Von Schönberg zu Benatzky

Wie schlägt man einen Bogen vom Revoluzzer Schönberg zu den Melodien im Weißen Rössl am Wolfgangsee? Iris Vermillion und Amarcord Wien schafften den Sprung mit niveauvoller Unterhaltung.

Iris Vermillion (c) Werner Kemtitsch

Für Programmexperimente der etwas anderen Art hat sich vermutlich schon so mancher Veranstalter an das ungewöhnliche Quartett aus Wien gewandt. Originell hemmungslose Arrangements und ein unverwechselbarer Klang machen jede Konzertbegegnung mit den vier Herren zu einem Erlebnis. Für die Styriarte fand sich das Ensemble mit der Sängerin Iris Vermillion zusammen, mit der sie schon 2016 eine erinnerungswürdige (trotz kurzfristigem Einsprung!) Gustav Mahler SOAP gestalteten. Auch Vermillion lässt sich mit ihrer satten Stimme und ihrer einvernehmenden Präsenz nicht einfach in eine Schublade stecken. Schon in den ersten beiden Stücken, Auszüge aus den „Brettl-Liedern“, kam der höhen- und tiefenreiche Mezzosopran der gebürtigen Deutschen in den spannenden und unvorhersehbaren Melodien Schönbergs voll zum Vorschein. Im Lied der Seeräuber-Jenny wurde ein Stück intellektuelles Unterhaltungstheater des Zweigespanns Weill und Brecht geboten, in der Vermillion die Blutrünstigkeit der Hauptfigur ohne Hemmungen darstellte. Auch die Auszüge aus „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ bekamen durch die teils jazzig, swingenden Intermezzi der Musiker eine neue Dimension.

Amarcord Wien (c) Nancy Horowitz

Hatte doch jeder auf seine Art etwas Eigenbrötlerisches in seinem Spiel, faszinierte es, wie gut die Musiker doch in ihrem Miteinander harmonierten. Das Adagietto aus Mahlers 5. erkange neu gespickt mit Flageolett-Flimmern eins ums andere Mal Herzen öffnend. Die instrumentalen Tangos zwischen den Liedern brachten klassische so wie nuevo Tangostimmung auf. Mit verschiedenen Schmankerl aus Ralph Benatzkys Singspiel „Im weißen Rössl“ wurde der Abend leicht schunkelnd und vielleicht etwas überspitzt theatralisch im Gesangspart ausgeleitet, wobei natürlich so manche Überraschung nicht ausblieb. So wurde beispielsweise die Melodie von „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“ von Akkordeonspieler Tommaso Huber zu einer rhythmisch prägnanten Fuge umgearbeitet.

Weitere Informationen zum Konzert und weiteren Veranstaltungen der Styriarte unter:
https://styriarte.com/events/schoenberg-im-weissen-roessl/?sti=36093

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Wolf italienisch

Im letzten Liederabend der Saison boten Christiane Karg und Michael Nagy Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“. Am Klavier spielte der großartige Gerold Huber.

Christiane Karg (c) Gisela Schenker

Selten ist der italienische Wolf vollständig zu hören, vermutlich auch weil das Werk etwas im Schatten des „Spanischen Liederbuches“ steht. Der Großteil der Lieder handelt von den vielen Formen der Lieder, für die italienische Gedichte in deutscher Übersetzung von Paul Heyse als Inspirationsquelle dienten. Dazwischen sind aber ein paar musikalische Anekdoten ganz anderer Art hineingeschummelt, die teils religiösen teils rein erheiternden Charakter zeigen. Christiane Karg, die im Vorjahr mit einem Liederabend voll großer Erzählkunst aufhorchen ließ, konnte ihre Stimme in Wolfs Stückerln nicht voll ausschöpfen. Zu Beginn schienen ihre Töne eng gehalten und erst im Laufe des Konzertes wurde die frische, leichte und kecke Charakteristik ihres Vortrages deutlich, wie sie es etwa in „Ihr jungen Leute“ bewies. Im zweiten Teil bescherte ihre Stimme aber doch den Höhepunkt des Abends mit dem Lied „Oh wär‘ dein Haus durchsichtig wie ein Glas“. Zum gläsern feinen Spiel von Gerold Huber entlockte sie ihrer Stimme hier sehnsuchtsvolle Töne, die mit ihrer Zerbrechlichkeit und Anmut Stillschweigen im Saal beschwören konnten.

Michael Nagy (c) Monika Höfler

Den Part des Baritons übernahm Michael Nagy, der hiermit aus sein Debüt im Musikverein für Steiermark beging. Seine Stimme gewann ebenso wie die seiner Partnerin im Laufe des Abends an Lebhaftigkeit, und so erklang „Heb auf dein blondes Haupt“ besonders schmeichelnd. Den schlummernden Weitklang seiner Töne hob er sich allerdings für den zweiten Teil des Abends auf, und so wurde man in „Schon streckt‘ ich aus im Bett die müden Glieder“ noch munter überrascht. Getragen und gehoben wurden die beiden Sänger vom Pianisten Gerold Huber, der an der Musikhochschule Würzburg auch eine Professur für Liedbegleitung innehat. Hubers Spiel ist klar, nuanciert und lebhaft. Einzig die zu kurzen Pausen zwischen den Stücken lassen sich bemängeln, da man selbst als Zuhörer das Gefühl hatte, kaum durchatmen zu können. In Summe blieb der Eindruck zurück, dass das Schaffen Hugo Wolfs zwar auch hier zu unterhalten wusste, um einen ganzen Abend allerdings spannungsvoll zu füllen, wären mehr Kontraste und/oder ein durchgezogener Faden von Nöten gewesen.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
https://www.musikverein-graz.at/konzert/5-liederabend-3/

Männerschicksale im Musikverein

Marek Janowski, einer der renommiertesten deutschen Dirigenten, brachte Instrumentales aus Wagneropern, sowie Beethovens Eroica zur Aufführung.

Marek Janowski (c) Felix Broede

Die vielgeschätzte Programmauswahl und die glanzvolle Leitung des Grazer philharmonischen Orchesters gab gleich mehrfach Anlass für einen wohlfüllten Stefaniensaal vergangenen Montag. Den Auftakt bildete die Ouvertüre zum fliegenden Holländer, dessen wogendes Schicksal in unsteter Fahrt auf dem Meer gefangen zu sein, unmittelbar füllig in die Ohren der Zuhörer hereinbrach. In unstillbarem Verlangen folgte darauf der Liebestod aus Tristan und Isolde. Das Vorspiel der wegweisenden Oper nimmt dabei das schwere wenn auch befreiende Schicksal des unglücklichen Brautwerbers wenn auch nicht lebendig doch aber im Tod vereint zu sein dem Schlusssatz, der Verklärung, vorweg.
Das Orchester schlug sich im Allgemeinen wacker unter dem Taktstock des gebürtigen Warschauers. Besonders die Streicher zeigten sich in den von der obligaten Bassklarinette eingeleiteten Pianopassagen von ihrer besten Seite, wenngleich sich die Ruhe nicht voll auf die große Zuhörerschaft auszubreiten vermochte.
Marek Janowski dirigierte aus erfahrenem Gedächtnis mit großer Sorgfalt. Ausdrucksstarke fächelnde Gesten mit der Hand und laufende Korrektur in allzu eindeutigen Blicken verliehen dem Gebotenen neue Dynamik. Das äußerte sich besonders in Beethovens dritter Symphonie. Auf deren konservativ recht langsam, etwas gedämpft gebotenen ersten Satz folgte Dramatisches und vielfältig Tänzerisches mit großer Nähe zum Publikum.
Das bekannte Werk, vorerst Napoleon Bonaparte im Vorhaben nach Paris zu übersiedeln gewidmet, erzählt wohl auch vom Schicksal mindestens einer Persönlichkeit. Beethoven schreibt dazu in der Erstausgabe: „komponiert zur Feier des Andenkens eines großen Mannes“.

Weitere Informationen zum Konzert und andere Veranstaltungen im Musikverein unter:
http://www.musikverein-graz.at/konzert/9-orchesterkonzert-7/