Ein Tanz durchs Jahr in Bildern – Die Jahreszeiten

Bild: Philipp Imbach, Lucie Horná, Statisterie der Oper Graz © Ian Whalen

Die Grazer Oper wird zur Galerie, denn im Ballett „Die Jahreszeiten“ erwachen Bilder verschiedener Epochen zum Leben und tanzen durchs Jahr.  

Eine Gemäldegalerie – grau und trist – wird erst durch ihre Gemälde bunt und lebendig. In diesem Fall wirklich lebendig, denn die Figuren aus den Kunstwerken stehen auf der Bühne und verzaubern das Publikum mit einer Vielfalt an tänzerischen Stilen. Spitzentanz, ländlicher Tanz, Rokoko – alles ist dabei. Nicht nur die Choreographie von Beate Vollack macht das Stück zum Hit, denn auch die Kostüme sind beeindruckend farbenfroh und originell. Bis zu 16 Kostümwechsel werden durchgeführt und spiegeln die Vielfalt der Jahreszeiten wider. Passend zu den Jahreszeiten wechseln auch die gigantischen Gemälde auf der Bühne, die sich immer wieder wie durch Zauberhand bewegen und  den Chor zum Vorschein bringen.

Musikalisch hat Joseph Haydn mit seinem Oratorium einen bunten Mix kreiert in dem jede Jahreszeit einen eigenen Touch bekommt. In der Grazer Oper begleitet das Orchester unter der musikalischen Leitung von Robin Engelen die Tänzer hervorragend durch das Jahr.

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Ballett der Oper Graz, Chor der Oper Graz
© Ian Whalen

 

Es hat alles miteinander harmoniert und perfekt zusammengespielt, doch dann tanzte ein Schaf aus der Reihe! Mit seiner verrückten Art machte es das Stück besonders unterhaltsam, doch auf keinen Fall belämmert!

Mehr Infos und Karten unter Oper-Graz.at

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Gefühle zum Hören

Am 4. Mai ist König Roger zum letzten Mal in der Grazer Erstaufführung zu sehen. Die Oper von Karol Szymanowski lebt von phantastischen Klangsphären, einer ausgezeichneten Besetzung und einigen starken Bildern, welche die Inszenierung von Holger Müller-Brandes zu setzen weiß.

Die Handlung der 1926 uraufgeführten Oper klingt recht banal: Eines Tages kommt ein fremder Hirte an den sizilianischen Hof. König Roger II. lässt ihn entgegen der Forderung seines aufgeregten Volkes nicht hinrichten. Vielmehr erliegt er dem charismatischen, von Liebe predigendem Visionär und folgt ihm, wie schon seine Frau Roxane zuvor, um sich letztlich selbst kennenzulernen. Was die Spielzeit von eindreiviertel Stunden dennoch zu einem Erlebnis macht, ist vor allem die facettenreiche Musik. Zwar strotzt sie nicht unbedingt vor eingängigen Melodien, fesselt den Hörer aber umso mehr durch klanggewordene Gefühle, von drohender Vorahnung bis zu seliger Verzückung. Genial in Bewegung übersetzt wird dies in der Choreographie von Ballettdirektorin Beate Vollack.

Die Inszenierung trägt der kaum fassbaren, mystischen Musik Rechnung: Lediglich ein übermenschengroßes Holzkreuz und ein seltsam glimmendes Wasserbecken konstituieren den Königshof.  Letzteres durchlebt eine Wandlung zu einem imposanten Bildstock, der die christliche Orientierung in den Vordergrund hebt: Die arabischen und dionysischen Elemente bleiben ohne konkrete Symbolik, der intendierte Kulturenschmelztiegel wird kaum ausgestaltet. Auch Rogers Homosexualität kann der Zuschauer nur erahnen – überhaupt hat er einiges an interpretatorischer Eigenleistung zu vollbringen, will er dem Stück einen Sinn geben.

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© Werner Kmetitsch

Einfach genießen kann man die musikalische Darbietung. Andrzej Lampert verführt als Hirte mit weichem, goldenen Tenorsound, Bariton Markus Butter füllt die Hauptrolle sowohl gesanglich als auch darstellerisch voll aus, während Aurelia Florian die Roxane als dezente, aber dennoch starke Königin verkörpert. In Manuel von Senden als Edrisi findet Roger den idealen Begleiter und ruhigen sicheren Berater. Auch der Chor offeriert nicht nur gewohnt kräftige Töne, sondern auch außergewöhnlich zarte und bezaubernde Stellen, noch intensiviert von der Singschul‘. Robin Engelen führt das Orchester akkurat durch die ganze Bandbreite musikalischer Ausdrucksformen.

Manche Regieidee bleibt vielleicht etwas nebulös, dafür gibt die Inszenierung umso mehr Raum für persönliche Annäherungen an Themen wie Unsicherheit, Sehnsucht und Aufbruch. Wer bereit ist, sich auf eine emotionale Reise zu begeben und Szymanowskis differenziertes Klanguniversum auf sich wirken zu lassen, sollte sich die letzte Aufführung dieses selten gespielten Schmankerls nicht entgehen lassen.

Informationen gibt es hier.

(C) Ian Whalen

Die Bildgewalt eines Balletts

Die neue Ballettdirektorin Beate Vollack zeigt mit den „Jahreszeiten“ ihre erste große Choreographie an der Grazer Oper. Im Museums-Setting zeichnet sie Szenen aus Haydns Oratorium als in sich abgeschlossene Bilder.

So viel Kostümwechsel ward nie. Wie die gerahmten Bilder, die als Bühnenbild die Wände des Museums zieren, inszeniert Vollack einzelne Momentaufnahmen und steckt ihr Ensemble dafür jedes Mal in eine neue, aufwändige Kostümierung. Die bunten Rokoko-Pärchen etwa eröffnen den Abend, an dem noch Schneeflocken, Wanderer, verführerische Blumen antanzen werden – und Schäfchen, immer wieder Schäfchen.

Mit dem Museums-Setting ist Jon Morrell (Bühne und Kostüme) ein Clou gelungen: Bevor nämlich der (absolut famose!) Chor einsetzt, schieben sich die Gemälde zur Seite und geben den Blick auf die schwarz gekleidete Mannschaft frei. Auch Robert Engelen und die Grazer Philharmoniker machen die „Jahreszeiten“ zu einem sinnlichen Schmaus: Sie verleihen Haydns Oratorium Kraft und Finesse – so sehr, dass die wunderbare Musik das Geschehen auf der Bühne manchmal zu übertönen droht. Gleiches gilt für die wunderbaren Solist*innen Mirella Hagen, Martin Fournier und Neven Crnić.

 

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Auf der Bühne deutet Vollack das Libretto oft wörtlich aus: Mimetische Bewegungen geben den Text von Gottfried van Swieten wieder – das verleiht dem Ganzen eine gehörige Portion Humor. Wenn vom „Fisch“ die Rede ist, so zappelt eine Tänzerin über die Bühne. Beinahe lächerlich ist es, wenn die partywütige Vernissage-Meute in knallbunten Outfits die Bühne stürmt und anprostet. Ein Highlight der Ironie ist sicher die Wein-Ekstase im Herbst: In antik anmutenden Togen torkelt das Ensemble durchs Museum, geleitet wird es von Enrique Sáez Martínez als leichtfüßiger und expressiver Baccus. „Es lebe der Wein!“

Vereinte Kräfte

Die stärksten Momente gelingen, wenn das Ensemble seine Kräfte vereint. Zieht das Sommergewitter auf, herrscht die perfekte Symbiose: Die Musik, die Badeanzüge im Mondrian-Stil mit durchsichtigen Regenjacken, die zeitgenössische und aufregende Choreographie mit schönen Linien – und allem voran die grandiose Gruppendynamik, die das Ensemble hier entfaltet. Das hat Sogwirkung!

Das Ende ist keines. Es ist ein Neuanfang. Die Ouvertüre erklingt ein zweites Mal, im Museum wird wieder alles auf Anfang geschoben, damit die neue Saison beginnen kann. Vollack und dem Ballett der Oper Graz ist ein eindrucksvoller Abend mit hoher technischer Qualität gelungen.

Weitere Infos und Tickets hier.