Von einem Stern, so groß wie ein Fenster

Der Grazer „Dom im Berg“ liefert von 10. bis 17. Dezember 2017 die ideale Gaststätte für eine Weihnachtsgeschichte der anderen Art. „Amahl und die nächtlichen Besucher“ von Gian Carlo Menotti fällt unter die Kategorie OpernKurzgenuss, einer Kooperation zwischen der Oper Graz und der Kunstuniversität Graz. Und lässt nicht nur Kinderaugen leuchten.

Herzhaft und verspielt hüpft der junge Hirtenbub Amahl auf die Bühne und setzt dem aufgeregten Getuschel des, vor allem jungen Publikums, ein Ende. Trotz Krücke und offensichtlicher Armut wirkt der Junge (Lalit Worathepnitinan) fröhlich und aufgeweckt. Seiner verwitweten Mutter (Irina Peros) scheint der Verdruss ins Gesicht geschrieben, strickend und kraftlos heißt sie ihren Sohn zu Bette. Der Dialog zwischen den beiden liefert das erste von vielen gesanglichen Meisterwerken.

Erfüllt von seiner Phantasie erzählt der Junge Geschichten von Seefahrern, von Fischen mit Hörnern und – dieses Mal – von einem Stern so groß wie ein Fenster, mit einem Schweif aus Feuer. In unserem Fall: Ein großer, leuchtender Luftballon, welcher auch ohne brennenden Schweif seinen Zweck erfüllt. Diese phantastischen Träume erfüllen die Mutter augenscheinlich mit Trauer; Ihr wird bewusst, wie wenig sie ihrem Sohn bieten kann. „Oma, weint die wirklich?“, fragt das Kind hinter mir und weist somit indirekt auf die hervorragende schauspielerische Leistung von Peros hin.

Querflöte, Posaune und Co., sowie ihre imposanten Stimmen unterstützen das plötzliche Auftreten dreier Könige, die auf dem Durchzug um Unterkunft bitten. Sie hätten in dieser Nacht noch ein wichtiges Ziel, ein ganz besonderes Kind sei geboren worden. Der fenstergroße Stern weise ihnen den Weg. Klischeehaft werden die drei Männer aus dem Morgenland von einem roten Mantel umhüllt, die Klischeehaftigkeit endet aber bei dessen Ablegen. Denn mit dem typisierten Aussehen der Heiligen Drei Könige, wie wir sie kennen haben diese nicht viel gemein. Schlicht und dennoch schick gekleidet beeindrucken sie jung und alt mit Gesang und Spiel. Besondere Menschlichkeit verleihen ihnen ihre Macken: Schwerhörigkeit, Schüchternheit, Eitelkeit.

In der Hirtenhütte bunkern sie viele glitzernde und glänzende Gaben, die sehnsüchtig von Amahl und seiner Mutter beobachtet werden. Der Junge voller Faszination, seine Mutter aber scheint frustriert über die Ungerechtigkeit. Bemitleidenswert hält sie einen Monolog bezüglich ihrer Missstände und reißt gesanglich das Publikum mit. Kurzerhand entschließt sich die liebende und verzweifelte Mutter dazu, etwas Gold aus dem Gepäck der Könige zu entwenden. Diese schlafen unterdessen tief und fest, als Zuseher wünscht man sich beinahe, diese Straftat soll unentdeckt bleiben. Doch sie wird vom Pagen ertappt und indes überführt.

Eine herzzerreißende Szene, die mit voller Lautstärke schnell in ein wildes Chaos auf einer schlichten Bühne übergeht. Amahl, erfüllt von Hoffnung und purer Menschlichkeit, erkennt die Vision von diesem Kind, welches Frieden und Heil über die Welt bringen soll und besteht darauf, ihm seine Krücke zu geben. Ein rührender Akt, welcher nicht nur die Könige umstimmt, sondern auch dem Publikum die eine oder andere Träne entlockte. Schlagartig wird den Königen klar, dass Menschlichkeit der Schlüssel ist. Ohne zu zögern überlassen sie Mutter und Kind ihr Gold; das besondere Neugeborene verlange nur nach grenzenloser Liebe. Und um der Rührseligkeit noch das „Grande Finale“ zu verleihen: Als Amahl seiner Euphorie nachgehen will, bemerkt er im Zuge eines Luftsprungs, dass sein Fuß geheilt wurde und er von da an ohne Gehhilfe seinen Weg beschreiten kann. Und dieser führt ihn zusammen mit den Königen zu dem Baby, immer dem Morgenstern nach. Happy End mit viel Kitsch.

Da dieses Stück, unter der Leitung von Anette Wolf, für Kinder ausgelegt wurde und unter die Rubrik „Weihnachtsgeschichten“ fällt, ist das übertriebene Happy End angemessen. Die authentischen Kostüme, die unglaublichen Stimmen, sowie die musikalische Einwirkung im Zusammenspiel mit der Handlung können wohl jedem die Weihnachtsstimmung entlocken, egal ob jung oder alt. Auch dem musikalischen Leiter, Markus Merkel, gebührt großes Lob. Im Zuge des Stückes nahm er oft an den Reaktionen der jungen Zuseher teil und war, ähnlich wie sie, gänzlich „überrascht“ als der Hirtenjunge wieder laufen konnte. Alles in allem- sehr authentisch, sehr liebevoll, sehr gelungen.

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kultref on tour » konzerte im Oktober 2010

Hier sind wir wieder, mit den interessantesten Konzerten in der zweiten Oktoberhälfte. Los geht’s!

Bonaparte
am Donnerstag, dem 14.Oktober, ab 19.30 im ppc

Paper Bird & Marilies Jagsch
am Freitag, dem 15. Oktober, ab 22.30 im Forum Stadtpark
ebenso: Russkaja
ab 19.30 im ppc

Jochen Distelmeyer (ehemals Sänger von Blumfeld)
am Montag, dem 18. Oktober, ab 19.30 im ppc

fm4 soundpark tour mit Francis Int. Airport und anderen
am Mittwoch, dem 20. Oktober, ab 21.00 im explosiv

Elevate Festival
von 21.-26.Oktober. Für weitere Infos bitte auf die Website schauen!

I am Kloot
am Sonntag, dem 31.Oktober, ab 20.00 im ppc

Viel Spaß, wir werden da sein!