Die Leichtigkeit des Jubels

Nach 20 Jahren nahm sich der Grazer Musikverein wieder eines der größten geistlichen Werke der Musikgeschichte an: Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium erklang mit dem L’Orfeo Barockorchester und dem Chorus Sine Nomine unter Johannes Hiemetsberger auf wundersam sanfte Weise.

Schon in den ersten Takten der ersten Kantate ist klar: Johannes Hiemetsberger legt Bachs monumentales Oratorium nicht als erschlagende Lobpreisung, sondern als sanft fließende Feier an. „Jauchzet, frohlocket“, der erste Choral, wird so zu einer Freundensbotschaft, die der großartige Chorus Sine Nomine mit feiner Dynamik interpretiert. Als Evangelist verkündet Tenor Manuel Günther die Botschaft aus der Bibel lyrisch und erzählerisch, Sophie Rennert (Alt) antwortet in Rezitativ und Arie schwungvoll und ebenfalls im Zeichen der Unbeschwertheit, Josef Wagners Bass zeigt im Kontrast dazu maximal die Differenzen auf und wirkt fast ein wenig erschwerend.

In der vierten Kantate nimmt die Ruhe mehr Raum ein. Im „Flößt, mein Heiland, flößt dein Namen“ kommt Sopranistin Cornelia Horak endlich zum Einsatz, von der Oboe und einem Echo wird sie begleitet, wunderschön klingen die Höhen. In der Arie des Tenors kämpfen sich Günther und zwei Violinen durch die Sechzehntel, bevor es in der fünften Kantate mit schwungvollem 3/4-Takt wieder feierlicher wird. Das Stolze, Fanfarenhafte kehrt in der sechsten Kantate wieder und schließt den Kreis zur ersten hin.

Für je einen Feiertag in der Weihnachtszeit 1734/35 hat Bach das sechsteilige Oratorium komponiert. Heute hat es an Glanz nichts verloren, wenn auch die erschlagende Gottesehrfurcht zugunsten der Feierlichkeit in den Hintergrund rückt.

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Der Liebe Schlaf – Ein Dornröschen Ballett

Wie man ein allseits bekanntes Märchen zu dem Inhalt eines Balletts umformen kann, wird derzeit in der Oper Graz vorgezeigt. Doch dieser Twist ist nicht das einzig Ungewöhnliche an diesem Stück.

(c) Oper Graz

(c) Oper Graz

Schon bei Betreten des Opernsaales herrscht sofort Aufregung unter den Besuchern, denn die Situation dieser Veranstaltung ist eine völlig neue: Die Sitzplätze sind allesamt mit einem weißen Laken abgedeckt und man wird direkt auf die Bühne geleitet, wo bereits mehrere Reihen roter Stühle aufgestellt sind. Bei diesem Stück erlebt man nämlich eine ganz neue Perspektive: Man steht sozusagen mit den Darstellern auf der Bühne, sogar das Orchester ist auf dieser platziert. Wenn dann die ersten Töne angeschlagen werden, erscheint eine Gruppe äußerst ansehnlicher Tänzer, die den Beginn des Balletts elegant einleiten.

(c) Oper Graz

(c) Oper Graz

Es folgen einige Abschnitte, in denen entweder als Paar oder Gruppe getanzt wird. Dabei wird unter anderem der klassische Spitzentanz zum Besten gegeben. Spielend leicht versinkt man gemeinsam mit den Tänzern in eine Welt, die nur aus Bewegungen und Klängen des Orchesters (welches übrigens grandios Musik von Bach, Vivaldi, Händel u.ä., darbietet!) zu bestehen scheint. Die Choreographie nach Jörg Weinöhl soll von Dornröschen und seinem Erwachen erzählen, was anfänglich etwas schwer zu erkennen ist, mit der Zeit jedoch deutlicher dargestellt wird.

(c) Oper Graz

(c) Oper Graz

Obwohl es sich um ein Ballett handelt, finden sich in den verschiedenen Szenen allerdings auch modernen Tanzeinlagen. So wird beispielsweise ein Fest mit flotten Rhythmen und einem dazu passenden Tanz untermalt. Generell werden Stimmungswandel in dieser Aufführung gerne und häufig eingesetzt: Von himmelhochjauchzend, durch ein digitales Feuerwerk unterstrichen, zu absoluter Traurigkeit während Dornröschens Schlafes, spiegelt sich jede Gefühlslage wieder. Bruna Diniz Afonso alias „Dornröschen“ verkörpert die Rolle des jungen, strahlenden Mädchens und harmoniert perfekt mit ihrem Prinzen, gespielt von Simon Van Heddegem.

(c) Oper Graz

(c) Oper Graz

Auch, wenn ein Ballett vielleicht nicht allen Geschmäckern entspricht, ist dem Opernhaus Graz mit diesem Werk etwas ganz Besonderes gelungen. Alleine die Tatsache, eine Aufführung so nahe zu erleben und Teil der Bühne zu sein, ist ein einzigartiges Erlebnis. Bis Ende Jänner ist „Der Liebe Schlaf – ein Dornröschen Ballett“ noch zu besuchen. Ganz, ganz große Empfehlung!

Festlicher Ausklang bei recreationBAROCK

Unter dem Titel Wassermusik war am Montag und Dienstag dieser Woche das titelgebende Werk von Georg Friedrich Händel neben zwei Konzerten von Johann Sebastian Bach zu hören. Das letzte Konzert der barocken Konzertreihe für diese Saison stand unter der Leitung des Barockgeigers Rüdiger Lotter.

Rüdiger Lotter (c) Werner Kmetitsch

Rüdiger Lotter (c) Werner Kmetitsch

Mit mächtigen Jagdfanfaren leiten zwei Hörner das erste Werk des Abends ein: das 1. Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach. Den Hörnern kommt in diesem Konzert eine besondere Rolle zu, da Bach diese für die Zeit ungewöhnliche Besetzung voll ausnutzen wollte. Das zuckende Prahlen der barocken Blasinstrumente schweigt nur im langsamen zweiten Satz, in dem sich Oboe und Geige abwechselnd in den Schlaf zu wiegen scheinen. Doch nicht lange wird geruht, denn schon im nächsten Abschnitt geht es auf zur Jagd, die von den Musikern wunderbar lebhaft dargeboten wurde. Schnell, schwungvoll und mit Leichtigkeit – so gehört ein echter Bach gespielt.
Es folgte das Violinkonzert des Barockmeisters in a-Moll. Obwohl Bach doch selbst gut Geige spielte, sind nur zwei Solowerke für das Instrument vollständig erhalten. „Bis zum herannahenden Alter spielte er die Violine rein und durchdringend“, ist etwa von Bachs Sohn zu lesen, und so sehr hing er an dem Instrument, dass er es oft beim Dirigieren im Arm trug. Das a-Moll-Konzert ist ein wunderschönes Beispiel für ein unaufgeblasenes Werk dieser Gattung. Keine unnötigen Längen oder übertriebene Virtuosität stehen hier am Programm, sondern lyrische Melodieführung und ein ausgeglichenes Wechselspiel zwischen Solist und Orchester. Solist und Leiter Rüdiger Lotter fand zu Beginn leider nicht sofort in den „Bach’schen Musikfluss“. Nachlässig und undeutlich spielte er den ersten Satz ohne die nötige Klarheit. Nach kurzem Nachstimmen fing er sich aber im zweiten Satz und schaffte ein kitschloses, stimmungsvolles Andante. Dem finalen Allegro assai hätte ein bisschen mehr Tempo nicht geschadet, aber auch so war der festliche Charakter der Musik deutlich zu spüren.

Händel auf der Gondel; entnommen von Styriarte

Händel auf der Gondel; entnommen von der Styriarte Homepage

Final kam es nun zum namensgebenden Stück des Konzertes: der wohlbekannten Wassermusik von Georg Friedrich Händel. Der eingängige Name der Komposition kommt nicht von irgendwo. Tatsächlich erklangen die drei Suiten erstmalig auf dem Wasser. Über 50 Musiker unterhielten mit ihrem Spiel König Georg I. auf seiner Flussfahrt und begeisterten dabei so sehr, dass sich der Name bis heute gehalten hat. In etwas kleinerer Besetzung waren die dritte und erste Suite von den Musikern des recreationBAROCK Orchesters zu hören. Wohlgemerkt in dieser ungewöhnlichen Reihenfolge, denn man wolle ja nicht „schon am Anfang sein ganzes Pulver verschießen“, wie Rüdiger Lotter erklärte. Eine weise Entscheidung, denn obwohl auch der letzte Teil der Wassermusik mit seinen Traversflötensoli zu bestechen weiß, ist für den Abschluss doch die große erste Suite geeigneter. Der Ouverture folgt das Adagio e staccato, in dem sich die Gegensätzlichkeit der staccato Orchesterbegleitung geschickt mit dem weichen Klang der Oboen zu ergänzen weiß. Die drei Oboen, die immer wieder als Solisten mit dem Fagott hervortreten, zaubern geschmeidig fließende Momente. Die Hörner kommen erneut zum Einsatz und spielen auch ihren Part in der zweiten Reihe besonders feinfühlig. Auch der Rest der Musiker vermittelt den Eindruck einer lustigen Gesellschaft, zu der sie jedermann zum Mitfeiern einladen. Der Applaus zeigte: die Intention ist geglückt!

Eine Anmerkung für das Styriarte Team: die Besetzung im Programm entsprach nicht jener des Abends, zudem wurde der arme Fagott-Spieler gänzlich vergessen. Ansonsten konnte man aber im Ad Notam wieder einiges über die Hintergründe zur Musik erfahren.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
http://styriarte.com/events/wassermusik/?realm=recreation&sti=9110