Heiter und herzerwärmend

Das Musical vom tapferen kleinen Anton und seiner originellen Freundin Pünktchen begeisterte Groß und Klein.

(c) Stella

An einer schönen Geschichte voll Freundschaft, Mut, Spannnung und Versöhnung muss nichts banales sein. Erich Kästner ist ein Meister solcher Geschichten, die bis heute Kinder wie Erwachsene in ihren Bann ziehen. Das Musical „Pünktchen und Anton“ von Marc Schubring und Wolfgang Adenberg nach der bekannten Geschichte von Kästner ist eine rundum gelungene Koproduktion des Next Libertys mit der Oper Graz. Mit einer Handvoll flotten Nummern, einem entzückendem Protagonistenpaar und viel Liebe zum Detail waren alle Grundsteine für gute Unterhaltung gelegt. Die Musik ist eingängig und zeichnet originelle Bilder der handelnden Figuren. Etwa Pünktchens Lied von der Vielzahl ungebrauchter Wörter oder ihre Hommage an ihren Freund Anton versprühen gute Laune mit spaßigen Texten und netten Melodien. Cassandra Schütt und Jan Rogler schlüpften scheinbar mühelos in die Rolle der zwei Kinder aus ganz verschiedenen Gesellschaftsschichten, die Freundschaft schließen und sich letztendlich über „erwachsene“ Konventionen hinweg setzen. Aus dem durchwegs überzeugenden Ensemble stachen vor allem noch Christoph Steiner als der schmierige Kleinganove Klepperbein und Tini Kainrath als sympathisch behäbige Köchin Berta hervor.

(c) Stella

Die Geschichte wurde mit der Regie von Maximilian Achatz eine stimmungsvolle Bühnendarbietung. Mit schönen Details wurde ein Bild Berlins in den 1930er Jahren gezeichnet, das sich von den Kostümen bis zur ganzen Ausstattung als Linie durchzog. Genial war dabei der Spagat aus zeitgerechtem Design und Veranschaulichung der Umstände in einfühlsamer Weise auch für die Kleinen, wie etwa der Aufbau der beiden Wohnzimmer von Antons und Pünktchens Familien nebeneinander, die schon im Größenverhältnis die Umstände der jeweiligen ganz klar absteckten. Gutes Lichtdesign, flinke und harmonische Umbauten der Bühne und eine natürliche Personenführung taten den Rest, um aus diesem Musical eine durchwegs fesselnde Geschichte für alle Sinne zu machen. Der Applaus und die leuchtenden Kinderaugen bewiesen: für den 23. Dezember konnte man sich keine „tollossalere“ Unterhaltung wünschen.

Weitere Informationen zur Aufführung unter:
https://www.nextliberty.com/stuecke/puenktchen-und-anton/
https://www.oper-graz.com/production-details/punktchen-und-anton/

Trailer zum Stück unter:

Abgeschminktes Märchen

Der Oper Graz gelang mit der Premiere von Humperdincks Oper „Königskinder“ ein rares Glanzstück.

(c) Werner Kmetitsch

Schon die Orchestereinleitung voll schwingender Kraft stell klar, dass man es hier nicht mit rein lieblicher Musik zu tun hat. Das zart verspielte Summen der Gänsemagd, die sich hemmungslos im Laub suhlt, beschert einen kleinen Spalt in die Utopie einer heilen Welt , doch auch das Dunkle ist stets zugegen, zu Beginn in Gestalt der fahrigen Hexe. Denn im Personenverzeichnis des Kunstmärchens von Elsa Bernstein-Porger kommen sie alle vor, die märchenhaften Figuren und ihre verdrehten Geschichten: Königssohn, Gänsemagd, Spielmann, Hexe, Holzhacker und viele mehr tummeln sich in drei kurzweiligen Stunden auf der Bühne.
Getragen wird die reine, mutige und doch so tragische Liebesgeschichte der Königskinder von der groß und großartig angelegten Musik von Engelbert Humperdinck. Es ist ein wunderbar durchkomponierter Fluss, der große Wogen und zartes Spiel im Orchester unter dem Dirigat von Marius Burkert darbietet. Ohne je plakativ zu sein, verdeutlicht die Musik das Geschehende auf mitreißend plastische Weise. So etwa im Vorspiel zum dritten Akt, wo man von den Streichern das Leid der Königskinder herzzerreißend schön zu hören bekommt.
Und dieser Vorgeschmack verheißt nicht zu viel, denn das Paar der Königskinder mit Polina Pastirchak als Gänsemagd und Maximilian Schmitt als Königssohn zeigt sich so facettenreich wie die Partitur es vorgibt. Strahlen die zwei jungen Menschen im ersten Akt noch vor unbeflecktem Lebensfrohsinn, er mit lyrischem Tenor mit heldischer Färbung, sie mit konturenreichem, wendigem Sopran, wandeln sich ihre Stimmen bis zum letzten Akt in eindrucksvoller Weise. Immer noch rein ist ihr Gesang in ihrem letzten Duett, aber er ist geschwächt, an manchen Stellen durchscheinend und sphärisch.

(c) Werner Kmetitsch

Diese Entwicklung zeichnet die beiden Figuren aus, nur der Kinderchor auf der Bühne durchwächst einen ähnlich starken Wandel. Die Singschul‘ unter der Einstudierung von Andrea Fournier bewies große Professionalität im Gesang wie im Auftritt. Ihre hellen Stimmen und die kluge Personenführung dieser kleinen Einheit schufen eine starke Verbindung zwischen Bühnengeschehen und Publikum. Hervorzuheben gilt es auch die talentierte Solistin Victoria Legat, die der tragenden Rolle als Besenbinders Töchterchen mit natürlicher Präsenz gewachsen war.

(c) Werner Kmetitsch

Erst als dreister Eindringling im Haus der Hexe, später jedoch als kluger Anführer der Kinderschar ist die Rolle des umsichtigen aber ungehörten Spielmanns. Markus Butter verlieh der Rolle vor allem zum Ende hin viel Tiefgang durch seinen forschen aber auch einfühlsamen Bariton. Mit durchdringendem Klang und starker Artikulation sang Christina Baader die Hexe, auch die weiteren Rollen waren mit Wilfried Zelinka als Holzhacker,
Martin Fournier als Besenbinder, Anna Brull und Mareike Janowski in der Rolle der Wirtstochter und Stallmagd sehr passend besetzt. Die Inszenierung von Frank Hilbrich ließ viel freien, weißen Raum auf der Bühne (Volker Thiele), was Gewöhnung verlangte, sich bis zum Ende aber schlüssig fügte. Die kluge Regie der handelnden Figuren fesselte alle Aufmerksamkeit und wurde unterstrichen durch das vielfältige Lichtdesign von Bernd Purkrabek. Die Kostüme (Gabriele Rupprecht) waren mancherorts unterhaltsam plakativ, wirkten in Summe dabei aber nicht wie auf einer konsistenten Linie. Dem Gesamteindruck tat das jedoch keine Abbruch: die Königskinder sind eine große Empfehlung!

Weitere Informationen zum Stück unter:
https://www.oper-graz.com/production-details/konigskinder/

Trailer:

Ein klassischer Märchentraum

Zur Musik von Sergej Prokofjew tanzte das Ballett der Oper Graz die Geschichte von „Cinderella“.

(c) Ian Whalen

Wer meint, es würde in Märchen „Cinderella“ um das namensgebende, junge Aschenputtel gehen, konnte sich in der Einführung von Ballettdirektorin Beate Vollack alias die böse Stiefmutter vom Gegenteil überzeugen lassen. Natürlich stehe sie selbst und ihre beiden leiblichen Töchter Ottilie und Eulalie im Zentrum des Geschehens, und nicht das kleine Aschenputtel. In köstlich amüsanter Weise gab „die Stiefmutter“ eine erfrischende und erstaunlich umfassende Einführung zum Ballett Sergej Prokofjews.
Nicht nur die Gestaltung der Einführung und die Rolle der Stiefmutter lag an diesem Abend bei Beate Vollack, auch die ganze Choreographie wurde von ihr gestaltet. Ganz allgemein konzentrierte sich ihr Konzept auf eine klassische Erzählweise der bekannten Geschichte, jedoch mit einem zwinkernden Auge und genug Raum für tänzerische Anekdoten. Neben der Ironie ihrer eigenen Rolle bewiesen vor allem ihre Töchter verkörpert durch Lucie Horná und Jacqueline Lopez eine amüsant überzeichnete Darstellung ihrer Rollen. Im steten Zwist miteinander und allen anderen Konkurrentinnen tanzten sich sich selbstbewusst in den Vordergrund, um dann wieder tollpatschig eine Niederlage einzustecken. Im Kontrast dazu war die Bewegungsführung ihrer Stiefschwester Cinderella von schlichter Grazie geprägt. Ann-Kathrin Adam zeigte mit Bravour die Entwicklung ihrer Rolle, vom stets tanzbegeisterten aber zu Beginn noch ganz schüchternen Mädchen, bis hin zur strahlend sicheren Geliebten des Prinzen. Wie im Märchen ist die Verwandlungsszene, in der Cinderella von freundlichen Helferlein für den Ball eingekleidet wird. Als schöne Idee erwies sich die Darstellung von Aschenputtels Mutter von Miki Oliveira, die wie ein gutmütiger Geist immer wieder über die Bühne schwebte.
Die männlichen Rollen wussten ebenso als wohl durchdachte Gegenparts zu den Frauen zu überzeugen. Als Freunde und Beschützer des Prinzen gegen unliebsame Damenangriffe vollführten Giulio Panzi und Lorenzo Galdeman und wendiges wie witziges Duo. Der Prinz selbst gewann durch die Bewegungen von Christoph Schaller eine unschuldige und doch ehrwührdige Reinheit. Er fesselte sowohl in den meterhohen Sprüngen seines Balztanzes als auch in den wunderbar reduzierten Bewegungen in der ersten vertraulichen Annäherung an Cinderella. Von schlichter Schönheit war diese Szene des Liebespaares geprägt, das nur in seinen Unterkleidern einander zärtlich umstrich. Gerne hätte man sich auch im zweiten Teil des Abends eine Szene solcher Intimität gewünscht, um die glückliche Vereinigung noch deutlicher zu charakterisieren.

(c) Ian Whalen

Auch das übrige Ensemble der Tänzerinnen und Tänzer füllte in seinen verschiedenen Rollen die Szene und Stimmung des Abends auf. Als netter Einfall entpuppte sich auch der Einsatz der Ballettschule der Oper Graz, der eine engagierte Tanzklasse unter Schwiegermutters strenger Schule darstellte.
Der klassische Geist der Choreographie spiegelte sich auch und er Gestaltung der Bühne und Kostüme wider. Im Design von Dieter Eisenmann kamen neben fließenden Stoffen auch Tüll, Glitzer und Reifröcke zum Einsatz, die mit den verspiegelten Wänden und reduzierten Requisiten ein nicht überoriginelles aber stimmiges Bühnenbild bildeten. Die Musik Prokofjews lag unter der Aufsicht Julian Gaudianos, der die Grazer Philharmoniker mit Bedacht auf die Tänzerinnen und Tänzer durch die recht gleichförmige Partitur leitete.
Für alle auch aktiv Tanzbegeisterten gab es im Anschluss an die Aufführung die Einladung zur After-Show-Party auf der Studiobühne gemeinsam mit den Stars und Initiatoren des Balletts. Zwischen zeitlosen Popklassikern, Theaterkostümen und guter Stimmung wurden hier bis spät bis in die Nacht die bisweilen grenzenlosen Freuden des Tanzes zelebriert.

Weitere Informationen zur Vorstellung unter:
https://www.oper-graz.com/production-details/cinderella

Ein Trailer zur Veranstaltung findet sich unter: