen und keinen wahren Grund für die Herstellung gibt, weshalb es schwierig ist, diese Art von Kunst nachzuvollziehen, vor allem weil es bei dieser Ausstellung kein anderes Werk von Grosse zu bestaunen gibt.

Nähere Informationen unter: Universalmuseum Joanneum sowie im Mueumsblog

OBJECTS OF MEMORY

Was haben Österreich, die USA und Israel mit dem Holocaust gemeinsam? Ganz einfach, eine unglaublich interessante Lebensgeschichte, auf die wir in der Ausstellung objects of memory mitgenommen werden.

(c) Shimon Lev

(c) Shimon Lev

Shimon Lev, israelischer und jüdischer Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler wurde 1962 in Tel Aviv geboren. Er begann Anfang der 1990er-Jahre die Geschichte seiner Familie, besser gesagt seines Vaters, aufzuarbeiten. William Löw überlebte als einziger seiner Familie den Holocaust, dank eines Studienaufenthalts, der ihn über England in die USA führte. Dort angekommen arbeitete er als Physiker, trotz der elf Generationen andauernden Rabbinertradition seiner Familie, bis er schließlich nach Israel auswanderte und den Namen Ze’ev Lev annahm.
Sein Sohn, Shimon Lev, nimmt uns nun mit auf die Reise seines Vaters: Die Häuser in Wien und Berlin, in denen der junge William seine Kindheit verbrachte, versetzen uns, mit einem Video, in dem die heutigen Bewohner dieser Häuser private Briefe zwischen William und seiner Familie vorlesen, zurück in die Zeit des Nationalsozialismus. Dabei werden beispielsweise die Sorgen der Mutter, ob ihr Sohn doch genügend zu essen hat, und nicht der Krieg thematisiert, was uns tief in die Geschichte hineinzieht. Daneben werden der bedrückende Gang der Juden zum Bahnhof auf dem Weg der Deportation geschildert und Fotos der Verwandten von 1938 bis 1944 gezeigt, in denen die harten Umstände den Personen in das Gesicht geschrieben stehen.
Doch noch nicht genug, Shimon Lev bezieht auch seine eigene Geschichte in das Projekt mit ein. Ein israelisches Dorf aus Karton, nachgebaut, um israelischen Soldaten, wie auch Lev einer war, das Schießen zu lehren. Doch wie soll man sich im Zuge dessen seiner eigenen Vergangenheit bzw. der seiner Familie gegenüber verhalten?

(c) Clemens Nestroy

(c) Clemens Nestroy

Dank des packenden Künstlergesprächs bei der Eröffnung blieben keine Fragen offen. Shimon Lev erklärte mit größter Offenheit und stellte die Bezüge zwischen den einzelnen Ländern äußerst klar dar. Eine sehr mitreißende Ausstellung, die uns den Nationalsozialismus auf eine andere Art und Weise näher bringt und das Einfühlen in eine ganz private Familiengeschichte ermöglicht.

Die Ausstellung im Kulturzentrum bei den Minoriten ist noch bis 20. Juli zu sehen und nicht nur für Geschichtsfanatiker interessant. Mein Fazit: Unbedingt hinschauen und in die Vergangenheit eintauchen!

Der Link zur Homepage:

http://www.kultum.at/?d=objects-of-memory-shimon-lev

Lehrerzimmer 8020

In Zeiten der Pisa-Studie, Leistungsstandards und vermehrter Burn-out-Fälle im Lehrkollegium geht eine Schule in Graz einen anderen Weg: Bewertungen, Leistungsdruck, und Lernstress werden abgeschafft, die Lehrkräfte arbeiten zusammen und ein kultureller Austausch entsteht. Das Projekt Magellan – wir erkunden 8020 ist geboren!

© Johannes_Gellner

© Johannes_Gellner

Doch schnell wird klar, dass eine individuelle Klassenführung zu neuen, individuellen Problemen führt. Die Lehrpersonen wissen nicht, wie sie die Wünsche der Direktorin umsetzten sollen – dieser wächst das Projekt ohnehin schon über den Kopf.

Lehrerzimmer 8020 ist eine Koproduktion des Schauspielhauses Graz und dem Theater am Bahnhof. Vom Dozenten an den Instituten für Schauspiel und Musikpädagogik der Kunstuniversität Graz, Lorenz Kabas, geschrieben, wurde es am 9. März 2013 uraufgeführt.

Auf witzige und spannende Art und Weise wird der Alltagsstress der Lehrerinnen und Lehrer präsentiert: Vorbereiten, Eltern informieren, Konferenzen und Zusammenarbeit mit scheinbar unfähigen Kolleginnen und Kollegen. Die Recherchearbeiten in Schulen sowie die persönlichen Erfahrungen der Schauspielerinnen und Schauspieler tragen Früchte: Lehrerzimmer 8020 bietet einen spritzigen Einblick in den Lehralltag. Ein „neues“ Lehrerbild wird gezeigt, das mit dem der Gesellschaft nicht sehr viel gemeinsam hat und im Zuge dessen mit den Vorurteilen, dass Lehrer „sowieso nicht wirklich zu arbeiten“ und „die ganze Zeit frei haben“ aufräumt. Aber nicht nur das – auch  Themen wie Montessori anstatt Frontalunterricht, „verhaltenskreativ“ statt „gestört“ oder was eine Schule gemeinhin zu einer guten Schule werden lässt, werden angeprangert.

Ab und an verliert sich das Stück dann aber doch in langatmigen Monologen, bei denen man zu gerne abschweift, doch ziehen einen die vielen lustigen Dialoge sofort wieder in ihren Bann. Als Tochter einer Lehrerin erinnerte ich mich während des Stücks immer wieder an die unzähligen Geschichten meiner Mutter und ich kann nur sagen, dass der Lehrer-Alltag mehr als realistisch wiedergegeben wird!

Lehrerzimmer 8020 ist ein Stück, das nicht nur für Lehrpersonen, Lehrerkinder und zukünftige Unterrichtende unterhaltsam ist, wie auch die Resonanz des Publikums zeigte, denn selbst diese vorletzte Vorstellung war restlos ausverkauft!