Der Liebe Schlaf – Ein Dornröschen Ballett

Wie man ein allseits bekanntes Märchen zu dem Inhalt eines Balletts umformen kann, wird derzeit in der Oper Graz vorgezeigt. Doch dieser Twist ist nicht das einzig Ungewöhnliche an diesem Stück.

(c) Oper Graz

(c) Oper Graz

Schon bei Betreten des Opernsaales herrscht sofort Aufregung unter den Besuchern, denn die Situation dieser Veranstaltung ist eine völlig neue: Die Sitzplätze sind allesamt mit einem weißen Laken abgedeckt und man wird direkt auf die Bühne geleitet, wo bereits mehrere Reihen roter Stühle aufgestellt sind. Bei diesem Stück erlebt man nämlich eine ganz neue Perspektive: Man steht sozusagen mit den Darstellern auf der Bühne, sogar das Orchester ist auf dieser platziert. Wenn dann die ersten Töne angeschlagen werden, erscheint eine Gruppe äußerst ansehnlicher Tänzer, die den Beginn des Balletts elegant einleiten.

(c) Oper Graz

(c) Oper Graz

Es folgen einige Abschnitte, in denen entweder als Paar oder Gruppe getanzt wird. Dabei wird unter anderem der klassische Spitzentanz zum Besten gegeben. Spielend leicht versinkt man gemeinsam mit den Tänzern in eine Welt, die nur aus Bewegungen und Klängen des Orchesters (welches übrigens grandios Musik von Bach, Vivaldi, Händel u.ä., darbietet!) zu bestehen scheint. Die Choreographie nach Jörg Weinöhl soll von Dornröschen und seinem Erwachen erzählen, was anfänglich etwas schwer zu erkennen ist, mit der Zeit jedoch deutlicher dargestellt wird.

(c) Oper Graz

(c) Oper Graz

Obwohl es sich um ein Ballett handelt, finden sich in den verschiedenen Szenen allerdings auch modernen Tanzeinlagen. So wird beispielsweise ein Fest mit flotten Rhythmen und einem dazu passenden Tanz untermalt. Generell werden Stimmungswandel in dieser Aufführung gerne und häufig eingesetzt: Von himmelhochjauchzend, durch ein digitales Feuerwerk unterstrichen, zu absoluter Traurigkeit während Dornröschens Schlafes, spiegelt sich jede Gefühlslage wieder. Bruna Diniz Afonso alias „Dornröschen“ verkörpert die Rolle des jungen, strahlenden Mädchens und harmoniert perfekt mit ihrem Prinzen, gespielt von Simon Van Heddegem.

(c) Oper Graz

(c) Oper Graz

Auch, wenn ein Ballett vielleicht nicht allen Geschmäckern entspricht, ist dem Opernhaus Graz mit diesem Werk etwas ganz Besonderes gelungen. Alleine die Tatsache, eine Aufführung so nahe zu erleben und Teil der Bühne zu sein, ist ein einzigartiges Erlebnis. Bis Ende Jänner ist „Der Liebe Schlaf – ein Dornröschen Ballett“ noch zu besuchen. Ganz, ganz große Empfehlung!

Festlicher Ausklang bei recreationBAROCK

Unter dem Titel Wassermusik war am Montag und Dienstag dieser Woche das titelgebende Werk von Georg Friedrich Händel neben zwei Konzerten von Johann Sebastian Bach zu hören. Das letzte Konzert der barocken Konzertreihe für diese Saison stand unter der Leitung des Barockgeigers Rüdiger Lotter.

Rüdiger Lotter (c) Werner Kmetitsch

Rüdiger Lotter (c) Werner Kmetitsch

Mit mächtigen Jagdfanfaren leiten zwei Hörner das erste Werk des Abends ein: das 1. Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach. Den Hörnern kommt in diesem Konzert eine besondere Rolle zu, da Bach diese für die Zeit ungewöhnliche Besetzung voll ausnutzen wollte. Das zuckende Prahlen der barocken Blasinstrumente schweigt nur im langsamen zweiten Satz, in dem sich Oboe und Geige abwechselnd in den Schlaf zu wiegen scheinen. Doch nicht lange wird geruht, denn schon im nächsten Abschnitt geht es auf zur Jagd, die von den Musikern wunderbar lebhaft dargeboten wurde. Schnell, schwungvoll und mit Leichtigkeit – so gehört ein echter Bach gespielt.
Es folgte das Violinkonzert des Barockmeisters in a-Moll. Obwohl Bach doch selbst gut Geige spielte, sind nur zwei Solowerke für das Instrument vollständig erhalten. „Bis zum herannahenden Alter spielte er die Violine rein und durchdringend“, ist etwa von Bachs Sohn zu lesen, und so sehr hing er an dem Instrument, dass er es oft beim Dirigieren im Arm trug. Das a-Moll-Konzert ist ein wunderschönes Beispiel für ein unaufgeblasenes Werk dieser Gattung. Keine unnötigen Längen oder übertriebene Virtuosität stehen hier am Programm, sondern lyrische Melodieführung und ein ausgeglichenes Wechselspiel zwischen Solist und Orchester. Solist und Leiter Rüdiger Lotter fand zu Beginn leider nicht sofort in den „Bach’schen Musikfluss“. Nachlässig und undeutlich spielte er den ersten Satz ohne die nötige Klarheit. Nach kurzem Nachstimmen fing er sich aber im zweiten Satz und schaffte ein kitschloses, stimmungsvolles Andante. Dem finalen Allegro assai hätte ein bisschen mehr Tempo nicht geschadet, aber auch so war der festliche Charakter der Musik deutlich zu spüren.

Händel auf der Gondel; entnommen von Styriarte

Händel auf der Gondel; entnommen von der Styriarte Homepage

Final kam es nun zum namensgebenden Stück des Konzertes: der wohlbekannten Wassermusik von Georg Friedrich Händel. Der eingängige Name der Komposition kommt nicht von irgendwo. Tatsächlich erklangen die drei Suiten erstmalig auf dem Wasser. Über 50 Musiker unterhielten mit ihrem Spiel König Georg I. auf seiner Flussfahrt und begeisterten dabei so sehr, dass sich der Name bis heute gehalten hat. In etwas kleinerer Besetzung waren die dritte und erste Suite von den Musikern des recreationBAROCK Orchesters zu hören. Wohlgemerkt in dieser ungewöhnlichen Reihenfolge, denn man wolle ja nicht „schon am Anfang sein ganzes Pulver verschießen“, wie Rüdiger Lotter erklärte. Eine weise Entscheidung, denn obwohl auch der letzte Teil der Wassermusik mit seinen Traversflötensoli zu bestechen weiß, ist für den Abschluss doch die große erste Suite geeigneter. Der Ouverture folgt das Adagio e staccato, in dem sich die Gegensätzlichkeit der staccato Orchesterbegleitung geschickt mit dem weichen Klang der Oboen zu ergänzen weiß. Die drei Oboen, die immer wieder als Solisten mit dem Fagott hervortreten, zaubern geschmeidig fließende Momente. Die Hörner kommen erneut zum Einsatz und spielen auch ihren Part in der zweiten Reihe besonders feinfühlig. Auch der Rest der Musiker vermittelt den Eindruck einer lustigen Gesellschaft, zu der sie jedermann zum Mitfeiern einladen. Der Applaus zeigte: die Intention ist geglückt!

Eine Anmerkung für das Styriarte Team: die Besetzung im Programm entsprach nicht jener des Abends, zudem wurde der arme Fagott-Spieler gänzlich vergessen. Ansonsten konnte man aber im Ad Notam wieder einiges über die Hintergründe zur Musik erfahren.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
http://styriarte.com/events/wassermusik/?realm=recreation&sti=9110

Ein Bach im Kunstgarten

In heimeliger Atmosphäre spielte Olena Mishchi die ersten vier Bach’schen Cellosuiten. Es war ein Abend der besonderen Art, erfüllt von Wärme und Wohlgefühl.

Olena Mishchi (c) s1.wohintipp.at

Olena Mishchi (c) s1.wohintipp.at

Es gibt Plätze, die strahlen einfach etwas Magisches aus. Ein Zauber, der in der Luft schwebt und von dem man sich einfach gefangen nehmen lassen muss. Wenn man den geheimen Kunstgarten gefunden hat, wird man dafür reichlich belohnt. Trotz der Dunkelheit kann man die ersten Ansätze des Gartens erkennen, in dem bald eine Frühlingspracht erblühen wird. Eingebettet in die Pflanzen finden sich Kunstwerke aller möglichen Stile, Länder und Epochen. Ein stimmiges Durcheinander an Leben und Stillleben, das man auf jeden Fall auch einmal bei Tag erleben muss. Durch einen kleinen Gang geht es ins Haus und in ein Vorzimmer/Bibliothek. Und was für eine Bibliothek! Von Büchern aus über 4 Jahrhunderten und zwei freundlichen Gesichtern wird jeder Gast begrüßt. „Das Konzert findet im Wohnzimmer statt. Sie dürfen sich gern hineinwurschteln und ein gemütliches Platzerl suchen“, lautet die charmante Platzanweisung. Und tatsächlich geht man weiter in ein Wohnzimmer voller verschiedener Sessel, Fauteuils und Sofas, auf denen schon ein bunt gemischtes Publikum die Musik erwartet. Wie auch schon im Garten kommt man hier dem Schauen gar nicht nach. Doch da betritt schon die Künstlerin des Abends den Raum, bahnt sich ihren Weg durch die Zuschauer und erfüllt bald den kleinen Raum mit dem warmen Klang ihres Cellos. Olena Mishchi spielte einen Bach, es war vielleicht nicht der Johann Sebastian, den man sich erwartet hatte, aber es war ihr Bach und mit diesem konnte sie schlussendlich auch alle überzeugen. Vielleicht hat der große Meister des Barock seine wundervollen Suiten gar nicht für weite Konzerthallen geschrieben, sondern genau für so kleine Zusammenkünfte, für Hausmusik im schönsten Sinn. Wie sehr steigert sich die Freude am Zuhören, wenn man in einem Kreis aufmerksam lauschender Menschen sitzt! Durch das allgemeine Wohlwollen im Raum konnte man alle hörbaren und stummen Klänge in sich aufnehmen. Da wird nicht bei einem falschen Ton gezischt oder die Augen überdreht, weil ganz klar ist, dass das nicht das Wesentliche an diesem Abend ist. Wer braucht schon Perfektion, wenn er Authentizität haben kann? Das Besondere, das Berührende und Erinnerungswürdige ist selten vollkommen, es wird vielmehr aus der Summe all seiner Vorzüge und Makel sowie dem Mut, diese zu zeigen, einzigartig. Der Kunstgarten Graz, das ist einzigartig.

Weitere Informationen zum Kunstgarten unter:
http://kunstgarten.mur.at/index_d.php