Roméo et Juliette

vom Charles Gounod

Bei diesem Stück weiß man kaum was einen erwartet, betonte der musikalische Leiter Marius Burkert. Dieses Stück sei wenig bekannt und wurde zuletzt 1906 in der Oper Graz aufgeführt.

Es stimmt, obwohl jeder die Tragödie von Roméo und Julia kennt gibt es bei Roméo et Juliette von Charles Gounod einige Abweichungen. Mir ist bekannt, dass Romeo der Familie Montague und Julia der Familie Capulets angehört und beide Familien seit jeher verfeindet sind. So mag es überraschen, dass bei Gounods Roméo et Juliette der Zwiespalt nicht zwischen zwei Familien besteht sondern zwischen dem Adel, den Capulets, und deren Dienerschaft, welcher Roméo angehört. Die Beziehung zwischen Roméo und Julia wird somit auch noch durch das Element der Klassenunterschiede weiter dramatisiert. Ein zusätzliches Element welches der Situation noch eine weitere Ebene der Tragik verleiht liegt im Akt des Entschuldigens von Roméo und Julia für ihren begangenen Selbstmord am Ende der Oper. Trägt nicht das schicksalhafte Leid alleine schon schwer genug wird auch noch die Versündigung gegen Gott in dieser Handlung aufgezeigt. Darin zeigt sich wie bedeutend der Glaube und die Kirche für Charles Gounod waren. Der starke Einfluss sakraler Musik auf den Komponisten findet sich auch in den musikalischen Klängen, besonders den Chorgesängen, wieder.

Das klassische Stück mit seiner wunderschönen Musik, seinem gottvollen Gesang und ewigen Liebesschwüren ist durch eine kunstvolle Inszenierung wundervoll aufgelockert. Ein Ballettpaar, Luica Horná und William John Banks, welches als Pendant zu Roméo und Julia interpretiert werden kann, zeichnet zu Beginn die Geschichte und die Beziehung von Roméo und Julia im Tanze nach und begleitet diese durch ihr Schicksal. Ein kleines Mädchen welches zwischendurch immer wiedererscheint agiert auf einer Art poetischen Ebene und lässt beabsichtigt Raum für Interpretationen. Für mich ist es ein Symbol für das kleine Kind welche in Julia innewohnt und die Sehnsucht nach Unbeschwertheit, Unschuld und Freimütigkeit ausdrückt. Als Kontrast dazu tritt jedoch die Disziplin, Gehorsamkeit und Anstand in Form einer alten Dame, welche das Kind streng zurechtweist, auf.

Das Bühnenbild bleibt ohne große Veränderungen und zeigt sich doch wandlungsfähig um diversen Stimmungsbildern Raum zu bieten. So wird einmal der Tisch zum Balkon, zur Bahre oder zum Brautbett. Die Darstellung eines kreisrunden, kahlen Raumes mit überdimensionierter hölzerner Doppelflügeltür und zentraler Beleuchtung von obenwirkt sakral, imposant und mächtig. Der Auftritt des stimmgewaltigen Chores in Form einer großen Dienerschaft des reichen Grafen fügt sich wunderbar in das imposante Bühnenbild.

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(C) Wolf Silveri und Werner Kmetitsch

Trotz der tragischen emotionalen Geschichte wurde ich nicht von den großen Gefühlen der Liebenden mitgerissen. Dies mag wohl daran liegen, dass die Geschichte mit ihren Liebes- und Treueschwüren nicht mehr mit unseren heutigen Liebesvorstellungen übereinstimmt. Ein anderer Aspekt mag wohl die Darstellung des Romeos, gespielt von Kyungho Kim, sein. Das Erscheinungsbild von Kyungho Kim entspricht wohl nicht ganz meinen Vorstellungen eines Roméo als starken, gutaussehenden und attraktiven Jüngling. Auf jeden Fall können Roméo und Julia, gespielt von Sophia Brommer, sich in die Herzen der Zuschauer singen. Beide lebten sich im Laufe des Abends mehr und mehr in Ihre Rolle ein und steigerten Ihre gesangliche Performance kontinuierlich. Auf jeden Fall wird das Publikum von Gounods romantischer Komposition und dem hervorragenden Grazer Philharmonischen Orchester verführt.

Unverhofft wurde das Publikum zu einem Nachgespräch mit den Künstlern geladen. Wir durften uns über ein kurzes persönliches Interview mit Dariusz Perczak (Mercutio), Lucie Horná (Tänzerin), Dirigent Marius Burkert und Dr. Phillip Streit vom Institut für Kind, Jugend, und Familie, freuen. Ein wesentliches Thema war natürlich die Liebe. Liebe wird physiologisch als positive Resonanz definiert. Die Liebe ist dazu da sich weiterzuentwickeln und sich aufeinander Einzuschwingen. Die Liebe kann man nicht beschreiben, wohl aber spüren, fühlen, sehen; mit den Sinnen wahrnehmen.

Für mich ist die wesentliche Botschaft, welche durch die Tragödie Roméo et Juliette vermittelt wird jene, dass in einer Beziehung die richtige Kommunikation essentiell ist um Missverständnisse und Tragödien wie diese zu vermeiden.

VideoLink:https://www.youtube.com/watch?v=Ky2gq28q8ns

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Werke von Beethoven und Gedanken von Nikolaus Harnoncourt sind die Grundelemente dieses  Abends. Werden diese Werke gemeinsam vom  Pianisten Stefan Gottfried, den Bläsern des Concentus Musicus und dem Kabarettisten, Schauspieler und Regisseur Josef Hader vorgetragen entsteht die:

Beethoven.SOAP

 Im Rahmen der STYRIARTE fand am 15.06.2016 die Beethoven.SOAP unter dem Motto: Wir wollen erinnern,  statt. Die„SOAPS“sind eine Mischung aus Musik und Lesung. Die gelesenen Texte sind Auszüge aus Interviews und Vorträgen des verstorbenen Nikolaus Harnoncourt.

Josef Hader im besetzten Audimax der Uni Wien

(c) Steirische Kulturveranstaltungen GmbH., A-8010 Graz

Dieser Abend ist durch eine Pause in zwei Teile geteilt. Dies mag wohl nichts ungewöhnliches sein, doch unterschieden sich diese zwei Teile doch wesentlich. Im ersten Teil entsteht der Eindruck, dass die Werke von Beethoven die gelesen Texte begleiten. Die ernsten, philosophischen und  humoristischen Botschaften von Harnoncourt richten sich gegen  Rassismus und heben die Bedeutung der Vielfallt und des phantastischen Denkenshervor.  Josef Hader, welcher die Text liest, ist wohl bekannt aushumoristischen Filmen, doch diesen Abend schlüpft er in eine ernste und seriöse Rolle, welche er ebenfalls ausgezeichnet verkörpert.

Im zweiten Teil steht die  Musik von Beethoven im Vordergrund und wird durch die Texte und Gedanken von Harnoncourt zu Beethovens Schaffen und seinen Werken ergänzt.Das besondere ist, dass wir nicht nur mit den Stücken in die Vergangenheit reisen, sondern diese auch mit historischen Instrumenten dargeboten werden. Ich bin von den wunderschönen Klängen der außergewöhnlichen Instrumente beeindruckt. Harnoncourt, der 1953 das OriginalklangorchesterConcentusMusicus Wien gründete, betonte jedoch, dass wir trotz alle dem nicht die Vergangenheit in die Gegenwart holen können und sollen, sondern im Kontext unser heutigen Musikauffassung auch mit Originalinstrumentenimmernur reine Gegenwart produzieren.

Die produzierte Gegenwart gefällt mir jedoch sehr gut, vor allem das Allegro aus der Harmoniemusik zu Beethovens „Egmont“, op. 84 und das Allegro ma non troppo aus Quintett in ES für Klavier und Bläser, op.16 mit dem wunderschönen Hornsolo wodurch die Liebe von Beethoven zum Horn erkennbar wird.

Denke ich an Beethoven erinnere ich mich an mächtige und gewaltige Musik, an diesem Abend werde ich jedoch nicht in Ektase und Spannung versetzt, eher schwebt die Musik an mir vorbei und ich lasse mich von ihr tragen und meine Gedanken treiben.  So gehe ich entspannt und zufrieden von einem hochkarätigen und eleganten Abend nach Hause.

 

Kombüsen Slam goes Climate Slam

Anlässlich der UN-Klimakonferenz in Paris finden weltweit Aktionen statt, welche zu einem „System Change NOT Climate Change“ aufrufen. Diese wichtige Botschaft ist in manchen Kreisen bereits angelangt und so hat sich der „Kombüsen Slam“ zum „Climate Slam“ gewandelt, welcher am 2.12.2015 im Heizhaus der KF Uni Graz statt fand.

Zu Beginn herrscht noch Stimmengewirr bis langsam nach und nach die Stimmen des Publikums verstummen, um nur noch einer einzigen Stimme zu lauschen, der Stimme des Poeten/ der Poetin. Diese nutzten ihre humorvollen, sinnlichen und kreativen Texte um ihre Botschaften und Gedanken rund um das Klima weiterzugeben. So wird an diesem Abend humoristisch der Unterricht zum Thema Klimawandel dargestellt, aufgezeigt, dass die Summe aller Gewohnheit unseren Lebensstil ausmachen, über den Bundekanzler Viktor Klima gescherzt oder zum Besetzen des öffentlichen Raumes und zum Protest aufgerufen. Alles natürlich im Zeichen des Klimas.

Der Sieger des Abends hieß David (Concerto Crystall) aus Wien, welcher das Publikum mit seinen witzigen und gesellschaftskritischen Texten überzeugte. Meine persönliche Favoritin war Mona Camilla. Nicht nur weil ich sie attraktiv finde, sondern auch wegen ihren vielseitigen und kreativen Texten welche unter die Haut gingen und in denen ich mich selbst wiedererkannt habe. Auch zu erwähnen sei die Primäre der „Slamjungfrau“ namens Bob. Bob zeigte sein Talent mit abwechslungsreichen und improvisierten Texten und verzauberte mit seinem Charme sogar die Jury, welche nicht wiederstehen konnte und ihm mit “Sex“ bewertete.

Auch im Publikum waren viele Slamjungfrauen anwesend, welche das erste Mal einem Poetry Slam besuchten. Und aufgrund des tollen Abends bin ich mir sicher, dass es nicht ihr letztes Mal war 😉