Objektsalon #6

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(c) Stefanie Bachmann

 

Der letzte Objektsalon für dieses Jahr ging vergangenen Freitag über die Bühne. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe stellt Sammlungskurator Ulrich Becker besondere Schätze aus dem Depot des Museum im Palais, die nicht in der Dauerausstellung zu sehen sind, vor.

Der Objektsalon #6 stand ganz unter dem Motto japanischer Schnitzkunst. Becker merkte an, dass sich die Veranstaltungsreihe vermehrt mit außereuropäischen Themen beschäftigen wolle, da das gesamte Joanneum, vor allem durch Schenkungen, eine Vielzahl an u.a. asiatischen Exponaten besitze. Im konkreten Fall stellte Becker Okimono-Figuren vor, die um die Jahrhundertwende entstanden. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich Japan in einer Modernisierungsphase, die durch die Amerikaner erzwungene Öffnung des Landes brachte die Japanische Kultur auch in den Westen. Europa war fasziniert, Japan nutzte dies aus und lies Kunststücke anfertigen, die an westliche Interessenten verkauft werden sollten. Die stellten ihre neu erworbenen exotischen Schätze auf den Kaminsims oder einen anderen gut sichtbaren Ort – daher auch der Name „okimono“, was auf Japanisch „zum Aufstellen“ bedeutet. Auch wenn die kleinen Skulpturen aus Elfenbein an das klischeehafte Bild, das der Westen von Japan hatte, angepasst waren, so lassen sich dennoch Einflüsse alter japanischer Geschichte erkennen. Ulrich Becker stellte eine kleine Auswahl dieser Skulpturen im Erdgeschoss des Museum im Palais vor. Die Auswahl umfasste u.a. schirmtragende Geishas, Samurai, Elefanten und drachenartige Geschöpfe.

Anschließend an den ca. dreiviertelstündigen Vortrag durfte man den teilweise winzigen Figuren mit einer Vergrößerungsbrille näher kommen.

Alles in allem war der letzte Objektsalon für 2015 ein sehr informativer Abend inkl. bemühter Museumsmitarbeiter, die das Publikum mit Jasmin-Tee versorgten.

Heute schon gelacht?

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(c) Stefanie Bachmann

Begleitend zur, von Helmut Konrad kuratierten, Sonderausstellung Die Steiermark und der „Große Krieg“ gibt es im Museum im Palais seit einiger Zeit eine Veranstaltungsreihe, die sich mit Themen rund um den Ersten Weltkrieg beschäftigt. Sonntag, der 19.04. stand ganz im Zeichen der Unterhaltungskultur. Wie bei den bisherigen Veranstaltungsterminen gab es zum Einstieg die Möglichkeit, an einer Führung durch die Sonderausstellung teilzunehmen (freier Eintritt!). Die Veranstaltung fand anschließend im Rokoko-Ambiente des Veranstaltungsraumes im 2. Obergeschoss statt. Einleitende Worte fand der Coautor des Buches Galgenhumor. Kleine Kunst im Großen Krieg. Ein Beitrag zur k. k. Unterhaltungskultur 1914 bis 1918., Dr. Hans Veigl vom österreichischen Kabarettarchiv. Einen kurzen Überblick über Etablissements und Protagonisten gebend, sprach Veigl vom „Hurrapatriotismus“ des Jahres 1914, der sich zwar schon ein Jahr später halbiert hatte, was jedoch keine Auswirkungen auf den Theaterbetrieb haben sollte. Während die Bevölkerung mit Nahrungsmittelknappheit zu kämpfen hatte, wurde auf den Theaterbühnen die heile Welt vorgegaukelt. Denn Institutionen der Freizeitgestaltung waren bis zum Ende des Krieges Meister der Verdrängung. So konnte man sich noch 1918 eine Melange in der „Kronprinzbar“ oder dem „Café Leopold“ genehmigen. Und plötzlich ertönte der bekannte Rhythmus des Radetzkymarsches. Die Musiker Reinhard Kogler und Helmut Stippich, ausgestattet mit Ziehharmonika, Gitarre und etlichen Percussioninstrumenten, begleiteten in der nächsten dreiviertel Stunde den am Schauspielhaus Graz tätigen Schauspieler Stefan Suske, der mit seiner kräftigen und facettenreichen Stimme kurze Passagen aus dem zuvor erwähnten Buch vortrug. Er erzählte von Unterhaltungskünstlern wie Franz Lehár , dessen Librettisten Fritz Löhner-Beda, Robert Stolz, Fritz Grünbaum und Roda Roda, die mit ihren Theaterstücken, Dichtungen und Berichten „groteske Zerrbilder realer Verbrechen“ erschufen, um Karl Kraus zu zitieren. Kriegskabaretts boten den Krieg in heroischen Bildern an, die mit hohlen Aussaugen unterstrichen wurden. Daneben wurden Literaten wie Hugo von Hofmannsthal, von dem zwar die Worte „Es gilt, dabei zu sein.“ stammen, der sich jedoch mit Hilfe seines Freundes Hermann Bahr und einer angeblichen Nervenschwäche in das frontenferne Kriegspressequartier versetzen ließ, ausgesandt, die Ereignisse des Krieges zu verherrlichen. Zwischendurch lockerten die Musiker Kogler und Stippich die Veranstaltung mit Schlagern wie dem kriegsglorifizierenden „Rosa, wir fahren nach Lodz“ und den trivialen Gute-Laune-Liedern „Draußen im Schönbrunnerbad“ und „Geh, sag doch Schnucki zu mir“ auf – besser könnte der Charakter der Unterhaltungskultur des Ersten Weltkrieges nicht veranschaulicht werden. Wer auf den Geschmack gekommen ist: Das Buch zur Veranstaltung kann man über kabarettarchiv@aon.at bestellen oder direkt im österreichischen Kabarettarchiv (Elisabethstraße 30, Literaturhaus Dachgeschoß) bzw. in Buchhandlungen erwerben. Noch zwei Veranstaltungstipps am Rande: Am 21.05. wird der 75. Geburtstag Peter Orthofers (1940-2008), dessen Nachlass sich im ÖKA befindet, im Literaturhaus Graz ab 20:00 Uhr zelebriert. Während Roland Knie aus dessen Werk vorlesen wird, wird Mag. Nicole Singer, die Teile des Nachlasses in ihrer Diplomarbeit bearbeitet hat, einen kurzen Überblick über Leben und Werk geben. Der nächste Termin der Veranstaltungsreihe des Museum im Palais wird am 8. Mai ab 17:00 Uhr stattfinden. Hier der Link zur Veranstaltung: http://www.museum-joanneum.at/museum-im-palais/ihr-besuch/veranstaltungen/events/event/08.05.2015/und-shiwa-tanzte

Revival der Utopie

Im Needle sind bei freiem Eintritt noch bis zum 09. November die utopischen Entwürfe von Grazer Architekturstudent*innen zu sehen, es handelt sich also um eine Architektur der Utopie. Konzipiert wurden die Modelle im Verlauf einer Lehrveranstaltung des Instituts für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften der TU Graz.

Am Freitag, dem 24. Oktober fand die Ausstellungseröffnung statt, wobei vor allem die Podiumsdiskussion mit Eilfried Huth, Daniel Gethmann, Petra Eckhard, Ana Jeinic, Michael Hieslmair und Katrin Bucher Trantow interessante Einblicke gab: zum einen in die Geschichte der Utopie in der Architektur, zum anderen in den Gestaltungsprozess der Projekte während der Lehrveranstaltung.

Eine Verbindung zu Ersterem stellen dabei Abbildungen der Arbeiten von Eilfried Huth dar, die an den Glaswänden des Needles befestigt sind: dieser hat in den 1960er Jahren eine (utopische) vertikale Stadt, Stadt Ragnitz, entworfen, und schlug auch als Teilnehmer der Podiumsdiskussion eine Brücke zwischen Entwürfen der 1960er Jahre und den in der Ausstellung zu sehenden Projekten, die auch teilweise auf ältere Projekte referenzieren.

Die Entwürfe geben unterschiedliche Antworten auf die Frage: Was ist eine Utopie? Das spiegelt sich auch in der Vielfalt der Themen wider, die aufgegriffen werden: da wird etwa der technische Fortschritt (Technotopia) in den Vordergrund gerückt, der Klimawandel (Climate Change) und seine Auswirkungen auf die Architektur, ein Werk bezieht sich sogar auf die politische Geographie (Geopolitics), indem die Situation zwischen Nord- und Südkorea als Ausgangspunkt für den utopischen Entwurf dient. Auch Anspielungen auf andere Disziplinen, etwa Literatur, finden sich bei den Entwürfen, wie Catherina Papsts Projekt mit dem Titel Die Verwandlung:

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(c) Ana Jeinic

Bemerkenswert ist auch das Ineinanderfließen von utopischem Text und der räumlichen Umsetzung: Da es sich bei jeder Utopie um ein komplexes System handelt, wurde für eine erste Konzeption auf das Medium ‚Text‘ zurückgegriffen. Dabei ist auch Text nicht gleich Text: für die narrative Darstellung ihrer Utopien griffen die Studierenden auf verschiedenste Textsorten zurück, darunter finden sich etwa auch Reisemagazine und sogar eine Geheimakte. Die räumliche Umsetzung bildet dann teilweise auch nur einen bestimmten Abschnitt des utopischen Systems ab, und wirkt dadurch wieder auf den Text zurück.

Man sollte sich auf jeden Fall viel Zeit nehmen, um durch diese kleine, aber beeindruckende Projektpräsentation zu gehen. Zwar wirken die räumlichen Entwürfe auch für sich genommen gut, dennoch ist es erforderlich, um das utopische System dahinter erfassen zu können, die sehr kreativen Texte dazu zu lesen. Auch ist die Auseinandersetzung mit aktuellen, weltpolitischen Problemen, wie etwa dem Klimawandel oder Wirtschaftswachstum spannend, da vor Augen geführt wird, in welche Richtung dies führen könnte. So muten auch teilweise die utopischen Entwürfe eher dystopisch an.

Insgesamt kann man das Projekt auch als Plädoyer für die Utopie in der Architektur sehen, da diese, wie in der Podiumsdiskussion erläutert wurde, in den letzten Jahren zugunsten von „realistischeren“ Projekten zu sehr in den Hintergrund gerückt ist.

Noch bis 9. November lassen sich die utopischen Entwürfe im Universalmuseum Joanneum (Link zum Museumsblog) bewundern, weitere Informationen zur Ausstellung finden sich hier: Architektur der Utopie.