Baumschlager – Ein Mann zwischen den Fronten.

Thomas Stipsits spielt in seiner ersten Kino-Hauptrolle den UNO-Offizier Baumschlager, im gleichnamigen Film von Harald Sicheritz und Maayan Oz. Der Frieden zwischen dem Libanon und Israel ist gesichert. Werner Baumschlager rüstet von den Golanhöhen ab und reist zurück ins verschneite und kalte Österreich. Dort angekommen erwartet ihn in ländlicher Idylle bereits seine liebenden Frau Martha (Gerti Drassl). Doch das Wiedersehen der beiden, wird durch eine ganz besondere Mission, die ihn wieder in den Nahen Osten zurückkehren lässt, schneller beendet als gedacht.

Dem tollpatschigen Baumschlager erwartet zurück im Kriegsgebiet eine böse Überraschung. Er wird erpresst und seine Affäre mit einer israelischen Grenzsoldatin (Meyrav Feldman), die nicht nur eine Vorliebe für wilden Sex, sondern auch für Waffen hat, droht publik zu werden.

Aber auch der Tochter des libanesischen Generals, gespielt von Moran Rosenblatt, kommt er während dem Deutschunterricht sehr nahe. Obwohl diese einem anderen versprochen ist und sehr viel Wert auf Tradition legt, kann auch sie dem liebenswerten Baumschlager nicht wiederstehen und verfällt ihm. Insbesondre da sich ihr Verlobter als ein Wahnsinniger herausstellt, der gerne Krieg im Garten spielt und mit einem Maschinengewehr mit Plastikpatronen auf Besucher schießt. Daher scheint es regelrecht unumgänglich und selbstverständlich, dass der liebe und verständnisvolle Baumschlager und sie, sich näherkommen.
Diese verzwickte Situation machen sich die beiden Länder zu Nutzen und so wird Baumschlager der Grund, um das Kriegsbeil wieder auszugraben. Immerhin müssten sich sonst die hochrangigen Militärs beider Länder mit lapidaren Problem wie einer Paartherapie oder einem Besuch im Fitnessstudio auseinandersetzen. Eines ist klar, der Krieg muss wieder her und Baumschlager scheint das ideale Bauernopfer zu sein.
Daher werden die pikanten Fotos, die Baumschlager bei einem kleinen Stelldichein zeigen, von einem Syndikat genutzt um aus dem naiven Soldaten, der es im Grunde allen nur recht machen will, einen Drogenkurier zu machen.
Als ob der Drogendeal nicht schon stressig genug für den sensiblen und leicht gestressten Baumschlager ist, erfahren darüber hinaus auch die beiden Frauen voneinander und entschließen sich dazu, Baumschlager einen Denkzettel zu verpassen und seiner Frau alles zu erzählen.

Diese ist jedoch schon längst selbst in Israel angekommen, in den falschen Bus gestiegen, von einem Beduinen mitgenommen worden und hilft jetzt jenem, unfreiwillig dabei eine Leiche durchs Land zu tragen.

aufm01_span-12

Fotokredit: Filmfonds Wien

Aber auch aus Österreich ist eine Spezialeinheit bestehend aus einer Bürokraft (Solveig Arnarsdottir) und einem Geheimagenten (Anatole Taubmann), der ein Problem mit arabischer Musik hat und jedes Mal beim Ertönen dieser in einen tranceartigen Zustand verfällt und sich auszieht, eingetroffen um Baumschlager zu verhaften.
SHOWDOWN: Der Frieden zwischen dem Libanon und Israel scheint vorbei, Baumschlager steht nicht nur zwischen den Fronten, sondern auch zwischen den Frauen und dabei wollte er doch nur helfen.

Harald Sicheritz erzählt, wie schon in seinen anderen Filmen (Muttertag, Hinterholz 8) mit viel Witz eine aktuelle Geschichte. Jedoch muss auch gesagt werden, dass Baumschlager an die großen Erfolge von Sicheritz nicht herankommt. Eine amüsante Komödie über ein ernstes Thema mit Thomas Stipsitzs in der Hauptrolle.

Er macht es den Zusehern durch seine sensationelle Verköperung des naiven und tollpatschigen Baumschlager leicht, mitzufühlen.
Besonders erwähnenswert ist aber auch Gerti Drassl, die als die brave Ehefrau Martha für einen Lacher nach dem anderen sorgt.
Eine solide Komödie die sich einem ernsten Thema, dem Nahost-Konflikt widmet. Wobei der Witz auf den Peinlichkeiten, der Protagonisten beruht und die vielen scheinbar zufälligen Handlungsstränge zum Schluss plötzlich Sinn ergeben und zeigen, wie verflochten das Leben selbst zwischen den Fronten sein kann. Und ein  „nein“ zu einer Frau, oder mehreren im Sinne des vereinen der Nationen nicht gesagt werden kann.

 

Gesehen auf der DIAGONALE18. Weitere Informationen zur Diagonale und zum Film: hier klicken.

Advertisements

Einmal um die Welt – Adele Neuhauser´s musikalische Reise zu den längst Vergessenen.

Egal ob im Tatort, oder in der beliebten ORF-Serie 4 Frauen und ein Todesfall, Adele Neuhauser kennt sich mit der Thematik des „aus-sterbens“ bestens aus. So auch am Freitagabend im Schauspielhaus Graz, wo Sie sich zusammen mit Edi Nulz und dem Graz Composers Orchestra an Douglas Adams „Die letzten ihrer Art“ wagte. Eine amüsante Reise, mit musikalischer Untermalung, rund um die Welt zu den bedrohten Tierarten.

„Lassen Sie sich bloss nicht beißen,“ sagt Dr. Sutterland ein australischer Schlangenexperte zu Beginn der Reise. Aber auch das angreifen der Schlangen überlässt der Experte lieber den anderen, immerhin will er ja nicht gebissen werden.

Adele Neuhauser, die in Douglas Adams Stück die Rolle der Erzählerin übernimmt, reist mit Ihrem Freund Mark, einem erfahrenen Zoologen zu den letzten ihrer Art.

„Das sind die gebrauchten Maschinen von Air-Uganda“, sagt Mark trocken zu Beginn der Reise, als sie in ein Flugzeug ohne Türen einsteigen. Aber auch die fehlenden Instrumente verstören Mark nicht, denn „das würde die Piloten nur irritieren“, ergänzt er.

Auf Komodo, der ersten Station der Reise angekommen, wurden sie freundlich von einem überdimensionalen Willkommensschild begrüßt. Gefolgt von weiteren Schildern, mit Vorschriften wie „Tragen Sie immer Hosen und Schuhe“ oder „Achten Sie auf Stiegen“. Als sie endlich bei der Registration angelangt waren und gerade die Geburtsorte der Urgroßeltern eintrugen, wurden sie von lautem hektischen Hühnergebrüll gestört. Völlig verdutzt eilten sie nach draußen und beobachteten eine der Riesenechsen, die bis zu vier Meter lang und einem Meter hoch werden können, wie sie sich über die drei mitgebrachten Hühner hermachte. Der Kapitän, der sie und die Hühner auf dem Boot nach Komodo brachte, hatte ihnen nämlich erklärt, es sei immer besser selbst Essen dabei zu haben, denn Europäer mögen lieber Huhn statt Fisch – Echsen aber auch.

Nächste Station, Fjordland in Neuseeland. Auf der Suche nach dem Kakapo, bekamen die Reisenden Unterstützung von Arab. Einem professioneller Kakapo-Sucher, der sich mit seinem Hund namens Boss und mit den abenteuerlustigen Reisenden auf die Suche nach diesen besonderen Vögeln machte. Der Kakapo, ist kein besonders hübscher Vogel. Er ist eher klein, dicklich, grünlich bis schmutzig und hat winzige Flügel die er nicht nutzt. Dennoch zählt er zu einer besonderen Art, nicht nur wegen seiner skurrilen Laute, die er während der Paarung von sich gibt, sondern auch wegen der Tatsache, dass er vollkommen vergessen hat wie man fliegt. Warum sollte er auch fliegen? Immerhin ging es ihm in Neuseeland gut, zumindest so lange bis die Europäer mit ihren Haustieren kamen und diese sich als natürliche Feinde des Kakapo herausstellten und er um sein Leben watscheln musste.

Nachdem auch der Kakapo ausgestorben war und somit der letzte seiner Art Geschichte, machten sich die Reisenden auf nach Kenia um die letzten weißen Nashörner zu sehen, jedoch gestaltete sich dies noch schwieriger als gedacht. Nach einer Zwischenlandung in Tansania, standen die Reisenden vor dem Problem des fehlenden tansanischen Geldes.  „Woher sollen sie auch welches haben?“, sagte die Dame am Flughafen. Niemand hat tansanisches Geld ergänzte Sie und beobachtete weiter die Fliegen, die an der Wand saßen.

Zum Glück war Kenia nicht die letzte Station auf der Reise. Warum man in China ein Kondom braucht um den lärmgeschädigten und halbblinden Yangtse-Delfinzu sehen und wie schwieirg es eigentlich ist, in China ein Kondom zu kaufen, erfahren sie im Theater.

Adele Neuhauser erzählt eine Geschichte über eine amüsante Reise zu den ausgestorbenen Tierarten dieser Welt. Mit viel Charm, Herz und ihrer ganz besonderen Stimme. Dabei macht sie es dem Zuseher leicht, sich diese beeindruckenden und längst vergessenen Tierarten vorzustellen.

Edi Nulz und das Graz Composers Orchestra begleiten sie musikalisch auf dieser Reise. Egal ob die Balzrufe des Kakapo, die kreischenden Hühner oder der passenden Sound zum Flug über Kenia, die musikalische Unterstützung macht den Abend zu einem einzigartigen Highlight. Eine Lesung, die mitreißt und das Publikum zum Lachen und Mitswingen bewegt.

„Die letzten Ihrer Art“ – Adele Neuhauser, Edi Nulz und das Graz Composers Orchestra.

 

Wenn in Geidorf das Tischtennisfieber ausbricht – Geidorf´s Eleven, der etwas andere Blick auf das Konto der Nachbarn

Egal ob zugereister oder echter Grazer, man weiß, Geidorf steht für einen gehobenen Standard. Die alten Villen, grünen Parks, schöne Zinshäuser und noch viel schönere bürgerliche Bewohner sind kennzeichnend für den Bezirk Geidorf, wo die Uhren noch anders ticken. In einer Kooperation zwischen dem Schauspielhaus Graz und dem Theater im Bahnhof wird gezeigt, was sich tatsächlich hinter den hohen Mauern und bröckelnden Fassaden abspielt. 

„Wo anders als in Geidorf könnt ich gar nicht wohnen“, sagt Martina zu Beginn, die jede Woche am Donnerstag ihre fünf Freundinnen zu sich in die Villa zum Spielen einlädt. Möbel gibt es zwar keine mehr, Autos und Wertgegenstände wurden auch schon lange verkauft, aber es funktioniert irgendwie, hat es ja immer und wird es auch immer, denn Martinas Vater war schon aus Geidorf und dessen Vater auch. Und zum Glück gibt es ja noch den Tischtennistisch, der mitten im Wohnzimmer auf dem alten Perserteppich steht und für das Stück zum zentralen Dreh- und Wendepunkt wird.

Die sechs Spielerinnen bringen dem Publikum in charmanter und lustiger Art und Weise ihre Probleme näher und sind dabei stets darauf bedacht sich nicht zu „entschuldigen“, außer wenn der Ball das Netz berührt. Der Feind als Gegner verkleidet – das Finanzamt.

Die sechs Freundinnen sind die Spielsüchtige Pia, die seit 84 Tagen immerhin schon nicht mehr gespielt hat und ihre jüngere Schwester Silvana. Die gutgläubige Gabi, die schon die x-te Lebensversicherung unterschrieben hat. Die forsche Trixi die schon alles in ihrem Leben war und auch wollte, nur nicht nach Hitzendorf zu ziehen mit ihrem Mann und den Kindern und dennoch dort gelandet ist. Die überforderte Schweizerin Vera, die sich am Tag zehn Mal von der Kostümbildnerin umziehen lassen muss. Und die Hausherrin selbst, Martina die zwar kein Geld mehr hat, aber immerhin den „Dings“ von der ÖVP kennt.

Foto: Johannes Gellner

Foto: Johannes Gellner

Dem Zuseher wird ein Match, spannender als das andere geboten. Pia Hierzegger gegen Silvana Veit, gefolgt von Trixi „The Trick“ Brunschko gegen Gabi Hiti und Vera Bommer gegen Martina „The Brain“ Zinner. Die Matches werden untermalt von Gabis selbstgeschriebenen Schuldenliedern und dem mitfiebernden Publikum, dass zu Beginn des Turnieres für die Spende von einem Euro, eine Karte mit dem Abbild seiner Favoritin darauf erwerben konnte. Durch diese Unterstützung hat der Zuseher somit die Chance auf den Gewinn, sollte seine Favoritin siegen. Zusätzlich wird der Zuseher aktiv in das Spiel miteinbezogen. In der entscheidenden letzten Runde wird schließlich verdoppelt, zwei junge Zuseher aus der ersten Reihe sind die Wagemutigen, die bei doppelt oder nichts zuschlagen und nicht nur die Beiden, sondern auch das ganze Publikum fiebert mit, als sich Vera und Trixi ein spannendes Match bis zum Schluss liefern.

Matchball – Vera schlägt auf, Trixi erwidert, die Geschwindigkeit wird schneller und die Schläge fester. Das Publikum starrt gespannt auf die beiden Spielerinnen und bricht in Jubel aus als Vera gewinnt.

Ein spannender Abend mit einem noch spannenderen Ende das zeigt, dass die Fassade trügerisch sein kann doch dahinter alle gleich sind. Probleme gibt es überall – in Geidorf sind sie eben nur spezieller. Jedoch zeigen die sechs Geidorferinnen in einer beeindruckenden Ausdrucksstärke und Leidenschaft für das Tischtennisspiel, dass eine Schuldnerperformace auch Spaß machen kann. „Geidorfs Eleven“ bietet einen Abend voller Unterhaltung, der es dem Zuseher leicht macht seine eigenen Probleme zu vergessen und sich die Frage stellt „Warum spielen meine Freunde und ich noch kein Tischtennis?“.

Witzig, mitreißend und spannend bis zum Schluss. Geidorfs Eleven ist ein Abend voller tragischer Schicksale die pointiert und witzig erzählt werden und obendrein den Wert von Freundschaft und Zusammenhalt verdeutlicht. Sechs Schauspielerinnen die ihm Schlagabtausch brillieren  – Spiel, Satz, Sieg für die  Damen aus Geidorf.

Mehr Infos und weiter Termine: HIER