Grigory Sokolov im Grazer Musikverein

Grigory Sokolov ist der vielleicht bedeutendste Pianist der Gegenwart. Gefördert von einem anderen bedeutenden Pianisten – einem der bedeutendsten des vergangenen Jahrhunderts –, Emil Gilels, wurde Sokolov, bereits in jungen Jahren Gewinner des prestigeträchtigen Moskauer Tschaikowski-Wettbewerbs, als junger Musiker über Nacht zur Legende, die er bis heute geblieben ist.

Sokolov ist der Pianist des Atmosphärischen. Diese Zuschreibung ist nicht allein auf seine Musik zu beziehen: Sokolov möchte die Wirkung seiner Auftritte als so intensiv erlebbar wie nur möglich gestalten. Stets sind die Konzertsäle, in denen er gastiert, ungewohnt abgedunkelt. Wenn er schließlich die Bühne betritt, quittiert er den tobenden Applaus meist nur mit einem grimmigen Blick ins Leere, sich kaum verbeugend. Sokolov ist mit Sicherheit keiner jener strahlenden Shootingstars, die sich versuchen bei ihrem Publikum anzubiedern. Sokolov hat es nicht nötig. Umso größer und erfreulicher war die Überraschung, ihn nach dem Konzert in seiner Garderobe als humorvolle und gesprächige Persönlichkeit zu erleben.

Grigory Sokolov ist der vielleicht bedeutendste Pianist der Gegenwart. Gefördert von einem anderen bedeutenden Pianisten – einem der bedeutendsten des vergangenen Jahrhunderts –, Emil Gilels, wurde Sokolov, bereits in jungen Jahren Gewinner des prestigeträchtigen Moskauer Tschaikowski-Wettbewerbs, als junger Musiker über Nacht zur Legende, die er bis heute geblieben ist.

Sokolov ist der Pianist des Atmosphärischen. Diese Zuschreibung ist nicht allein auf seine Musik zu beziehen: Sokolov möchte die Wirkung seiner Auftritte als so intensiv erlebbar wie nur möglich gestalten. Stets sind die Konzertsäle, in denen er gastiert, ungewohnt abgedunkelt. Wenn er schließlich die Bühne betritt, quittiert er den tobenden Applaus meist nur mit einem grimmigen Blick ins Leere, sich kaum verbeugend. Sokolov ist mit Sicherheit keiner jener strahlenden Shootingstars, die sich versuchen bei ihrem Publikum anzubiedern. Sokolov hat es nicht nötig. Umso größer und erfreulicher war die Überraschung, ihn nach dem Konzert in seiner Garderobe als humorvolle und gesprächige Persönlichkeit zu erleben.

Das Programm im Grazer Musikverein bestand aus drei kurzen Haydn-Sonaten in der ersten Konzerthälfte und zwei Beethoven-Sonaten in der zweiten, darunter die berüchtigte letzte Klaviersonate op. 111.

Aus Beethovens 27. Klaviersonate holte Sokolov alles heraus, was dieses kurze Klavierwerk bietet: Das Hauptthema des ersten Satzes spielte Sokolov mit der angemessenen Wucht, jenes des zweiten Satzes mit zartester Einfühlsamkeit.

Als Sokolov anschließend nahtlos (und wie schon bei den Haydn-Sonaten ohne Zwischenapplaus) zur großen 32. Klaviersonate überging, stellte er einem vollgefüllten Stefaniensaal seinen hohen Rang unter Beweis. Jedem Ton verleihte Sokolov Gewicht, wobei jede Stimme von Sokolov ihre eigene Farbe verliehen bekommt. Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf, dazu sorgt Sokolov mit seinen effektvoll, aber niemals übertrieben eingesetzten Trillern. Wenn man über Beethovens op. 111 sagt, ihr erster Satz stelle das Diesseits, ihr zweiter das Jenseits dar, findet man zu dieser Deutung nicht unmittelbar Zugang. Sokolovs Interpretation öffnete für jeden interessierten Zuhörer die Pforte zum facettenreichen Kosmos des späten Beethoven.

Wie für Sokolov charakteristisch gab es schließlich eine sechs Stücke umfassende Zugabe, wobei vor allem Chopin mit einem Nocturne und zwei Préludes im Zentrum stand.

Das letzte Mal ist Grigory Sokolov im Jahr 2013 im Grazer Musikverein gewesen. Es bleibt zu hoffen, dass er den Stefaniensaal auch noch weitere Male beehren wird.

Weitere Informationen: http://www.musikverein-graz.at/konzerte/

Beitragbild: (c) Mary Slepkova, DG

Advertisements

Wer ist Alex?

Dass Hörsäle nicht nur von Professoren regiert werden können, beweist derzeit die „Zweite liga für kunst“ mit „die alex identität“. Mit erstaunlichem Marionettenspiel und Detailverliebtheit wird die Geschichte rund um Alex erzählt.

Alex. So heißt die Marionette, um die sich die Aufführung dreht. Zum Leben erweckt wird sie von Klaus Meßner, Omid Salek und Johannes Schrettle. Mit unglaublichem Fingerspitzengefühl und einem hohen Maß an Geschick lassen sie Alex bis zur Erschöpfung laufen, herumtänzeln und wild gestikulieren. Dass Multitasking auch von Männern beherrscht werden kann, wird von den dreien mit Bravour bewiesen. Gleichzeitig kümmern sie sich um die Technik, das Bühnenbild, um Alex und treten dabei textsicher auf.

Doch bevor Alex dem Publikum vorgestellt wird, wird der Hörsaal ein wenig umgebaut. Kabel werden verlegt, Kameras aufgestellt die kleine Bühne für Alex dekoriert. Währenddessen bekommt das Publikum zu hören, was die Aufführung alles nicht sein wird. Sicherlich werden sie sich zum Beispiel nicht mit Kunstblut verschmieren – sagen sie. Doch um dies zu demonstrieren, machen sie genau das. Mögliche Störungen werden ebenfalls diskutiert – Was ist zum Beispiel, wenn eine schwangere Frau plötzlich ihre Wehen bekommt? Nach dieser relativ langen Einführung beginnt dann doch noch die eigentliche Aufführung.

Zusammen erzählen Klaus Meßner, Omid Salek und Johannes Schrettle die Geschichte von Alex. Wer Alex ist? Das weiß er selbst nicht so genau. Jedenfalls ist dieser auf Mission – doch wozu, weiß er ebenfalls nicht. Immer wieder werden ihm neue Aufträge und Identitäten gegeben. Alles dreht sich um die Bewegung. Die Bewegung ist anscheinend alles, was zählt. Wer oder was die Bewegung ist? Darüber kann spekuliert werden. Die Liebe findet in der Aufführung natürlich auch einen kleinen Platz; der Humor einen sehr großen. Und laut wird es auch: eine musikalische Einlage versetzt das Trommelfall in Vibration. „Wir sind als Erstes schön, als Zweites jung, und als Drittes reich“ tönt es durch den Hörsaal.

Das Ende führt zu Verblüffung – doch nicht für Alex. Dieser durchschaut alles und jeden, und hat alles unter Kontrolle. Im Publikum stellt sich allerdings die Frage: Wer ist dieser Alex?

Wer Alex kennenlernen und einen sowohl lustigen, abwechslungsreichen als auch mysteriösen Abend verbringen möchte, hat noch an folgenden Tagen die Chance dazu: am 21.10, 28.10., 4.11., 11.11, 18.11. im Hörsaal C der Universität Graz.

Einfach kompliziert

Thomas Bernhard zählt neben Samuel Beckett zu den radikalsten Dramatikern der europäischen Literatur nach 1945. Man nannte ihn „Übertreibungskünstler“ und meinte damit zum einen, seine konsequenten Wiederholungen wie kompromisslosen Polemiken. In Bernhards 1986 – also drei Jahre vor dessen Tod – entstandenem Schauspiel Einfach kompliziert findet sich vom Skandal-Dichter des Romans Holzfällen oder des Dramas Heldenplatz wenig. Stattdessen erwartet den Zuseher in dem drei Akte umfassenden Stück, das derzeit auf der Ebene 3 des Grazer Schauspielhauses (wie auch in der vergangenen Saison) aufgeführt wird, ein Monolog über die Kunst und das Leben. Radikal ist dabei aber die Zurückgezogenheit des Protagonisten, eines gealterteten Schauspielers, der sich vor der Gesellschaft verschließt. In einer zentralen Szene setzt der Schauspieler eine Krone auf, die er einst in der Rolle von Shakespeares Richard III. getragen hat und sich dabei sagt, sie müsse so fest sitzen, dass der Kopf blute. Leiden für die Kunst – Thomas Bernhard in nuce.

(c) Lupi Spuma.jpg

Gerhard Balluch – (c) Lupi Spuma

Im Theaterstück treten nur zwei Figuren auf. Eine davon ist die kleine Katharina, die dem alten Schauspieler regelmäßig Milch vorbeibringt, obwohl dieser gar keine Milch mag, doch da sie denselben Namen wie seine verstorbene Frau trägt, lässt er sie zu sich. Katharina ist dabei der einzige Schlüssel zur Außenwelt. In der Inszenierung im Schauspielhaus wird das Mädchen weggelassen und der Abend wird als Ein-Mann-Stück angelegt. Die Wirkung ist aber dennoch sehr groß, da Gerhard Balluch zum Besten gehört, was das Schauspielhaus Graz an Akteuren zu bieten hat. Der tobende Applaus bestätigte das.

Weitere Termine unter: http://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/einfach-kompliziert