Konzertantes Verwirrspiel

Die Grazer Oper brachte Carl Maria von Weberns Oberon konzertant auf die Bühne. In dem Hin und Her aus gesprochener Erzählung, Instrumentalpassagen und Arien fiel es schwer, den Faden nicht zu verlieren.

(c) Oliver Wolf

Zu loben gilt es die Initiative der Grazer Oper immer wieder Musiktheaterraritäten auszugraben und diese in ein paar wenigen Aufführungen dem interessierten Zuhörer konzertant zu kredenzen. Nun sollte es Weberns „Oberon“ sein, auch wenn Oberon dem Geschehen eher auf einer Metaebene beiwohnt und man das Werk besser „Hüon und seine verqeuren Wege zum Liebesglück“ nennen könnte. Dieser Hüon Herzog von Guienne muss so manches Haupt köpfen, Seefahrten überstehen und Piraten überwältigen bevor ich dir Kalifentochter Rezia endlich sicher an seiner Seite weiß. Da selbst für eine sehr rezitativenreiche Oper diese Menge an Erzählung schwer zu bewältigen wäre, wird der Großteil dieser Handlung von einem Erzähler vermittelt. Die Schauspielerin Birgit Minichmayr las aus der deutschen Übersetzung des Librettos von James Robin Planché voll schnörkelreicher Sprache mit rauchiger Stimme und überschwänglicher Theatralik, was hin und wieder auf Kosten der Textverständlichkeit ging und der Musik vor allem im Nachklang nicht ihren ganzen Raum zu lassen schien.
Musikalisch oblag die Aufführung der Chefdirigentin der Grazer Philharmoniker Oksana Lyniv. Durch das bewusste Hervorheben einzelner Instrumentengruppen gelingt Weber das Färben von Stimmungen, oft zart und fließend, manchmal aufbrausend und gelegentlich pikant und exotisch. In den Instrumentalstücken zeigte sich Lyniv um wogende Phrasierung bemüht, nicht immer gelang dies ganz unmittelbar. In der Gewitterszene auf hoher See hingegen war das An- und Abschwellen des Unwetters plastisch und in einem Schwung gestaltet. Der Chor und Extrachor geprägt von Bernhard Schneider markierte schon im Einsatz als Schar von Elfen mit ihrer durchgehend zarten Interpretation ihre Position als starke musikalische Stütze des Werkes. Leider weniger einfühlsam gestaltete sich die Videoprojektion, die wohl subtil die Handlung begleiten wollte. Der immer wieder stechend blaue Hintergrund wollte allerdings keinen Fluss oder eine Form von Kontinuität zulassen.
Die Besetzung der Solostimmen zeigte eine Bandbreite an Ausdrücken. Ilker Arcayürek als Oberon präsentierte sich bekömmlich und ruhig in seinem Habitus und seiner Stimme. Gisela Stille als seine Angebetete bot eine theatralische Rezia. Sie demonstrierte ein weites Vibrato, einen solistisch kämpfenden Geist auch in den Ensembles und selbst im sanften Gitarrenlied „Warum musst du schlafen“ ein beharrliches forte. Vielseitiger im Einsatz der Klangfarben gab sich Jason Kim in der Rolle des Hüon, der vor allem bei seinem weichen Falsett-Einsatz aufhorchen ließ.

Thomas Essl und Anna Brull (c) Oliver Wolf

Besonders charmant präsentierten Thomas Essl und Anna Brull das Duo vom Knappen Scherasmin und der Vertrauten Fatime. Fundiert und warm sang Essl und fügte sich gut zu seiner Partnerin, die wie so oft eine fein abgestimmte Fülle bewies. Der lustige und freudige Geist der beiden durfte in Finale noch einmal instrumental aufleuchten und für ein versöhnliches Ende sorgen.

Weitere Informationen zur Veranstaltung unter:
https://www.oper-graz.com/production-details/oberon

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