KUNST ⇆ HANDWERK

Das Kunsthaus Graz öffnet wieder seine Pforten und schafft Raum für Tradition, Diskurs und neue Technologien. 

Die aktuelle Sonderaussstellung “KUNST ⇆ HANDWERK ”, die von 15.11.2019 bis 16.02.2020 im Kunsthaus zu besuchen ist, bietet neue Sichtweisen zur meist traditionell angesehenen Handwerkskunst und baut durch eine Zusammenkunft von internationalen Künstlerinnen und Künstlern eine beeindruckende Brücke, die nicht nur sehenswert ist, sondern auch die Statik des Hauses herausfordert.

Von der künstlerischen Bedeutung traditioneller westkamerunischer Schamschürzen bis hin zum bulgarischen Bronze House: Die Ausstellung bringt Exponate  verschiedenster Kulturen zusammen, die gesellschaftliche Diskurse anregen und das Handwerk zeigen, wie es für und mit der Zeit geht.  

Mit Werken von Azra Akšamija, Olivier Guesselé-Garai, Plamen Dejanoff, Olaf Holzapfel, Antje Majewski, Jorge Pardo, Slavs and Tatars, Haegue Yang und Johannes Schweiger.

 

EVENTTIPPS: 

Freier Eintritt ins Kunsthaus Graz:
23. und 24. November 2019
28. und 29. Dezember 2019
jeweils 10-17 Uhr

weitere Infos unter:

https://www.museum-joanneum.at/kunsthaus-graz/ausstellungen/ausstellungen/events/event/7748/kunst-handwerk

Aufbruch in die Moderne? Paul Schad-Rossa und die Kunst in Graz

„Unter Modern verstehe ich etwas sich auf idealer Höhe Befindliches, ob es nun tausende Jahre vor oder nach unserer Zeit dorthin gebracht wurde, ist gleich. Der moderne Mensch hat mir voraus, dass er seine idealen Empfindungen lebt, dass er bricht mit der Tradition und der conventionellen Lüge.“

Aufbruch in die Moderne?
Paul Schad-Rossa und die Kunst in Graz


Paul Schad-Rossa, Eden (Detail), 1899, Öl, Gips auf Holz, 113 x 178 cm Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum Foto: UMJ/N. Lackner

Paul Schad-Rossa, Eden (Detail), 1899, Öl, Gips auf Holz, 113 x 178 cm Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum Foto: UMJ/N. Lackner

Paul Schad-Rossa wusste zu polarisieren – sowohl von Kunstinteressierten als auch von der Presse wurde er entweder geliebt oder gehasst. Er vertrat seine teilweise radikalen Ansichten nachdrücklich:
Laut ihm musste die Kunst revolutioniert werden. Die Kunst muss sich an die geänderten Lebensbedingungen der Menschen seit Beginn der  Industrialisierung anpassen!

„Kunst! – was ist Kunst? Kunst ist der Gegensatz zur Natur. Ich wüsste das Wesen beider Begriffe nicht besser zu erklären, als dass ich sie gegensätzlich zueinander stelle.“

Er sah also den Symbolismus als Gegensatz zum bis dato vorherrschenden Naturalismus und Impressionismus.

„Eindrücke, die wir erleben, sind unser Alles. Unser ganzes Dasein wächst aus Eindrücken heraus. – Alles, was wir ausdrücken, ist die Summe unserer Eindrücke.“

Paul Schad-Rossa war so etwas wie ein Multifunktionstool der Kunstwelt: Er war nicht nur Kunsthandwerker, sondern auch Bildhauer und Maler. Ebenso gründete er einen Künstlerbund und eine Kunstschule in Graz. Nicht zuletzt betätigte er sich auch als Herausgeber der Zeitschrift Grazer Kunst.

Einerseits beeindruckt es, wie vielfältig seine Interessen und sein Betätigungsfeld war. Allerdings schafft er es nicht, den Betrachter emotional mitzunehmen, für seine Ideen zu begeistern. Diese Ansicht wurde wohl auch von einem Teil seiner Zeitgenossen geteilt:
Trotz seines breit gefächerten Engagements gelang es Paul Schad-Rossa nicht, die Grazer Kunstwelt von seinen Ansichten zu überzeugen. Der Aufbruch in die Moderne wurde zwar eingeleitet, aber der Durchbruch gelang (noch) nicht.
Darum übersiedelte er frustriert nach Berlin, wo sein Werk nach seinem Tod lange unentdeckt blieb.

Paul Schad-Rossa, Fronleichnam, 1891, Öl/Leinwand, 201 x 387 cm, Neue Galerie Graz, UMJ, Foto: N. Lackner, UMJ

Paul Schad-Rossa, Fronleichnam, 1891, Öl/Leinwand, 201 x 387 cm, Neue Galerie Graz, UMJ, Foto: N. Lackner, UMJ

Seine Werke sind beeindruckend, durchwegs mit viel Liebe zum Detail (und zum Motiv) ausgearbeitet. Es will ihm aber nicht richtig gelingen, sich von Anderen seiner Zeit abzuheben. Auch der Bruch mit dem Naturalismus erfolgt nicht so krass, wie man nach dem Lesen seiner Zeitschriften erwarten würde.

Summa summarum eine sehenswerte Ausstellung – ob der namensgebende Aufbruch in die Moderne dank Paul Schad-Rossa erfolgt ist, muss der Besucher für sich selbst entscheiden.

Die folgenden und andere Künstler/innen sind mit Arbeiten in den Medien der Malerei, Skulptur, Graphik, Fotografie und Plakatkunst in der Ausstellung vertreten:
Marie von Baselli – Victor Bauer – Hans Brandstetter – Norbertine Bresslern-Roth – Constantin Damianos – Marie Egner – Wilhelm Gösser – Leo Grimm – Franz Gruber-Gleichenberg – Hugo Haluschka – Emmy Hiessleitner-Singer – Friederike von Koch-Langentreu – Franz Köck – August Kurtz-Gallenstein –. Axl Leskoschek – Karl Mader – Anton Marussig – Carl O’Lynch of Town – Ferdinand Pamberger – Daniel Pauluzzi – Ernst Peche – Igo Pötsch – Karl Rotky – Paul Schad-Rossa – Alfred von Schrötter-Kristelli – Fritz Silberbauer – Paul Schmidtbauer – Adolf Sperk – Konrad von Supanchich – Franz Unterholzer – Hanns Wagula – Alfred Zoff

Die Ausstellung läuft bis 22. Februar 2015.
Weitere Informationen findet man auf der Homepage der neuen Galerie Graz und im Museumsblog.

Aufbruch in die Moderne?, Ausstellungsansicht, Foto: UMJ/ N. Lackner

Aufbruch in die Moderne?, Ausstellungsansicht, Foto: UMJ/ N. Lackner

Eine missliche Lage

Ich frage mich, wo die Ausstellungen hin sind, in denen Mann oder Frau einfach ein Kunstwert betrachtete und dieses als schön, hässlich, beeindruckend, kitschig, und vieles mehr empfinden konnte?!

Bei der Ausstellung Dort, wo unser Sprache endet, komme ich jeden Tag vorbei im Kulturzentrum der Minoriten genügt es nicht, ein Kunstwerk einfach zu betrachten, um dieses beurteilen zu können; es ist auch erforderlich, die Ideen und Philosophien der Kunstwerke zu verstehen. Dies ist jedoch eine Herausforderung für den Besucher. Trotz Beschreibungen der einzelnen Exponate, blickt Mann oder Frau nach wie vor ratlos auf manche dieser Werke. Daher würde ich, trotz manch interessanter, spielerischer und zum Teil lustig interaktiver Installationen eher eine Führung, als ein verträumtes herumstreunen in den Ausstellungsräumen empfehlen.

Diese Ausstellung bringt mich in eine missliche Lage: zum einen wünsche ich mir Ausstellungen, bei denen ich mich berieseln lassen kann und ohne viele Gedanken von der Schönheit verzaubert werde, zum andern finde ich es erstrebenswert, dass man mithilfe der Kunst zum Nachdenken angeregt wird, um so einen Dialog zu fördern.