Ein Tanz durchs Jahr in Bildern – Die Jahreszeiten

Bild: Philipp Imbach, Lucie Horná, Statisterie der Oper Graz © Ian Whalen

Die Grazer Oper wird zur Galerie, denn im Ballett „Die Jahreszeiten“ erwachen Bilder verschiedener Epochen zum Leben und tanzen durchs Jahr.  

Eine Gemäldegalerie – grau und trist – wird erst durch ihre Gemälde bunt und lebendig. In diesem Fall wirklich lebendig, denn die Figuren aus den Kunstwerken stehen auf der Bühne und verzaubern das Publikum mit einer Vielfalt an tänzerischen Stilen. Spitzentanz, ländlicher Tanz, Rokoko – alles ist dabei. Nicht nur die Choreographie von Beate Vollack macht das Stück zum Hit, denn auch die Kostüme sind beeindruckend farbenfroh und originell. Bis zu 16 Kostümwechsel werden durchgeführt und spiegeln die Vielfalt der Jahreszeiten wider. Passend zu den Jahreszeiten wechseln auch die gigantischen Gemälde auf der Bühne, die sich immer wieder wie durch Zauberhand bewegen und  den Chor zum Vorschein bringen.

Musikalisch hat Joseph Haydn mit seinem Oratorium einen bunten Mix kreiert in dem jede Jahreszeit einen eigenen Touch bekommt. In der Grazer Oper begleitet das Orchester unter der musikalischen Leitung von Robin Engelen die Tänzer hervorragend durch das Jahr.

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Ballett der Oper Graz, Chor der Oper Graz
© Ian Whalen

 

Es hat alles miteinander harmoniert und perfekt zusammengespielt, doch dann tanzte ein Schaf aus der Reihe! Mit seiner verrückten Art machte es das Stück besonders unterhaltsam, doch auf keinen Fall belämmert!

Mehr Infos und Karten unter Oper-Graz.at

Lucia di Lammermoor entfachte bei Grazer südländisches Temperament

Ana Durlovski (Lucia), Pavel Petrov (Edgardo di Ravenswood) © Werner Kmetitsch

Die Premiere der italienischen Oper „Lucia die Lammermoor“ entfachte anscheinend bei dem Grazer Publikum südländisches Temperament. Der Saal tobte nach der Vorstellung – aber nicht nur vor Beifall! Den Sängern wurde begeistert applaudiert und „Bravos!“ sowie andere Jubelrufe untermalten die euphorische Stimmung. Dieser wurde jedoch schlagartig ein Ende gesetzt, als die Regisseurin (Verena Stoiber) die Bühne betrat: Jaulen, Klagen und Boo-Rufe erfüllten den Raum. Die hinteren Reihen verließen daraufhin abrupt den Saal. Was war denn da los?

Die Grazer Oper bringt unter der Regie von Verena Stoiber mit dem dramma lirico „Lucia die Lammermoor“ von Gaetano Donizetti die Geschichte einer wahnsinnig unglücklichen Liebe auf die Bühne. Das Stück spielt ursprünglich im 16. Jahrhundert, jedoch wurde für diese Inszenierung eine kleine Zeitreise ins 19. Jahrhundert in ein Operationstheater gemacht. Dies soll jedoch nicht nur die einzige Abweichung vom Original bleiben.

Lucia und Edgardo sind unsterblich ineinander verliebt, jedoch steht dieser Liebe etwas im Wege. Ihre Familien sind verfeindet und billigen diese Beziehung nicht. Als Lucias Bruder Enrico von der Liebesbeziehung erfährt, schwört er Rache. Durch einen gefälschten Brief gelingt es Enrico seine Schwester glauben zu lassen, dass ihr Edgardo untreu ist. Gebrochenen Herzens willigt sie ein, Arturo, den ihr Bruder für sie ausgesucht hat, zu heiraten. Vor der Hochzeit kommt es jedoch noch zu einer Abtreibung, bei der Enrico behilflich ist.

Am Hochzeitstag stürmt Edgardo die Feier und verflucht Lucia an Ort und Stelle für ihre Untreue. Diese folgt unglücklich ihrem neuen Gatten in die Hochzeitsnacht, in der auf  Arturo eine – nein, eigentlich zwei blutige Überraschungen warten. Lucias Rock ist blutdurchtränkt und ein totales Turnoff für den Herrn. Da betritt ein Priester die Bühne und ersticht im Blutrausch den frisch Verheirateten. Anschließend stellt der Pfarrer die hilflose Frau als Täterin dar. Diese scheint wegen der (misslungenen) Abtreibung dem Fieberwahn verfallen zu sein und singt im Wahnsinn bis in ihren Tod.

Edgardo ist zutiefst erschüttert. Sein einziger Ausweg scheint der Tod zu sein und er erschießt sich.

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Ana Durlovski (Lucia)
© Werner Kmetitsch

Einige der Szenen waren irrelevant und irritierten, wie das Gruppenduschen nackter Frauen verschiedenen Alters zu Beginn oder der epileptische Anfall, bei dem sich eine jungen Frau stöhnend, robbend am Boden umherwälzte.

Diese Inszenierung wollte vielleicht dem Publikum den Kopf verdrehen, jedoch führte  sie nur zu einem durchdrehenden Publikum am Ende. Vielleicht war es die Bühne, die ihnen durch ihre ständigen Drehungen einen Drehwurm verpasste. Eine Seite der Bühne stellte (sehr minimalistisch) ein Operationstheater dar und die andere Seite sah aus, als wäre sie noch in Arbeit und einfach nicht sehenswert.

Das Orchester harmonierte fantastisch mit den hervorragenden Sängern und begeisterte das Publikum musikalisch. Ana Durlovski als Lucia verbreitete während der Wahnsinnsarie Gänsehaut und Pavel Petrov sang und spielte Edgardo mit voller Leidenschaft.

Musikalisch begeisterte das Stück die Masse, jedoch ist es inhaltlich und optisch eher gewöhnungsbedürftig.

Lucia di Lammermoor ist noch bis Juni in der Grazer Oper zu sehen.

Tickets: hier.

DIE ZEITUNG macht Mörder – Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Bild:  Yvonne Klamant (Katharina Blum), Amelie Bauer (Trude Blorna), Martin Niederbrunner (Dr. Hubert Blorna), Helmut Pucher (Werner Tötges), Christoph Steiner (Ludwig Götten), Michael Großschädl (Peter Hach) © Lupi Spuma

Schlagzeilen können gewaltsam sein! Dies wird im Stück „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ im Next Liberty spürbar, denn „Fake-News“ zerstören das Leben der jungen Katharina Blum. Heinrich Bölls Erzählung aus dem Jahr 1974 ist ein Pamphlet gegen Sensationsjournalismus und trifft auch noch heute den Zahn der Zeit. Der Regisseur Kristo Šagor verleiht Katarinas Geschichte einen modernen Touch und besonders die dynamische Erzählweise ergreift und fesselt das Publikum voll und ganz.

Ein Foyer im 70er-Jahre Stil, in dem die Wände mit dunklem Holz verkleidet sind, bildet die Bühne. Zwei Glastüren führen zu Katharinas Wohnung, in der ein Bild Bölls hängt und in der sie wie in einem Glaskasten unter Beobachtung steht. Die Polizei, die Presse und dann die ganze Nachbarschaft, alle Aufmerksamkeit scheint auf die 27-jährige gerichtet zu sein. Die junge Frau ist umgeben von Männern, die Aussagen über sie treffen und alles was sie geschaffen hat, gegen sie verwenden. Das Patriarchat zeigt, welche Macht es hat und bringt die Frau zu ihrem Ende.

Alles begann an einem Tanzabend, wo Katharina (gespielt von Yvonne Klamant) Ludwig Götten (Christoph Steiner) kennen und lieben gelernt hat. Ohne von seiner kriminellen Vergangenheit zu wissen, nahm sie ihn anschließend mit nach Hause. Am nächsten Tag jedoch steht die Polizei vor ihrer Haustür und nimmt sie mit auf die Wache. Ihr wird nicht nur unterstellt eine Komplizin Göttens zu sein, sondern vieles mehr – bis hin zur Prostitution. DIE ZEITUNG macht diese Unwahrheiten publik und zerstört Katharinas Ruf zur Gänze. Die junge Frau sieht keinen anderen Ausweg, als den Journalisten Werner Tötges (Helmut Pucher) zu erschießen und sich anschließend der Polizei zu stellen.

Auf der Bühne stehen nicht nur Katharina Blum sondern auch sechs weitere Erzählfiguren, die immer wieder in andere Rollen schlüpfen, um die Geschichte zu erzählen. Der Dialog zwischen diesen Figuren ist dynamisch, rasant und geschickt aufgeteilt. Durch die ans Publikum gerichtete Erzählweise hören die Zuschauer gefesselt zu und die Unstimmigkeiten zwischen den Erzählern und den Erzählerinnen machen das Ganze besonders amüsant.

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© Lupi Spuma

Diese hervorragende Umsetzung von Bölls Erzählung zeigt einen Krimi mit einem Hauch Liebe und viel Humor, die dennoch die Ernsthaftigkeit des Themas klar auf die Bühne bringt.

Sehr empfehlenswert für Jugendliche sowie Erwachsene und noch bis Mitte Mai im Next Liberty zu sehen.

Tickets: hier.