Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte…

(c) Lupi Spuma

Die One-Man-Show von Matthias Ohner sorgte am 16. April im Haus zwei des Schauspielhauses für viel Begeisterung beim Publikum. Unter der Regie von Ed. Hauswirth kletterte und kroch der Schauspieler insektenähnlich über die Bühne.

„Was ist mit mir geschehen?“
Die Produktion von Ed. Hauswirth ist simpel und sehr textnahe gehalten. Gregor (Matthias Ohner) ist Erzähler, Hauptfigur und Nebenfiguren in einem. Nur ein veralteter Kassettenrecorder und ein Overheadprojektor unterstützen ihn dabei, die Handlung zu vermitteln.

Die schwere Verwundung Gregors…
Voller Elan und Überzeugung steht Matthias Ohner vor seinem Publikum und nutzt Rasierschaum und Plastikfolie, um die Misere der Kakerlake zu veranschaulichen. Er springt und kraxelt auf der Bühne herum, die sehr minimalistisch aus einem Tisch und einem Stuhl besteht. Immer wieder werden kleinere Requisiten genutzt, die auf eine amüsante Art zum Stück beitragen.

Als sie bald den wahren Sachverhalt erkannte…

Trotz einiger Kürzungen des Originaltexts sind die wesentlichsten Elemente Kafkas Klassikers vorhanden. Ohner verfällt immer mehr in die Rolle des Insekts und auch der Tod Samsas endet in einer schabenhaften Pose.

Die Verwandlung…
ist eine gelungene Produktion, die für Kafka-Begeisterte auf jeden Fall sehenswert ist. Haus zwei ist wie immer klein, aber fein!

Link zur Veranstaltung / Schauspielhaus

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EUROPE IS DONE!

Das HAUS ZWEI öffnet ab 17. Jänner 2018 wieder seine Pforten  und verwandelt das Grazer Schauspielhaus in einen Schauplatz von Problemen rund um – und vor allem in – Europa. Das Stück „Rest of Europe“ basiert auf den Gedanken und Beobachtungen der moldawischen Autorin Nicoleta Esinencu und liefert den Startschuss für ein zweiteiliges Projekt zwischen den Städten Graz und Chişinău.

Europe is done, Europa ist fertig. Eine Reise durch Unverschämtheiten und Katastrophen unserer wohl-gerühmten Union gibt Anlass für eben jenen Pessimismus der Autorin. Fünf Jahre nach Erhalt des Friedensnobelpreises werden Mauern wieder errichtet und das allgemeine Solidaritätsgefühl schwindet, stattdessen schmückt man sich mit leeren Phrasen.

Ein Haufen aus blauen Schläuchen bildet die Kulisse des Schauspiels und eine ideale Metapher für das derzeitige europäische System. Im Zusammenspiel mit den Schauspielern wirkt es auf diese wie Fesseln, bietet ihnen aber dennoch einen Polster, in den sie sich fallen lassen können. Die drei Schauspieler (Mathias Lodd, Mercy Dorcas Otiento und Tamara Semzov) verkörpern in ihrem Verwandlungstalent unterschiedlichste Persönlichkeiten, vom Politiker bis hin zum Käsebauern. Besondere Unterstützung erhalten sie dabei von Traian, welcher dem Stück durch seine moldawische Herkunft noch mehr Authentizität verleiht. Er erzählt die Geschichte eines moldawischen Studenten, welcher dem Geschehen im EU-Parlament durch Kellner-Arbeiten aus nächster Nähe folgen konnte. Seine preisgegebenen Beobachtungen gewähren dem Publikum exklusive Einblicke in den wahren Alltag unseres Regierungsmittelpunktes. Er erzählt von identitätsraubenden Uniformen und schlechtem Kaffee. Hauptsache war, das EU-Logo sprang einem ins Auge.

Ein ständig plötzlicher Szenenwechsel sorgt im Stück oft für Verwirrung, eröffnet aber die Möglichkeit, so viele Themen wie möglich zu behandeln. Und diese reichen von Rassismus über das Wegwerfen von Lebensmitteln, bis hin zu einem unverschämten Journalismus, der von der Mehrheit nicht nur akzeptiert, sondern auch mit offenen Armen empfangen wird. Jeder Moment wird von der überragenden spielerischen Darbietung der Schauspieler mit Emotionen angefüllt. Zum Gänsehautmoment kommt es, wenn sich die Beispiel-Geschichten als Wahrheit entpuppen, als tatsächliche und schockierende Ereignisse im europäischen Raum. Um die Realität der Dinge zu untermauern, wird zu jedem Exempel ein „beweisführender“ Internetlink angegeben.

Da Musik ja bekanntlich verbindet und die Handlung nicht intensiver auf Zusammenhalt und Solidarität plädieren könnte, stellt auch die musikalische Begleitung einen signifikanten Teil des Stückes dar. Traian repräsentiert nicht nur seine und Nicoleta Esinecus Heimat, sondern erweist sich auch als Musiker. In moldawischen Worten adressiert er seine persönlichen Gedanken und Beobachtungen an das Publikum. „Das ist es nicht, was mich deprimiert, sondern die Doppelstandards der Spezies, der ich angehöre.“, heißt es in einem der Rap-Songs. Genauer könnte er den Kern des Stückes wohl kaum treffen.

Intensive, treffende eineinhalb Stunden, die zum Nachdenken auffordern. An einigen Stellen bleibt der Zuseher im Unklaren über die dargestellte Situation aber die zentrale Message ist klar: Europa befindet sich in einer Art Pause von seinen grundsätzlichen Prinzipien, versucht den Schein jedoch mit aller Müh zu wahren. Aber done sind wir hoffentlich doch noch nicht!

GAGA-ismus meets Oststeiermark – die Rabtaldirndln und das Geschäft mit der Liebe

„Schön schiach“ lautet das Motto des Abends, das am Beginn des Stückes  im Schauspielhaus Graz präsentiert wird. Die vier Dirndl aus der Oststeiermark, Marianna, Renate, Sonja und Toni, die mit Hasenmasken und Schianzügen auf die Bühne kommen, haben einen alten Bauernhof geerbt. Jedoch fehlt ihnen dazu der passende Bauer. Denn was ist schon ein Bauernhof ohne Bauer?

Mit Hilfe des Casting-Formates „Dirndl sucht Bauer“ wird der Richtige gesucht und aus den zahlreichen Bewerbern, werden auch drei ausgewählt und auf den Hof eingeladen. Der tüchtige und in der Landwirtschaft schon erfahrene Simon, Hannes der sportliche Macho-Schönling und Robert der sensible und unerfahrene Lehrer mit dem ehrlichen Herzen, sind die Männer für die Dirndl. Die drei werden in zahlreichen Tests auf Herz und Nieren geprüft. Egal ob beim Bier öffnen, beim Traktorfahren, beim Mähen mit der Sense oder beim Hühner fangen. Streitigkeiten und Schwärmereien untereinander bringen die Frauen dazu die endgültige Entscheidung mittels „Fingerhakeln“ zu tätigen. Das Resultat ist eindeutig, Simon und Hannes scheiden aus und Robert ist der vermeintlich glückliche Gewinner.

Was nach einer heiteren und lustigen Geschichte klingt, stellt sich ziemlich schnell als ein Abend im Zeichen des Feminismus heraus. Die sozialisierte Gesellschaft erwartet nun einmal, dass eine Frau einen Mann hat und das zu einem Bauernhof auch ein Bauer gehört. Die Rabtaldirndl geben der Gesellschaft was sie verlangt. Frauen sind schwach und Männer immer stark, ist die weitverbreitete Volksmeinung und wird von den vier illustren Damen belächelt. Mit Tanzeinlagen und Musik von Lady Gaga und Andreas Gabalier im Hintergrund, einer Vorliebe zur Öko-Sexualität bei der große schmutzige Lacken und Regenwürmer einer wichtige Rolle spielen, oder aber auch einer Persiflage auf den Beruf und die Vorbildfunktion der IT-Girls Paris Hilton oder Kim Kardashian wird dargeboten. Untermalt von Videoclips und ständiger Interaktion mit dem Publikum heizen die vier Dirndl ein. Es zeigt sich deutlich, dass die Rabtaldirndl alles andere aber keine Dirndl sind und eine klare Botschaft haben. Vier starke Frauen die in ihrer Bühnenshow deutlich demonstrieren, dass sie keinen Mann brauchen, aber die Gesellschaft es leider verlangt. Die Hasenkostüme vom Anfang, die eine Metapher zu den sexualisierten „Schihaserl“ darstellen, werden dann zum Schluss hin auch gegen die gewohnten Dirndl getauscht.

Doch was wurde aus dem Bauern-Casting Gewinner Robert? Halbnackt und gefesselt wurde der unschuldige und naive junge Mann auf der Bühne dem Zuseher vorgeführt und von dem feministischen Kollektiv (wie sie sich selbst bezeichnen) als Symbol für die Unabhängigkeit der Frauen geopfert.

Ein Abend der in Erinnerung bleibt und vor Augen hält, dass sich die Rolle der Frau in den Köpfen der Gesellschaft und insbesondere in kleinen Dörfern in der Oststeiermark noch nicht verändert hat, sondern lediglich nur ihre Kleidung.

„Schön schiach“ nicht nur eine Geschichte über den Feminismus und das weitverbreitete Rollenbild in der Gesellschaft, sondern auch der Abend.

Foto (c) Christoph Hasenleithner

Weitere Vorstellungen gibt es am 11. Mai um 20:00 Uhr im Schauspielhaus Graz (HAUS ZWEI) Info: Hier klicken