Auf unterschiedlichen FREQUENZEN

Regisseur Alexander Eisenach inszeniert den Roman „Frequenzen“ des Grazer Autors Clemens J. Setz  auf der Bühne des Schauspielhauses. Das Stück besticht vor allem durch seine Multimedialität und Sprache, stiftet aber durch seine Alinearität auch Verwirrung bei Besucher*innen, die den Roman nicht gelesen haben.

Auf 700 Seiten beschreibt Clemens J. Setz die Lebenswelt des Synästheten Alexander Kerfuchs. In 2 Stunden und 40 Minuten werden Fragmente des Romans auf der Bühne des Grazer Schauspielhauses zu einer Collage zusammen. Vor allem die Multimedialität bei der Umsetzung des Prosastoffes durch die Verwendung von Videostreams

Das Stück dreht sich – wortwörtlich, da das Bühnenbild sich um die eigene Achse dreht – um das Leben von Kerfuchs. Dabei wechselt die Handlung zwischen zwei Erzählebenen: der Gegenwart und den Erinnerungen an die Kindheit. In der Gegenwart ist Alexander Kerfuchs, der vormals als Altenpfleger gearbeitet hat, arbeitslos, betrügt seine langjährige Freundin Lydia mit der Therapeutin Valerie. Diese wiederum hat soeben einen Schauspieler – Walter – engagiert, um einen Patienten zu spielen. Walter steht zusätzlich auch für die Kindheitsebene: Er war ein Freund von Kerfuchs und ist Sohn eines berühmten Architekten, der wiederum mit Alexanders Vater befreundet war. Die Kindheit und Erinnerung von Alexander ist geprägt vom Verlassenwerden der Familie durch den Vater.

 

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Clemens Maria Riegler, Franz Xaver Zach (c) Lupi Spuma

Die Dramatisierung des Theatertextes gelingt – das Stück ist trotz seiner beachtlichen Länge für die Besucher*innen sehr kurzweilig, teilweise so pointiert, dass Zuschauer*innen sich zum Lachen hinreißen lassen. Vor allem der Einsatz von Live-Videos erzeugt eine andere Perspektive auf die Handlung und lässt die Besucher*innen einen scheinbar intimeren Blick auf das Geschehen werfen.

Einziger Kritikpunkt: Die alineare Erzählweise ist für Besucher*innen, die den Roman nicht gelesen haben, sehr verwirrend, vielleicht aber auch ein Plädoyer dafür, das Buch vor dem Theaterbesuch zu lesen.

Das Stück ist noch am 02. und 08. Juni im Schauspielhaus Graz zu sehen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

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Frequenzen

In der Verwirrung liegt die Kraft. Über drei Stunden werden im Schauspielhaus Motive aus dem 700 Seiten Wälzer „Die Frequenzen“ des gebürtigen Grazers Clemens J. Setz auf die Bühne gebracht. Die Geschichte des Alexander Kerfuchs wird nach und nach aufgerollt. Technisch aufwändige Live-Einspielungen geben zeitversetzte handlungsstränge auf dem Second Screen wieder. Ein audiovisuelles Erlebnis erster Güte – und es hinterlässt doch Fragen.

© Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

© Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Alexander (Im Jetzt: Clemens Maria Riegler / In der Vergangenheit: Felix Ostanek) ist auf den ersten Blick ein komischer Kauz. Unentschlossen in der Liebe und ein Freund großer Momente, bandelt er mit der Therapeutin Valerie an. Dass diese von Evamaria Salcher gespielt wird, die zudem seine Mutter spielt, lässt schon auf ein besonderes Verhältnis zwischen Mutter, Sohn und Liebschaft hindeuten. Mutter und Sohn wurden vom Vater verlassen, vom Vater beim Anschieben des Wagens (ein wunderschöner gelber Fiat 126) auf dem Weg in den Winterurlaub, nachdem dieser im Schnee stecken geblieben ist. Ein einschneidendes Erlebnis. Alexander macht sich Gedanken: Wurde der Vater entführt? Wollte er wirklich seine Familie im Stich lassen? Eine große Phantasie entsteht in seinem Kopf und wird ihn auf ewig begleiten.

Alexanders Geschichte gegenüber steht diejenige seines Jugendfreundes Walter. Auch dieser hat ein spezielles Verhältnis zu seinem Vater, einem angesehenen Architekten. Dem Druck stets mit diesem gemessen zu werden scheint Walter nicht gewachsen. Jegliche Förderung prallt an Walter ab. Er soll als Kosmopolit erzogen werden, er soll in die Fußstapfen seines Vaters treten. Er wird an jeglich erdenklichem Zeitpunkt seines Lebens mit den Vorschlägen seines Vaters überfordert. Als gescheiterter Schauspieler landet er in Valeries Therapie. Das Unheil nimmt seinen endgültigen Lauf.

Zwei verkorkste Familien, deren Vaterfiguren scheinbar die gesamte Handlung der Protagonisten beeinflussen, zwischenmenschliche Beziehungen, Hindernisse und Missverständnisse. Dazu wahrhaft wunderbare Retrospektiven mit einem Jugenddarsteller und Parallelhandlungen auf dem Second Screen. „Frequenzen“ bietet einen spannenden Theaterabend, kann aber ohne die Lektüre des zugehörigen Romans nicht alle Handlungsstränge klären, aber das wäre vermutlich auch zu viel verlangt.

Weitere Informationen zu Spielterminen und Kartenkaufen sind auf der Homepage des Schauspielhaus Graz zu finden.

Alexander sieht die Welt anders – „Frequenzen“ am Schauspielhaus Graz

Der Roman „Die Frequenzen“ des Grazer Autors Clemens J. Setz wird zurzeit vom Berliner Regisseur Alexander Eisenach am Schauspielhaus Graz auf die Bühne gebracht.

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(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Alexander Kerfuchs ist Synästhetiker. Er erlebt die Welt auf besondere Weise und kann in Frequenzbereiche eintauchen, die für Nicht-Synästhetiker unerreicht bleiben. Alexanders Eltern können mit seiner Andersheit nur recht schwer umgehen. Der Riss, der das Fundament des Elternhauses durchläuft, zieht sich durch deren Beziehung und Alexanders gesamtes Leben. Beziehungen scheitern, nicht nur jene zum Vater. Als Erwachsener will Alexander einen Neustart versuchen. Er kündigt seinen Job im Altenheim und trennt sich von seiner Freundin, um mit der Psychotherapeutin Valerie, die seinen nicht minder neurotischen Jugendfreund Walter betreut, zusammenzuleben. Doch dieser Wunsch soll nicht in Erfüllung gehen.

Sämtliche Handlungsstränge des 700-Seiten-Romans können aus rein technischen und zeitlichen Gründen natürlich nicht umgesetzt werden, Alexander Eisenach schafft es aber dennoch, die zentralen Motive auf die Bühne zu bringen. Die Drehbühne, gestaltet von Daniel Wollenzin, und die verschiedenen Projektionsflächen, auf denen Szenen gezeigt werden, die von rocafilm auf der Bühne live aufgenommen werden, erlauben es, mehrere assoziative Ebenen zu erzeugen und das Stück zu einem traumartigen Trip zu machen. Licht und Musik verhelfen zu einer coolen und modernen Atmosphäre.

Auch wenn einige Szenen vor allem gegen Ende hin etwas langatmig sind, ist das Stück aufgrund seines ästhetischen Aspekts und der tollen schauspielerischen Leistungen definitiv sehenswert. Die nächste Möglichkeit gibt es am 06. April am HAUS EINS.

Hier der Trailer zum Stück: https://www.youtube.com/watch?v=Kx7BDzr2-bM