Das Schauspielhaus mal anders erleben

Um das Jahr würdig abzuschließen, versammelte das Schauspielhaus im Haus Eins am 30. Dezember 2019 ein ausverkauftes Haus für vier junge Poetinnen und Poeten. Unter dem Titel Best of Poetry Slam wurde ein begeistertes und aktives Publikum von zwei charmanten Moderatoren (Yannick Steinkellner und Christoph Steiner) durch den Abend geführt. 

Passend zur Location, bekam das Publikum einen klassischen Poetry Slam von zwei adrett gekleideten Herren serviert. Die vier Poetinnen und Poeten durften jeweils zwei Texte vortragen und am Ende konnte durch Applaus entschieden werden, wer den fantastischen Preis, eine Schneekugel, mit nach Hause nehmen durfte. 

Die Künstlerinnen und Künstler waren allesamt bereits vorab in anderen Slam Bewerben ausgezeichnet worden und promoteten auch fleißig ihre eigenen Werke. Es entschied sich am Ende zwischen Tabea Farnbacher (Bochum), Friedrich Herrmann (Jena), Johannes Floehr (Krefeld) und Yasmin Hafedh (Wien; auch bekannt unter dem Namen Yasmo). 

Mit nach Hause nehmen durfte den Pokal Friedrich Herrmann doch um ihn zu zitieren: “Falls ihr euch fragt, warum ich gewonnen habe: es ist scheiß egal, wer am Ende gewinnt, hauptsache es hat Spaß gemacht”. Und so war es dann auch wirklich, denn alle vier lieferten unterschiedliche, aber eindrucksvolle Texte, die amüsierten, zum Nachdenken anregten und ein bisschen frech waren.

Zwischendurch gab es auch musikalische Begleitung von der talentierten Grazer Künstlerin Fraeulein Astrid, die ihre eigenen Songs auf einem wunderschönen Flügel performte und das Publikum mit etwas melancholischen Melodien von der Aufregung und Begeisterung des Abends runter holte und eine Verschnaufpause für das viele Applaudieren bietete.

Der Best of Poetry Slam Abend war interaktiv und das Schauspielhaus zeigte eine ganz andere Seite, dieser schönen Location. Zum Glück wird es eine Wiederholung dieses magischen Abends am 25. April 2020 geben!

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So ein Zirkus…

…und was für einer! Das Festival Cirque Noel erzählt derzeit wieder Zirkusgeschichten in Graz. Mit dabei ist unter anderem die bereits bekannte kanadische Truppe The 7 Fingersderen Produktion Passagers in der Grazer Stadthalle in das Innenleben von Zugabteilen entführt. Mit wenig Worten und ganz viel Akrobatik laden sie zum Träumen, Verweilen und Staunen ein. 

Die Welt zieht in Form einer Leinwand auf der Bühne am Zugfenster vorbei – das Bild wechselt dabei zwischen den unterschiedlichsten Landschaften: von der Großstadt bis in die Einöde. Auf der Bühne davor turnt das achtköpfige Ensemble der 7 Fingers auf Sesseln und Gepäckwägen. Das komplette Bühnenbild ist im Retro- Chic gehalten und passt somit zur Idee hinter Passagers: eine Hommage an das Zugfahren, ans Reisen in neue, fremde Länder und an den Zug als klassisches Transportmittel mit einer Prise Eleganz. Gute alte Zeiten.

bühne 7 fingers

 Alexandre Galliez 

Was die Produktion noch erzählt? Die Geschichte von acht Reisenden, die sich fremd sind, jedoch im selben Zug sitzen und die Zeit zwischen Abfahrt und Ankunft unterschiedlich erleben. Das Ensemble (bestehend aus Freyja Wild, Conor Wild, Brin Schoellkopf, Louis Joyal, Maude Parent, Sereno Aguilar Izzo, Sabine van Rensburg und Sam Renaud) besticht mit einer Mischung aus Akrobatik, Tanz und Theater. Wenn geredet wird, dann in einem Sprachmix aus Deutsch, Französisch und Englisch. Im Vordergrund steht jedoch die Artistik der Zirkustruppe – elegante Soloakrobatik in weißen Tüchern, Zusammenarbeit am Trapez, Verrenkungen im Ring in luftiger Höhe und gespanntes Warten während die Künstler und Künstlerinnen scheinbar mühelos die Gesetze der Natur bezwingen. Hin und wieder taucht dann die Frage auf, ob Wirbelsäulen überhaupt existieren. Eine passende musikalische Umrahmung rundet die Geschichten ab, mal mit Swing, mal mit Botschaft, mal eher leiser und ruhig.

Passagers entführt die Zuschauer für eineinhalb Stunden in die Zeitlosigkeit einer Zugfahrt und lädt dabei zum Träumen und Verweilen ein. Die Kanadier harmonieren und begeistern mit ihrer Vertrautheit untereinander sowie ihrer Kunst. Im Gegensatz zu so mancher Zugfahrt vergeht das Stück weitaus schneller, was vor allem Witz, Charme sowie den grandiosen Kunststücken zu verdanken ist. Lauter Applaus und Standing Ovations – verdient!

Mehr Informationen und weitere Termine gibt es hier.

 

 

 

 

 

Ich packe meinen Koffer

Seit mehr als zehn Jahren begeistert das Festival Cirque Noël das Grazer Publikum mit zeitgenössischem Zirkus. Pünktlich zur Weihnachtszeit 2019 bringt Intendant Werner Schrempf die kanadische Compagnie The 7 Fingers in das Theater in der Stadthalle. Mit der Bühnenproduktion Passagers feierte die international begehrte KünstlerInnengruppe am 21. Dezember 2019 Premiere am neuen Spielort.

Im modernen Zirkus verschmilzt Akrobatik mit zeitgenössischem Tanz, Theater mit bildender Kunst und bei Passagers auch die Darstellenden mit ihrem Publikum. Passagiere sind dabei alle, Insassen im selben Raum, Reisende auf demselben Planeten. Metapher ist der Zug – weniger als Transportmittel, vielmehr als Vehikel für Traum und Sehnsucht, Wanderlust und Nostalgie. Sich fremde Menschen teilen in versonnenen Monologen ihre Gedankenwelt, singen von Abfahren und Ankommen und begeistern mit herausragenden akrobatischen Fähigkeiten.

Mit Poesie und Nostalgie sind es
die Menschen in all ihrer Vielfalt,
ihren Widersprüchen und Exzessen,
die im Mittelpunkt dieser Show stehen.
[Le Devoir, Canada]

Ist es im Plot die Diversität des Individuums, stehen auf der Bühne die acht Künstlerinnen und Künstler Sereno Aguilar, Louis Joyal, Maude Parent, Samuel Renaud, Brin Schoellkopf, Sabine Van Rensburg, Conor Wild und Chloé Wall im Zentrum. Mit zeitgenössischem Tanz und Schauspiel, modern inszenierter Jonglage und Äquilibristik, perfektionierten Körperschwüngen in Hula-Hoops und akrobatischen Glanzleistungen in schwindelerregender Höhe lässt die Gruppe Atem stocken und Herzen höherschlagen. Mitreißende Musik, lebhafte Projektionen, abwechslungsreiche Beleuchtung und minimalistische Szenografie lenken die Augen auf das Wesentliche und lassen mitunter einen Traum im Publikum erwachen: The 7 Fingers folgen, wohin auch immer ihr Weg führen mag, und noch ganz viele wunderbare Produktionen wie Passagers erleben.

Ich packe jedenfalls direkt meinen Koffer und nehme mit: acht bemerkenswert talentierte Artistinnen und Artisten, eine wunderbar gelungene Inszenierung, melancholisch stimmende Poesie, nostalgisch anmutende Kostüme und ein stehend applaudierendes Premierenpublikum. Wer diesen zeitgenössischen Zirkusgenuss auch erleben und den Koffer mit bezaubernden Impressionen weiterpacken will, mache das bis 2. Jänner im Theater in der Stadthalle, bevor The 7 Fingers ihre wirkliche Reise antreten und Graz – auf hoffentlich absehbare Zeit – adieu sagen.

blog4tickets_03_Cirque-Noel_7-Fingers_Passagers-1_c_Alexandre Galliez© Alexandre Galliez

Weitere Informationen zum Cirque Noël finden Sie hier.