An die Tafel (oder den Pranger) mit Dir! – Der Schüler Gerber

BILD: David Valentek als Zasche (genannt „Spuk“, lungenkrank) © Lupi Spuma

Im Next Liberty kommen Schülerinnen und Schüler von der Schule in die Schule, denn dort wird der Roman „Der Schüler Gerber“ von Friedrich Torberg in der Bühnenfassung von Felix Mitterer unter der Regie von Michael Schilhan aufgeführt. „Scheri“ spiegelt wohl so einige Leiden der Jugend wieder, doch das größte Leid tut ihm der Professor Kupfer an. Wer gewinnt den Machtkampf im Klassenzimmer? 

Der Roman von Friedrich Torberg übt Kritik am Schulwesen und ganz besonders am Lehrpersonal. Eine Determiniertheit herrscht im Klassenzimmer vor, denn gute Schülerinnen und Schüler bleiben gut und schlechte bleiben schlecht. Diese Hierarchie scheint einzig und allein von Prof. „Gott“ Kupfer dem Mathematiklehrer und Klassenvorstand (gespielt von Helge Stradner) bestimmt zu werden. Kurt Gerber (Michael Großschädl), auch „Scheri“ genannt, will in der Maturaklasse aufholen und die Reifeprüfung bestehen. Dieser Optimismus wird von Kupfer nicht wertgeschätzt und er setzt alles darin Gerber als „unreif“ darzustellen.

Vor der Matura stirbt einer der Klassenkameraden, der Grund bleibt unklar, jedoch scheint der Druck in der Schule eine Rolle zu spielen. Auch Gerber kämpft mit sich und träumt sich in die Zukunft, in der er mit Frau und Kindern – und Matura – am Esstisch sitzt. Dazu soll es nicht kommen, denn bei der mündlichen Matura dreht ihm Kupfer einen Strick. Der junge Mann weiß keinen anderen Ausweg, als aus dem Fenster zu springen und das nur einige Minuten bevor seine Klassenkameradin ihm mitteilen will, dass das Komitee gegen Kupfer gestimmt hat und ihn für „reif“ erklärt hat.

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Professor Kupfer (Helge Stradner) betritt die Klasse – Stille  © Lupi Spuma

Die Bühne (Mignon Ritter) bildet eine überdimensionale Tafel, auf der einige Formeln stehen. Im Stück wird die hintere Tafelwand einige Male transparent und Szenen im Elternhaus oder im Kino spielen sich dahinter ab. Auf dieser Tafel sitzen die Schülerinnen und Schüler in Reih und Glied stilvoll gekleidet wie in den 30er Jahren.

Ein Klassiker, der nicht nur für Schülerinnen und Schüler sondern auch für das Lehrpersonal von Interesse ist und zum Denken anregt.

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Big Brother is watching YOU – Die Mitwisser

BILD: Clemens Maria Riegler, Sarah Sophia Meyer, Henriette Blumenau © Lupi-Spuma

 

Die Technik ist ja schon etwas Schönes, oder? Mit einem Smartphone hat man bekannterweise schon fast die halbe Welt in einer Hand und sprechen kann man mit dem Ding auch schon! Wie es wäre, wenn man sich so ein Multitalent in Menschenform ins Haus holt, zeigt das Stück „Mitwisser“, eine Idiotie von Philipp Löhle, im Schauspielhaus unter der Regie von Felicitas Braun. Es zeigt die guten und vor allem auch die schlechten Seiten der modernen Technologie.

Ein Multitalent für daheim. Das ist der Herr Kwandt! Theo Glass holt sich Herrn Kwandt in sein Haus, jedoch schlägt die anfängliche Freude schnell um. Die Kwandt-Generation übernimmt langsam die Welt und alles beginnt mit dem Unterschreiben der AGBs – liest ja vorher keiner.

Anna, Theos Ehefrau, scheint zu Beginn nicht begeistert und versteht nicht, warum ihr Gatte den Herrn Kwandt überall hin (ja wirklich überall hin) mitnimmt. Nachdem sie jedoch ihren ganz eigenen Herrn Kwandt bekommen hat und endlich schwanger wurde, wird durch einen analytischen Test klar: Sie passt mit Theo nur zu 11 % zusammen und das ist der Schwangeren zu wenig. Sie verlässt Theo und dieser verliert die Nerven.

Das Bühnenbild stellt das Netz der Daten, das unsichtbar über uns im Internet hängt, dar und der Boden aus Schaumstoff zeigt, wie gut wir in unserer Naivität gepolstert sind. Daten werden täglich von uns aufgezeichnet und wir geben diese auch bereitwillig her. Dies zeigt sich an den Besuchern, denn alle nehmen bereitwillig an einem unsinnigen Fragebogen teil. Beauty-Blogger und Fitness-Apps werden im Stück auf die Schaufel genommen, jedoch macht erst die Nähe zur Realität den Witz erst witzig und gleichzeitig erschreckend.

Ein Stück für alle, die ihren Browser-Verlauf (noch) nicht regelmäßig löschen und einen neuen Blick auf die Technologie und das Internet gewinnen wollen.

Tickets und mehr Infos unter: Schauspielhaus Graz