Der Titel ist Programm: Eulenspiegeleien

Till Eulenspiegel und Frankenstein luden zu einem Sommernachtstraum der alle Konventionen auf spannende, ansprechende Art sprengte – Alles andere als Viel Lärm um nichts! 

(c) Styriarte

(c) Styriarte

Eingeleitet wurde der laue Sommerabend in der Helmut List Halle mit Felix Mendelssohns Ein Sommernachtstraum. Das styriarte Festspiel-Orchester unter der Leitung von Michael Hofstetter trat dazu in kleinerer Besetzung an. Der erste Eindruck der sich ergab war dadurch aber geprägt durch die leeren Sessel im Orchester und das Gefühl, dass der Körper der Musiker zu viel Raum einnahm, wodurch die Instrumente subjektiv empfunden zu sehr in den Hintergrund rückten. Meine Erwartungen an ein Orchester-Konzert in einem so modernen Umfeld schienen (leider) erfüllt.

Alles wendete sich aber mit dem Auftritt von HK Gruber. Ein Mann, viele quietschbunte „Kinderinstrumente“, ein Mikrofon und los ging die Reise mit Frankenstein!! Ein Pandämonium für Chansonier und Orchester nach Kinderreimen von H.C. Artmann.

Gruber – Komponist des Stückes – vermochte mit seiner lebendigen Darbietung und dem Orchester die Gedichte von Artmann lebendig zu machen. Singsang, Sprechgesang, bekannt anmutende Reime mit bekannten Protagonisten führten zu neuen Erkenntnissen. Wer hätte den gedacht, dass Batman und Robinson gemeinsam im Bett liegen, Dracula in Wirklichkeit eine Frau ist und Fledermäuse eigentlich nur Ratten mit umgebundenen Engelsflügeln sind?

Batman und Robin
batman und robin
die liegen im bett,
batman ist garstig
und robin ist nett.
batman tatüü
und robin tataa,
raus aus den federn,
der morgen ist da!

HK Gruber (c) Styriarte

HK Gruber (c) Styriarte

Und wo gibt’s das schon, dass die Musiker eines Orchesters plötzlich mit Plastikrohr, Blasharmonika und anderen interessanten Dingen musizieren!? Das Publikum war begeistert und forderte eine Zugabe, die auch gewährt wurde. Der am Beginn gewonnenen Eindruck, dass die Instrumente zu sehr im in den Hintergrund rücken war von diesem Momenten an revidiert – für Frankenstein!! war der Platz gut – wenn nicht sogar notwendig!

Ob es nur am Stück selbst lag oder die Überflutung der Sinne und die Notwendigkeit der Verarbeitung aller Eindrücke es bedingte, nach der Pause wurde man von Erich Wolfgang Korngolds Viel Lärm um nichts vollständig und bedingungslos in den Bann gezogen. Die filmisch anmutende Orchestermusik vermochte das Ringen der beiden Protagonisten bildlich heraufzubeschwören. Richard Strauss Till Eulenspielgels lustige Streiche komplettierten den Abend auf ebenso wundervolle Weise.

Weitere Veranstaltungen der Styriarte findet man unter:

http://styriarte.com/styriarte/

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Bolero – olé!

Von vertraut wirkenden kubanischen Klängen über die Schöpfungsgeschichte der Maya bis hin zum steten Takt des Bolero. Schon mit den ersten Takten der Cuban OvertureGeorge Gershwins letztem Werk – fesselte das Große Orchester Graz unter der Leitung von Christian Muthspiel das Publikum im ausverkauften Stefaniensaal.

Die Klänge der Cuban Overture erinnern an die goldenen Jahre Hollywoods, wo Gershwin neben dem Broadway in New York erfolgreich tätig war. Die Eingängigkeit dieser Musik zeigte sich auch an den immer wieder entspannt mitwippenden Musikern des Orchesters.

Christian Muthspiel (c) Styriarte

Christian Muthspiel (c) Styriarte

Die Bildsprache des zweiten Werkes des Abends war überwältigend und erschloss sich dem Publikum aufgrund der Moderation von Christian Muthspiel spielend. Popol vuh (La creación del mundo Maya) – die Vertonung der Schöpfungsgeschichte der Maya von Alberto Ginastera – wartete unter anderem mit dem Urknall, Regenklängen und dem Stampfen der Menschen auf, es war ein ständiges Hin und Her zwischen Laut und Leise –  Knall und zarter Musik. Dank Muthspiel waren vor den allerlautesten Sequenzen aber alle gewarnt:

Wenn ich das Stöckchen ganz hoch hebe wird es kurz darauf richtig laut!

Zweifelsohne verlangte die österreichische Uraufführung dieses Werkes intensivste Probenarbeit, die – wie aus dem Applaus des Publikums zu schließen war – von Erfolg gekrönt wurde.

Im zweiten Teil des Abends ging die Reise weiter über das Capriccio espagnol von Nikolai Rimski-Korakow bis hin zu Maurice Ravels Bolero. Dank der begleitenden Worte Muthspiels war das Puplikum wiederum über die genauen Wünsche des Komponisten Maurice Ravel bezüglich der Dauer seiner Komponisation – exakt 17 Minuten und der sich daraus ergebenden Berechnung der Schläge der kleinen Trommel – die ja die tragende Rolle des Stückes inne hat – im Bilde.  Die stete Steigerung der Intensität gipfelte in einer Klangexplosion, stets im Mittelpunkt stand der Musiker an der kleinen Trommel.

Bolero (c) styriarte

Bolero (c) styriarte

Es war ein sehr klangintensiver und gelungener Abend, der aufgrund der Einführung und Moderation durch Christian Muthspiel für das Publikum zusätzlich interessante und durchaus lehrreiche Elemente inne hatte. Trotz oder gerade wegen der intensiven und lauten Sequenzen hatte man nach der Vorstellung das Gefühl, von der Musik erfüllt zu sein, und konnte deren Nachklang noch mit nach Hause nehmen.

Für Interessierte gibt es die Möglichkeit, das Konzert am Sonntag, dem 31. Mai 2015 um 20:04 Uhr auf Radio Steiermark nachzuhören.

Weitere Veranstaltungen der Reihe recreation und der Styriarte findet man unter:

http://styriarte.com/psalm/

Münchner Gipfel: Tu quel ritegno or togli che dubitar mi fa!

Zwei Komponisten standen beim Münchner Gipfel im Zentrum: Mozart und Richard Strauss. Lediglich die Pause trennte als Zäsur die ausgewählten Werke der beiden, was, wie ich vor Beginn der Aufführung spekulierte, das Verbindende und das Trennende spürbar machen sollte. Die Auswahl schien mir, nachdem ich die mir zuvor unbekannten Werke Strauss‘ gehört hatte, nicht ganz optimal zu sein, was aber einem erfreuten Gesamteindruck der Darbietung nicht bedeutend schadete.

Der Abend begann mit Mozarts Prager Symphonie (KV 504), deren 1. Satz sogleich das Gefühl des Zuhörers für hohe Empfindsamkeit zu öffnen vermochte, gleichzeitig aber auch die Erwartungshaltung für den weiteren Verlauf auf ein schwer zu haltendes Niveau brachte. Die sich anschließende Konzertarie Vado, ma dove? Oh Dei (KV 583), die die anmutige Sarah Wegener pathetisch vortrug, komplettierte eine erste Konzerthälfte, die mich unerwartet stark zu fesseln vermochte. Die angenehm zu wirken beginnende Heiterkeit, die durch den Hörgenuss entstanden war, sollte sich bei mir jedoch nicht ungebrochen nach der Pause fortsetzen.

Richard Strauss (c) styriarte

Richard Strauss (c) styriarte

Der Kontrast der zweiten Hälfte der Vorführung zu eben Gehörtem war offenkundig und machte es etwas schwierig, bei nach der Pause einsetzenden, etwas konträr anmutenden Empfindungen nicht gedanklich abzuschweifen. Die recht einfach gehaltene Serenade Richard Strauss‘ (op. 7) wirkte auf mich etwas banal und phantasielos, was entgegen des ursprünglichen Gedankens, Mozart und Strauss an jenem Abend zusammenfinden zu lassen, ein – bildhaft gesprochen –  zweites Gehör notwendig zu machen schien.

Die das Konzert abschließenden Vier letzten Lieder holten schließlich die inzwischen etwas verwunderte Gefühlswelt in gerade noch verlassene Bahnen zurück. Insbesondere die beiden letzten Lieder, Beim Schlafengehen und Im Abendrot ermöglichten es mir, den Saal verzaubert und etwas entrückt zu verlassen. Sarah Wegeners herrliche Stimme ließ jegliche Gefahr, beim Hören der Hesse- und Eichendorff-Lieder gedanklich abzuschweifen, in einer wohltuenden Erhabenheit zerbrechen. Die wundervolle Darbietung machte es mir unmöglich, die Texte der mir nur zum Teil bekannten Gedichte mitzulesen, da ich das Gefühl hatte, nicht verstehen zu müssen, was gesungen wurde. Denn Sarah Wegeners ergreifender Blick, ihr Gesang und die Musik reichten aus, um zu verstehen, was keines sprachlichen Verständnisses mehr bedurfte.

Das Konzert war zu Ende und ich behielt all jenes schwelgend im Fokus meiner Gedanken, was mir am meisten gegeben zu haben schien: den Beginn und den Abschluss der Vorführung – und das ewiglich sehnsüchtige O weiter, stiller Friede!

Weitere Konzerttermine im Rahmen der Styriarte findet man unter:

http://styriarte.com/recreation/