Mit Tanz durchs Museum

Das Ballett der Oper Graz beschloss die Saison mit einem wandelnden, zauberreichen Tanzabend.

Ein Museumsbesuch mit statischer und dynamischer Kunst? Mit „Tänze einer Ausstellung“ durfte man dies jetzt in der Neuen Galerie Graz des Joanneumsviertels mit den Tänzern und Tänzerinnen der Grazer Oper erleben. In acht Miniaturchoreographien wurden die schönen Räume des Museums auf vielfältige Art belebt. So durfte man in der Gruppe durch die architektonisch- wie bildende kunstreichen Räume wandern und dazu noch eine stimmungsvolle Collage von tanzenden Ensembles bewundern. Eine weitere Originalität des Abends gestaltete sich durch die nicht nur von erfahrenen Choreographen gestellten Konzepte, sondern auch die Präsentation von bewegten Ideen der Tänzer selbst.
Schon das eröffnende Stück „Constriction“ (zu dt. Kontraktion) von Marina Schmied, das sich auf der Stiege im prunkvollen Foyer abspielte, wusste in den Schwung und das Verweilen an diesem Abend einzuführen. Schmied selbst und ihr Partner Philipp Imbach schufen mit ihren symbiotisch fließenden Bewegungen eine Stimmung des Zwielichts.
Auch weitere Paartänze standen später am Programm, immer in der Besetzung Frau und Mann. „Von irgendwo her bis irgendwo hin … zusammen“ von und mit Fabio Toraldo zeigte ein zartes Spiel aus Lösen und Finden, ein Wechsel aus Zweisamkeit und Einsamkeit. Die hier so zärtlich für sich tanzenden Martina Consoli zeigte ihren choreographischen Einfall in „with bare hands“, in dem Stephanie Carpio und Enrique Sáez Martínez aus dem hektischen Chaos zu einer schwingenden Leichtigkeit fanden. In Momenten wie diesen wünscht man sich, wie bei einer ganz verinnerlichten Interpretation von Musik einfach die Augen zu schließen, um den einen Sinn durch Abschalten eines anderen noch zu schärfen. Eine expressivere und doch nicht minder intensive Sprache wählte Sascha Pieper in „Le Lac“. Zur gleichnamigen Klaviermusik, die in ihrer live-Einspielung von Dominic Faricier die Unmittelbarkeit noch verstärkte, entstand zwischen Lucie Horná und Paulio Sóvári ein unnachgiebiges Strecken und Verschmelzen.
Etwas für sich standen die Konzepte von Miki Oliveira und Lucie Horná. Ersteres „=“ wirkte in Summe und Miteinander der sechs Akteure und deren Interaktion etwas unkonkret. Hornás „Moving Portraits /Sich bewegende Portraits“ futuristisch gemahnende Choreographie zu Drum and Bass geprägt von kantigen, synchronen Bewegungen wollte sich trotz beeindruckender Darbietung von Kristín Marja Ómarsdóttir und Philipp Imbach nicht recht in das Gesamtkonzept einfügen. Eine sehr originelle Idee präsentierte Arthur Haas mit „PlusMinus – der menschliche Körper als Magnet“. Der anschauliche Einfall wurde im Dreieck amüsant und doch voll Ernst umgesetzt und ideal mit zwei Harfen klanglich untermalt. Abschließend versammelten sich die meisten Tänzer im Foyer für das „All Together Alone“. Das weise für den Abschluss gewählte Stück von Jacqueline Lopez fasste das kollektive Hadern mit der hektischen, reizüberfluteten Welt und den Ausbruch daraus in eine mitreißend bewegte Form. Gerne wünschen sich die Tanzfans in Graz weitere so stimmungsvolle wie neugierschürfende Vorstellungen in der Zukunft!

Weitere Informationen zum Abend unter:
https://www.oper-graz.com/production-details/tanze-einer-ausstellung

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Talkshow-Theater

Foto: Johannes Gellner
„Österreich, wir müssen reden!“ hieß es zum dritten Mal im Schauspielhaus Graz in Koproduktion mit dem Theater im Bahnhof, diesmal zum Thema „Schutz und Sühne“. Mit Pia Hierzegger und Mathias Lodd diskutierten Expert*innen über Sicherheit zwischen Fakten und Gefühl.

Wussten Sie, dass es in Graz 2018 nur einen einzigen Taschendiebstahl in den Öffis gab? Es gibt also wahrlich keinen Grund, den Rucksack an der Brust zu tragen. Immerhin leben wir im drittsichersten Land der Welt. Diese Information kommt erst gegen Ende, doch dadurch erscheint das Anfangslied von Sarah Meyer, Susanne Weber und Anna Szandtner über die „Handtaschenräuber“ gleich noch viel großartiger. Musikalisch gestaltet übrigens das junge Duo Hausmusik Hiti den Abend.

Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle, Autor Omar Khir Alanam, Polizist Werner Miedl und Daniela Grabovac von der Antidiskriminierungsstelle besetzten das Panel mit den Moderator*innen Pia Hierzegger und Mathias Lodd. Anfangs sind sie alle noch etwas redescheu, doch spätestens nach dem ersten Spiel tauen sie auf. Was, wenn nicht ein gemeinsames Zeltaufbauen, schweißt zusammen?

Zu sagen haben sie dann alle vieles, und vor allem viel Gescheites. Khir Alanam etwa, der 2014 aus Syrien (dem unsichersten Land der Erde, wie man in einem Spiel erfährt) geflüchtet ist, erzählt von seiner Flucht und steht dafür ein, dass man es ernst nehmen muss, wenn sich Menschen in Österreich unsicher fühlen. Aber: „Wir, die Fremden, haben auch Angst vor den Einheimischen.“ Einzig mehr Dialog und offener Umgang miteinander könnten Vorurteile abbauen.

Diskussion und Unterhaltung halten ein gutes Gleichgewicht – fad wird es an diesem Abend nie, und so vergehen drei Stunden wie im Flug. Da werden Basketballkörbe geworfen, „Cocktails“ mit so schmackhaften Zutaten wie Sojasauce und Kürbiskerne (widerwillig) getrunken und für ein Schätzspiel kommen 29 Zuschauer*innen auf die Bühne. Einzig zum Thema Frauenrechte hätte man sich etwas mehr Diskussion gewünscht – das übernimmt Irene aus dem Publikum: „Männer sind manchmal zu eindimensional.“ Eine großartige Show!

Spielzeit 19.20 am Schauspielhaus: Was kommt

Nach vier reiseintensiven Jahren richtet das Schauspielhaus den Blick unter dem Motto „Heimat“ nach innen – und bleibt dabei open-minded. Auf welche Stücke man sich in der kommenden Saison freuen darf und was man außerdem wissen sollte.

„Heimat, was soll das sein?“ Diese Frage bildet den roten Faden durch ein knallbuntes Programm 2019.2020, das Intendantin Iris Laufenberg und ihr Team gestern präsentierten. Ob es nun darum geht, wie sie schmeckt („Zuhause ist ein Bauchgefühl“), klingt („Vögel“, Familiendrama mit Sandy Lopičić) oder sich anfühlt („Bist du GAK oder Sturm?“): Heimat betrifft uns alle. Zeit, dem politisch überstrapazierten Begriff neue Perspektiven zu verleihen.

Den Saisonauftakt bildet das traditionelle Eröffnungsfest am Samstag, den 14.09.2019, mit Einblicken in  die kommende Saison und anschließender Party auf der Bühne von HAUS EINS. Die erste Produktion  gibt es am 26.09.2019 zu sehen: „Vernon Subutex“, ein als Kriminalgeschichte verpacktes, riesiges Gesellschaftspanorama. Regisseur Alexander Eisenach adaptierte die französische Romantrilogie von Virginie Despentes (die offenbar den Zeitgeist so exakt trifft, dass auch im Schauspielhaus Wien gerade eine Bühnenfassung angelaufen ist) und enthüllte bereits den Vernon: Norbert Wally von der Grazer Band „The Base“, die bei der Eröffnungsparty auftreten wird.

Was gibt es Neues

Der Fokus von Laufenberg liegt ganz klar auf zeitgenössischer Dramatik. Somit trägt sie das Motto der letzten Saison, „Zukunft“, auch in die neue Spielzeit weiter: Von den 19 Premieren sind sechs Uraufführungen, drei Österreichische Erstaufführungen und zwei Stückentwicklungen für die Bürger*innenbühne. Beispielsweise „dritte republik (eine vermessung). teil drei der kronlandsaga“, ein skurriles Projekt des österreichischen Autors Thomas Köck, das sich ausgehend von der Habsburgermonarchie mit Grenzen und Nationalitäten beschäftigt und von Anita Vulesica erstmals in  Österreich inszeniert wird. Spannend wird es mit „Ich, Tatortkommissarinnen“, einer Koproduktion  mit den Rabtaldirndln, Julia Gräfner und Cora Frost, lustig mit „Bookpink“ (plattdeutsch für  „Buchfink“), wo Anja Michaela Wohlfahrt (aktuell „Schöne neue Welt: Träumen Androiden von  elektrischen Schafen?“) schräge Vögel auf die Bühne bringt, und ironisch mit „The Hills are Alive“, das den Kultfilm „The Sound of Music“ ins Heute holt – dabei tritt Nikolaus Habjan (aktuell „Böhm“; der Exportschlager wird wiederaufgenommen) zum ersten Mal gemeinsam mit seinem Mentor Neville Tranter auf.

Klassiker entstaubt

Auch für Klassiker-Fans steht genug am Menüplan, jedoch mit frischer Würze: Regisseurin Claudia Bossard betrachtet Friedrich Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“ aus einer feministischen Perspektive, Stephan Rottkamp (aktuell „Maria Stuart“) setzt sich mit Shakespeares „Macbeth“ auseinander und Markus Bothe inszeniert „Der König amüsiert sich – Ein Rigoletto-Melodram“ nach dem Drama von Victor Hugo, das 1832 zum Theaterskandal führte und als unbekannte Vorlage für Verdis Oper diente. Daniel Foerster kleidet mit „Jedermann (stirbt)“ eine Bearbeitung des  Hofmannsthal’schen Klassikers von Ferdinand Schmalz neu ein. Als Paradestück der österreichischen Mentalität kommt „Heldenplatz“ auf die Bühne: mehr als 30 Jahre nach der Uraufführung hat das Stück von Thomas Bernhard noch immer Aufregerpotenzial, wie man unlängst am Beispiel Böhmermann sehen konnte, der die Österreicher nach Bernhard’schem Vorbild als acht Millionen Debile bezeichnete und damit eine Empörungswelle lostrat.

Theater für alle

Als Erfolgsmodell aus dem Vorjahr hat sich die Bürger*innenbühne entpuppt. Im neuen Programm sind „Bist du GAK oder Sturm?“, eine von Pia Hierzegger moderierte Fußball-Bürger*innenbühne über Liebe, Stolz und Fan-Sein mit Regisseur Ed.Hauswirth, sowie „Zuhause ist ein Bauchgefühl“. Hier sucht die afrodeutsche Regisseurin Simone Dede Ayivi Familienrezepte, süße Geheimnisse und Geschichten zum Thema Kochen und Zugehörigkeit.

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Spielzeitbuch © Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Auch die Spielsamstage werden beibehalten: An ausgewählten Terminen können Spielfreudige mit unterschiedlichen Theatermethoden experimentieren und sich mit Themen und Stücken auseinandersetzen (Informationen und Anmeldung: julia.gratzer@schauspielhaus-graz.com). Daneben bieten auch verschiedene Schauspielklubs die Möglichkeit, Theaterspielen zu trainieren, teilweise selbst auf der Bühne zu stehen und gemeinsam Vorstellungen und Nachgespräche zu besuchen (Informationen ab Herbst auf der Website, Fragen an timo.staaks@schauspielhaus-graz.com).

Interessant für Lehrende: Ab heuer gibt es die sogenannten „Premierenklassen“. Pro Stück darf eine Klasse die Produktion begleiten, mit den Künstler*innen sprechen und bei der Premiere dabei sein. Bewerbungen sind ab sofort möglich.

… auch für die mit kleinem Budget

Gewusst wie: Auch in der neuen Saison gibt es wieder viele Möglichkeiten, günstig ins Theater zu kommen. Restkarten um 5€ kann man sich gegen die Vorlage eines Studierendenausweises ab 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn sichern (ausgenommen Premieren). Bei den ÖH Stückgesprächen gibt’s um den gleichen Preis auch noch Einblicke hinter die Kulissen und Gespräche mit den Künstler*innen  (Termine findet ihr laufend auf der Kultref-Seite auf Facebook). Für eine bequeme Anreise sorgt die Kooperation mit der Verbund Linie: Eine Eintrittskarte gilt drei Stunden vor und bis sieben Stunden nach Veranstaltungsbeginn als Öffi-Ticket für die gesamte Steiermark (Genaueres unter http://freiefahrt.buehnen-graz.com/). Und wer gratis ins Theater möchte: Für eine Rezension gibt’s von blog4tickets zwei Freikarten zum Stück eurer Wahl (Informationen unter kultur@oehunigraz.at).

Premierentermine:

26.09.2019: Vernon Subutex (Regie: Alexander Eisenach), HAUS EINS

27.09.2019: Die Leiden der jungen Wärter. Kooperation mit dem Institut für Schauspiel der KUG (Regie: Nele Stuhler & Jan Koslowski), HAUS ZWEI

04.10.2019; Ruhig Blut. Koproduktion mit dem Deutschen Theater  Berlin (Regie: Clara Weyde), HAUS  ZWEI

09.10.2019: Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs (Regie: Blanka Rádóczy), Museum für Geschichte

18.10.2019; Die Physiker (Regie: Claudia Bossard), HAUS EINS

14.11.2019: Jedermann (stirbt) (Regie: Daniel Foerster), HAUS  ZWEI

14.11.2019: The Hills are Alive (von und mit Nikolaus Habjan & Neville Tranter), HAUS EINS

29.11.2019: Bookpink (Regie: Anja Michaela Wohlfahrt),  HAUS DREI

05.12.2019: Ich, Tatortkommissarinnen Koproduktion mit den Rabtaldirndln (Regie: Cora Frost),  HAUS  ZWEI

06.12.2019: Josef und Maria (Regie: Michael Schilhan), HAUS EINS

10.01.2020: Heldenplatz (Regie: Franz-Xaver Mayr), HAUS EINS

Jänner 2020; Schwarze Milch (Regie: Jan Stephan Schmieding), HAUS ZWEI

31.01.2020: Vögel (Regie: Sandy Lopičić),  HAUS EINS

28.02.2020: Bist du GAK oder Sturm? (Regie: Ed.Hauswirth), HAUS EINS

27.03.2020: Macbeth (Regie: Stephan Rottkamp), HAUS EINS

April 2020: Zuhause ist ein Bauchgefühl (Regie: Simone Dede Ayivi), HAUS ZWEI

17.04.2020: dritte republik (eine vermessung). teil drei der kronlandsaga (Regie: Anita Vulesica), HAUS EINS

Mai 2020: Frau Ada denkt Unerhörtes (Regie: Lily Sykes), HAUS ZWEI

15.05.2020: Der König amüsiert sich – Ein Rigoletto-Melodram (Regie: Markus Bothe), HAUS EINS

09.-11.06.2020: Young Europe III Festival, HAUS ZWEI  HAUS DREI & EXTERNE SPIELORTE

10.-14.06.2020: DRAMA|TIK|ER|INNEN FEST|IVAL 2020, HAUS EINS, HAUS  ZWEI, HAUS  DREI  & EXTERNE SPIELORTE

11.-14.06.2020: ETC – INTERNATIONAL THEATRE CONFERENCE, SCHAUSPIELHAUS GRAZ