„Johnny stahl die Herzen / und auch das Kapital“

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(c) Lupi Spuma

 

Johann „Schani“ Breitwieser wuchs Ende des 19. Jahrhunderts im Wiener Bezirk Meidling auf und wurde nur 28 Jahre alt. Trotz seiner kurzen Lebensspanne erreichte er einen immensen Bekanntheitsgrad als eine Art Wiener Robin Hood, der Banken ausraubte, um den Gewinn unter den Notdürftigen aufzuteilen und so zum Helden und zur Legende der Wiener Vorstadt avancierte.

Der österreichische Autor Thomas Arzt kam erstmals durch einen Artikel in einer Straßenzeitung mit dem „Schani“ in Berührung. Es entstand in weiterer Folge eine an Brechts ‚Dreigroschenoper‘ angelehnte ‚Verbrecherballade‘, die ihre Uraufführung 2014 am Schauspielhaus Wien feierte und in der jetzigen Spielzeit im Haus Zwei des Schauspielhaus Graz von Mathias Schönsee auf die Bühne gebracht wurde.

Im Zentrum der Geschichte steht der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene Johnny Breitwieser, gespielt von Florian Köhler, der die Reichen bestielt und für die Armen einen Hoffnungsschimmer darstellt. Neben dem Kampf ums Überleben und der Flucht vor dem Gesetzeshüter Schödl (Franz Solar) macht ihm auch die Zerrissenheit zwischen seiner Liebe Anna (Julia Richter), die von ihm ein Kind erwartet, und seiner Sehnsucht nach Greta (Veronika Glatzner), einer reichen Witwe, das Leben schwer.

‚Johnny Breitwieser‘ ist ein kurzweiliger Krimi, dem die musikalischen Einlagen, die von Maike Rosa Vogel komponiert wurden, das gewisse Etwas verleihen. Die Instrumental- und Gesangsparts werden dabei ganz von den SchauspielerInnen übernommen, was einmal mehr die Vielseitigkeit des Berufs unterstreicht. Die starken schauspielerischen Leistungen und viele sehr emotionsgeladene Szenen machen die ‚Verbrecherballade‘ zu einem intensiven und äußerst sehenswerten Theaterstück. Eine Wiederaufnahme ist in der Spielzeit 16/17 geplant.

Hier der Trailer zum Stück:

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Johnny Breitwieser – Musik trifft Mythos

„Die Armut ist da, wo der Kampf aufhört“ – eine musikalisch umrahmte Verbrecherballade rund um den berühmt-berüchtigten Johnny Breitwieser im Haus Zwei (Schauspielhaus Graz).

(Anti-)Held des Stücks ist Johann „Johnny“ Breitwieser, geboren 1891 in prekären Verhältnissen in der Wiener Vorstadt.  Seine Welt ist geprägt von körperlichem und seelischem Elend, von Gewalt und Brutalität. Dennoch ist er alles andere als ein rein egoistisch handelnder Kleinkrimineller – er nimmt von den Reichen und verteilt es unter die Armen. Nach jahrelanger polizeilicher Verfolgung wird er als knapp 30-Jähriger auf der Flucht erschossen. So bleibt Breitwieser das Sinnbild des immer gegenwärtigen Kampfes gegen die Ungerechtigkeit der sozialen Verhältnisse.

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(c) Lupi Suma

Mathias Schönsee inszeniert die zwischen Dreigroschenoper und Brecht anzusetzende Verbrecherballade des österreichischen Erfolgsautors Thomas Arzt auf der Grazer Schauspielhausbühne (Haus Zwei) mit extra dafür komponierter Musik (Maike Rosa Vogel), die mit viel Gefühl das Darstellerische gekonnt umrahmt und den romantischen Flair der Ballade betont. Die hervorragende Besetzung – Florian Köhler (Johnny), Raphael Muff (Johnnys Bruder Carl), Julia Richter (Johnnys Liebe Anna), Veronika Glatzner (Greta), Silvana Veit (Luise, das Sprechrohr des Volkes), Nico Link (Verräter Wenzl) und Franz Solar (Polizeiinspektor Schödl) – brilliert dabei nicht nur durch ihre überzeugende darstellerische Leistung, sondern auch durch ihr multi-instrumentales (Gitarre, Bongos, Xylophon, Klavier, Mundharmonika) und gesangliches Können.

Der Gesang ist zwar nicht immer voll intoniert, doch berührt Authentizität und Musizieren „mit Leib und Seele“ viel mehr als musikalische Perfektion ohne Tiefgang. Besonders gut sind die unterschiedlichsten Geräusche, die gekonnt stimmlich oder instrumental erzeugt werden. Das einfach gehaltene Bühnenbild à la Dreigroschenoper besteht Großteils aus Holz und einfachen Requisiten, die mehrfach eingesetzt werden.

Die knapp zweistündige Aufführung ist kurzweilig und besticht durch reichlich pointierte Komik. Als i-Tüpfelchen überraschen gelungene Tango Argentino-Tanzeinlagen, die die emotionale und romantische Note des Stücks nochmal akzentuieren. Eine äußerst gelungene Soiree!

Nähere Infos zum Stück und zum Schauspielhaus Graz hier

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(c) Lupi Suma