Der zweifelnde König

Die polnische Opernrarität „König Roger“ von Karol Szymanowski begeisterte mit dichter Musik und spannendem Erzählstil.

(c) Werner Kmetitsch

Schwarz und Gold zeichnet sich die Bühne ab, zugegeben nichts Neues, aber doch in diesem Fall eine sehr stimmungsstarke Kombination. Die Bühne von Katrin Lea Tag bedient sich weniger, aber groß angelegter Kniffe, die mit dem flutenden Lichtdesign von Sebastian Alphones einen beeindruckenden Gesamteindruck bewirken. Generell lässt auch die Inszenierung von Holger Müller-Brandes die Oper für sich selbst stehen und wirken – ein Konzept, das bei dem Musikexport aus Polen voll aufgeht. Mit großer Spannung geht die Geschichte des zweifelnden Rogers über die Bühne. Seine innere Zerrissenheit spiegelt sich in Gestik, Licht, Ausdruck und Musik wider. Der lettische Bariton Valdis Jansons gibt König Roger II. von Sizilien eine sonore, tief ernste Stimme, schwankt in seinem Charakter zwischen mürrisch und verzweifelt. Erst ganz zum Ende, als er aufgibt und sich zum Opfer erklärt, scheint Jansons sein volles Volumen auszuschöpfen und unterstreicht damit die Bedeutung dieses letzten Aktes des Titelhelden.
Als seine Gattin Roxane, die verführerisch auftritt doch schließlich selbst verführt wird, nutzt Aurelia Florian vor allem starke Vibrati als ihr Ausdrucksmittel. Melodisch süßlich Zartes bleibt trotz Erwartens meist aus. Musikalisch kommt diese Rolle dem Hirten zu, der in hohen Bögen zahlreiche Verheißungen verspricht. Andrzej Lampert fügt seinen hellen Tenor nahtlos in diese Rolle ein, so nahtlos, dass man sich manchmal ein paar Kanten gewünscht hätte. Manuel von Senden hingegen, gab den Berater Edrisi mit charakteristisch schneidender Färbung. Eine besondere Rolle in dieser Oper kommt auch dem Volk zu, das sich als Chor mehrfach eindrucksvoll artikuliert. Chor und Singschul‘ der Oper Graz verstärken mit ihrer wandelbaren Präsenz in der Handlung die tragische wie mystische Grundstimmung des Werkes. Ebenso schlüssig wirkt der Einsatz des Balletts, das erst als neugieriger Anonymus und dann als entfesselter Verehrer dem Hirten folgt.

(c) Werner Kmetitsch

Roland Kluttig, der die Grazer Philharmoniker erfreulicherweise auch in Zukunft noch öfter leiten wird, beweist eine kluge Führung durch die facetten- und effektreiche Partitur Szymanowskis. Den hier lautmalerisch, da abstrakten Einsatz verschiedener Instrumentengruppen gestaltet er offenkundig, aber ohne ihn zur Schau zu stellen. „Diese Musik hat eine Sogwirkung“ weiß Kluttig auch im Nachklangsgespräch im Anschluss an die Oper zu erzählen, und ihm sei an dieser Stelle voll und ganz zugestimmt! Diese selten aufgeführte Oper in einer so schlüssigen, wie fesselnden Inszenierung zu hören und sehen, sollte man sich nicht entgehen lassen. Weitere Aufführungen gibt es noch am 5.4., 28.4. und 4.5.

Weitere Informationen zu dieser und anderer Produktionen der Oper Graz unter:
https://www.oper-graz.com/production-details/konig-rogerkrol-roger

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