Ein Pfiff auf die Oper!

Der Kunstjongleur Nikolaus Habjan bewies sich als Kunstpfeifer im Grazer Schauspielhaus.

(c) Lukas Beck

Mit seinen gefeierten Erfolgen als Puppenspieler und Regisseur ist es Nikolaus Habjan nicht genug – auch die Kunst des Pfeifens findet sich in seiner kreativen Trickkiste. Mit Opernarien von Händel bis Verdi füllte seine Pfeiferei einen Abend begleitet von Ines Schüttengruber am Klavier. Zu seinem besonderen Instrument kam der junge Habjan als er realisierte, dass die auf der Geige zu übenden Melodien doch viel einfacher zu pfeifen sind. Dieser Erkenntnis verdankte das Grazer Publikum ein Opernprogramm der besonderen Art. Mit barocken Arien von Georg Friedrich Händel zeigte Habjan gleich zu Beginn in welch helle und lichte Höhen er sich pfeifen kann. Kunstvoll meisterte er lange Atembögen ebenso wie geschwinde Läufe und unterstrich die Stimmung seiner Stücke durch eine Gestik à la Opernsänger (eine wechselnde Mimik bleibt dem Kunstpfeifer ja vorenthalten). Auch die folgenden Arien von Gluck und Mozart ließen die Wendigkeit seines Pfiffs bewundern, und manche 100ste Wortwiederholung einer Opernarie geht in der Pfeifversion nicht ab.


Im Weiteren führte das Programm zu romantischen Stücken bei Wagner, Verdi und Janáček. Eine schöne Phrasierung ließ den Geist der Arien kunstvoll durch den Raum schweben, für den vollen Zauber dieser Musik vermisste man aber an manchen Stellen doch die oft so kongeniale Symbiose aus Wort und Melodie in der Oper. Ein atmosphärischer Höhepunkt war gewiss die „Klage an den Mond“ der Rusalka, deren süßliche Schönheit die beiden Musiker feinsinnig beschwörten. Auch um manches effektvolle Amusement war Nikolaus Habjan nicht verlegen, und so kaprizierte und stockte er als Puppe „Olympia“ aus Hoffmanns Erzählungen sehr zum Vergnügen der Zuhörer. Ein weiteres Extra des Vortrags von Habjan sind seine plakativ-gewitzten Opernkurzzusammenfassungen, die er seinen Arien voranstellt. So mancher Opernfan hat an diesem Abend seine wohlvertrauten Opernfiguren wohl auch aus einer ganz neuen Blickrichtung kennen gelernt.

Weitere Informationen zum Konzert unter:

Klein aber oho! Die Ameisen im Joanneum

Kleinen Krabbeltierchen widmet sich die Ausstellung „Von Sklavenjägern und Viehhaltern“ im Naturkundemuseum des Joanneumviertels.

Ausstellungssujet
Amazonenameise (Polyergus rufescens) im Kampf mit Rasenameise (Tetramorium sp.). Foto: G. Kunz

Jeder kennt sie, doch wer kennt sie wirklich? Über 100 verschiedene Ameisenarten gibt es alleine in der Steiermark. Das ist schon nicht schlecht, im globalen Vergleich aber doch eher bescheiden: über 14.000 verschiedene Arten von Ameisen wurden bereits bezeichnet, Tendenz steigend. In drei Räumen werden die Besuchenden der Ausstellung in die Arten der Ameisen, deren Verhalten und Lebensweisen eingeführt.
Im ersten Abschnitt darf man sich über die originellen Namen der verschiedenen Familien wundern: Moorameise, kleine Säbelameise, Ernteameise, Arbeitslose Parasitenameise und viele mehr. Letztere gehört zu einer eher aggressiven Bande, die selbst keine Arbeiterinnen produzieren und in königinnenlose Nester anderer Ameisen eindringen, um deren Dienste mit zu nutzen. Ganz allgemein wirkt die Ameise, abseits ihres eigenen „Stammes“, wie ein nicht sehr soziales Geschöpf, bekriegen sich doch auch verwandte Völker oft bitterlich. Doch nicht ganz schwarz ist das Sozialleben dieser Tierchen: Es wurden auch Fälle von Kooperationen verschiedener Nester beobachtet, die ihre Kräfte vereinen um dann, wer weiß, nach höheren Ameisenzielen streben. Bei der Artenbestimmung ist man als Laie mit den kleinen verplexiglasten Tierchen doch ein bisschen überfordert, die verschiedenen Stielchenglieder, Einschnürungen und Hinterleibskrümmungen und -behaarungen zu unterscheiden. Doch Arten wie die Stöpselkopfameise sind auch für Ameisenanfänger unschwer zu erkennen. Den malerischen Namen hat die Stöpselkopfameise von ihrem rechteckigen Kopf, mit denen ihre Kämpferinnen zur Abwehr gegen unliebsame Eindringlinge die Eingänge der Nester verstopfen können. Überhaupt ist das Verhalten der Ameisen der wohl interessanteste Aspekt der Ausstellung und so darf man noch über manch andere eigentümliche Gewohnheit der Ameisen erfahren. Treffen sich etwa zwei Ameisen, streicheln sie sich mit ihren Fühlern gegenseitig über den Kopf um an den Duftstoffen das Gegenüber als Freund oder Feind zu erkennen. Eine Kopfmassage als Begrüßung – das ist doch mal eine nette Idee! Außerdem sind Ameisen Meister in der Viehhaltung. Ihre Hauptnahrungsquelle ist der Honigtau, den sie von verschiedenen Läusearten gewinnen. Dabei trippeln sie den Läusen auf dem Pelz herum, bis diese das kohlenhydratreiche Sekret abgeben. Als Gegenleistung halten die Ameisen Fressfeinde der Läuse durch ihre bloße Anwesenheit fern – die kleinen Krabbler gelten bei der Mehrzahl der Tiere nämlich als ungenießbar. Zum Abschluss sieht man drei verschiedenen Arten noch in Großaufnahmen aus der Elektronenmikroskopie. Auch wenn der Besuch dieser Ausstellung nicht halbtagesfüllend ist, gibt der Rest des Naturkundemuseums doch noch eine Vielzahl an zu entdeckenden Wunderlichkeiten unserer Umwelt preis. Der nächste Besuch kommt bestimmt.

Weitere Informationen zur Ausstellung unter:

https://www.museum-joanneum.at/naturkundemuseum/ausstellungen/ausstellungen/events/event/8873/von-sklavenjaegern-und-viehhaltern

Schubert in Happen

Bei der Schubertiade! (Ausführung 1.0) gab es in der Helmut List Halle mehrere Lieder sowie das große G-Dur Streichquartett zu hören.

(c) Nikola Milatovic

So mancher Fan des romantischen Antihelden hat wohl schon von der kreativen und inspirierenden Atmosphäre einer „echten“ Schubertiade geträumt. Im vertrauten Kreis zwischen Künstlern und Bewunderern ist wohl schon so manche Zauberstunde verstrichen. In Zeiten von Corona muss dies freilich ein Traum bleiben und der Zuhörer ist aufgefordert, das Umfeld des Vertrauens und Hinspürens in sich selbst zu manifestieren, um die Musik ganz aufzunehmen.
So gelang dies etwa beim Streichquartett in G-Dur (D 887), Schuberts letztem und größtem Werk dieser Gattung, wenn man die verschiedenen Sätze im Geiste zusammenführte. Das Quartett um Maria Bader-Kubizek spielte die ersten drei Sätze des Werkes immer in Happen, um Platz für Vokalmusik dazwischen zu lassen. Als Schubertpurist hätte man natürlich gerne das ganze Werk und in einem Guss gehört, aber auch so konnten sich viele der Höhen und Abgründe dieses Werkes auftun. Die vier Musiker musizierten voll Bedacht und kollektiver Leidenschaft miteinander und schafften es bei jedem Satz für einen immensen Spannungsbogen zu ziehen.

(c) Nikola Milatovic

Das vokale, kammermusikalische Pendant gestalteten Stephanie Houtzeel und Florian Birsak mit verschiedenen Liedern. Die Mezzosopranistin, die ihre stimmliche Stärke schon in vielen Fächern bewiesen hat, wurde mit Schubert jedoch nicht richtig warm. Der Wunsch nach großem Gestalten schien so groß, dass manche dynamische Gestaltung sich nicht an das Grundgemüt der Lieder anpassen wollte. Zwar erlaubte sie auch ein paar leise Momente, doch wollten sich diese nicht zur Schubertscher Sensibilität entwickeln. Im dramatischen Epos des Fragments aus dem Aeschylus (D 450) fand sie jedoch den richtigen Ton und eine authentische Interpretation.
In einem wunderbaren Abschlussbild wurde die ästhetische Sängerin im finalen Lied von einem Dutzend weiterer schöner Frauen umringt. Der Frauenchor der Camerata Styria, einstudiert von Sebastian Meixner, machte aus dem Ständchen (D 920) ein fein nuannciertes Wechselspiel.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
https://styriarte.com/events/schubertiade1/?sti=72019