Improvisieren ohne Ende

Improvisation wird großgeschrieben im Theater im Bahnhof. Was normalerweise jeden Montag dargeboten wird, dem wurde nun ein ganzes Festival mit internationalen Gästen gewidmet.

Wer Fan von Impro-Theater ist oder es noch werden möchte, der ist beim TiB-Impro-Cup im Grazer Orpheum goldrichtig. Jeden Tag steht ein – wie könnte es auch sonst sein – neues Programm an, bei dem auch internationale Gäste mitspeilen.

Am Dienstag gingen Láďa Karda aus Tschechien und Jacob Banigan vom TiB-Ensemble auf Reise in den hohen Norden, nach Reykjavik. Die Rahmenbedingungen gibt das Publikum vor, und so kommt es dann, dass sich ein Fischer (Banigan) ohne Lebensgefährtin, dafür aber mit einem riesigen Hund, und ein mäßig erfolgreicher Science-Fiction-Autor (Karda), der sich als Tätowierer über Wasser hält, in einer Warteschlange wiederfinden, um mit einer Troll-Frau Sex zu haben. Das klingt absurd und ist es auch – doch Karda und vor allem Banigan finden eine Weg durch den Impro-Irrgarten, der nicht nur extrem lustig, sondern sogar noch auf komische Art und Weise nachvollziehbar ist.

Im zweiten Teil des Abends wurde es musikalisch und tragisch zugleich: In einer High School nämlich, in der es nicht nur unverstandene Teens und gebrochene Herzen gab, sondern auch ein Curling Team. Das multinationale Ensemble unter der Leitung von Victoria Bang aus Schweden hatte zu jeder Szene auch einen Song und eine improvisierte Choreographie parat. Zwar ging einiges an Gags „lost in translation“, aber dennoch – langweilig wurde das „High School Musical“ nie.

Infos und Programm

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© Leszek Januszewski

Ein Traum von einer Sommernacht

Jörg Weinöhls vorerst letzte Ballettproduktion an der Oper Graz, „Sommernacht, geträumt“, ist ein ästhetisches Gesamtkunstwerk, das zum Träumen verführt.

An schönen Kostümen mangelt es nicht an der Oper Graz. Bei „Sommernacht, geträumt“ hat Saskia Rettig sich jedoch selbst übertroffen: Die Kulisse der Bühne findet sich auf den wallenden Röcken der TänzerInnen wieder, große, geraffte Krägen geben Struktur und oft sind es nur hautfarbene Bodysuits, die den Körpern genug Raum lassen, um ihr Übriges zu tun.

Womit man bei der Choreographie angekommen wäre. Eines darf man Weinöhl mit Sicherheit attestieren: Dieser Mann hat verstanden, dass es keine Spitzenschuhe, Tutus und hohe Sprünge braucht, um dem Ballett heute gerecht zu werden. Für sein „Tanzspiel“ hat er einen zeitgenössischen Zugang gefunden, in dem sich Leichtigkeit mit raffinierten Details und fließenden Linien verbindet. Den Fokus legt der scheidende Grazer Ballettchef auf Gruppendynamik und viel Partnerarbeit. Weinöhls TänzerInnen bewegen sich nicht, als hätten sie eine Choreographie einstudiert, sondern so, als wäre ihnen jede Bewegung ein tiefstes, innerstes Bedürfnis.

 

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Das Bedürfnis wird nicht zuletzt ausgelöst durch die Klänge aus dem Orchestergraben. Das Grazer Philharmonische Orchester unter der Leitung von Robin Engelen gibt Mendelssohn, Mozart und Brahms zum Besten, wird von einem Kinderorchester auf der Bühne und dem Damenchor der Oper in den Seitenlogen unterstützt – keine Registerkarte bleibt ungezogen. Die größte Überraschung kommt aber aus den Lautsprechern: Stromaes „Tous les mêmes“ veranlasst zu einer Modenschau auf der Bühne, die zuerst verdutztes Gekicher, dann aber wohlwollende Rufe beim Pausenapplaus auslöst.

„Sommernacht, geträumt“ befriedigt das Bedürfnis nach Ästhetik, bring alle gestalterischen Elemente in Einklang und löst die Handlung des Shakespeare-Klassikers „Ein Sommernachtstraum“ zugunsten träumerischer Motive auf. Das ist gut so – und man sollte es auf keinen Fall verpassen.

Weitere Aufführungen bis zum 24. Juni, Nachklang für Studierende: 20. Juni

Es ist aufgerüstet!

Die Apokalypse naht, auf jeden Fall wenn es nach dem Planetenparty Prinzip unter der Regie von Simon Windisch geht. In ihrer Performance „Aufrüsten“, die in Graz für zwei Vorstellungen wiederaufgenommen wurde, zeigen sie einen Streifzug durch die Sonderheiten der SchwarzmalerInnen und Aluhut-TrägerInnen.

Die eigene Verteidigung sei geübt! Und die drei jungen Frauen Nora Köhler, Miriam Schmid und Nora Winkler üben nur allzu fleißig. Schießen, Waffen abnehmen, Verletzte bergen – all das geben sie gleich zu Anfang ihrer Performance zum Besten. Bis eine tatsächlich eine schwarze Pistole zückt. Ein Anblick, der in behüteten mitteleuropäischen Augen doch etwas Unbehagen auslöst. Das hat sich allerdings schon zu Anfang breitgemacht hat, als am Eingang des Combinesch Schutzbrillen gereicht und gesagt wurde, man solle zur eigenen Sicherheit ruhig Haube und Schal auflassen. Zum Glück sind die Waffen bloß mit Plastikkugeln gefüllt, wie man sie von Dorf-Kirtagen kennt.

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(c) Mike Traussnigg (2)

Bald ist die erste Trainingseinheit vorbei und die drei Kämpferinnen finden sich auf Campinghockern wieder – alles deutet auf ein Survival-Camp hin. Sie essen ganz unschuldig Nussstrudel, fangen aber bald an, über das Überleben im Falle der Apokalypse zu philosophieren. Welche Menschen bleiben auf der Strecke, wen rettet man, wen lässt man (natürlich zur eigenen Sicherheit) verrecken? Wie kommt man am schnellsten aus der Stadt raus? Das und mehr fragt sich Nora Winkler, und zwar auf eine humoristisch-übertriebene Weise, die ihr das Publikum mit viel Lachen dankt. Die verunsicherte Nora Köhler gibt währenddessen eine Kaufempfehlung nach der anderen für ihre Survival-Kits und -Messer ab; Miriam Schmid informiert genauestens über die richtigen Waffen. Unterlegt wird das Ganze mit umgetexteten Songs von Victoria Fux am Keyboard und vielen pointierten Seitenhieben auf jene, die das Gespielte wirklich ernst meinen.

Das furiose Finale: George W. Bush, Hitler und Kim Jong Un müssen auf kleinen Bildchen am Schießstand dran glauben, ein Banner mit der Aufschrift „Chemtrails gehen uns alle was an“ flattert über die Köpfe des Publikums – und Nora Köhler verschwindet mit ihrer Tarnung in der Wand. Ob es nun ein Bürgerkrieg oder ein andersartiger Weltuntergang sein wird – das Planetenparty Prinzip ist (auf)gerüstet und das Publikum prächtig unterhalten.