Glück in der Liebe, Pech im Spiel

Der Broadway gastiert in Graz: gestern feierte die Broadway- Fabel Guys and Dolls, nach einer Vorlage von Joe Swerling und Abe Burrows, mit der Musik von Frank Loesser, Premiere in der Oper. Regie führt Henry Mason. Mitreißende Tänze sowie Songs und eine zauberhafte Ausstattung entführen das Publikum in das Leben der New Yorker Glücksspieler. 

Wenn Zwei sich treffen, dann entsteht eine Wette. Glücksspieler Nathan Detroit weiß nicht, wo ihm der Kopf steht. Einerseits hat er kein Geld, um sein berühmt, berüchtigtes Würfelspiel abzuhalten, andererseits möchte seine Verlobte Adelaide endlich heiraten. 14 Jahre Verlobungszeit sind ihr wohl genug. Da bietet es sich an, dass Berufsspieler Sky Masterson in der Stadt ist, der bekannt dafür ist, hohe Beträge auf kreative Wetten zu setzen. Zeitgleich versucht die Mission „Save a soul“, unter der Leitung von Sarah Brown, die Sünder (aka Glücksspieler) der Stadt vor ihrer Höllenfahrt zu retten. Sich seines Geldes sicher, geht Detroit mit Masterson eine Wette ein: Schafft es „Obersünder“ Sky, Missionarin Sarah zu überreden mit ihm am nächsten Tag nach Havanna zu fliegen, schuldet Nathan ihm eintausend Dollar. Und umgekehrt. Doch Detroit hat die Rechnung ohne Sky gemacht und es entbrennt ein Spiel mit einem weit höheren Einsatz als Geld: Liebe.

hot boy girls

Werner Kmetitsch

Auf einer Drehbühne (Hans Kudlich), die sich zwischen Stahlgerüst mit blinkenden Neon-Schildern und halbrunden Betonträgern abwechselt, geht der Trubel vonstatten. Umrahmt wird das Bühnenbild im Broadway- Stil von einem Meer aus Lichtern – ideal. In fantastischen Kostümen (Daria Kornysheva), die den Zeitgeist des Musicals einfangen – von Nadelstreifen bis zum Reifrock ist alles dabei – spielt das wirklich gut besetzte Ensemble seine Stärken aus. Ein Hingucker sind vor allem die Tanzszenen- die Show der Hot Box Girls versprüht nostalgisches Flair, das Männer- Solo beim Würfelspiel ist grandios und heiße Nächte mit spanischen Rhythmen gibt es auf Kuba. Der wirkliche Star des Abends ist jedoch Sängerin und Dauerverlobte Adelaide, gespielt von Bettina Mönch. Trotz ständiger Sehnsucht nach Heirat und leichter Barbie- Anlehnung, steckt in ihr doch mehr als ein dümmliches Showgirl. Finanziell unabhängig vom Mann und mit Power-Stimme singt sie sich mit Witz und Charme in jedes Herz. Und sorgt für laute Lacher. Rob Pelzer als Nathan Detroit ist ihr auf jeden Fall ein würdiger Partner und steht ihr insbesondere in Sachen Komik nichts nach. Ein wahres Dreamteam. Johanna Spantzel überzeugt als schüchterne Sarah Brown, deren Blatt und Einstellungen sich jedoch schnell nach Kuba ändern – mit „If I Were a bell“ zeigt sie ihre schönsten Klänge. Christof Messner startet anfangs als Sky Masterson noch etwas holprig, entfaltet aber schnell sein ganzes Potenzial und mimt den Glücksspieler schlechthin sehr gut. Spätestens mit dem Klassiker „Luck Be a Lady“ hat er alle in seinem Bann. Ganz großes Kino bieten auch die beiden Handlanger Nathans: Christoph Scheeben als Nicely Nicely Johnson und Mathias Schlung als Benny Southstreet. Wirklich nice.

Guys and Dolls hat alles, was ein guter Abend braucht. Das Musical punktet mit Ohrwürmern, Raffinesse, Humor und abwechslungsreichen Charakteren, deren Zeichnung im Gegensatz zu anderen Musicals nicht ganz so seicht ist. Und irgendwo hinter dem Glitzer und Glamour des Broadways versteckt sich eine recht schöne Botschaft: dass Liebe alles zum Guten wendet. Und sich Menschen dadurch ändern können. Standing Ovations und großer Applaus.

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So ein Zirkus…

…und was für einer! Das Festival Cirque Noel erzählt derzeit wieder Zirkusgeschichten in Graz. Mit dabei ist unter anderem die bereits bekannte kanadische Truppe The 7 Fingersderen Produktion Passagers in der Grazer Stadthalle in das Innenleben von Zugabteilen entführt. Mit wenig Worten und ganz viel Akrobatik laden sie zum Träumen, Verweilen und Staunen ein. 

Die Welt zieht in Form einer Leinwand auf der Bühne am Zugfenster vorbei – das Bild wechselt dabei zwischen den unterschiedlichsten Landschaften: von der Großstadt bis in die Einöde. Auf der Bühne davor turnt das achtköpfige Ensemble der 7 Fingers auf Sesseln und Gepäckwägen. Das komplette Bühnenbild ist im Retro- Chic gehalten und passt somit zur Idee hinter Passagers: eine Hommage an das Zugfahren, ans Reisen in neue, fremde Länder und an den Zug als klassisches Transportmittel mit einer Prise Eleganz. Gute alte Zeiten.

bühne 7 fingers

 Alexandre Galliez 

Was die Produktion noch erzählt? Die Geschichte von acht Reisenden, die sich fremd sind, jedoch im selben Zug sitzen und die Zeit zwischen Abfahrt und Ankunft unterschiedlich erleben. Das Ensemble (bestehend aus Freyja Wild, Conor Wild, Brin Schoellkopf, Louis Joyal, Maude Parent, Sereno Aguilar Izzo, Sabine van Rensburg und Sam Renaud) besticht mit einer Mischung aus Akrobatik, Tanz und Theater. Wenn geredet wird, dann in einem Sprachmix aus Deutsch, Französisch und Englisch. Im Vordergrund steht jedoch die Artistik der Zirkustruppe – elegante Soloakrobatik in weißen Tüchern, Zusammenarbeit am Trapez, Verrenkungen im Ring in luftiger Höhe und gespanntes Warten während die Künstler und Künstlerinnen scheinbar mühelos die Gesetze der Natur bezwingen. Hin und wieder taucht dann die Frage auf, ob Wirbelsäulen überhaupt existieren. Eine passende musikalische Umrahmung rundet die Geschichten ab, mal mit Swing, mal mit Botschaft, mal eher leiser und ruhig.

Passagers entführt die Zuschauer für eineinhalb Stunden in die Zeitlosigkeit einer Zugfahrt und lädt dabei zum Träumen und Verweilen ein. Die Kanadier harmonieren und begeistern mit ihrer Vertrautheit untereinander sowie ihrer Kunst. Im Gegensatz zu so mancher Zugfahrt vergeht das Stück weitaus schneller, was vor allem Witz, Charme sowie den grandiosen Kunststücken zu verdanken ist. Lauter Applaus und Standing Ovations – verdient!

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3 Geister für Scrooge

Grinchige Grüße von Geizhals Scrogge – Charles‘ Dickens A christmas carol, in englischer Sprache von der American Drama Group Europe und dem TNT Theater Britain präsentiert, versprühte heute gleich zwei Mal Weihnachtsstimmung auf der Bühne des Grazer Schauspielhauses. Ein Klassiker, der immer funktioniert. 

Weihnachten gilt als die schönste Zeit des Jahres, jedoch zählt das nicht für Mr. Scrooge. Während sich das London des 19. Jahrhunderts auf die Festtage vorbereitet, weist der geizige Geldverleiher alle Festeinladungen ab und bleibt sogar gegenüber den Armen hartnäckig. Sein gefrorenes Herz kann weder durch Spendensammler noch durch seinen schlecht bezahlten Assistenten Bob Cratchit erwärmt werden. Mit dem Wort „Humbug“ weist er all den Weihnachtsrummel von sich ab.

Doch Scrooge hat die Rechnung ohne seinen ehemaligen, und bereits verstorbenen Partner Marley gemacht. In der Nacht vor dem Weihnachtsmorgen erscheint er ihm als Geist, angekettet wie ein Hund, mit einem Tresor über dem Kopf. Seinen ganzen Tod lang muss Marley für seine Entscheidungen und Sünden büßen. Damit er Scrooge vor dem gleichen Schicksal bewahren kann, mahnt er ihn und schickt ihm Besuch: die Geister der vergangenen, der präsenten und der zukünftigen Weihnacht. Nur mit einem weißen Nachthemd bekleidet, reist Scrooge durch die Zeit: er krabbelt auf dem Boden seines Geburtshauses, trifft seine alte Liebe auf einer Weihnachtsfeier, beobachtet Bob und dessen Familie bei ihrem Weihnachtsessen und sieht seine triste Zukunft, die ihn im schlimmsten Fall erwarten wird. Ebenezer Scrooge muss sich entscheiden und gelangt schlussendlich doch auf den richtigen Weg.

Auf einer Bühne mit wenig Requisiten, die jedoch vielseitig gebraucht werden, entfaltet sich allmählich der Zauber der Weihnacht. Die Gruppe harmoniert, überzeugt in passenden Kostümen und mit viel (teilweise zeitgenössischem) Humor. Selbst der alte Scrooge wirkt sarkastischer und gewiefter als in der ursprünglichen Fassung. Trotz vielen lustigen Momenten wird nicht auf die wichtigen Aussagen im Hinblick auf Ethik, Ideologie und Gesellschaft vergessen. Darf Reich über Arm bestimmen? Sind manche Menschen mehr wert als andere? All das und vieles mehr wird im Laufe des Stücks beantwortet. Somit bildet A christmas carol eine gute Mischung aus Witz und Moral, die vor allem für Schulklassen interessant ist, worauf es in Graz ausgelegt war.

Obwohl die Bühne nicht viel zu bieten hat, schaffen vor allem Gesang und Beleuchtung eine tolle Stimmung. Mit gezielten Lichtspots werden wesentliche Szenen hervorgehoben, das Ensemble als Chor begeistert mit seinen Stimmen, die hin und wieder eine bedrohliche Atmosphäre heraufbeschwören (z.B. als tickende Uhr), und fungiert gleichzeitig als Erzähler. Die Geschichte, die dem klassischen Handlungsstrang folgt, ist trotz englischer Sprache leicht zu verstehen, nur manchmal schreien die Schauspieler zu laut, sodass man es selbst auf Deutsch nicht verstehen würde.

Die Geschichte über den Geist der Weihnacht braucht nicht viel, um zu funktionieren. Eine schöne, zeitlose Performance über die wichtigen Dinge, die selbst den größten Grinch (Mr. Scrooge) in Weihnachtsstimmung versetzt.

Informationen zum Stück gibt es hier.